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Allgemein:
Der Name des Kochers ist keltischen Ursprungs und bedeutet so viel wie
gekrümmter, in Windungen dahinfließender Fluss.
Der Kocher hat ein Einzugsgebiet von etwa 2000km². Er ist 182km lang und
überwindet auf seiner Reise von der Quelle bis zur Mündung einen
Höhenunterschied von 356,4m. Das durchschnittliche Gefälle beträgt 1-5‰. Bis
zu Flusskilometer 149,482 zählt er zu den Gewässern I.Ordnung, untersteht
also bezüglich seiner Unterhaltung den Gewässerdirektionen, als obere
Wasserbehörden. Der
mittlere Niedrigwasserabfluss (MNQ) beträgt im Unterlauf etwa 4,7m³/s, der
mittlere Abfluss (MQ) 22,4m³/s und der Abfluss im 100-jährigen Hochwasser
620m³/s (21.12.1993). Der Kocher ist der wasserreichste Fluss des
Ostalbkreises. Er entspringt aus zwei Quellen am Fuß der Schwäbischen Alb:
Weißer Kocher in Unterkochen, Schwarzer Kocher in Oberkochen.
Das
Quellwasser ist Regenwasser von der Hochfläche der Schwäbischen Alb, das
durch durchlässiges Kalkgestein des Karstgebirges versickert und am Fuß der
Alb aus den zwei Quellen wieder ans Tageslicht tritt. Die Quellflüsse
vereinigen sich in Unterkochen. Bei Aalen tritt der Kocher ins Albvorland
ein, bei Abtsgmünd fließt die Lein aus dem Welzheimer Wald kommend und
Adelmannsfelder Rot zu, die aus waldreichen Einzugsgebieten viel Wasser in
den Kocher bringen. Geologisch befindet sich der Kocher bis Wasseralfingen
in der Juraformation, bis Gaildorf im Keuper und im gesamten Unterlauf im
Muschelkalk. Von Wöllstein an schlängelt sich der Kocher unbegradigt durch
das Tal und verlässt in Untergröningen den Ostalbkreis. Die
Mittelwasserabflüsse (MQ) des Schwarzen Kocher betragen: 690 l/s, die des
Weißen Kocher 400 l/s und die des Kochers ab Wöllstein: 8040 l/s.

Zuflüsse: Weitere wichtige Zuflüsse des Kochers von der Quelle bis
zur Mündung sind die Untere Rot, mündet kurz vor Gaildorf linksseitig in den
Kocher , die Bühler, bei Geislingen rechtsseitig, die Kupfer, bei Sindringen
linksseitig, die Ohrn, bei Ohrnberg linksseitig und die Brettach bei
Neuenstadt linksseitig. Der Kocher mündet schließlich bei Bad Friedrichshall
in den Neckar.
Morphologischer Zustand: Der Kocher ist in seinem Mündungsbereich
durch menschliche Eingriffe stark zersplittet worden. So wird ein großer
Teil des Kocherwassers kurz nach dem Freizeitgelände Hirschfeldpark bei
Oedheim in den künstlich geschaffenen Salinenkanal abgeführt, der einige
100m unterhalb der ursprünglichen Mündung in den Neckar mündet. Die geringe,
restliche Wassermenge, die dem eigentlichen Mutterbett noch bleibt, wird in
Kochendorf abermals in zwei getrennte Läufe gesplittet, die sich erst kurz
vor der Neckarmündung wieder vereinigen. Der gesamte Unterlauf ist stark
durch menschliche Eingriffe geprägt. So finden sich auf den ersten 50km bis
Künzelsau 13 Querverbauungen, von denen die meisten für Fische und andere
aquatische Organismen völlig unpassierbar sind. Bereits die ersten beiden
Querbauwerke im Salinenkanal und alten Kocher nahe den Mündungen sind
aufgrund fehlender Vorrichtungen völlig unpassierbar für Fische. Die frisch
gegründete
Hegegemeinschaft Kocher, der auch der FV-Heilbronn angehört, hat sich
zum Ziel gesetzt, diese und viele andere Missstände des Kochers zu beheben,
so dass er möglichst bald wieder einen guten ökologischen Zustand hat.
Biologische Güte: Der Kocher hat heute beinahe durchgehend die
Gewässergüte II, ist also mäßig belastet. Der längste Teil des
Kochers zählt zu den sommerwarmen Fliessgewässern, es werden also
Wassertemperaturen über 20°C erreicht. Solche Gewässer sind durch
jahreszeitlich große Temperatur- und somit auch Sauerstoffgehaltschwankungen
gekennzeichnet. Sensible Zeigerorganismen (Bioindikatoren), wie sie in
Güteklasse I und I-II vorkommen, vertragen solch große Schwankungen nicht
und kommen deshalb dort auch nicht vor. D.h. sommerwarme Gewässer können
niemals Güteklasse I oder I-II erreichen, weil die dafür notwendigen
Lebensbedingungen der Bioindikatoren nicht gegeben sind. Sie sind deshalb
aber nicht schlechter, sondern bilden nur aufgrund anderer Voraussetzungen
einen anderen Lebensraum.
Fischbestand: Schon Max von dem Borne schreibt 1875 - "Der Kocher ist
überall ein gutes Fischwasser". Das Oberamt Neckarsulm (1881) und v. d.
Borne (1881) berichten im Kocher von heringsartigen
Maifischen (Allosa vulgaris), die sich unterhalb des Kocherwehres in Bad
Friedrichshall-Kochendorf in solchen Mengen einfanden, "daß sie sich oft
förmlich aus dem Wasser herausdrängten, und leicht mit den Händen zu greifen
sind". Häufigste Fischart des Kochers damals war die
Nase.
Heute steht sie auf der
Roten Liste und
man findet sie im Kocher noch stellenweise in mäßig großer Anzahl. Schuld am
Rückgang dieser und vieler anderer Arten sind die Gewässerverschmutzung und
die unpassierbaren Querverbauungen, die zum einen ein Erreichen der
flussaufwärts gelegenen Laichgebiete unmöglich machen und zum anderen zur
Verschlammung der Gewässersohle im aufgestauten Bereich führen, so dass dort
die Laichgebiete zerstört werden. Auch das veränderte Strömungsbild des
Gewässers durch die vielen Stauwehre führte zu einer Veränderung des
Artenspektrums des Kochers, so das die einst überwiegenden rheophilen (strömungsliebend) Arten,
teilweise verschwunden sind. In den Abschnitten, wo Aufstauungen nicht zum
Tragen kommen, zählt der Kocher aus fischereilicher Sicht zu der
Barbenregion, in den Oberwassern von Staubereichen, wo zum Teil Tiefen von
mehr als 3m erreicht werden, zeigt er deutliche Charakteristika einer
künstlich geschaffenen Brachsenregion. Besonders erwähnenswert ist der sehr
große Bestand des
Scheiders, der ebenfalls auf der roten Liste geführt wird und
ganzjährigen Schutz genießt. Weitere Fischarten sind:
Bitterling,
Stichling,
Elritze,
Mühlkoppe,
Schmerle,
Gründling,
Laube,
Hasel,
Döbel,
Barbe,
Nase,
Brachse,
Rotauge,
Karpfen,
Schleien,
Bachforellen,
Hecht,
Zander
und Aal.
Bewirtschaftete Strecke: Der FV-Heilbronn bewirtschaftet den Kocher
auf einer Strecke von ca. 13,5km, was in etwa einer Wasserfläche von 42,75ha
entspricht. Der unterste Abschnitt des bewirtschafteten Bereichs bis zur
Gemarkungsgrenze Hagenbach/Oedheim ist im Durchschnitt ca. 90cm tief. Nur
der Bereich um die Gemarkungsgrenze Hagenbach fällt bereits in den Einfluss
des Rückstaus (Stauwurzel) des Hagenbacher Wehres und ist folglich etwa 1,2
- 1,7m tief. Die Gewässersohle des gesamten Abschnitts ist abwechselnd
steinig-felsig und ein gutes Reproduktionshabitat für so genannte
Hartsubstratlaicher wie Nase, Barbe und Hasel. Es herrscht eine schnelle
Strömung mit einzelnen Schnellen mit turbulenter Strömung vor. Die Strecke
ist ein "Paradies" für Fliegen- und Spinnfischer. Dieses Stück endet an der
Fischwassergrenze "Heil" auf Höhe des Musikerheimes ca. 200m unterhalb der
Wehranlage Oedheim (Karte). Der
nächste Abschnitt folgt ca. 300m oberhalb der Wasserkraftanlage Heil/Oedheim.
Er ist durchgehend von größerer Tiefe und träger
Strömung geprägt. Hier kommt der Stau des ca. 300m flussabwärts gelegenen
E-Werkes Oedheim zum tragen. Abschnittsweise findet man größere Felder mit
Wasserpflanzen, wie z.B. Seerosen und ähriges Tausendblatt sowie Bereiche
mit ausgeprägten Totholzstrukturen. Entsprechend der gewässerspezifischen
Charakteristika dieses Abschnittes - Brachsenregion - findet man vor
allem folgende Fischarten: Karpfen, Schleie, Zander, Hecht, Wels, Brachse,
Rotauge, Gründling.
Etwa 4km flussaufwärts in etwa auf Höhe des Steinbruchs Stein
bei Buchhof (Karte) wechseln sich flache, stark strömende Bereiche mit tieferen
Zonen ab. Hier ist die Gewässersohle steinig-kiesig und gut strukturiert.
Mehrere Schnellen mit turbulenter Strömung reichern das Wasser mit
Sauerstoff an. Das Ufer ist zum größten Teil mit Sträuchern und Bäumen
bewachsen. Häufig findet man Weiden, die ins Wasser ragen. Sie bieten vielen
Fischen Unterstände und Schutz. Häufig findet man hier rheophile Arten, sowie
typische Vertreter der Barbenregion. Das Artenspektrum ist sehr groß.
Dieser noch weitestgehend naturnahe Bereich,
zieht sich bis zum Wehr in Kochertürn. Auf Höhe Degmarn befindet sich der
Messpegel Stein, der von der LfU betrieben wird und dessen Wasserstand
man im Internet abrufen kann. Die Restwasserstrecke des Wehres Kochertürn
ist aufgrund der reichen Strukturierung und der stark variierenden Strömung
eine ideale Kinderstube für viele Fische. Bei einer Bestandserhebung im
Oktober 2003 wurden neben Schneider, Bitterling, Schmerle, Groppe, Elritze,
Laube, Stichling, Gründling auch juvenile Nasen und Barben nachgewiesen.
Oberhalb des Wehres in Kochertürn, wo das aufgestaute Wasser Tiefen von 3m
erreicht, befinden wir uns aus fischereilicher Sicht wieder in der
Brachsenregion. Träge Strömung, steinig-schlammiger Untergrund, Büsche und
Sträucher, die weit ins Wasser ragen, sowie einige ins Wasser umgestürzte
Bäume prägen diesen Abschnitt. Erst ca. 2,5km oberhalb des Wehres findet man
wieder die ersten flachen Abschnitte mit turbulenter Strömung. Kurz vor
Neuenstadt reichert ein natürlicher Absturz von ca. 40cm das Kocherwasser
mit Sauerstoff an. 500m oberhalb mündet linksufrig die Brettach in den
Kocher. Bis zur Brücke nach Bürg wechseln hier tiefe und flache Zonen im
regelmäßigen Abstand. Der Kocher ist in diesem Bereich sehr
abwechslungsreich und gut strukturiert. Von der Brücke Bürg bis zur alten
Eisenbahnbrücke in Richtung Gochsen herrscht tieferes Wasser vor. Ab der
Eisenbahnbrücke dominieren Flachwasserabschnitte mit starker bis turbulenter
Strömung. Kurz vor der Fischwassergrenze zu Gochsen findet sich als echte
Rarität eine Insel im Kocher. Die Gewässersohle ist sehr abwechslungsreich
und besteht aus steinig-kiesigem Material - ideales Laichgebiet für
Hartsubstratlaicher, wie es die meisten rheophilen Arten sind. Hier grenzt
unser Fischwasser an das des Sportfischervereins Gochsen.
Der nächste Abschnitt, der vom FV-Heilbronn bewirtschaftet wird, beginnt an
der Straßenbrücke kurz nach der Ortsausfahrt Hardthausen/Kochersteinsfeld in
Richtung Möglingen. Die gesamte Strecke ist knapp 2 km lang. Tiefere Stellen
kommen nur nahe der oberen Grenze vor, ansonsten ist die Strecke kaum tiefer
wie 0,75 - 1m . Auch hier handelt es sich um ein sehr abwechslungsreiches,
reich strukturiertes Teilstück des Kochers. Flussaufwärts grenzt das
Fischwasser an die Strecke des Obersulmer Vereins - Breitenauer See.
Fischerei: Der Kocher ist Bestandteil der
Flussfischererlaubnis
aktiver Mitglieder des FV-Heilbronn. Das Gewässer darf das ganze Jahr
beangelt werden. Weitere
Informationen finden Sie in den Fangunterlagen. Gesetzliche Bestimmungen
sind zu beachten.
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