Fischereiverein Heilbronn e.V.

gegründet 1887

A n g e l n  -  E n t s p a n n e n  -  H e g e n  -  S c h ü t z e n  -  P f l e g e n

Mehr Strom aus der Jagst
Von Barbara Barth

Wasserkraftwerk - Radlern und Spaziergängern ist der Kahlschlag zuerst aufgefallen, dann den Badenixen: An der Jagst, unterhalb der Heuchlinger Mühle, fehlen Bäume. Zehn Hybridpappeln, eine Rosskastanie und eine Platane sind weg. Nur noch die Stümpfe und einige Äste sind übrig. Wer in diesen heißen Tagen sein Badelaken am kühlen Fluss ausbreitet, schwitzt in praller Sonne.
Dass die Schattenspender, die 154 von Mitarbeitern gepflanzt wurden, verschwunden sind, hat seinen Grund. Das Grundstück ist in Privatbesitz, es gehört der BAG Franken. Die Bezugs- und Absatzgenossenschaft will darauf ein neues Wasserkraftwerk bauen. Der Antrag liegt beim Landratsamt Heilbronn zur Genehmigung. Das alte Kraftwerk auf der gegenüberliegenden Jagstseite hat ausgedient, die 60 Jahre alte Turbine wird stillgelegt.
EU-Richtlinie Die Bäume mussten bis Ende März gefällt werden. Sie sind in einem Umweltgutachten als "nicht ganz standortgerecht" charakterisiert worden. Als ökologischer Ausgleich werden "standorttypische Silberweiden" gepflanzt.
1,8 Millionen investiert die Genossenschaft der Landwirte in den Bau der neuen Anlage zum Zwecke der Stromerzeugung. Mit der alten Anlage werden durchschnittlich 510 000 Kilowattstunden pro Jahr erzeugt, die Leistung der neuen liegt bei 1,2 Millionen. "Wir hatten den Gedanken schon länger", sagt der geschäftsführende Vorstand der BAG, Bernhard Jochim. Die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der EU aber hat das Ganze beschleunigt. Sie verlangt eine ökologische Durchgängigkeit der Flüsse an Wehren. "Bevor wir die alte Wehranlage so ertüchtigen, dass sie den modernen Anforderungen gerecht wird, bauen wir lieber einen neuen Fischauf- und -abstieg als ökologisch und wirtschaftlich beste Lösung."
Zuschüsse für das Kraftwerk gibt es keine. Die Finanzierung regelt sich über den Strompreis. Momentan erhält die BAG von der EnBW pro Kilowatt produzierten Strom 7,67 Cent. "Wenn wir die Bedingungen der europäischen Richtlinie erfüllen", so Jochim, erhöht sich der Einspeisevergütung auf 12,67 Cent. Für den Eigenbedarf der Mühle, in der Weizen und Roggen zu Mehl gemahlen werden, kauft die BAG den Strom zurück. "Das ist günstiger, als die eigene Energie zu verwenden, außerdem würde er zurzeit sowieso nicht reichen."
Fischaufstieg - Das Gebäude für zwei Turbinen auf der rechten Jagstseite wird unspektakulär, etwa acht mal acht Meter. "Ein ganz kleines Haus", sagt Bernhard Jochim. Neu ist auch ein 112 Meter langes Umgehungsgerinne, das als Fischaufstieg dient. Das Wehr bleibt wie es ist, aus Beton, schräg zur Fließrichtung des Flusses. Verschwinden werden die sechs Freistromleitungen, die das Wehr bislang überspannen. Sie werden auf Kosten der BAG unter die Jagst verlegt. Hinter dem neuen Turbinenhaus tauchen sie allerdings wieder in der Landschaft auf. "Leider", sagt Jochim.
Das planende Ingenieurbüro Alwin Eppler aus Dornstetten rechnet mit einer Bauzeit von einem Jahr, begonnen werden soll im September. Bis Mai, wenn die Jagst Niedrigwasser führt, werden die Baumaßnahmen im Wasserbereich ausgeführt.
"Dann kann der Bagger im Flussbett stehen und die Rinne für zwölf Leerrrohre 1,55 Meter unter der Jagstsohle graben" Sechs für den Strom, sechs für die neue Wasserkraftanlage.

(aus der Heilbronner Stimme 07.07.2010)


 Fischtreppe schafft Ausgleich
Von Henry Doll

Mulfingen - Es ist ein stattliches Bauwerk. Aber eines, das natürlich aussieht und auch aus Natursteinen gebaut wurde. Denn um Natur geht es: Wolfgang Franz aus Eberbach hat eine gut 30 Meter lange und 2,50 Meter breite Fischtreppe gebaut. Sie soll die so genannte ökologische Durchgängigkeit der Jagst und den ökologischen Austausch in diesem Bereich sicherstellen.
Bereits seit 1992 betreibt der heute 56-Jährige ein kleines Wasserkraftwerk zur Stromgewinnung. Mit der Wasserkraft wurde in diesem Bereich schon seit Menschengedenken gearbeitet. Früher war die Renkenmühle, in der Wolfgang Franz wohnt, eine richtige Mühle. Doch die Zeiten sind vorbei. Hauptberuflich arbeitet Wolfgang Franz im Lager bei Würth.
Das Kraftwerk machte eine erste Fischtreppe nötig. Bereits 1999 verbaute Wolfgang Franz 80 Tonnen Steine und 20 Kubikmeter Beton für die Aufstiegshilfe. Zwischenzeitlich änderte sich die Gesetzeslage. Um die Energiegewinnung erhöhen zu können, musste auch die Fischtreppe vergrößert werden. So wurde jetzt eine zweite Treppe gewissermaßen auf die erste draufgesetzt.
Fließgeschwindigkeit Der neue Aufstieg, der vor allem den Wanderfischen wie der Nase zu Diensten ist, verschlang 37 Kubikmeter Beton und 100 Tonnen Steine. "Ein ökologischer Ausgleich, damit die Ausleitungsstelle nicht trocken fällt", erklärt Wolfgang Franz. Gebaut hat er die Anlage zusammen mit seiner Frau Ute und einem Baggerführer aus Langenburg. Die Kosten lagen bei 13 000 Euro. Wenn Wolfgang Franz genau nachrechnet, haben er und seine Frau 40 Tonnen Steine per Hand gesetzt. Knochenarbeit. Auch für die Fließgeschwindigkeit des Wassers gibt es Vorschriften. Laut Wolfgang Franz muss sie mindestens 250 Liter pro Sekunde betragen. Den harten Winter hat die neue Anlage gut überstanden. Aber die Arbeit hört trotzdem nie auf. Die Fischtreppe muss von Ästen, Moos und Steinen gereinigt werde. Auch die Biber, die Wolfgang Franz vor drei Jahren in der Nähe entdeckt hat, halten ihn auf Trab, denn sie sorgen für viel Holz im Wasser. Aber er erfreut sich auch an ihnen: Im vergangenen Sommer beobachtete er zwei Jungtiere.
Für ein Biotop, das er vor Jahren in der Nähe seiner Mühle anlegte, bekam Wolfgang Franz 1998 einen zweiten Preis im regionalen Wettbewerb "Bemerkenswerte Umwelt-idee". Schirmherr war der damalige Heilbronner Landrat Klaus Czernuska. Als nächstes Projekt plant Franz nun die Anlage eines weiteren Biotops am anderen Jagstufer.

(aus der Heilbronner Stimme 26.03.2010)


Durchgängiger Fischpass in Arbeit
Von Rudolf Landauer

Neudenau - Das 1922 erbaute Wasserkraftwerk in Siglingen wurde für rund zwei Millionen Euro technisch erneuert und jetzt wieder in Betrieb genommen. Seit Jahrhunderten wird die Wasserkraft der Jagst zur Energiegewinnung genutzt. Seit knapp 100 Jahren wird hier mit Wehren und den dadurch gewonnenen Höhenunterschieden mittels Turbinen überwiegend Strom gewonnen. Diese technischen Anlagen unterbrechen jedoch den Wasserweg für wirbellose Tiere und Fische, was zu gravierenden Veränderungen ihrer Lebensräume führte.
Flussufer - So auch am Wasserkraftwerk in Siglingen. Dort gibt es zwar am linken Flussufer eine künstliche Fischtreppe, die aber offensichtlich ihre Aufgabe nicht erfüllt. Wie Dr. Berthold Kappus für die Uni Hohenheim und den Fischpass am Kraftwerk der EnBW Kraftwerk AG in Siglingen ermittelte, ist die Anlage dort als "sehr eingeschränkt durchgängig zu bewerten".
Von elf in der Aufstiegsanlage nachgewiesenen Fischarten ist für lediglich drei die Durchgängigkeit dokumentiert. Auf 114 Kilometern Länge zwischen Jagstfeld und Kirchberg sind 34 Querbauwerke mit 32 Wehren vorhanden. Sie bedingen auf 70 Kilometern einen Stehwassercharakter und verändern die Lebensraumbedingungen für die ursprüngliche Fließwasserfauna wesentlich, so Kappus. An 20 Wehren sind überhaupt keine Aufstiegsanlagen etabliert, die Aufwärtswanderungen ist hier vollständig unterbrochen. An elf Wehren ist ein Fischaufstieg installiert.
Anlagen Vorhandene Aufstiegshilfen werden zumeist als "weitgehend unpassierbar" für die stromaufwärts gerichtete Wanderung beurteilt. Die Offenauer Südzucker AG hat am Duttenberger Kraftwerk eine vorbildliche Anlage erstellt und auch die mustergültige Raue Rampe hinter dem Kraftwerk in Ruchsen sowie die Anlagen in Neudenau und Züttlingen bestanden ihre Bewährungsproben.
Die Wasserkraftnutzer scheinen mitzumachen und wollen den Tieren die artentypische Migration ermöglichen. Das unterstrich auch der Leiter Wasserkraft bei der EnBW Kraftwerke AG, Dr. Nicolaus Römer.
Raue Rampe Pressesprecherin Angela Brötel von der EnBW Kraftwerk AG informierte, dass in Siglingen zwei Varianten untersucht und Gespräche mit Behörden geführt werden, in welcher Form eine Fischaufstiegshilfe realisiert werden kann: ein Umbau der bestehenden Anlage nach modernen Erkenntnissen oder eine Umleitung als sogenannte Raue Rampe.
Für beide Varianten müssen zunächst etliche technische und auch umweltrelevante Fragen geklärt werden. "Auf jeden Fall widmet die EnBW Kraftwerk diesem Bereich der Natur große Aufmerksamkeit und investiert in die Anlage sehr viel Geld, die noch in 2010 realisiert werden soll", sagte Angela Brötel. Baubeginn soll bereits in der ersten Jahreshälfte sein.

(aus der Heilbronner Stimme 19.11.2009)


Strom für knapp 2000 Menschen
Von Wolfgang Müller

Neudenau - Die Turbinen im Wasserkraftwerk Siglingen laufen seit Dienstagvormittag wieder auf vollen Touren. Rund zwei Millionen Euro hat das Energieunternehmen EnBW in die Modernisierung des Kraftwerks gesteckt. Etwa zwei Jahre haben die Arbeiten gedauert. Jetzt liefert das Kraftwerk eine Gesamtleistung von 540 Kilowatt und damit Strom für insgesamt rund 1900 Menschen.
Energiequelle - "Mit der heutigen Wiederinbetriebnahme unterstreicht die EnBW Kraftwerke AG einmal mehr ihr Ziel, regenerative Wasserkraft als wichtige heimische Energiequelle weiter aus- und neu aufzubauen", sagte Dr. Nicolaus Römer, Leiter Wasserkraft bei der EnBW Kraftwerke, bevor Bürgermeister Manfred Hebeiß die Anlage offiziell in Betrieb nahm. Das Neudenauer Stadtoberhaupt zeigte sich "froh und dankbar", dass das baden-württembergische Energieunternehmen in die rund 87 Jahre alte Anlage an der Jagst investiert hat. Immerhin liefere diese seit knapp einem Jahrhundert umweltfreundliche Energie, die heute sehr gefragt sei.
Das Gebäude ist im Wesentlichen erhalten geblieben. Im Inneren ist die Technik auf dem neuesten Stand. Drei neue Turbinensätze weist das Wasserkraftwerk im Neudenauer Teilort auf. "Wir haben die alte Hülle stehen lassen und das Herz erneuert", sagte Römer. Nach dem erfolgreichen Probebetrieb der Anlage wurden zuletzt noch Sanierungsarbeiten an der Außenfassade des Gebäudes geleistet. Die Gesamtleistung wurde damit um rund zehn Prozent gesteigert. Jährlich produziert das Kraftwerk eine Leistung von rund drei Millionen Kilowattstunden CO2-freie Energie. 1900 Menschen könne man damit versorgen, so Römer. "Siglingen gehört damit zu den Energie exportierenden Gemeinden." Immerhin hat der östliche Neudenauer Teilort lediglich rund 900 Einwohner.
Darüber hinaus hat das Energieunternehmen die Elektro- und Leittechnik von analog auf digital umgestellt. "Dadurch kann die gesamte Anlage in Zukunft zentral über einen Bildschirm bedient und bei Bedarf auch ferngesteuert werden", betonte Römer.
Fischtreppe - Rund zwei Jahre haben die Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten am Wasserkraftwerk gedauert. Die nächste Baustelle an der Jagst kündigte Römer bereits an. "Die Durchgängigkeit der Fischpopulation muss noch verbessert werden." Die EnBW führe derzeit die notwendigen Gespräche mit den Behörden. "Wir wollen diese Maßnahme im Jahr 2010 abschließen", so Römer.

(aus der Heilbronner Stimme 04.11.2009)


Wehr soll Umgehungsrinne für Fische erhalten
Von Rainer Köller

Langenbrettach -  Der Besitzer zahlt: Die Gemeinde Langenbrettach ist finanziell verantwortlich für den Bau einer Umgehungsrinne am Wehr vor der Brettacher Mühle. Am Wehr befindet sich zwar eine etwa 100 Jahre alte „Fischtreppe“, doch dort kommt schon lange kein Fisch mehr nach oben. Langenbrettach möchte sich der Europäischen Wasserrechtsrahmenlinie, die eine Durchgängigkeit aller Gewässer anstrebt, nicht entgegen stellen. Deshalb wurde ein Fachmann mit ersten Planungen beauftragt.
Josef Zeller hat schon zahlreiche Fischaufstiegshilfen geplant. Er machte im Gemeinderat deutlich, dass jede neue Treppe eine individuelle Planung brauche. Für Brettach sei die beste Möglichkeit, wenn eine Umgehungsrinne gebaut werde. Eine „Raue Rampe“ sei wegen des fehlenden Platzes nicht möglich.
Auf ein Meter Steigung benötige die Rinne 20 Meter Länge. Aufgrund des Höhenunterschiedes am Wehr von knapp drei Metern muss das Werk also rund 60 Meter lang werden. Ein neuer Bach in einer Betonwanne, die nicht erkennbar sein wird, soll entstehen. An den meisten Stellen soll dieser künstliche Bach 1,40 breit und bis zu 30 Zentimeter tief sein. Es gibt breitere und tiefere Stellen, „damit die Fische beim Aufstieg ausruhen können“, so der Fachmann. Ein kleines Wasserbiotop wird in der Schleife entstehen sowie ein weiteres wohl zwischen der gesamten Rinne und dem Brettachkanal.
Kosten von rund 43 000 Euro hat Zeller errechnet. Bürgermeister Tilman Schmidt erklärte, dass bereits 2007 für das Jahr 2008 ein Förderantrag beim Regierungspräsidium gestellt worden war. Die Antwort: Die Mittel seien aufgebraucht.
Für 2009 seien die Chancen zwar gut, doch die Kommune wird nach dem Willen des Verwaltungschefs nur bauen, wenn es die möglichen 75 Prozent Förderung gibt. Schmidt: „Wir stehen nicht unter Zeitdruck und ohne Förderung wird geschoben.“ rk

(aus der Heilbronner Stimme 19.03.2009)


Raue Rampe für Fische
Von Rudolf Landauer

Bad Friedrichshall - Unmittelbar bei dem 1912 erbauten Wasserkraftwerk bei Duttenberg ging gestern eine Anlage offiziell in Betrieb, die den Fischen in der Jagst erhebliche Verbesserungen bringen soll. Dort ist eine raue Rampe entstanden.
Bisher war für naturgemäß flussaufwärts wandernde Tiere an den technischen Bauwerken des Kraftwerks die Reise zu Ende. Seit 1969 gewinnt die Südzucker AG mittels Turbinen Energie aus dem Fluss. Südzucker erkannte die Notwendigkeit, der Natur zu helfen und baute die raue Rampe für 180 000 Euro.
Umgehung - Sie ermöglicht den Lebewesen eine Umgehung des Kraftwerks und des Wehrs. Wie Direktor Dr. Arnd Reinefeld von der Südzucker AG erklärte, setze das Unternehmen sehr auf regenerative Energien: „Die Natur ist auch in diesem Bereich unser Partner, und wir stehen zur Tradition und zeigen hier ein Herz für Tiere.“ Damit ist ein weiterer Abschnitt der Durchgängigkeit der Jagst für Tierwanderungen geschaffen. Allerdings heißt es zwei Kilometer flussaufwärts wieder Stopp: Das Heuchlinger Wehr bildet die nächste technische Barriere für Fische. Der Obersulmer Hermann Kurz, Chef des zuständigen Hegerings, ist zuversichtlich, auch noch diese Hürde zu nehmen: „Dann wäre den Fischen der Jagst die Wanderung bis nach Jagsthausen möglich“, sagte er.
Der Fischereisachverständige des Stuttgarter Regierungspräsidiums, Hubert Wnuck, war beeindruckt von der neuen Duttenberger Anlage, die sich gestern bei der Abnahme aber nicht komplett zeigte. Die Jagst führt viel Wasser, und so ragten nur einige große Flussbausteine heraus. Von denen wurden nach Angaben des Planers Josef Zeller 1250 Tonnen kleinere und 275 Tonnen große Blocksteine mit insgesamt 270 Tonnen Beton versetzt.
Richtlinien - Frank Hütter vom Heilbronner Landratsamt bestätigte, dass alle Richtlinien eingehalten wurden, insbesondere die geforderte Mindestwassermenge von 1000 Liter in der Sekunde, die durch das über 100 Meter lange Gerinne mit einem Höhenunterschied von 2,90 Meter strömen müssen. Hubert Wnuck meinte mit Blick auf die wilde Jagst: „Selbst bei dieser starken Strömung“, erläuterte der Experte, „schaffen Fische es noch, die Rampe hinauf zu kommen, weil ihnen unterwegs Vertiefungen zum Ausruhen zur Verfügung stehen.“

(aus der Heilbronner Stimme 13.02.2009)


Den Fischen eine Brücke bauen
Von Herbert Kaletta

Region Heilbronn - Die großen Neckarschleusen sind unüberwindbare Barrieren für flussaufwärts ziehende Fische. Das soll sich ändern. Durch Fischtreppen, nicht nur am größten Fluss des Landes soll den Fischen gewissermaßen eine Brücke gebaut werden. Aber hier, an der Schleuse Lauffen, wird eine der größten sein. Vergleichbar der Anlage bei Iffezheim am Rhein und zwei Millionen Euro teuer. Bezahlt aus den bewilligten 200 Millionen, die der Bund für die Ertüchtigung der Schleusen an dieser Schifffahrtsstraße ausgibt.
Die Durchgängigkeit der Flussläufe ist ein Qualitätskriterium und mit 70 Maßnahmen ein Schwerpunkt bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie der EU. Diese soll für Qualitätsverbesserung an Flüssen, Bächen und Seen sorgen. Jetzt hat das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart den Maßnahmenkatalog für den Neckar- und seinen Nebenflüsse im Bereich zwischen Enz- und Kochermündung vorgestellt. 85 Vertreter von Organisationen waren dazu in das Heilbronner Landratsamt gekommen.
Weitere Qualitätsfaktoren sind die Abflussmenge und die Beschaffenheit des Fluss- oder Bachbetts und seiner Ufer. Die chemische Reinheit der Gewässer hingegen ist in der Regel gut. Die überall vorhandenen Kläranlagen haben dafür gesorgt. Trotzdem: 40 weitere Maßnahmen kommunaler Abwasserreinigung sind vorgesehen.
Schwierigkeiten mit zu wenig Wassermenge ergeben sich beispielsweise dort, wo Strom erzeugt wird. Wenn zu diesem Zweck Wasser über einen Kanal entzogen wird, leidet oft jene Flussstrecke zwischen Ableitung und Wiedereinleitung dieses Wassers. Die Ökologische Qualität des Flusses und seiner Ufer sinkt. Dem soll an 30 Stellen an Neckar und Nebenflüssen entgegengewirkt werden.
Großes Augenmerk ist auf die Beschaffenheit von Ufern und Flussbett gerichtet. Noch immer gibt es zu viele „Wasserautobahnen“, wie es Referatleiter Klaus Hofmann und sein Mitarbeiter Martin Lehmann vom RP nennen. Strecken, in denen die Bachsohle betoniert ist. Mit steilen Ufermauern, an denen kein Platz für Leben ist. Die Zaber am Unterlauf in Lauffen ist so ein Fall. Auch an der Sulm gebe es zwischen Erlenbach und Neckarsulm Möglichkeiten, zumindest Teilabschnitte zu renaturieren, sagt Lehmann. 20 Maßnahmen dieser Art stehen im Aufgabenkatalog.
Zum Teil sind die Kommunen schon dran. Hofmann lobt Lauffen, aber auch Heilbronn und Neckarsulm, denn auch im verdichteten Raum lasse sich „einiges machen“, beispielsweise beim Altneckar gegenüber Audi. Man arbeite deshalb eng mit Städten und Gemeinden zusammen. Auch, weil viele ökologische Möglichkeiten sich ja erst – siehe Schleuse Lauffen – durch Bauprojekte oder Sanierungen auftun.
Bis 2015 soll die Richtlinie umgesetzt sein, es gibt zwei Nachfristen von je sechs Jahren, also ist bis 2027 Zeit. Das werde auch benötigt, sagt Hofmann. Allerdings: „Das sind dann keine Pläne für die Schublade. Was wir nach Brüssel melden, werden die auch abprüfen.“

(aus der Heilbronner Stimme 05.07.2008)


„Nachhaltiger Beitrag zu Natur und Umwelt“
Von snp

Neckarsulm - Der Böllinger Bach, der lange Zeit nur eine Betonrinne war, ist wieder als natürliches Biotop in den Neckarwiesen zwischen dem Neckarsulmer Stadtteil Obereisesheim und der Kernstadt erlebbar. In sieben Monaten Bauzeit hat Neckarsulm die begradigte Bachsohle aus Beton ausgebaut und den ursprünglichen Bachlauf wieder hergestellt. Kosten: 625 000 Euro. Jetzt wurde Einweihung gefeiert.
Eine Raue Rampe bildet die Verbindung zwischen dem alten Neckar und dem naturnah umgestalteten Böllinger Bach. Dieses Bauwerk wurde aus treppenartig verlegten Blocksteinen neu errichtet und legt den Grundstein für die zukünftige ökologische Durchgängigkeit des Neckars. Fische können diesen Aufstieg nutzen, um in den Böllinger Bach zu gelangen und auf diesem Weg künftig das Wehr zu umgehen. Insofern leiste die Renaturierung dieses Gewässers „einen nachhaltigen Beitrag zu Natur und Umwelt“, erklärte Oberbürgermeister Volker Blust. Die ökologische Aufwertung der Neckaraue komme nicht nur der Fischwelt zugute, sondern diese gelungene Baumaßnahme werde auch „Spaziergänger und Radfahrer besonders erfreuen“.
Die Bedeutung der Baumaßnahme in ökologischer Hinsicht und darüber hinaus erläuterte Bürgermeister Klaus Grabbe. Der in Mäandern neu angelegte Bachlauf biete mit seinem wesentlich breiteren Bachbett schon heute zahlreichen Fischarten wieder einen Lebensraum. Um diesen weiter aufzuwerten, sind standortgerechte Bepflanzungen in den Uferzonen des Baches geplant.
Darüber hinaus diene die Aufweitung des Gewässerprofils dem Hochwasserschutz. Das Bauwerk sei so ausgelegt, dass es extreme Hochwassermengen von bis zu 23 Tonnen pro Sekunde, wie sie beim 100-jährlichen Hochwasser anfallen, bewältigen zu könne. Für die vollständige Durchgängigkeit des Neckars sorgt jetzt die Stadt Heilbronn, indem sie die Renaturierung auf eigener Gemarkung fortsetzt und die Anbindung an den Neckar oberhalb des Staudamms herstellt.

(aus der Heilbronner Stimme 17.06.2008)


Böllinger Bach wird renaturiert und ökologisch aufgewertet
Von snp

Neckarsulm - Der Böllinger Bach, der beim Neckarsulmer Stadtteil Obereisesheim durch die Neckarau Richtung Heilbronn fließt, wird in einen naturnahen Zustand zurückversetzt. Im Zuge der Renaturierung wird die vorhandene Betonsohle, die den Bach in ein begradigtes Bett zwingt, ausgebaut und der ursprüngliche, gewundene Bachlauf wieder hergestellt. Zudem wird auch das Gewässerprofil aufgeweitet und neu gegliedert, so dass der Böllinger Bach sowohl hydraulisch als auch ökologisch zeitgemäßen Anforderungen entspricht.
Um künftig die ökologische Durchgängigkeit des Gewässers zu gewährleisten, wird der Bachabsturz in den alten Neckar nördlich der Wehrbrücke beseitigt und durch einen Fischaufstieg in Form einer sogenannten Rauen Rampe ersetzt. Mit Hilfe dieses Bauwerks aus treppenartig verlegten Blocksteinen können die Fische vom alten Neckar in den Böllinger Bach gelangen und auf diesem Weg das Wehr umgehen.
Die Anbindung an den Neckar oberhalb des Staudamms stellt die Stadt Heilbronn später über ein Kombinationsbauwerk her. So tragen die Nachbarkommunen gemeinsam zur ökologischen Aufwertung des Böllinger Bachs bei. Die auf die Stadt Neckarsulm entfallenden Kosten für den Bau der Rampe und die Renaturierung des Bachverlaufs betragen insgesamt 441 000 Euro.
Zur Vorbereitung dieser ökologischen Ausgleichsmaßnahme mussten jetzt sämtliche im alten Bachbett befindlichen Bäume und Sträucher gerodet werden. Als Ersatz dafür werden neue standortgerechte Bäume wie Feldahorn, Schwarzerle und Weiden in den zum Teil wechselfeuchten Uferzonen des renaturierten Böllinger Baches gepflanzt. Diese einheimischen Gewächse können an den neu angelegten, abgeflachten Uferböschungen bestens gedeihen.

(aus der Heilbronner Stimme 22.02.2008)


Land zahlt für den Hochwasserschutz an der Brettach
Von red

Nördlicher - Landkreis Das Land wird den Bau des Hochwasserrückhaltebeckens A 1 des Wasserverbands „Neuenstadter Brettach“ mit einem Zuschuss von rund 5,14 Millionen Euro unterstützen, teilt der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Bernhard Lasotta mit. Damit sind rund 80 Prozent der zuwendungsfähigen Gesamtkosten von 6,43 Millionen Euro für den Bau des Hochwasserrückhaltebeckens abgedeckt.

Partnerschaft Bernhard Lasotta erläuterte, dass das Becken rund 600 Meter oberhalb des Bretzfelder Ortsteils Adolzfurt im Hohenlohekreis an der Brettach errichtet wird. „Die Verbesserung des Hochwasserschutzes kann nur in einer Partnerschaft aller für Hochwasserschutz und Hochwasservorsorge Verantwortlichen geschultert werden“, erklärte der Landtagsabgeordnete. „Das jetzt geplante Becken A1 ist Teil eines Gesamtkonzepts für den Hochwasserschutz im Einzugsgebiet der Brettach“, erläuterte Bernhard Lasotta.
Die Hochwasserschutzkonzeption des Wasserverbandes Neuenstadter Brettach sehe den Bau von zehn Hochwasserrückhaltebecken an der Brettach und deren Seitengewässern vor, in denen bei Hochwasser insgesamt drei Millionen Kubikmeter Wasser gespeichert werden könne.
Durch die Errichtung des rund 6,5 Meter hohen Staudammes für das Becken A1 werde dann im Tal der Brettach ein 427 000 Kubikmeter großer Stauraum geschaffen. Die Durchgängigkeit für Fische gewährleiste ein sechs Meter breiter Ökodurchlass. Im Rahmen des Hochwasserschutzkonzeptes des Wasserverbands sind in den letzten Jahren unter anderem oberhalb des nun geplanten Hochwasserrückhaltebeckens bereits zwei weitere Hochwasserrückhaltebecken gebaut worden, die bis zu 380 000 Kubikmeter Stauraum für Hochwasser bieten.
Dämme Bernhard Lasotta erläuterte, dass das Land insgesamt rund 68 Millionen Euro in diesem Jahr für die Durchführung und für die Förderung von Projekten des technischen Hochwasserschutzes und der Gewässerökologie bereitstellt. Dazu zählen vor allem die Sanierung und der Bau von Dämmen, Poldern und Rückhaltebecken. „Der Hochwasserschutz hat in der Landespolitik eine hohe Priorität“, versicherte der Abgeordnete.
Nicht zuletzt bedingt auch durch den Klimawandel werde in den kommenden Jahren befürchtet, dass zunehmend extreme Wetterereignisse auftreten. „Beim Hochwasserschutz verfolgt das Land eine ganzheitliche Strategie“, betonte Bernhard Lasotta. Diese Strategie umfasse neben den technischen Maßnahmen ein gezieltes Hochwassermanagement und außerdem das gemeinsame Handeln von Land und Kommunen zur Vorsorge, ebenso wie zur Minderung von Hochwasserschäden.
Hochwasservorsorge Die unterschiedlichen Bausteine ermöglichen gemeinsam mit den Hochwasser-Frühwarnungen für kleine Einzugsgebiete der Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) des Landes eine effektive Hochwasservorsorge. „Wir sind auf gutem Weg. Wir haben aber auch noch ein gutes Stück Arbeit vor uns“, so der CDU-Landtagsabgeordnete. Von dem geplanten Schutzsystem im Hohelohekreis werden auch die weiter unten an der Brettach gelegenen Gemeinden des Wahlkreises Neckarsulm profitieren. Den Bürgern und Unternehmen wird so eine erhöhte Sicherheit geboten.
Trotz all dieser Bemühungen gibt Bernhard Lasotta zu bedenken, dass es auch in Zukunft einen hundertprozentigen Hochwasserschutz nicht geben könne. „Die Naturgewalten sind nie bis ins Detail vorhersehbar und kalkulierbar. Alle Menschen, die in von Hochwasser bedrohten Gebieten wohnen, müssen lernen, mit dem Hochwasserrisiko zu leben. Sie müssen sich darauf einstellen, dass Hochwasser auch in Zukunft auftreten können, für die der technische Hochwasserschutz nicht bemessen ist, und bei denen deshalb Überschwemmungen möglich sind“, appellierte der Abgeordnete. red

(aus der Heilbronner Stimme 25.09.2007)


Neckar braucht Fische
Von Bärbel Kistner

Heilbronn - Dem Neckar wieder zu einer Gewässergüte zu verhelfen, war eine große umweltpolitische Leistung. Doch gerade erst jetzt zeige sich: Fische brauchen mehr als sauberes Wasser, den Tieren fehlen die Lebensräume. Diese Bilanz zieht Johannes Reiss. Der Naturschutzbund Nabu hatte den Geschäftsführer vom „Büro am Fluss“ eingeladen, um über den aktuellen Zustand des Neckars zu informieren. In der Geschäftstelle der Initiative „Lebendiger Neckar“ sitzen Gewässerspezialisten, die Fischtreppen planen, Gutachten erstellen, Umweltverbände beraten. Für den Nabu Heilbronn hat das Büro die Planung für ein grünes Klassenzimmer im künftigen Neckarpark erstellt.

Wasserarme Altarme Den Neckar in Heilbronn und im Landkreis sieht Experte Reiss „in einem traurigen ökologischen Zustand“. Durch die Altarme ergeben sich wohl „gewaltige Potenziale“, die aber noch zu wenig genutzt werden. Die Altarme seien vor allem zu wasserarm.
Dem Neckar auf seinen 367 Kilometern Länge ökologisch auf die Sprünge zu helfen, das ist Ziel der Wasserrahmenrichtlinie der EU. Die Fischfauna ist der zentrale Schlüssel. Um die Richtlinie bis 2015 zu erfüllen, müsste die Durchgängigkeit der Wasserstraße für die Fischwanderung, Aufstieg wie Abstieg, auf der gesamten Länge wieder hergestellt werden.
Zuflüsse erreichbar In der Bestandsaufnahme schneidet auch die Erreichbarkeit der Nebengewässer wie Kocher und Jagst schlecht ab. Oft verhinderten meterhohe Querbauten den Aufstieg der Fische. Für den Bereich um das Wehr Neckarsulm gibt es den Plan, die Mündung des Böllinger Bachs umzubauen. Derzeit ist ein drei Meter hoher Absturz eine unüberwindbare Barriere. Am Horkheimer Altneckar könnte ein Umgehungsbach entstehen und gleichzeitig ein kleines Wasserkraftwerk gebaut werden. Reiss: „Eine perfekte Verbindung von Ökologie und Ökonomie.“ Angesichts der Gesamtkosten von 50 Millionen Euro für alle Maßnahmen ist klar: „Es kann nur Schwerpunkte geben.“

(aus der Heilbronner Stimme 02.06.2007)


Jesser-Mühle hat nun ein eigenes Kraftwerk
red

Auch die ökologische Durchgängigkeit ist ein Gewinn für die Natur.
Hardthausen Am Kocher bei der Kochersteinsfelder Jesser-Mühle wurde jetzt ein neues Kraftwerk fertiggestellt. Wegen eines Hochwassers im August, bei dem die Baustelle laut dem Bauherren Manfred Jesser „regelrecht abgesoffen“ war, konnte das Wasserkraftwerk erst ein paar Wochen später als geplant in Betrieb genommen werden.
Doch nun läuft der Generator. Manfred Jesser und Sohn Roland sind froh, dass es soweit ist. Der Bau des Gebäudes und vor allem der Bau des Untergrundes in den Kocher hinein war sehr aufwändig. Kein Wunder, dass der Bau eine halbe Million Euro verschlang.
Entstanden ist die Idee zu diesem Bau, weil die 25 Jahre Laufzeit des alten Kraftwerkes zu Ende ging. Zur Verlängerung gab es Auflagen für Manfred Jesser. Unter anderem ist inzwischen eine Fischtreppe vorgeschrieben. Die wurde direkt neben dem Kraftwerksgebäude gleich mitgebaut. Dadurch wurde auch gleich der Steinbach, der an dieser Stelle den Mühlkanal über eine Betonbrücke überfließt und in den Kocher mündet, ökologisch durchgängig gemacht.
Nicht nur die neue ökologische Durchgängigkeit ist ein Gewinn für die Natur. Das alte Kraftwerk und das neue E-Werk ersparen der Umwelt im Jahr über eine Tonne an Kohlendioxid. Für beide Kraftwerke hat die Jesser-Mühle nun die Genehmigung für eine Laufzeit für 50 Jahre bekommen.
Der Unterschied zwischen den Anlagen ist, dass das alte Kraftwerk einen Kanal hat und als Ausleitungskraftwerk gebaut wurde. Für die neue Anlage wird das fließende Wasser direkt genommen und ist deshalb ein so genanntes Flusskraftwerk. Unter dem Gebäude stürzt das Wasser auf ein Schaufelrad mit einem Durchmesser von zwei Metern. Die 70 Umdrehungen pro Minute werden über ein Getriebe zum Generator „transportiert“ und gleichzeitig so übersetzt, dass dort 1000 Umdrehungen pro Minute ankommen.
Natürlich sind die Jessers von der Natur abhängig. Kommt viel Wasser, schafft das neue Kraftwerk 90 Kilowatt in der Stunde. 2,30 Meter tief fallen die stündlich benötigten sechs Kubikmeter Wasser hinunter und schaffen so 130 PS an der Maschine.

(aus der Heilbronner Stimme 08.12.2006)


Fische erhalten neuen Lebensraum
Von Michael Schwarz

Am Hohebacher Jagstwehr wurden ein Umgehungsgerinne und ein Biotop angelegt.
Wer im Dörzbacher Teilort Hohebach an der Jagst spazieren läuft, wird am Jagstwehr auf einen neuen Flussverlauf stoßen: Für über 40 000 Euro ist dort ein neues Umgehungsgerinne errichtet worden. Die Kosten werden von Wasserkraftanlagenbetreiber Kurt Häfele getragen.
700 bis 1000 Kubikmeter Erde mussten für den Bau des kleinen Flussarmes ausgehoben werden, wie Planer Josef Zeller bei der Abnahme mit dem Stuttgarter Regierungspräsidium erklärte. Das Gerinne ermöglicht den Lebewesen in der Jagst - also Fischen oder auch kleinen Krebsen - dass sie sich in dem Gewässer bewegen können. Das Wehr in Hohebach war für die Flusstiere trotz der Fischtreppe unüberwindbar. Mit dem Bau erfüllt die Gemeinde Dörzbach jetzt schon eine Forderung, welche die EU bis zum Jahr 2015 erreichen will. Das Umgehungsgerinne ist eine ökologische Verbesserung. Diese wurde auch vom Land als Umweltziel definiert.
Künftig wird Elektrizitätswerk-Betreiber Kurt Häfele für jede Kilowattstunde zwei Cent mehr erhalten. Der Grund: Durch das erneuerte Energieeinspeisungsgesetz erhält Häfele eine Mehrvergütung. Voraussetzung dafür ist ein guter ökologischer Zustand der Anlage, durch die elektrische Energie in das Stromnetz eingespeist wird. Dies ist in Hohebach nun der Fall. Das Umgehungsgerinne, das durch einen betonierten Flussboden fließt, werden durch die von dem Wehr getrennten Flussteile verbunden. Dort besteht ein Höhenunterschied von 2,26 Metern. Künftig werden rund 240 Liter pro Sekunde durch das Umgehungsgerinne fließen und die beiden Stellen miteinander verbinden.
Bei der Abnahme zeigten sich der Dörzbacher Bürgermeister Willi Schmitt und Achim Megerle vom Umwelt- und Baurechtsamt im Hohenloher Landratsamt zufrieden mit der „ökologische Verbesserung“ (Megerle) des Flusslaufes.
An das neue Umgehungsgerinne angebaut wurde ein Biotop. Die Kosten des Biotops betragen 6000 Euro und werden vom Stuttgarter Regierungspräsidium komplett übernommen. Das Biotop sorgt künftig dafür, dass die Fische genügend Laichmöglichkeiten haben.
Für Dörzbachs Bürgermeister Schmitt ist die ökologische Verbesserung auch ein persönliches Anliegen: „Ich bin selber ein Fischer.“

(aus der Heilbronner Stimme 21.10.2006)


Kleine Fische steigen auf
Von Peter Hohl

Möhriger Wehr verbindet Hochwasser- und Naturschutz
Zweispurig rauscht die Ohrn zu Tal: Rechts schießt das Wasser übers abgesenkte Möhriger Wehr, links schlängelt es sich an der Steinmauer entlang. Foto: Peter Hohl
Das Entscheidende ist die Serpentine“, sagt Horst Geiger. Für Bachschmerle und Mühlkoppe gilt das Gleiche wie für die Autofahrer: Wenn sie hoch hinaus wollen, müssen sie Umwege in Kauf nehmen. Wie sich eine Passstraße den Berg hinauf schlängelt, so schlängelt sich der Fischaufstieg der Ohrn am Möhriger Wehr.
Weiß schäumend schießt das Wasser übers Wehr. Für große Fische wie Bachforelle oder Hecht ist das kein Problem: Sie haben genug Kraft, um gegen den Strom zu schwimmen. Kleine Fische tun sich da naturgemäß schwerer. Weil aber große Fische gerne kleine Fische fressen, soll die Ohrn für Bachschmerle und Mühlkoppe, aber auch für Bachflohkrebse und Köcherfliegenlarven durchgängig ohne Hindernis sein. Das wünschen sich nicht nur die Fischer, sondern auch die Naturschützer.
Auf Öhringer Markung ist die Ohrn jetzt barrierefrei, von der Mündung in den Kocher 16 Kilometer lang bachaufwärts. „Darauf bin ich richtig stolz“, sagt Horst Geiger, der das Tiefbauamt der Großen Kreisstadt leitet. In dieser Funktion ist er für den Hochwasserschutz in Öhringen zuständig. Doch wo er kann, versucht Geiger den Hochwasserschutz mit dem Naturschutz zu verbinden.
So ist auch der Fischaufstieg am Möhriger Wehr einerseits eine ökologische Ausgleichsmaßnahme für die Eingriffe in die Natur, die der Dammbau ohrnaufwärts zwischen Cappel und Oberohrn mit sich bringt. Andererseits ist die weitgehend abgeschlossene Baumaßnahme neben der ehemaligen Möhriger Mühle ein eigenständiger Beitrag zum Hochwasserschutz. Denn das alte Wehr wurde um 40 Zentimeter abgesenkt. Damit sinkt zugleich der Rückstau ohrnaufwärts. Davon profitiert vor allem das Öhringer Einkaufszentrum Ö, das in der Vergangenheit bei dem einen oder anderen Hochwasser nasse Füße bekommen hatte.
Das Wasser rauscht jetzt sozusagen zweispurig an der Möhriger Mühle entlang: einmal auf direktem Wege über das alte Wehr, zum anderen auf dem 30 Meter langen Umweg durch den neu angelegten Fischaufstieg.
Damit das naturnahe Bauwerk auch stärkeren Fluten Stand hält, mussten die Bauleute der Firma Leonhard Weiss 65 Kubikmeter Beton als Widerlager ins Bachbett gießen. „Das passt den Fischern nicht“, weiß Horst Geiger. Aber anders sei das Bauwerk im tief ausgehöhlten Bach nicht zu verankern gewesen.
Auch ein zweites Ergebnis der Baumaßnahmen stößt bei Fischern wie Anliegern auf wenig Gegenliebe: Geiger hat einen umgefallenen alten Baum aus dem Wasser ziehen lassen. Dabei wurde das Bachbett aufgerissen, weshalb der Wasserspiegel unterhalb des Wehrs ebenfalls um 30 Zentimeter gefallen ist. Am Rand, wo einst der Bach plätscherte, steht jetzt das Brackwasser im Schlamm. „Das ist optisch nicht schön“, gesteht der Amtsleiter ein. Auch die neue Uferbefestigung mit hingeworfenen Steinhaufen passt den Anwohnern nicht, hat Horst Geiger gestern Mittag deutlich erfahren müssen. Geiger versprach Abhilfe, setzt dabei aber ausdrücklich auf die Mithilfe von Mutter Natur: „Nach jedem Hochwasser sieht’s wieder anders aus.“

(aus der Heilbronner Stimme 18.10.2006)


Kraftwerk-Baustelle steht unter Wasser
Von Rainer Köller

Die Familie Jesser wohnt schon immer am Kocher, doch selten haben sich die Müller und Kraftwerksbetreiber so geärgert wie über das aktuelle Hochwasser. Die ganze Baustelle für das neue Kraftwerk am Kochersteinsfelder Wehr steht unter Wasser.
Manfred Jesser hat seinen eigenen Ausdruck für unter Wasser stehen: „Die Baustelle ist abgesoffen.“ Und das ist sie im wahrsten Sinne des Wortes. Zwar wurde in den vergangenen Wochen ein Damm errichtet zwischen dem Kocherbett und dem Areal, in dem ein neues Kraftwerk errichtet werden soll, doch der Kocher hat gezeigt, dass er sich nicht an künstliche Dämme hält, sondern sein Wasser dahin schickt, wo er das möchte.
Schon um die Jahrtausendwende kam die Idee zum Bau eines zweiten Kraftwerkes in Kochersteinsfeld auf. Nach dem Ende der 25-jährigen Laufzeit des alten Kraftwerkes erhielt Eigentümer und Betreiber Manfred Jesser Auflagen vom Landratsamt. Die inzwischen verschärften Gesetze verlangen, dass er den Kocher am Wehr „ökologisch durchgängig“ macht, sonst wird die Genehmigung nicht verlängert. Diese Maßnahme allein, eine so genannte Fischtreppe, hätte rund 170 000 Euro gekostet.
Die Idee, ein zweites Kraftwerk an der Stelle des Wehrüberlaufs zu bauen, spart der Jesser-Mühle und der Gemeinde Hardthausen sicherlich viel Geld. Da für das Kraftwerk eine Mauer gebaut werden muss und dadurch die im Bau befindliche Fischtreppe quasi in deren „Windschatten“ liegt, wird sie wahrscheinlich nur 45 000 Euro kosten. Diesen Betrag werden sich Jesser und die Kommune hälftig teilen.
Der Vorteil für den Kraftwerksbetreiber ist, dass durch die Einbeziehung des Steinbachs, der an dieser Stelle in den Kocher mündet und bislang über eine Kanalbrücke floss, eine Restwassermenge von 300 Liter je Sekunde reicht. Ohne den Steinbach müssten 900 Liter Restwasser pro Sekunde laut Vorschrift über das Wehr oberhalb des alten Kraftwerkes laufen.
Da für den Betrieb der alten und der neuen Turbinen, die beide rund 100 Kilowattstunden produzieren, zusammen zwölf Kubikmeter Wasser pro Sekunde benötigt werden, wird die alte bei Niedrigwasser ausgeschaltet werden.
Eine neue Trafostation hat Manfred Jesser, der bei seinem Vorhaben kräftig von Sohn Roland unterstützt wird, bereits bauen lassen. Die Arbeiten am Kraftwerk können erst weitergehen, wenn das Hochwasser zurückgegangen ist und die Grube leer gepumpt werden kann.
Wenn die Sprache auf die Kosten kommt, legt sich die Stirn des begabten Planers in Furchen, denn die halbe Million Euro muss er komplett über eine Fremdfinanzierung aufbringen. Doch ohne diesen Bau wäre die alte umweltfreundliche Stromerzeugung wohl „ins Wasser gefallen“. Die Inbetriebnahme ist für Ende Oktober geplant. Am Pfingstmontag nächsten Jahres wird es in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hardthausen und dem Obst- und Gartenbauverein einen Tag der offenen Tür geben.

(aus der Heilbronner Stimme 31.08.2006)


40 Kilometer Wanderweg für Fische
Von Manfred Dod

Die Jagst gilt im ökologischen Sinne landesweit als besonders naturnaher Fluss. Der von nahezu durchgehend bewachsenen Ufergehölzen geprägte Flusslauf weist eine intakte Flora und Fauna auf. Die Fischereivereine sind stolz auf den Artenreichtum der Lebewesen im und am Gewässer.
Für die Erhaltung und weitere Verbesserung dieser kostbaren Bestände gelten die Aktivitäten der im Jahre 2002 gegründeten Hegegemeinschaft Jagst, in der die Fischereivereine von Westernhausen bis hinunter nach Bad Friedrichshall zusammengeschlossen sind, als mustergültig.
Der als Sprecher fungierende Initiator Rolf Grimm aus Möckmühl-Züttlingen zeigte auf einer Exkursion vor Ort die aktuelle Situation an verschiedenen Flussgebieten, an denen die Fischaufstiege bereits vorhanden sind und sich bewährt haben.
Eine gigantische „Steighilfe“ für die flussaufwärts wandernden Fische wurde jetzt beim Stauwehr in Züttlingen in Betrieb genommen. Auf einer Länge von nahezu 60 Metern wurde eine bis zu vier Meter breite Zone mit Natursteinen ausgelegt, in der sich eine Wassermenge von maximal 700 Litern pro Sekunde bewegt. Eine nach dem gleichen Prinzip errichtete Anlage ist seit einem Jahr am Wehr der Schneidmühle Neudenau in Betrieb, erfüllt den Zweck und fügt sich gut in das Landschaftsbild ein.
Was den Fischen Ruhenischen bei ihrem Kampf gegen den Strom bietet, bedeutet für den Betrachter ein Naturereignis. Sprudelndes und wie in einem Gebirgsbach dahinplätscherndes Wasser unterstreicht das einzigartige Bild der Idylle an der Jagst. Auch der Erbauer der Fischaufstiege im Bereich Ruchsen und Züttlingen, der Kraftwerksbesitzer Josef Held, äußerte sich positiv über den Einsatz der Fischer in punkto Naturschutz. Die Fischer haben grundsätzlich die Pflege und Wartung der Fischaufstiege übernommen.
Für den Bau einer „Flechtbuhne“ bei Möckmühl wurden drei Lastkraftwagen Kies herangefahren, die das Fundament der Holzpflöcke im Bett der Jagst stabilisieren sollen. Nachdem das vor einem Jahr praktizierte Pilotprojekt Duttenberg dem Hochwasser zum Opfer fiel, hofft man, dass die Buhne einen guten Schutz für Fische und für das vorhandene Seerosenfeld bietet. Rolf Grimm, der die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und dem Regierungspräsidiums lobte, sagte: „Wenn es uns gelingt, die restlichen am Unterlauf der Jagst vorhandenen Schwachstellen im Hinblick auf Durchgängigkeit der Anlagen an den Wehren auszuräumen, ist ein 40 Kilometer langer Wanderweg für Fische freigemacht“.
Eine gelungene Kombination aus Biotop und Fischpass ist die Anlage beim Wehr Ruchsen. Der Badebetrieb, der hier stattfindet, aber grundsätzlich nicht gestattet ist, behindert den Fisch-Aufstieg. Auch sollten Hunde von den Fischaufstiegsanlagen ferngehalten werden.

(aus der Heilbronner Stimme 26.08.2006)


„Harmonisch in der Landschaft“
Von Claus Rehder

Wolkenbrüche über Massenbachhausen führten mehrfach in der Vergangenheit zu Überschwemmungen. Beeinträchtigt wurde auch Schwaigerns unterhalb liegender Teilort Massenbach. Damit soll es nun besser werden. Bei einer Rundfahrt informierten sich die Verantwortlichen über ihre aktuellen Projekte.
Der Zweckverband Hochwasserschutz Leintal hatte zu Beginn seiner Planungen eine Prioritätenliste aufgestellt, die nun Zug um Zug abgearbeitet wird. Vier Becken wurden im Leintal bereits gebaut. Ferner hat der Verband an verschiedenen Stellen durch lokale Schutzmaßnahmen Vorsorge getroffen gegen künftige Überschwemmungen.
Drei weitere Becken, die bislang im Eigentum von Verbandsgemeinden waren, sind in der Berechnung des Ingenieurbüros zum Hochwasserschutz im Leintal enthalten. Diese Becken werden künftig auch vom Verband betreut. Mit dem Umbau des Wehres bei der Barreis’schen Mühle in Heilbronn-Frankenbach hat der Verband den Abfluss verbessert. Gleichzeitig wurde die Durchgängigkeit für Kleinlebewesen und Fische hergestellt. Oberhalb davon soll eine weitere lokale Schutzmauer die Bebauung schützen. Mit einem Eigentümer ist jedoch derzeit keine Einigung in Sicht.
Zum Abschluss der Rundfahrt fand in Massenbachhausen der Spatenstich für eine weitere Hochwasserschutzmaßnahme statt. „Als zu Jahresbeginn Umweltministerin Tanja Gönner zu Besuch war, brachte sie uns den Bewilligungsbescheid mit“, freute sich Verbandsvorsitzender Johannes Hauser über den Landeszuschuss. Mit 70 Prozent fördert das Land die Maßnahmen im Leintal.
Das ungesteuerte Becken soll künftig 30 000 Kubikmeter Wasser bei Starkregen zurückhalten. Der dafür erforderliche Damm ist 130 Meter lang, an der höchsten Stelle 3,50 Meter hoch, wofür die Bauleute 6000 Kubikmeter Erde und 120 Kubikmeter Beton verbauen.
Bei einem 100-jährigen Hochwasser führt der sonst ruhig dahin plätschernde Leitersbach plötzlich 1900 Liter Wasser in der Sekunde das Tal hinab. Um 80 Prozent soll der Abfluss künftig auf 400 Liter in der Sekunde gedrosselt werden. Die Abflussregulierung erfolgt über zwei Schutzvorrichtungen aus Stahl, die im ökologischen Durchgangsbauwerk angebracht werden.
„Wir Ingenieure haben versucht, das Bauwerk harmonisch in die Landschaft zu integrieren“, erklärte Planer Joachim Wald unter Hinweis auf die flache Dammneigung. „Mit diesem Becken machen wir einen weiteren Schritt in Richtung Hochwassersicherheit“, sagte Schwaigerns Bürgermeister Johannes Hauser. Aber er mahnte auch, sich nicht zu sehr in Sicherheit zu wiegen. Schließlich wird nach dem Ausbau aller Becken nur ein hundertjähriges Hochwasser zu bändigen sein.

(aus der Heilbronner Stimme 07.06.2006)


Erleichterung für die Fische im Steinbach
Von Rainer Köller

Mit der Sicherung der ökologischen Durchgängigkeit des Steinbachs und den Planungen zum Bau eines neuen Wasserkraftwerks bei der Jesser-Mühle in Kochersteinsfeld geht es voran. Nach kleinen Änderungen an den bisherigen Plänen kann die Gemeinde Hardthausen demnächst mit dem Abschluss des Wasserrechtsverfahrens rechnen.
Die ökologische Durchgängigkeit sei laut Fachleuten, so erklärte Hardthausens Bürgermeister Harry Brunnet, gerade bei einem kleinen Bach wie dem Kochersteinsfelder Steinbach sehr wichtig. Dessen Wasser sei kälter als das des Kochers und deshalb insbesondere für kleinere Lebewesen anziehend.
Wegen der kleineren Fische soll die geplante Fischtreppe auch in einem geringeren Steigungswinkel gebaut werden, als dies vorgesehen war. Außerdem soll die Aufstiegshilfe direkt am Steinbach mäandrierend, also in einem Bogen, angelegt werden. So endet die Mündung dann nicht parallel zum Kocher, sondern rechtwinklig zum Auslauf des neuen Kraftwerks.
Derzeit führt der Steinbach in einer Betonschale über den Mühlkanal und mündet dann in den Kocher. „Niemand weiß mehr, wer die Brücke gebaut hat“, meinte Harry Brunnet, aber sie sei nun einmal da. Die Kosten des Umbaus tragen die Gemeinde und die Jesser-Mühle gemäß einer Absprache zu unterschiedlichen Teilen gemeinsam.
Die Arbeiten sollen in diesem Frühjahr beginnen. Ein kleines Problem gibt es laut Bürgermeister Brunnet noch: Er befürchtet, dass die Förderung nicht sehr großzügig ausfallen wird, da nur wenige Mittel zur Verfügung stehen.

(aus der Heilbronner Stimme 24.03..2006)


Wie ein Wildbach in blauem Gestein
Von Waltraud Langer

Die Jäckle-Mühle an der Brettach in Neuenstadt besteht seit mehr als 330 Jahren und ist noch heute in Betrieb. Um ihre Zukunft zu sichern hat der Müller Hartmut Kupfer eine Verlängerung der wasserrechtlichen Genehmigung beantragt. Unter anderem musste er dafür den Fischen ein Umlaufgerinne bauen. Seit einigen Wochen fließt es, nur die Fische machen sich rar.
Schon von weitem ist der Lattenzaun zu sehen, der das neue Gerinne einfasst. Ein Hinweisschild soll ungebetene Gäste abhalten. Wir mussten die Pflanzen schützen, damit sie angehen. Irgendwann kommt auch der Zaun wieder weg , sagt der Müller. Rund 150 heimische Büsche, Haselnusssträucher, Weiden und Brombeeren wurden zwischen die Steine gesetzt, um dereinst ein naturnahes Ensemble zu schaffen.
Hinter dem Zaun sprudelt s wie in einem Wildbach zwischen blauem Gestein. Im leichten Gefälle kurvt das Gerinne um das Wehr, um Fischen und Kleinlebewesen die Möglichkeit zu geben, ungehindert zu wandern.
Doch zurzeit sind darin keine Fische zu entdecken. Die Brettach führt zu wenig Wasser, da schafft der beste Schwimmer den Aufstieg nicht. Der Niedrigstand bekümmert auch den Müller.
Als Kompensation für die Investition, die er alleine schultern musste, bekommt er nach dem Stromeinspeisungsgesetz zwei Cent pro Kilowattstunde mehr als vorher. Bei der relativ geringen Kapazität seines Mühlenkraftwerks fällt das zwar nicht sonderlich ins Gewicht, aber gegenwärtig läuft gar nichts.
Aus Platzgründen habe man bei der Jäckle-Mühle als Fischaufstieg das Umlaufgerinne und keine Fischtreppe oder Rauhe Rampe gewählt, sagt Hartmut Kupfer. 40 Meter Gerinne hat er größtenteils in Eigenregie angelegt. Dabei wurde er von verschiedenen Fachleuten beraten. Jetzt hat er die wasserrechtliche Genehmigung für weitere 30 Jahre in der Tasche.
Und eine Insel vor der Tür. Vom Max und Moritz Cafe im Mühlengebäude schaut man auf das Stückchen mit Akazien bestandene und von Brettachwasser umspülte Land. Vielleicht machen wir mal was draus , sagt Hartmut Kupfer Meine Frau hat da so eine Idee.

(aus der Heilbronner Stimme 08.12.2005)


Rund 350 Tonnen Stein auf 50 Metern
Von Manfred Dod

Am Stauwehr der Jagst bei der idyllisch gelegenen Schneidmühle Neudenau wurde jetzt eine Fischtreppe in Betrieb genommen. Eine von Mühlenbesitzer Jürgen Walz beauftragte Spezialfirma verarbeitete in zweiwöchiger Bauzeit für das rund 50 Meter lange Bauwerk insgesamt rund 350 Tonnen Natursteine.
Die Anlage, die dem ökologischen Zweck zum Erhalt der Fischbestände dient, fügt sich sehr gut in das Landschaftspanorama des Jagsttales ein. Fischtreppen sind in erster Linie Wanderhilfen für die Kaltblütler. Mit ihnen sollen sie Wehre an Kraftwerken überwinden. Außerdem wandern auch viele Lebewesen wie Flohkrebse und Fliegenlarven viele Kilometer in den Flussläufen. Dazu brauchen die Wasserlebewesen durchgängige Gewässer.
Die Rechtsgrundlage des bestehenden Fischereigesetzes von 1874 schreibt den Bau von Fischaufstiegen an Wehranlagen zwar vor, doch in der Praxis konnte dies vielfach noch nicht allerorten umgesetzt werden, da es Ausnahmen gibt.
Für derartige Projekte, deren Kosten zu Lasten der jeweiligen Kraftwerksbesitzer gehen, werden verschiedene Konstruktionsverfahren angeboten. Im Falle der Schneidmühle in Neudenau wurde das so genannte Prinzip Rauhe Sohlrampe gewählt. Bei diesem Verfahren handelt es sich um eine Steinschüttung mit durchgehendem Lückensystem.
Auf der sich stromabwärts neigenden Distanz von gut 50 Metern befinden sich zudem vier kreisförmig angelegte Ruhezonen, in denen sich die Fische von ihren Strapazen der Aufwärtswanderung erholen können.
Zum Bau der Fischtreppe an der Schneidmühle nannte Jürgen Walz zwei wesentliche Vorraussetzungen, die er zur Verwirklichung des Projektes bereits im Herbst vergangenen Jahres zu bewerkstelligen hatte. Die erste Maßnahme bestand darin, die Wehrkrone zu egalisieren. Um einen konstanten Pegelstand der Jagst zu erhalten, musste ferner die gesamte Turbinentechnik umgestellt werden, damit die Anlage störungsfrei laufen kann.
Einen finanziellen Ausgleich für die entstanden Kosten sieht Walz in den Vorgaben des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), wobei pro Kilowattstunde nun zusätzlich zwei Cent vergütet werden. Derartige Fischaufstiege sind jedoch auch zu warten, da behinderndes Schwemmgut entfernt werden muss, was besonders bei Hochwasser vermehrt auftritt.
Die Fischer, die bei der Hege und Pflege des Fischbestandes sowie auch in der Reinhaltung der Gewässer wertvolle Dienste leisten, freuen sich über derartige Fischwanderhilfen, die dazu beisteuern, die Artenvielfalt der Lebewesen in den Gewässern zu erhalten. Auch der Wanderer findet Wohlgefallen beim Anblick der reizvollen von Menschenhand geschaffenen Wasserspiele.

(aus der Heilbronner Stimme 09.11.2005)


Umbau von Wehr und Bach
Von Rainer Köller

Rund 21 500 Euro wird die Baumaßnahme kosten, mit der die Gemeinde Hardthausen den Steinbach und den Kocher am Kochersteinsfelder Wehr ökologisch durchgängig machen möchte. Wie das beauftragte Ingenieurbüro jetzt feststellte, seien diese Kosten jedoch nur auf diesem Niveau zu halten, wenn der Ausbau gleichzeitig mit dem Bau des neuen Kraftwerks an der Jessermühle erfolge. Ohne die Zusammenlegung der Arbeiten schätzen die Fachleute mit Kosten von mehr als 40 000 Euro.
Dem Ausbau des Steinbaches, der im Augenblick noch in einem Betonbett über den Mühlkanal läuft, stimmten die Gemeinderäte schon im April dieses Jahres zu. Die Planungen wurden noch einmal überarbeitet. Nach den aktuellen Plänen soll der Steinbach neben der Funktion einer Niedrigwasserrinne zur ökologischen Durchgängigkeit zwischen Mühlkanal und Kocher ausgebaut werden.
Da der Steinbach noch vor der geplanten Fischaufstiegshilfe erste Priorität hat, muss er auf jeden Fall als öffentliches Gewässer von der Mühlkanalbrücke bis zum Kocher weitergeführt werden.
Ursprünglich war angedacht worden, die Einleitung des Steinbachs in die notwendige Fischaufstiegshilfe der Jessermühle durch einen Nutzungsvertrag sicher zu stellen. Die Räte stimmten den neuen Planungen zu und legtendie Einleitung des wasserrechtlichen Verfahrens fest.

(aus der Heilbronner Stimme 07.10.2005)


Die hohen Kosten ärgern Müller Kupfer
Von Waltraud Langer

Bei der Nutzung der Wasserkraft kommt der Mensch dem Fisch mitunter ganz schön in die Quere. Umgekehrt kann es auch passieren, wie jetzt der Neuenstädter Müller Hartmut Kupfer erfahren musste: Wenn er den Fischen keine Treppe, ein so genanntes Umlaufgerinne, baut, muss er seine Mühle stilllegen.
Dem Neuenstädter ist wohl bewusst, dass Leben am Fluss und mit dem Fluss zu ökologischem Handeln verpflichtet. Allerdings möchte er dafür die Lasten nicht ganz alleine tragen. Vor einigen Jahren hat Kupfer um eine Verlängerung der vor siebzig Jahren erteilten wasserrechtlichen Genehmigung zum Betrieb der Mühle angesucht. Die wurde für dreißig weitere Jahre nur unter der Bedingung erteilt, dass er ein Umlaufgerinne baut. Dass er dafür die zwischen dreißig- und vierzigtausend Euro veranschlagten Kosten alleine tragen soll und keine Zuschüsse bekommt, ärgert ihn. Aber weil die Frist abläuft, muss er in den sauren Apfel beißen.
Größtenteils in Eigenleistung will er jetzt die Fischtreppe errichten. Vierzig Meter lang soll das Umlaufgerinne einen sanften Bogen um das Wehr schlagen, damit die Fische ungehindert flussaufwärts zu ihren Laichplätzen gelangen.
Auch bei den Fischen gibt es schlechte Schwimmer, daher muss das Gefälle möglichst gering sein, sagt Günther Neuweiler. Er ist einer von Kupfers Verbündeten, wie er sie nennt. Neuweiler hat jahrelang als Ingenieur im Wasserbau gearbeitet und die Fischtreppe in Schöntal gebaut. Beratende Hilfe erfährt Kupfer auch von Richard Keil von der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke und von Horst Geiger, stellvertretender Leiter des Öhringer Stadtbauamtes, auch er bewandert in Wasserwirtschaftsfragen.
"Die Durchgängigkeit der Flüsse ist ein berechtigtes Anliegen des Naturschutzes", sagt Geiger. Als Kompensation für die Investition sieht das Stromeinspeisungsgesetz eine Vergütung von zusätzlich zwei Cent pro Kilowattstunde vor. "Das bringt mir kaum was", sagt Kupfer. Sein kleines Kraftwerk zum Betrieb von Mühle und Mühlenlädle hat eine Kapazität von 20 Kilowattstunden und produziert je nach Wassermenge zwischen null und maximal 480 Kilowattstunden. "Da brauch' ich ja mehr als fünfzig Jahre, bis ich die Kosten hereinbekomme."
Das sieht Marco Sander nicht ganz so. Und überhaupt geht es dem Diplom-Biologen und zweiten Vorsitzenden der Hegegemeinschaft Kocher in erster Linie um die Fische: "Die Brettach ist insbesondere im Oberlauf eines der naturnahesten Gewässer in der Region und wir wollen erreichen, dass sich irgendwann hier die Lachse wieder tummeln."
Sein Schärflein wird nun also auch der Neuenstädter Müller dazu beitragen. In drei Wochen soll das Umlaufgerinne fertig sein.

(aus der Heilbronner Stimme 11.08.2005)


Raue Rampe entsteht am Jagstwehr Ruchsen
Von Cordula Dürr

Jede Menge Material wurde hier am Jagst-Wehr in Möckmühl-Ruchsen verbaut, um Fischen den Aufstieg vom Niederwasser ins Oberwasser zu ermöglichen. (Foto: Cordula Dürr)

650 Tonnen Wasserbausteine, 108 Kubikmeter Beton und 30 Kubikmeter Kies wurden dieser Tage am Jagst-Wehr in Möckmühl-Ruchsen verbaut, um Fischen den Aufstieg vom Niederwasser ins Oberwasser zu ermöglichen.

Eine so genannte "raue Rampe" soll die längst verfallene Fischtreppe neben der Staumauer ersetzen. Die Rampe ist 66 Meter lang und etwa 3,5 Meter breit und lässt über ein Gefälle von 4,5 Prozent etwa 600 Liter Wasser pro Sekunde passieren. Gefordert wurde die Baumaßnahme vom Landratsamt Heilbronn, das sich an den Wasserrahmenrichtlinien der EU orientiert. Die Kosten von 48 000 Euro sind vom Nutzer der Staustufe, dem Kraftwerksbetreiber Josef Held, zu tragen. Er ist auch zuständig für das Wehr in Züttlingen, wo im Spätsommer dieselbe Aktion durchgeführt wird. Die Erlaubnis, Wasser der Flüsse zur Energiegewinnung zu nutzen ist, wie der für die Maßnahme zuständige Bautechniker Josef Held vom Regierungspräsidium Stuttgart erläuterte, ein Privileg, das eben auch mit Auflagen verbunden ist. Diesbezüglich arbeite seine Behörde eng mit dem Landratsamt zusammen, fügte Held hinzu. Der Begriff raue Rampe erklärt sich durch die aufrechtstehenden in Beton und Kies eingebetteten Störsteine, die die Fließgeschwindigkeit des Wassers reduzieren und durch die Wirbelbildung zu einer Sauerstoffanreicherung beitragen. Im Verlauf der Rinne sind vier Ruhebecken eingebaut, in denen die Fische ihren Aufstieg unterbrechen können. Ein Biotop, das in diesem Zusammenhang im oberen Bereich des Wehrs, unmittelbar neben der Rampe realisiert wurde, entstand auf Initiative des Fischereivereins Ruchsen. Er übernimmt auch die Baukosten und sorgt künftig für Ordnung im Uferbereich. Die Unterhaltungskosten für das Biotop übernimmt das Regierungspräsidium. Das Biotop ist etwa 250 Quadratmeter groß, maximal 1,5 Meter tief und soll Fischen und anderem Wassergetier als Brutstätte dienen. Die von vielen Möckmühlern gern genutzte Badestelle verlagert sich etwas nach rechts. Um den Einstieg zu erleichtern, sind auch hier einige Steinblöcke versenkt worden. Das Gelände im Bereich des Wehrs ist durch den Einsatz von schwerem Gerät arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Es soll aber, wie Zeller versicherte, so schnell wie möglich begrünt werden.

(aus der Heilbronner Stimme 29.06.2005)


Steinbach durchgängig

Die Jesser-Mühle in Kochersteinsfeld beteiligt sich jetzt an der Planung für die ökologische Durchgängigkeit des Steinbachs zwischen Mühlkanal und Kocher. Die Gemeinde Hardthausen hat den Ausbau des Steinbaches angestoßen, nachdem die Gewässerdirektion Besigheim und das Umweltschutzamt im Landratsamt Heilbronn diese Maßnahme fordern (wir berichteten). Voraussetzung für den Planungsauftrag jetzt im Gemeinderat war, so Bürgermeister Harry Brunnet, dass die Mühle - wie jetzt geschehen - ein Ingenieurbüro mit der Berechnung der Rohrturbine, der Erhöhung des Aufstaus und der Errichtung einer Fischaufstiegshilfe beauftragt.

(aus der Heilbronner Stimme 12.04.2005)


Grünes Klassenzimmer im und um den Hagenbucher für die Schüler
Von Gerd Kempf

Naturschützern haftet bei allem Wohlwollen der Makel an, vor der großen Sorge um Flora und Fauna den Menschen zu vergessen. Wohl deswegen hat die NABU-Gruppe Heilbronn ihrer Konzeption für den Heilbronner Neckarpark ausdrücklich den Hinweis "für Mensch und Natur" hinzugefügt. In der vom Plochinger "Büro am Fluss" ausgearbeiteten Konzeption gehört daher zu den "zentralen Zielen", den Bürgern im Neckarpark "attraktive Aufenthaltsbereiche in Form von Liegewiesen und freiem Raum direkt am Wasser" anzubieten. Den Heilbronnern NABU-Sprechern Jörg Kuebart und Wolfgang Hellwig ist sehr wohl bewusst, wie sie betonen, dass der Neckarpark "mitten in der Stadt" liegt und daher "Natur pur" kein Ziel sein kann. Vielmehr soll für die der Hektik der Innenstadt ausgesetzten Bewohner ein Ausgleich geschaffen werden. "Etwas überrascht" war man beim NABU, als man erstmals von den Plänen einer Bundesgartenschau in Heilbronn hörte. Doch auch hier zeigte sich, dass man "eigentlich die gleiche Zielsetzung" habe. Wenn beispielsweise das marode Fruchtschuppenareal nicht renaturiert, sondern bebaut werden soll, stehe das keineswegs im Gegensatz zu den Zielen der Naturschützer. Die Bebauung dieser Brache verhüte vielmehr Flächenverbrauch in der freien Natur. Von den insgesamt 20 aufgelisteten Maßnahmen in der Neckarpark-Konzeption steht sicher nicht zufällig an erster Stelle das Errichten eines "Grünen Klassenzimmers am Neckar", wofür ein Raum im Hagenbucher zur Lagerung der Unterrichts-Materialien benötigt würde. Im Umfeld des Hagenbuchers wird ein "Garten der Sinne", ein "Barfuß-Parcours", ein Nistkastenlehrpfad, ein Lehrbienenstand, ein Sonnen-Wasserspiel zum Thema Energie und ein Naturspielplatz vorgeschlagen. Die Idee ist nicht neu. Bereits in der Praxis bewährt habe sich das "Grüne Klassenzimmer am Neckar" des NABU-Kreisverbands Esslingen in Plochingen. Als weitere Maßnahme wird eine Öko-Kneipe mit Biergarten im Bereich des Hagenbuchers vorgeschlagen, die mit dem Vertrieb ihrer Produkte die regionale Landwirtschaft unterstützen könnte. Als eines der wichtigsten Ziele wird die "Herstellung der Durchgängigkeit" bezeichnet. Laut EU-Richtlinien sollen die Mitgliedstaaten bis zum Jahr 2015 ihre Gewässer in einen "guten ökologischen Zustand" versetzen. Dazu gehöre, dass Fische auf ihrem Weg zur Quelle nicht durch Schleusen oder ein Stauwehr aufgehalten werden. Der Neckarpark, heißt es in der NABU-Konzeption, biete "eine einzigartige Chance, die Durchgängigkeit des Neckars im Bereich der Stadt Heilbronn für Fische und Kleinlebewesen herzustellen und gleichzeitig Wasser für den Menschen erlebbar zu machen". Als konkrete Maßnahme wird ein fünf Meter breites und 150 Meter langes "Umgehungsgerinne" um das bestehende Wehr vorgeschlagen.

(aus der Heilbronner Stimme 26.03.2005)


Seit Jahren fordert Amt die Fischtreppe
Von Rainer Köller

Eine Fischtreppe, die ökologische Durchgängigkeit des Steinbachs und ein kleines umweltfreundliches Kraftwerk - drei Fliegen mit einer Klappe wollen wollen die Planer hier an der Jessermühle schlagen. (Foto: Agentur Kochertal)

Die Gemeinde Hardthausen macht ernst mit dem Ausbau des Steinbaches am Ortsrand von Kochersteinsfeld zwischen dem Mühlkanal und dem Kocher. Die Verwaltung rechnet mit 30 000 Euro Kosten. Die Gewässerdirektion Besigheim und das Umweltschutzamt beim Landratsamt Heilbronn fordern schon seit Jahren vom Besitzer der Jesser-Mühle die Sicherung eines Mindestwasserabflusses und den Bau einer Fischtreppe und von der Gemeinde die naturnahe Einleitung des Steinbaches in den Kocher. Bislang gelangt der Steinbach über eine Betonbrücke über den Mühlkanal. Im Laufe der Planungen wurde festgestellt, dass nach dem Liegenschaftskataster der Steinbach ganz anders verlaufen müsste und sich damit laut Bürgermeister Harry Brunnet ein stärkeres Mitspracherecht der Gemeinde ergebe. Das Silo der Mühle stehe auf Gemeindegebiet, der Bach fließt auf Privatgelände der Familie Jesser. Müller Manfred Jesser gab bekannt, dass seine Familie beschlossen habe, zusammen mit einer Fischtreppe ein kleines Krafthaus zu errichten. Auf diese Weise soll die abzugebende Pflichtwassermenge für die Ausleitungsstrecke energetisch genutzt werden. Der Umbau des Steinbaches ermöglicht es, die rund 100 Liter Durchfluss aus dem Bach zusätzlich zum Kocherwasser für dieses neue Kraftwerk zu nutzen. Die Gemeinde beauftragte ein Ingenieurbüro mit den Planungen, die, so Harry Brunnet, durchaus vertretbar seien, wenn man die sich daraus ergebenden voraussichtlichen Belastungen für den Steinbachausbau in Höhe von lediglich 30 000 Euro betrachte. Die Planung allein wird mit etwas mehr als 3100 Euro zu Buche schlagen.

(aus der Heilbronner Stimme 05.03.2005)


Bald klappert die Mühle am rauschenden Bach
Von Henry Doll

Läuft alles nach Plan, dann dürfte in wenigen Wochen das kleine Wasserkraftwerk in Kocherstetten den Betrieb aufnehmen. Das von der Schneiderhahn KG gebaute Werk am Kocherufer wird Strom ins öffentliche Netz einspeisen. "Das könnte man fast schon als historisch bezeichnen", freut sich der Kocherstettener Ortsvorsteher Ernst Gruber über das kleine Kraftwerk. "Wir als Ortschaftsrat unterstützen das. Wir waren einstimmig für diese Geschichte." Mit gewissen Auflagen, etwa den Badebetrieb und den Wasserdurchfluss im Kocher betreffend, konnte der Bau beginnen. Kurz vor der Fertigstellung lässt das in der Nähe des Kocherstettener Sportplatzes gelegene Wasserkraftwerk nun fast so etwas wie Schwarzwaldmühlenromantik aufkommen. Wobei: Anfangs habe man doch erst mal geschluckt, als die Ausmaße sichtbar wurden, deutet Gruber an. Dennoch befürwortet er die Anlage. Neben einem Betriebsgebäude ist vor allem das Wasserrad mit sieben Metern Durchmesser auffallend. Jede einzelne Holzschaufel ist etwa so groß wie eine Tischtennisplatte. Nach dem Baubeginn im September gestaltete sich der Bauverlauf relativ flüssig, berichtet Roland Tscharf von der Schneiderhahn KG mit Sitz in Gundelsheim. In etwa drei Wochen könnte die Anlage betriebsbereit sein. Vor allem die Behörden hätten sich sehr kooperativ gezeigt, freut sich Tscharf. Den Vergleich kann er durchaus ziehen. Denn das Wasserkraftwerk in Kocherstetten ist nicht die erste Anlage dieser Art. Schon bei Schwäbisch Hall, in Uttenhofen und im Schwarzwald hat das Unternehmen ähnliche Wasserkraftwerke gebaut. "Wenn Sie eine solche Anlage haben, fahren Sie mit offenen Augen durch die Gegend", beantwortet er die Frage nach der Standortwahl. Für eine Anlage am Kocherstettener Wehr sprach, dass es genügend Gefälle und Wasser gibt, um eine neunzigprozentige Auslastung zu gewährleisten. Wenn geklärt ist, wo die Anlage den Strom ins Netz einspeist, kann der Betrieb beginnen. Derzeit laufen noch die Verhandlungen mit der EnBW. Angepeilt ist eine Abgabe von 50 Kilowatt pro Stunde ins Netz. Dies könnte, je nach Ausstattung, für 50 bis 100 Haushalte reichen, rechnet Tscharf vor. Die Abnahme des Stroms ist durch das Gesetz über erneuerbare Energien (EEG) geregelt. Die Kosten des Werks liegen im Bereich zwischen 200 000 und 300 000 Euro. Die Eingriffe in die Natur hielten sich in Grenzen. Roland Tscharf: "Wir haben an der Natur so wenig wie möglich verändert." Für die Fischer und die Fische hat sich laut Tscharf die Situation durch eine neu installierte Fischtreppe sogar verbessert.

(aus der Heilbronner Stimme 19.01.2005)


Hochwasserschutz im Leintal Zug um Zug komplettieren
Von Claus Rehder

Mit Hochdruck arbeitet der Zweckverband Hochwasserschutz Leintal an der Erstellung der weiteren Becken. Die Verbandsversammlung hat in der jüngsten Sitzung den Stand der Planungen positiv bewertet. Derzeit liegt die Umsetzung des Bauprogramms voll im Zeitplan. Die Becken der ersten Prioritätsstufe sind entweder bereits fertig gestellt oder zumindest schon im Bau. In der Planung befinden sich die Anlagen der zweiten Stufe. Bereits eingereicht bei den Genehmigungsbehörden sind die Becken L 16 vor der Ortslage Frankenbach und M 4 in Massenbachhausen. "Wir gehen davon aus, dass spätestens zu Beginn des kommenden Jahres die Genehmigungen auf dem Tisch liegen", freut sich Verbandsvorsitzender Johannes Hauser über die zügige Bearbeitung. Er will das Bauprogramm so schnell wie möglich abschließen. Demnächst soll auch das Planfeststellungsverfahren für ein weiteres Becken in Schwaigern eingereicht werden. Die mit der Zuschussbearbeitung und den Planungsvorbereitungen befasste Ingenieurin der Stadt Heilbronn, Jakobine Biehl, erläuterte dem Gremium die Fördermaßnahmenliste. Neben den genannten Becken soll auch am Rotbach, unterhalb des Hipfelhofes, ein Becken mit einem Volumen von etwa 100 000 Kubikmeter, entstehen. Durch den geforderten zweiten Schieber für eine ökologische Durchgängigkeit werden Umplanungen erforderlich. Nach zahlreichen Verhandlungsrunden kann bis Anfang kommenden Jahres die Genehmigung beantragt werden. Neben den überörtlichen Maßnahmen soll in Frankenbach das alte Wehr umgebaut werden. Durch die Vergrößerung der Leistungsfähigkeit und den Einbau einer beweglichen Stauklappe kann im Oberwasser eine Absenkung des Wasserspiegels bewirkt werden. Die Maßnahme wurde von der Versammlung abgesegnet. Gebaut wird voraussichtlich im Frühjahr 2005. Die lokale Maßnahme in Massenbach steht ebenfalls vor dem Abschluss. Für Stetten sieht die Planung ein zusätzliches Becken am Hungerbach mit rund 33 000 Kubikmeter Fassungsvolumen vor. Das dortige Regenrückhaltebecken kann nur kleine Niederschläge aufnehmen und dient bislang vorwiegend als Schlammfang. Der Straßendurchlass erhält ein vorgesetztes Bauwerk mit einem einflügeligen Stemmtor oder einem Rollschütz. Die Maßnahme wird Kosten von rund 400 000 Euro verursachen und wurde zusätzlich in das Bauprogramm aufgenommen. Am Ortsausgang von Stetten soll die Brücke der Kreisstraße neu errichtet und die Leistungsfähigkeit des Abflusses somit erhöht werden. Verschiedene Varianten wurden untersucht. Letztlich sei aufgrund der Umstände und Bodenbeschaffenheit ein Ortbetonbauwerk am günstigsten zu realisieren, erläuterte Planer Dr. Michael Rosport. Für Leingarten liegen drei lokal wirkende Entwürfe vor. Diese will die Verwaltung nun mit den Anliegern abstimmen. Teilweise greifen diese Planungen schon in die dritte Prioritätsstufe. Mit dieser letzten Stufe sollen dann die restlichen Maßnahmen bis 2009 vollends umgesetzt werden. "Wir können dann im Leintal ein 100-jähriges Hochwasser abführen, aber eine 100-prozentige Sicherheit gibt es damit noch lange nicht", warnte Verbandsvorsitzender Johannes Hauser. Nach heutigem Stand sind noch rund 7,25 Millionen Euro zu verbauen.

(aus der Heilbronner Stimme 02.12.2004)


Auf rauer Rampe am Wehr vorbei

Fischtreppe bei der FH zieht auch Zweibeiner an. Erhard Winkler, dessen Stuttgarter Ingenieurbüro Winkler und Partner die am Wehr in der Hofratsmühle im vergangenen Herbst angelegte Fischtreppe geplant hat, zeigt dennoch Verständnis: "Eigentlich sollte an einem Umgehungsgerinne kein Spielplatz sein, aber zurzeit lässt sich das wohl nicht ganz vermeiden". In der Tat. Wer der oder die erste war, die sich in den vergangenen Wochen unter den schattigen Bäumen bei der Fischtreppe zu kühlender Rast niedergelassen haben, weiß niemand, aber inzwischen kommen hier an allen Tagen der Woche meist gegen Abend einige Strandbesucher, teils mit Kind und Kegel und auch mit Hunden, die sich im Kocher eine Abkühlung holen wollen. Überlaufen ist die Wiese unterhalb des nach Morsbach führenden Wiesweges noch keineswegs, zumal eine Schranke zumindest Autofahrer auf Distanz hält, aber ein Grundstücksbesitzer hat dennoch Anlass gesehen, durch ein Schild an Wanderer und Radfahrer zu appellieren, die Wiese nicht mehr zu betreten. Die Fischtreppe am nördlichen Kocherufer, etwa auf Höhe der Fachhochschule gelegen, ist knapp vierzig Meter lang und vier bis fünf Meter breit. Die sogenannte "raue Rampe" hat ein bescheidenes Gefälle und sorgt durch Kiessubstrat dafür, dass die Wassergeschwindigkeit bisschen eingebremst wird. Größere Störensteine aus heimischem Kalkstein halten den Wasserlauf zusätzlich an, sodass die Fische eine gute Chance haben, das Wehr beiseite zu lassen und sich in beide Richtungen zu bewegen. Zu den wandernden Fischarten gehören hierzulande unter anderem Forelle, Barbe, Nase, Döbel, Rotauge, Barsch und Aal. Nach Wandern ist denen zurzeit allerdings beim niedrigen Wasserstand auch nicht zumute. Die Fischtreppe wurde von der Gewässerdirektion Künzelsau mit einem Aufwand von rund 100 000 Euro als ökologische Ausgleichsmaßnahme für die Eingriffe in die Natur zugunsten des Millionen teuren Hochwasserschutzes von Mosbach bis Künzelsau angelegt.

(aus der Heilbronner Stimme 21.08.2003)


Schozach wurde zu neuem Leben erweckt

Unterlauf auf einer Strecke von 400 Meter renaturiert. Noch vor gut einem halben Jahr machte das Areal einen eher verwilderten Eindruck. Heruntergekommene Hütten und ungepflegte Kleingartenanlagen prägten das Bild. Der Unterlauf der Schozach war zudem in seiner Eigendynamik gestört. Witterungsbeständiges Bongossiholz verbaute das Ufer. Der Lebensraum für Pflanzen und Tiere war dadurch sehr eingeschränkt. Für die Umgestaltung musste die Stadt Heilbronn Pachtverträge kündigen und teilweise Grund neu erwerben. Ziel der Renaturierung ist es, eine Eigendynamik des Gewässers wieder zuzulassen. Dazu wurden die steilen Uferpartien abgeflacht und heimische Gehölze wie Schwarzerlen und Weiden neu angepflanzt. "Die gehen mit ihren Wurzeln sogar unter der Gewässersohle durch", sagt Bauingenieurin Jakobine Biehl vom städtischen Tiefbauamt. Die Gehölze vertragen die Staunässe gut und schützen den Bachlauf vor Tiefenerosion. Bei der Einmündung des Deinenbachs wurde ein "Mollenkopf", eine künstliche Halbinsel, sowie eine raue Rampe angelegt. Dies gibt kleinen Fischen und Kleinstlebewesen, die für die Selbstreinigung von Gewässern wichtig sind, die Möglichkeit, bachaufwärts zu wandern. " Unser Ziel ist es, die Artenvielfalt in der Schozach und im Deinenbach zu bereichern", erklärt Biehl. Die Renaturierung hat insgesamt 56 000 Euro gekostet. Dazu erhält die Stadt Heilbronn einen Zuschuss von 50 Prozent vom Land Baden-Württemberg. Alle Arbeiten wurden in Zusammenarbeit mit dem städtischen Betriebsamt und der Aufbaugilde durchgeführt. Heilbronn hat damit einen ersten Schritt getan, die europäischen Wasser-Rahmenrichtlinien zu erfüllen. Danach sollen alle europäischen Gewässer bis 2015 in einen naturnahen Zustand zurückversetzt werden. Doch an der Schozach soll nicht Halt gemacht werden. Weitere Renaturierungen sind vorgesehen. Ob Leinbach, Böllingerbach, Rotbach oder Deinenbach - Haushaltsmittel für eine naturnahe Umgestaltung sind beantragt. Das Land übernimmt für die Renaturierungen der Gewässer und den Erwerb von Gewässerrandstreifen in jedem Fall 50 Prozent der Kosten. (red)

(aus der Heilbronner Stimme 20.08.2003)


Die Inzucht bei den Fischen verhindern

Gewässernachmittag an der Ernsbacher Pachthofscheuer. Der Forchtenberger Bürgermeister Martin Tuffentsammer eröffnete den Tag in der Pachtscheuer in Ernsbach. Anschließend erläuterte Helmut Schwab, Betreuer der Gewässernachbarschaft Hohenlohe, warum ein Gewässer durchgängig sein soll und nannte Randbedingungen und Entwicklungsziele. "Für die Wasserbewohner ist der hindernisfreie Zugang zu den Unterschiedlichen Lebensräumen zur Fortpflanzung wichtig. Andernfalls kann es bei den Tieren zu Inzucht kommen." Ein künstlich eingebautes Wehr stellt für Fische und andere Wassertiere ein nahezu unüberwindbares Hindernis dar. Die Wanderung zu höher gelegenen Laichplätzen wird unterbrochen. Beim Bau der Wehre standen aber eindeutig wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Die teilweise eingebauten Fischsteigen erfüllen ihre Funktion nur bedingt: Grundfische und andere Kleinlebewesen können diese Kletterhilfen nicht nutzen. Deshalb werden seit einiger Zeit raue Rampen oder Umgehungsgerinnen in die Wehre integriert. Der Untergrund darin ist mit Steinen ausgestattet und ermöglicht so kleineren Lebewesen und Fischen, das Wehr zu umgehen. Über bauliche Maßnahmen wird gewährleistet, dass diese Rampen auch bei Niedrigwasser genügend Wasser führen, aber nie mehr als einen Meter pro Sekunde Fließgeschwindigkeit besitzen. Werde dies nicht beachtet, " können Kleintiere oder Bodenfische die Wanderungshilfen nicht nutzen ", weiß Ernst Nagel, Planer der rauen Rampe am Ernsbacher Kocherwehr. Ziel des Gewässernachbarschaftstages ist der Informationsaustausch zwischen den zuständigen Behörden. Die Gemeinde können durch die Umgestaltung von Wehren oder Wanderungshindernissen einen Naturschutzausgleich für Baugebietserschließungen erbringen. "Die Unterhaltungskosten liegen im Vergleich zu Streuobstwiese oft niedriger ", so Schwab. Die Veranstaltung wurde bei den Teilnehmern positiv aufgenommen. Heinrich Karle, Bauhofleiter der Gemeinde Dörzbach, fand den Kontakt mit den Kollegen und anderen zuständigen Stellen gut. "Man kann Erfahrungen austauschen und Anregungen einholen. Außerdem sieht man dabei auch mal die Praxis", sagte er. Dem schlos sich seine Kollege vom Krautheimer Bauhof, Guido Schmitt, an.

(aus der Heilbronner Stimme 21.11.2002)


"Fahrstuhl" für Fische

Ökologische Maßnahme bei der Künzelsauer Hofratsmühle. Bauingenieurin Petra Engelhardt vom Stuttgarter Ingenieurbüro Winkler und Partner betreut die Baustelle, an der die Arbeiten in etwa sechs Wochen abgeschlossen sein sollen. "Es handelt sich um einen ökologischen Ausgleich für die Hochwasserschutzmaßnahmen in Morsbach, in den Wertwiesen, in der Würzburger Straße und in der Hofratsmühle", schildert sie die Vorgeschichte der eta 100 000 Euro teuren "rauen Rampe" am Wehr. In den letzten Jahren haben Bund, Land und Stadt beträchtliche Mittel aufgewendet, um Künzelsau besser vor Hochwasser zu schützen. Das wurde zwar behutsam gemacht, aber auch Dämme aus großen Natursteinen gelten als Eingriffe in die Natur, die an anderer Stelle durch ökologische Maßnahmen ausgeglichen werden sollen. In diesem Fall bot sich am Wehr in der Hofratsmühle eine sogenannte raue Rampe an, die es Fischen erleichtern soll, das steile Wehr flussauf- und flussabwärts leichter zu bewältigen als dies bisher möglich war. Zuerst wird auf der rechten Flussseite eine Grube ausgehoben und dann mit Füllmaterial so gestaltet, dass eine Rampe mit einer flachen 1:20-Neigung entsteht. Während das Gerinne an der Sohle nur fünf Meter breit ist, soll die raue Rampe oben mit etwa 20 Metern eine Art komfortabler "Fahrstuhl" für die Fische und andere Kleintiere werden. Große und kleine Steine werden dem Kocher hier das Aussehen eines Gebirgsbaches geben.

(aus der Heilbronner Stimme 18.10.2002)


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