Fischereiverein Heilbronn e.V.

gegründet 1887

A n g e l n  -  E n t s p a n n e n  -  H e g e n  -  S c h ü t z e n  -  P f l e g e n

Mauer aus Naturstein macht Bachlandschaft erlebbar
Von snp

Eine terrassenförmig angelegte Natursteinmauer schützt die Böschung der Sulm unter der B 27-Brücke vor Hochwasser. (Foto: Bracht)

Neckarsulm - Im südlichen Stadtpark von Neckarsulm ist die Sulm wieder zunehmend als landschaftsprägendes Element erlebbar. Neue Einblicke in die Bachlandschaft gewährt eine gestaltete Hangsicherung unter der Talbrücke der Bundesstraße 27. An dieser Stelle unterhalb des Festplatzes im Pichterich hat die Stadt Neckarsulm das Ufer auf beiden Seiten der Sulm mit Blocksteinen aus Muschelkalk befestigt. Für diese ebenso Maßnahme zur Ufersicherung hat die Stadt 67 000 Euro ausgegeben.

Aus jeweils rund 1,3 Tonnen schweren Kalksteinquadern wurde eine terrassenförmig angelegte, bis zu 23 Meter lange Staumauer gebildet. Dieses Natursteinbauwerk verhindert, dass die Böschungen vom Hochwasser ausgespült und beschädigt werden. Bislang waren die unbewachsenen Böschungen Hochwasserereignissen schutzlos ausgeliefert, weil unter der Straßenbrücke keine Vegetation gedeiht.
Statt der natürlichen Ufersicherung beugt jetzt das künstliche Bauwerk der weiteren Bodenerosion vor. Um die Natursteinmauer passend in die Landschaft zu integrieren, werden im Übergangsbereich zu den Erdböschungen noch standortgerechte Bäume und Sträucher gepflanzt. Schließlich dient der gestaltete Uferschutz auch einer besseren Wasserqualität. Zwischen den Steinhängen wurden zusätzliche Quader in das Bachbett eingelassen. Das Wasser, das sich an diesen Flusssteinen bricht, wird aufgewirbelt und so mit Sauerstoff angereichert. Auch dieses kleine Naturschauspiel trägt dazu bei, dass die Sulm im Naherholungsgebiet Stadtpark wieder verstärkt als lebendiges Gewässer wahrgenommen wird. snp

(aus der Heilbronner Stimme 22.10.2007)


Wem das Wasser bis zum Hals steht
Von Uwe Ralf Heer

Zwei Männer sind eins mit dem Fluss. Markus Schmidt (links) aus Gundelsheim und Heiko Lustig aus Höchstberg bei ihrer Leidenschaft: dem Fliegenfischen in der Seckach. (Fotos: Jürgen Kümmerle)

Roigheim/Möckmühl - Es ist kühl an diesem Samstagmorgen im Juni. 12 Grad zeigt das Thermometer an. Die Kirchturmuhr hat gerade sieben Mal geschlagen. Leichte Nebelschwaden liegen über den Feldern. Am Ufer der Seckach, dem kleinen Flüsschen, das Möckmühl und Roigheim im nördlichen Landkreis Heilbronn verbindet, bereiten sich Heiko Lustig und Markus Schmidt auf ihre Freizeitbeschäftigung vor.

Die beiden Angler vom Fischereiverein Heilbronn haben ihren Einsatzort erreicht. Die wasserdichte Kleidung wird ruhig und ohne Hektik übergestreift, das Fangnetz auf dem Rücken verstaut, die Angel zusammengeschraubt. Nur 180 Gramm wiegen Rute und Rolle - hochprofessionell und nicht gerade billig ist die Ausrüstung. Ein paar tausend Euro sind da schnell weg. Eine letzte Zigarette, dann führt der Weg über die rutschige Böschung hinein in den Fluss. Im Jagsttal gehen sie ihrem liebsten Hobby nach: dem Fliegenfischen.
Sich fallen lassen „Hier kann man total vom Alltag abschalten. Und sei es mal nur für ein paar Stunden, wenn ich genervt bin“, sagt Heiko Lustig. Der schlanke 35-Jährige kommt aus Höchstberg und arbeitet wie sein Anglerkollege Markus Schmidt, der in Gundelsheim lebt, bei Audi. Die beiden verstehen sich. Auch ohne große Worte. Angeln bedeutet vor allem: Sich in der Natur fallen lassen. Eins sein mit der Landschaft und ihre Reize genießen.
Das schätzen viele. 650 aktive Mitglieder hat der Fischereiverein Heilbronn. Bevor sie ihrem Hobby frönen dürfen, muss der Angelschein gemacht werden. 800 mögliche Fragen gibt es, 60 werden gestellt, 45 gilt es richtig zu beantworten. Angler sind mehr als nur Zeitgenossen, die am Ufer im Klappstuhl sitzen und aufs Wasser blicken. Sie hegen und schützen die natürlichen Lebensräume, sie pflegen die Gewässer und sorgen sich ums ökologische Gleichgewicht.
Los geht’s. Die ersten Schritte im fließenden Gewässer sind für einen Angel-Neuling ungewohnt.

Welcher Köder darf’s denn sein? Es gilt, die Farbe der in diesen Tagen über die Seckach flirrenden Maifliege zu imitieren, um die Fische damit anzulocken.

„Achtung, nicht ausrutschen“, ruft Markus Schmidt. Er weiß warum. Im dicken Neoprenanzug begleiten Autor und Fotograf die beiden Angler beim Marsch durch den Fluss. Vorsichtige Schritte auf glitschigem Untergrund. Hinfallen sollte man tunlichst vermeiden - das Wasser hat mit 12 Grad alles andere als Badewannentemperatur.
Jetzt stehen wir in der Mitte der Seckach. Bis zum Bauchnabel reicht das Wasser, das ruhig am Körper vorbeifließt. Es wird ein bisserl kühler. Ganz sanft werfen die Angler die Rute aus. Mal mit einem Rollwurf, mal mit dem Überkopfwurf. Wie ein schneller Blitz gleitet die Angelschnur mit dem Köder über die glatte Oberfläche. Fliegenfischen hat viel mit Technik und jahrelanger Übung zu tun. Klatscht die Schnur zu sehr auf die Wasseroberfläche, sind die Fische gewarnt. Alles Übungssache.
„Ich bin seit meinem zehnten Lebensjahr Angler“, erzählt Markus Schmidt. Der 33-Jährige hat einen Blick, wo sich die Fische aufhalten. „Wenn das Wasser klar ist, dann sehen einen die Fische schnell“, sagt er. Die Seckach ist ein klares Gewässer. Bis zu fünf Meter tief und 14 Meter breit. Ein nur mäßig belasteter Fluss mit zahlreichen Fischarten: Saibling, Äsche, Aale und die Bachforelle sind hier unter anderem zuhause. Die Angler bauen den natürlichen Fischbestand immer wieder auf. Zudem ist für Jeden genau reglementiert, dass hier im Monat nur fünf Mal geangelt wird und man nur fünf Fische fangen darf.
Wo schwimmen die Fische heute Morgen? „Man muss das Gewässer lesen und erkennen, wo die Fische stehen können“, sagt Markus Schmidt. Es gilt, den Durchblick zu behalten. Dazu dient beiden die Polarisationsbrille, die die Wasseroberfläche entspiegelt. Ein ums andere Mal ist das Surren zu hören, wenn die Angel ausgeworfen wird. Als Köder dienen die gekauften Maifliegenimitationen. Die „Originale“ dieser Fliegen schwirren derzeit über die Seckach. Die Fische lassen sich nicht bluffen. Sie wissen, zu welcher Jahreszeit welche Fliegen unterwegs sind. Wenn sich ein Angler nicht auskennt und den falschen Köder benutzt, wartet er lange. Wir warten heute nicht lange. „Ich habe einen Biss“, ruft Heiko Lustig. Aktivität zahlt sich eben doch aus. „Nur rumstehen ist nicht mein Ding. Wir bewegen uns lieber beim Fischen“, sagt

700 Gramm wiegt diese Bachforelle, die Heiko Lustig aus dem Fluss herausfischte. Artgerechte Behandlung ist für die Angler eine Selbstverständlichkeit.

Heiko Lustig. Ob hier, am Kocher und dem Neckar - oder im Urlaub.
Kein Anglerlatein Sie träumen vom Anglerurlaub in Ägypten oder Kanada und schwärmen vom großen Fang. Der ist kein Anglerlatein, sondern kann fotografisch belegt werden. Im bayerischen Gunzenhausen hat Schmidt einen 2,34 Meter langen und 87 Kilo schweren Wels aus dem Fluss gefischt. Und beide gewannen vor zwei Wochen den Kampf gegen zwei 57 und 55 Zentimeter lange Forellen. „Die haben richtig Rabatz gemacht, da muss man sich schon anstrengen, bis man sie aus dem Wasser hat“, sagt Schmidt.
Heute macht die Bachforelle keinen Rabatz. Heiko Lustig hat sie am Haken. Ihr letztes Stündchen hat geschlagen. Irgendwie sieht sie putzig in dem mit Gras ausgelegten Bastkorb aus, wo die 700 Gramm schwere Bachforelle jetzt hineingelegt wird. Artgerecht und fair geht es zu. „Fliegenfischen ist schonend für die Fische“, sagt Markus Schmidt und stapft im Fluss weiter. Immer wieder werfen sie die Angel aus. Der große Fang wird es nicht mehr. Muss ja auch nicht sein. Es geht um andere Werte.
Wenn sich die beiden durchs Wasser bewegen, wird man an einen Oscar prämierten Film erinnert. „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ - so heißt das Meisterwerk von Robert Redford mit Brad Pitt. Ein Muss für jeden Fliegenfischer ist diese Hollywood-Produktion. Auch für Heiko Lustig: „Ich spiele bei meinem Rekorder immer eine Stunde und 18 Minuten vor, bis die eine Szene kommt.“ In dieser Einstellung sagt Brad Pitt, der übrigens sechs Wochen lang das Fliegenfischen intensiv erlernte: „Heute ist ein wahrhaft guter Tag.“ Auch im Jagsttal ist heute ein wahrhaft guter Tag. Die ersten Sonnenstrahlen kämpfen sich durch die dichten Bäume. Die Vögel zwitschern. Heiko Lustig und Markus Schmidt kraxeln die rutschige Böschung hinauf und laufen um die Mittagszeit über den Feldweg zurück zu ihren Fahrzeugen.
„Ich gehe immer zufrieden nach Hause. Zumal das irgendwie schon eine sportliche Leistung ist, wenn man durchs Wasser läuft und sich durchs Gebüsch kämpft“, sagt Markus Schmidt. „Wer fünf oder sechs Stunden im Fluss rumturnt, ist echt müde“, ergänzt Heiko Lustig. Eine Zigarette wird angezündet, die verschlammten Stiefel ausgezogen. Es geht heim zur Familie. Die muss viel Geduld und Rücksicht bei solch passionierten Anglern aufbringen. Was nicht immer einfach ist, wie sie zugeben. „Aber wenn ich nicht angeln gehe, dann fehlt mir einfach was“, sagt Markus Schmidt. Heute fehlt es an nichts. Ganz gleich, wie früh oder wie kühl es ist. Angeln ist Stressbewältigung in der Natur. Auch an diesem Samstag. Und bestimmt noch an vielen anderen Tagen und Wochenenden für die beiden Fliegenfischer.

(aus der Heilbronner Stimme 04.06.2007)


Gülle-Unfall hat Kupfer nachhaltig geschädigt
von red

Kupferzell - In den 90er Jahren war die Kupfer noch eines der letzten Refugien des Edelkrebses in Baden-Württemberg. Doch bei einem Betriebsunfall im Jahr 2000 leitete ein Landwirt aus Übrigshausen rund 50 000 Liter Schweinegülle in den Fluss ein. Dies führte zu einem Fischsterben auf acht Kilometer Länge.

In der Hoffnung, der Bestand könne sich durch Einwanderungen aus den Nebenbächen regeneriert haben, haben Landratsamt und Fischereiverband nun die Kupfer bei Kupferzell-Bauersbach untersucht. Im Vorfeld hatte der Sachverständige für Gewässerökologie Dr. Berthod Kappus den Fischereiverein Bauersbach angewiesen, an mehreren Stellen Krebsköder auszulegen. Dabei wurden tatsächlich Krebse gefunden, allerdings nur zwei Exemplare des Signalkrebses. Er gilt als Schädling, weil er Edelkrebse ausrottet. Die eigentliche Heimat des Signalkrebses ist Amerika.
Anlass zur Besorgnis ergab zudem, dass kaum Kleinfische und nur geringe Bestände an Fischnährtieren gefunden wurden. Erst ab dem Einlauf des Waschbachs zeigte sich eine Vielzahl an Bachflohkrebsen, Eintagsfliegenlarven und Schnecken. Allerdings wurden in allen übrigen ausgelegten Fallen keine Krebse mehr angetroffen. Besser sieht es im Unterlauf der Kupfer aus. Trotz Ausbau des Goggenbachs und des Ohrnbachs mit Betonschalen wurde eine starke Besiedelung mit Fischnährtieren, Wasserkäfern und Libellenlarven festgestellt. Hier hat sich der ursprüngliche ökologische Zustand des Flusses wieder eingestellt.
Beim Fischen im Rinnenbach nahe der Einmündung zur Kupfer wurden weitere Signalkrebse entdeckt. Damit kann laut dem Fischereiverband „als sicher angenommen werden, dass die einheimischen Edelkrebse ein für alle Mal durch die Schadstoffeinleitung ausgerottet sind“. Die vermutlich aus Teichen im Einzugsgebiet der Kupfer stammenden Signalkrebse sind mit einem Virus, der Krebspest, infiziert. Sie selbst sind gegen den Virus resistent, einheimische Arten jedoch können dagegen keine Abwehrkräfte entwickeln. Sie gehen beim Kontakt mit Signalkrebsen ein.
Wegen der Gewässerbelastung aus der Landwirtschaft und der Betonierung fehlt den Seitenbächen zudem das Potenzial zur Regeneration des einheimischen Edelkrebsbestands. Fazit des Fischereiverbands: „Damit hat sich der Fremdling Signalkrebs das Terrain für immer erobert.“ red

(aus der Heilbronner Stimme 03.08.2007)


Betrachtungen und Begegnungen entlang des Leinbachs
Von Ulrike Maushake

Angenommen, er lebt in Niederhofen, sie in Leingarten. Da könnte er doch seine zarten Botschaften nicht per SMS senden, sondern sie mit wasserfestem Edding auf stabiles Papier schreiben und zu einem Schiffchen falten? Mit all den guten Wünschen, die man einem auslaufenden Boot mitgibt, das sich auf gefahrvolle Reise begibt, könnte er es in den Leinbach setzen, in der Hoffnung, dass es sicher in den Händen der Angebeteten landete. Derartig romantische Vorstellungen kommen einem in den Sinn, wenn man an einem Spätsommerabend durch das Leintal radelt. Zum Beispiel den Oberlauf des Baches entlang, der unterhalb der Leinburg bei Kleingartach entspringt, sich mit dem Seebach, vom Hardschlag kommend, und einem namenlosen Bächlein, das vom Neuen Berg herabfließt, verbindet, und als ansehnliches Gewässer von gut zwei Metern Breite nach Niederhofen eilt, Stetten, Schwaigern, Leingarten und Frankenbach verbindet, um dann, in Neckargartach, in den Neckar zu münden. Kleingartach, Großgartach, Neckargartach - die Ortsnamen erinnern an den früheren Namen des 25 Kilometer langen Bachs: die Gartach, die jetzt offiziell Lein heißt, aber Leinbach genannt wird. Der Radweg entfernt sich immer wieder vom Bachlauf, der mit seiner Uferböschung wie ein grünes Band das Tal durchzieht. Alte Weiden mit verdrehten, hohlen Stämmen, Erlen, Holunderbüsche und Eschen säumen den Bachlauf, bilden einen grünen Tunnel, als wollten sie den Bach schützend verbergen. Fruchtbar, das Land am Bachlauf. Vor der Silhouette des Heuchelbergs liegen Weiden, Streuobstwiesen, Felder, Gärten, in denen Astern und Dahlien leuchten. Heuduft, Dunggeruch. Der Kies knirscht unter den Fahrradreifen, der Bach erzählt sich was. Junge Bussarde lernen, den unflätigen Beschimpfungen der Krähen mit Würde zu begegnen. Das Läuten von Kirchenglocken unterstreicht die ländliche Idylle. An diesem milden Abend zieht es die Menschen vor die Haustür. Ein Plausch in Stetten mit Helmut Schilling, der seine Maisernte zusammen flicht und sie zum Trocknen aufhängt. Mit den Körnern bringt er die Hühner durch den Winter. In Niederhofen trifft man auf Robert Hamlin, der liebevoll seinen Hanomag-Oldtimer pflegt. Der 81-jährige Willi Heuser klettert mit der Brühschöpfe in den Bach, um Wasser für seinen Garten zu holen. Aus dem 17. Jahrhundert stammt die Mühle von Ernst Eßlinger, die, seit die Lein in Niederhofen zum Teil kanalisiert wurde, mit Elektrokraft betrieben wird. Im Mühlengarten leuchten letzte Rosen im Septemberlicht, brechen einem das Herz. Überall Menschen, die viel von dem Bach zu erzählen wissen, an dem sie leben. Von Bisamratten, Forellen und Flusskrebsen. In einem der Zuflüsse der Lein gäbe es auch eine Flussmuschel, die auf der roten Liste stehe, sagt Schwaigerns Bürgermeister Johannes Hauser, Vorsitzender des Zweckverbands Hochwasserschutz Leintal. Er freut sich auf die Fertigstellung der Fischtreppe am Wehr bei Frankenbach, die die Artenvielfalt im Bach positiv beeinflussen wird. Einen zehn Meter breiten Streifen, rechts und links der Lein, möchte er in den Besitz der Stadt bringen, damit die Ufer nicht mehr bis an den Rand des Baches bebaut werden. Damit soll der Belastung des Gewässers durch Humus entgegengewirkt werden. Dann wird die seltene Flussmuschel irgendwann vielleicht wieder überall im Leinbach heimisch werden?

(aus der Heilbronner Stimme 10.09.2005)


Mühlscheune wird abgerissen
rk

Nach dem ersten Schritt der Arbeiten am Langenbrettacher Dauerbrenner Alte Mühle, bei dem die Restaurierung von Teilen der Außenfassade in Angriff genommen wurde, folgt bald der zweite: Der Abriss der Mühlscheune.
Der Gemeinderat hat den Abriss des alten, großen Gebäudes direkt am Mühlkanal beschlossen. Sicher ist jedoch noch nicht, was mit dem Gelände geschehen soll. Die Architekten Esther und Walter Reinmann haben einen ersten Vorschlag auf den Tisch gelegt. Danach soll das Grundstück geteilt werden. Direkt neben der Mühle sollen acht Parkplätze entstehen. Zwischen diesen und dem Mühlkanal der Brettach ist ein Treffpunkt geplant. Das heißt, dort entsteht eine Sitzgelegenheit mit Blick über die Brettach als Kommunikationsbereich, erklärte Esther Reinmann.
Der andere Teil des frei werdenden Grundstückes soll reprivatisiert werden. Die Architekten und Bürgermeister Tilman Schmidt könnten sich dort den Bau eines dreigeschossigen Hauses vorstellen. Doch darüber werden die Räte erst entscheiden, wenn die Mühlscheune abgerissen ist. Die Kosten des Abrisses konnten von der Verwaltung noch nicht beziffert werden.
Ein Problem ist die 60 Meter lange Mauer entlang des Mühlkanals. Sie muss in Verbindung mit dem Abriss der Scheune erneuert werden. Walter Reinmann geht von Kosten von mindestens 60 000 Euro aus. In diesem Preis ist die Sanierung des Wehrs und der Fischtreppe enthalten.
Zwei Drittel der Gesamtkosten werden, so hoffen die Langenbrettacher, über das Sanierungsprogramm gefördert.

(aus der Heilbronner Stimme 04.11.2004)


Von Gänsegeschnatter und einer Fliegerbombe

Es gibt viele Geschichten vom Leben an der Brettach. Der Badeplatz der Brettacher war früher immer dort, wo jetzt das TSV-Sportheim steht. Sogar ein Sprungbrett stand den Wasserratten zur Verfügung. Gegenüber war der Dreschschuppen der Familie Ehmann. Wenn von dort während des Dreschens Spreu in die Brettach geriet, tauchten die Kinder immer darunter durch. Aus Oedheim holten die größeren Kinder bald leere Flugzeugtanks, die als Kajak dienten. Gefährliche Gefährte waren das, denn sie hatten keinen Kiel. Sie kenterten häufig. Am gegenüberliegenden Talende soll einmal eine Burg existiert haben. Das war sicherlich eine "Bauernburg" mit Blick auf die Auen. Die "breiten Auen" gaben dem Fluss und dem Ort den Namen " Brettach". Der Gänsbach unterhalb des Brettacher Friedhofes wurde früher aufgestaut, bevor er in die Brettach münden konnte. Bis weit in die 50er Jahre hinein, so Herbert Schlegel, wurden alle Gänse des Ortes morgens dort hingetrieben, wurden den Tag über dort betreut, abends fanden die Tiere wieder alleine nach Hause. "Das war ein Geschnatter" lacht der Pensionär, "wenn die Gänse aufgeregt den Heimweg antraten. " Die Kinder hatten alle hohen Respekt vor den angriffslustigen Viechern. Zu Sophie Ehmann wurde auf Schubkarren Schmutzwäsche gebracht. Sie war nämlich die Besitzerin der Dorfwaschküche, die sich natürlich direkt neben der Brettach befand. Dort, oberhalb der alten Mühle, ist die Brettach schon lange zweigeteilt. 1944 flogen, so Schlegel, "massenhaft Flieger über den Ort". Ein einziger dachte wohl, er habe Übergewicht und ließ einiges fallen. Eine der Riesenbomben fiel bei der Sophie in den Garten. Zum Glück für die Brettacher. So entstand lediglich ein großer Trichter neben der Brettach. Wäre die Bombe zwischen den Häusern aufgeschlagen, hätte es sicher viele Tote gegeben. Der inzwischen 67-jährige Herbert Schlegel hatte mit anderen Kindern dem Einschlag damals zugeschaut. Der Garten gehört heute Eugen und Hilde Hespelt. Für die Hilde ging das Leben an der Brettach nur deshalb weiter, weil die Bombe zum Glück auf weiches Erdreich fiel. So musste sie sich zusammen mit der Müllers Guste nach dem Schrecken nur den Dreck aus den Augen reiben. Recht fischreich war die Brettach früher. Schon um die Jahrhundertwende wurde deshalb eine Fischtreppe am Wehr der Mühle gebaut. Die Bauweise wurde im Jahr 1909 von einem Fischereisachverständigen beanstandet. Verständlich klingt noch der Anfangsatz der Begründung: "Die am Wehr angebrachte Staffel ist keine Fischtreppe". Doch dann werden seine Erläuterungen so kompliziert, dass ein Bau nach dieser Darstellung wohl nur dem Verfasser selbst vorbehalten blieb. Der heute noch existierende Stichkanal wurde auch für die jährliche Schafschwemme genutzt. Dem Schäfer wurde nämlich das Recht eingeräumt, seine schmutzigen Wollknäuel dort zu baden und zu säubern.

(aus der Heilbronner Stimme 14.08.2003)


Putz-Einsatz am und im Leinbach

20 Jungen und Mädchen der Schwaigerner Jugendfeuerwehr säuberten gemeinsam den Leinbach und sein Ufer. Die Putzaktion gehört zur festen Einrichtung im Jahresprogramm. Bei strahlendem Sonnenschein, aber frostigen Temperaturen war die Gruppe unter der Leitung von Jugendfeuerwehrwart Gunther Lang und drei aktiven Feuerwehrangehörigen unterwegs, um das Gewässer in Schwaigern, Stetten und Niederhofen zu säubern. Das Gelände war zum Teil schwer begehbar. Ein Jugendlicher hatte einen Augenblick nicht aufgepasst. Und schwups - schon rutschte er auf dem Gras und stand mitten im Bach. Bei der Kälte war schnelles Umziehen ein Muss, danach ging's wieder eifrig ans Werk. An manchen Stellen mussten sich die Jugendlichen ausgerüstet mit einer Wathose durch das Wasser kämpfen und mit dem Misthaken den Unrat, der im Bachbett lag, an die Oberfläche holen. Der Feuerwehrnachwuchs staunte über so manches Stück, das zum Vorschein kam. Ein Einkaufswagen, Holzpaletten, ein Fahrrad, ein Kinderklappbett aus Holz, ausgediente Schuhe sowie unzählige Getränkedosen und Flaschen fischten sie aus dem Wasser. Besonders stark verunreinigt war der Leinbach im Bereich der neuen Fußgängerbrücke zur Stadtbahnhaltestelle Schwaigern-Ost, an der Bachstraße bis zur Brücke an der Theodor-Heuss-Straße. Offensichtlich gibt es immer noch so manche Mitbürger, die von einem verantwortungsvollen Umweltbewusstsein weit entfernt sind und ihren Müll auf diese Art und Weise entsorgen. Am Ende der Säuberungsaktion hatten die Jugendlichen in mühevoller Arbeit einen kompletten Container voller Unrat gesammelt. Dennoch waren sie bestens gelaunt. Schließlich wurden im Feuerwehrhaus alle Helfer mit einem zünftigen Vesper und heißen Getränken fürs Mitmachen belohnt. (gul)

(aus der Heilbronner Stimme 28.2.2003)


Nie wieder Hochwasser am Leinbach?
Von Valerie Blass 

Eine Seenlandschaft im Keller, in Schlamm watende Hühner, Land unter im Schrebergarten: Die Betroffenen werden sich an die überfluteten Grünflächen und voll gelaufenen Keller nach den ergiebigen Regenfällen im März vergangenen Jahres erinnern. Soweit soll es nicht mehr kommen. Jetzt gibt es grünes Licht für den Bau eines Dammes im Massenbachtal. Der Leingartener Bürgermeister Ralf Steinbrenner freut sich: "Kurz vor Weihnachten haben wir das letzte fehlende Grundstück gekauft." Jetzt gehören die Äcker und Wiesen rund um den Massenbach im Bereich des Schluchterner Sportplatzes der Gemeinde, die sie für den " Zweckverband Hochwasserschutz Leintal" erworben hat. Bis vor kurzem war das Projekt noch in der Schwebe gewesen, weil sich ein Schwaigerner Landwirt hartnäckig geweigert hatte, seinen Acker zu veräußern. Nordwestlich der B 293, im Grenzbereich zwischen Leingarten und Schwaigern, soll ab Frühjahr 2003 ein Hochwasserdamm entstehen, mit dem mögliche Fluten des Massenbachs gezügelt werden sollen. Dafür wird ein Erddamm quer ins Tal geschüttet, erklärt der Schwaigerner Bauamtsleiter Claus Rehder. Ein Durchlassbauwerk in der Mitte sorge dafür, dass nur soviel Wasser durchfließe, wie durchfließen soll. Die Fläche hinter dem Damm werde eingestaut. Die 15 von der Gemeinde Leingarten erworbenen Felder werden nicht etwa betoniert, wie der Begriff "Hochwasserrückhaltebecken" vermuten lässt. Sie liegen brach, wie Ralf Steinbrenner erklärt. Diese weitere Schutzmaßnahme nach dem Bau des Beckens zwischen Schwaigern und Stetten soll dazu beitragen, dass weniger Wasser vom Massenbach in den Leinbach eingespeist wird und in Richtungen Leingarten und weiter nach Frankenbach und Neckargartach fließt. "Das ist ein wichtiger Baustein für den Hochwasserschutz im Leintal ", sagt der Leingartener Rathauschef. Am 19. Februar berät der Hochwasserzweckverband Leintal über die weiteren Schritte: Die Verbandsversammlung will den Baubeschluss fassen und die Ausschreibungen beschließen.

(aus der Heilbronner Stimme 17.01.2003)


Müller will mehr Sicherheit

Streit der Jäckle-Mühle Neuenstadt mit Landratsamt geht vor Gericht. So weit ist es gekommen, weil das Landratsamt und das Regierungspräsidium Hartmut Kupfers Widerspruch gegen den negativen Bescheid ablehnten. Worum geht es? 1921 wurde der seit 333 Jahren bestehenden Jäckle-Mühle eine Genehmigung erteilt, das Wehr um 20 Zentimeter zu erhöhen - auf drei Meter. Gültigkeit: 70 Jahre, also bis 1991. Hartmut Kupfer, der die Mühle vom Vater übernahm, merkt 1993, dass das Recht abgelaufen ist. Er beantragt 1996 die Erneuerung. Ein Recht gleicher Qualität wie damals heißt heute "Bewilligung" und gilt über 60 Jahre. Das Landratsamt bietet aber nur die "Erlaubnis". Die gilt nur 30 Jahre. Außerdem ist sie jederzeit kündbar. Für den Müller ist diese Schlechterstellung " nicht akzeptabel". Allein von 1993 bis 1997 habe er über 40 000 Mark investiert, er brauche längerfristige Sicherheit. Laut Richard Kail, Geschäftsführer der " Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg", ist ein Wasserkraftwerk erst mit der längeren Frist rentabel zu betreiben. Dies entspreche auch der Lebensdauer der Anlagen. Hartmut Kupfer, der mit seiner Turbine 15 Kilowatt Strom erzeugt, die er teils selbst verbraucht, teils ins Stromnetz einspeist, versteht die Behörden-Haltung nicht. Die Ökologie habe sich in 70 Jahren längst auf die Gewässerhohe eingestellt. Er hat die Unterschriften von allen Stau-Anrainern, die theoretisch Schaden nehmen könnten, dass sie nichts gegen eine "Bewilligung " haben. Er ist bereit, eine Mindestwassermenge unterhalb des Wehres zu garantieren und akzeptiert, auf seine Kosten eine neue Fischtreppe anzulegen. Doch all das zählt nicht. "Das Wasserrecht sieht die Erlaubnis und damit 30 Jahre als Regelfall vor", sagt Wolfgang Schilling, Umweltdezernent des Heilbronner Landratsamtes. "Ein Erlass des Umweltministeriums nennt die Bewilligung auf 60 Jahre als Regel", sagt Richard Kail. " Das Wasserhaushaltsgesetz steht über einem Erlass", sagt Schilling. Die Ausnahme der "Bewilligung" (60 Jahre) gebe es nur, wenn der kürzere Zeitraum dem Betreiber wirtschaftlich nicht zumutbar sei. Kupfer aber habe keine Neuinvestition, also seien 30 Jahre ausreichend finden Schilling und das Regierungspräsidium. "Die lassen meine wirtschaftliche Situation außer acht, für mich sind die laufenden Kosten ein dicker Brocken", sagt hingegen Kupfer. Besonders ärgert ihn und auch Richard Kail, dass auch der Kupfersche Naturkostladen in die Berechnungen eingeht. "Was hat der mit dem Wasserkraftwerk zu tun? Das müsste objektbezogen berechnet werden ", fordert der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft. Nun muss also das Gericht klären, ob der Begriff der wirtschaftlichen Zumutbarkeit zu Gunsten von Hartmut Kupfer ausgelegt werden muss. Eine Beruhigung gibt es für den Müller, der die Ungewissheit als "nervig und bedrückend" empfindet. Der Umweltdezernent hat zugesagt, dass gegen den "momentan rechtswidrigen Zustand" nichts unternehmen wird, bis juristisch entschieden ist. Das, schätzt Schilling, dürfte etwa ein Jahr lang dauern. Das doppelte wäre möglich

(aus der Heilbronner Stimme 29.03.2001)


Große Pflanzen ausreißen statt muntere Forellen angeln

Fischereiverein Heilbronn bekämpfte das Indische Springkraut an der Seckach - Die Aktion an Jagst und ihren Nebenflüssen zeigt erste Erfolge

Rund zwanzig Mann und eine Frau durchkämmen das bewachsene Ufer auf vier Kilometer Länge, um die Pflanzen auszureißen. Sie müssen aufmerksam bei der Sache sein, denn wenn die Pflanze klein ist, dann ist sie schon mal zu übersehen. Wächst sie an sonnigen Plätzchen optimal dann wird sie unverwechsel- und übersehbar: Bis zu zwei Meter hohe, hohle Stängel mit einem Durchmesser von fünf und mehr Zentimetern. "Manche holen sich's in die Gärten, wenn's blüht, sieht es recht schön aus", weiß Karl Hautzinger, Vorsitzender des Heilbronner Angelvereins. Doch an den Flüssen soll das vor 150 Jahren ins Land gebrachte Springkraut eben nicht wachsen. Zu sehr verdrängt es andere Pflanzen, die wiederum Lebensraum und Nahrung für Insekten und andere Tiere darstellen. Da die Pflanze nur flache Wurzeln in den lockeren, feuchten und sandigen Boden treibt, ist sie leicht auszureißen. Das muss aber geschehen, bevor sie blüht und Samen trägt. Sind diese reif, schleudern die zerplatzenden Samenschoten die Samen bis zu fünf Meter weit, daher der Name Springkraut. Ganz offensichtlich arbeiteten die Fischer im letzten Jahr gründlich, denn jetzt müssen sie schon mal nach dem Kraut suchen, wie Heinz Schmegner. Allzu anstrengend ist die Arbeit nicht. "Karpfen angeln ist leichter, mit Blinker oder künstlicher Fliege Forellen angeln aber schon schwerer", vergleicht der Anglersmann die Naturschutzarbeit mit seinem sonstigen Engagement an der Seckach, die für Karl Hautzinger "das schönste Wasser im ganzen Landkreis " ist. Dafür haben die Fischer auch einiges getan in den 26 Jahren, seit sie es gepachtet haben. Der Naturschutzauftrag mit dem Kraut bringt ihnen zwar keinen direkten Nutzen für die Anglerei, doch "man muss auch was für die Landschaft um das Gewässer tun", findet Ronald Pulvermüller. Zusammen mit seiner Ehefrau Gabriele und Jürgen Güttler reißt er gerade riesige Stängel aus, wirft sie auf einen Haufen, wo sie verrotten werden. Dass sie in kleinen Grüppchen das Ufer langziehen, hat noch einen Vorteil für die Leute, die sonst eher allein bei ihrem Hobby agieren, meint Gabriele Pulvermüller: "Man lernt mal die Leute kennen." Weil das Klima stimmt und die Aktion mit ihren drei Stunden Arbeit auch zeitlich übersehbar ist, hat Karl Hautzinger auch keine Schwierigkeiten, Leute für die Aktion zu gewinnen. Dies um so mehr, nachdem das Kraut durch die Vorjahresaktion deutlich weniger wurde. "Anfangs waren auch ich sehr skeptisch", bekennt Hautzinger, aber: "Jetzt sehen wir ja, dass es etwas gebracht hat."

(aus der Heilbronner Stimme 20.06.2000)


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