Fischereiverein Heilbronn e.V.

gegründet 1887

A n g e l n  -  E n t s p a n n e n  -  H e g e n  -  S c h ü t z e n  -  P f l e g e n

"Eine logistische und technische Meisterleistung"
Von Joachim Friedl
 

Am Köpferstausee, gleichermaßen idyllisches Kleinod wie rationales Schutzbecken vor Hochwasser, kehrt wieder Ruhe ein. Die umfangreichen Sanierungsarbeiten wurden jetzt nach achtmonatiger Bauphase abgeschlossen. 900 000 Euro investierten die Stadt Heilbronn und das Land in die Schutzmaßnahme.
Zum zweiten Mal nach der Premiere im Jahre 1936 wurde am Donnerstag das Regenrückhaltebecken "Köpferstausee" im Köpfertal eingeweiht. Mitte der 30er Jahre hatten Männer des Reichsarbeitsdienstes den Stausee angelegt, um den Osten der Stadt vor Überschwemmungen zu schützen. Anlass für den Bau waren Überflutungen nach Starkregen in den Jahren 1904 und 1910. Der reißende Köpferbach drang damals bis in die Karl- und Pfühlstraße vor und beschädigte Häuser, Keller und den Eisenbahndamm. Einer, der den Bau vor fast 70 Jahren als Pimpf im Jungvolk hautnah miterlebte, war der Böckinger Ex-Stadtrat und Heilbronner Ehrenringträger Paul Mack, der sich beim kleinen Festakt vor Ort wieder an jene Zeit erinnerte. Wie alle Stauanlagen vor dem Krieg wurde auch der Köpferstausee als Erddamm nach dem damaligen Stand der Technik gebaut und für ein so genanntes 50-jähriges Hochwasser ausgelegt. Doch schon 1948 kam es zu ersten Dammbrüchen. Als 1958 der Wall erneut zu brechen drohte, wurde die Dammkrone von 8,40 Meter um 80 Zentimeter zurückgenommen, um den Druck zu minimieren. Der Nachteil daran war, dass der Damm nur noch knapp 60 Prozent seines ursprünglichen Leistungsvermögens brachte und sich der Schutzgrad auf ein 30-jähriges Hochwasser reduzierte. Als in den 90er Jahren das Regierungspräsidium Stuttgart sämtliche Regenrückhaltebecken in Nordwürttemberg einer Sicherheitsprüfung unterzog, wurden nicht nur am Köpferstausee erhebliche Mängel festgestellt. Festgehalten wurden in der ernüchternden Schadensbilanz verrostete und nur noch schwer bedienbare Schieber, zu kleine See- und Grundablässe, marode Schachtbauwerke und eine starke Durchwurzelung des Damms. Angesichts dieser Schwächen und der ständigen Gefahr, dass der Damm plötzlich brechen kann, wurde der Köpferstausee 2002 abgelassen. 10 000 Kubikmeter Wasser flossen über den insgesamt vier Kilometer langen Köpferbach ab. Im Rahmen der im September des vergangenen Jahres angelaufenen umfassenden Sanierungsarbeiten wurden auf dem Damm die Bäume samt Wurzeln entfernt und die Dammkrone wurde auf ihre ursprünglichen 8,40 Meter aufgeschüttet und gleichzeitig verbreitert. Das Stauvolumen erhöhte sich dadurch von 13 000 auf 23 000 Kubikmeter. Ferner wurde eine zehn Meter breite Überflutungsstrecke geschaffen, der im Dammbereich verdolte Köpferbach wurde frei gelegt und unter dem Damm durchgängig für Fische, Amphibien und andere Tiere geführt. Eine in Baden-Württemberg bislang einmalige ökologische Maßnahme. Das Herzstück des Regenrückhaltebeckens "Köpferstausee" ist der so genannte Mönchbau. In diesem rechteckigen und acht Meter hohen begehbaren Turm befindet sich die gesamte Regeltechnik. Von den 900 000 Euro Gesamtkosten schlagen die reinen Bauaufwendungen mit 585 000 Euro zu Buche. Bei den Nebenkosten floss ein Großteil der restlichen 315 000 Euro in die zahlreichen Gutachten, die für das sensible Projekt in dem Naturschutzgebiet erforderlich waren. Das Land Baden-Württemberg bezuschusste die Baumaßnahme mit 77 500 Euro. Als "logistische und technische Meisterleistung" würdigte Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach die Sanierung des Köpferstausees und bescheinigte dem Baudezernat, allen voran Hartmut Sugg, Leiter des Amtes für Straßenwesen, und Diplomingenieurin Jakobine Biehl, Projektleiterin Hochwasserschutz, "hervorragende Arbeit". Bis zuletzt, als in den vergangenen Wochen aufgrund des verspäteten Wintereinbruchs die abschließenden Arbeiten mit der beginnenden Krötenwanderung kollidierten, hätten die Verantwortlichen "höchste Sorgfalt walten lassen". "Das Werk ist gut gelungen", ließ Regierungspräsident Dr. Udo Andriof keinen Zweifel an der Richtigkeit der "beispielhaften Maßnahme". Welchen Stellenwert das Land dem Hochwasserschutz beimisst, verdeutlichte er anhand weniger Zahlen: In den zurückliegenden Jahren wurden in Gewässer der I. und II. Klasse insgesamt 39 Millionen Euro investiert. In den kommenden zehn Jahren sollen in Hochwasser-Schutzmaßnahmen entlang des Neckars weitere 300 Millionen Euro fließen.

(aus der Heilbronner Stimme 16.04.2005)


Der Köpferstausee ist bald wieder ein richtiger Stausee
Von Joachim Friedl
 

Der Reichsarbeitsdienst hat in den Jahren 1933 bis 1936 den Köpferstausee angelegt. Jetzt wurde das Staubecken saniert.

Die Sanierung des Heilbronner Köpferstausees steht kurz vor dem Abschluss. Voraussichtlich Mitte März soll das idyllisch im Wald gelegene Regenrückhaltebecken nach der Premiere 1936 zum zweiten Mal eingeweiht werden.
Dort, wo Köpferbach und Trefflingsklinge zusammenfließen und den Stausee speisen, wurde in den zurückliegenden Monaten schwer geschuftet. Nachdem die Männer vom städtischen Amt für Straßenwesen Bäume, Sträucher und Büsche beseitigt hatten, zog schweres Gerät der Bauunternehmung Wolff & Müller aus Stuttgart im Köpfertal auf. Ihre Aufgabe war es, den im Laufe der Jahre brüchig gewordenen Damm des Sees zu erneuern. Keine einfache Aufgabe, wie Jakobine Biehl, Diplomingenieurin und Projektleiterin "Hochwasserschutz" in der Bauverwaltung, rückblickend betont. So sei der Untergrund des Damms sehr breiig und das gesamte Bauwerk durch Wurzeln in der Standfestigkeit beeinträchtigt gewesen. Außerdem seien sämtliche technischen Einbauten nicht mehr funktionstüchtig gewesen. Im Verlauf der Sanierung wurde die Dammkrone um 80 Zentimeter auf 8,40 Meter aufgeschüttet und verbreitert. Außerdem wurde auf der Landseite eine etwa zehn Meter breite und 20 Meter lange, mit mächtigen Muschelkalkblöcken befestigte Hochwasser-Entlastungsfläche geschaffen; über sie kann bei Überschwemmung des Wasser gezielt aus dem See abgeleitet werden. Herzstück des Damms ist jedoch das so genannte Mönchbauwerk, das sich momentan als rechteckiger, acht Meter hoher begehbarer Turm präsentiert. Hierin befinden sich die komplizierte Regeltechnik und der Betriebsauslass. Der Dauerstau des Sees liegt bei 10 000 Kubikmeter. Stolz ist Hartmut Sugg darauf, dass es gelungen ist, den im Dammbereich verdolten Köpferbach frei zu legen und unter dem Damm ökologisch durchgängig für Tiere zu führen: "Dies ist bislang in Baden-Württemberg einmalig", freut sich der Leiter des Amtes für Straßenwesen. Erneuert wurde in diesem Zusammenhang auch der Trenndeich zwischen Stausee und Köpferbach. Von den veranschlagten 900 000 Euro schlagen sich die reinen Baukosten mit 585 000 Euro nieder. "Der Rest sind Nebenkosten", verschluckt sich Sugg fast angesichts des Betrags von 315 000 Euro. Vor allem die zahlreichen Gutachten, die dieses Projekts bedurft hätten, seien gewaltig ins Geld gelaufen. Doch Jakobine Biehl beruhigt: "Wir bleiben im Kostenrahmen." Sobald das Wetter es zulässt, werden der Seeschlamm - etwa 500 Kubikmeter - herausgeholt und die Stahlwasserbauwerke wie Schieber und Abdeckroste montiert. Dann wird der im Natur- und Landschaftsschutz liegende Stausee, der für ein 50-jähriges Hochwasser ausgelegt ist, langsam wieder gefüllt. Der Bauzaun wird entfernt und es wird eine Hinweistafel mit einer Funktionsbeschreibung aufgestellt, um Wanderer und Spaziergänger über die Geschichte des 1933 bis 1936 entstandenen Sees aufzuklären.

(aus der Heilbronner Stimme 26.01.2005)


 Die Kettensägen knattern beim Köpferstausee
Von Joachim Friedl

Am idyllisch gelegenen Köpferstausee haben die Damm-Sanierungsarbeiten begonnen. 900 000 Euro investiert die Stadt Heilbronn mit Zuschuss-Unterstützung des Landes in die Erneuerungsmaßnahme. Im Frühjahr des kommenden Jahres sollen die umfangreichen Erd- und Betonierarbeiten abgeschlossen sein. Mit der gewohnt erholsamen Ruhe ist es im Köpfertal seit Anfang der Woche vorbei. Dort, wo Köpferbach und Trefflingsklinge zusammenfließen und den Stausee speisen, knattern die Kettensägen der Spezialisten vom städtischen Amt für Straßenwesen. Meter für Meter arbeiten sie sich voran und beseitigen innerhalb der kommenden zwei Wochen die auf dem Damm stehenden Bäume, Sträucher und Büsche. Diese Pflanzen sind mit Ursache dafür, dass der Seeabschluss brüchig wurde. Die Bäume werden vom Forst vermarktet, der Rest wird zu Holzhackschnitzel verarbeitet. Aber auch der Zahn der Zeit nagte an der Technik dieses sieben Jahrzehnte alten Regenrückhaltebeckens, das in den Jahren von 1933 bis 1936 vom Reichsarbeitsdienst auf einem dort schon bestehenden kleinen Stausee mit einem Volumen von rund 23 000 Kubikmeter errichtet wurde. Anlass für den Bau war, dass es bei starken Niederschlägen immer wieder zu Überflutungen der Tallagen kam. In der Stadtchronik heißt es dazu: Bei einem Wolkenbruch am 27. Mai 1904 gingen im Köpfertal 107 Liter pro Quadratmeter nieder. Der Pfühlbach wurde zu einem reißenden Strom, der die östliche Vorstadt, besonders aber die Karl- und Pfühlstraße überschwemmte, sich in Keller der Häuser ergoss und den Eisenbahndamm beschädigte. Der Schaden lag bei rund 175 000 Mark. Zu einer weiteren Überschwemmung durch den Pfühlbach kam es am 6./7. Juli des Jahres 1910. In der jüngeren Zeit kam es 1993 und 1997 zu weiteren Überflutungen entlang des Köpfer- und Pfühlbachs. Wie alle Stauanlagen vor dem Krieg, wurde auch der Köpferstausee als Erddamm nach dem damaligen Stand der Technik gebaut und für ein 50-jähriges Hochwasser ausgelegt. Doch schon 1948 und 1958 kam es zu Dammbrüchen. Um die Stabilität zu erhöhen, wurde die Dammkrone von 8,40 Meter um 80 Zentimeter auf 7,60 Meter zurück genommen, was gleichzeitig aber eine Reduzierung des Schutzgrades auf ein 30-jähriges Hochwasser bedeutete. Bei einer 1999 vorgenommenen Sicherheitsüberprüfung des Stausees wurden erhebliche Mängel am und im Damm festgestellt. Jakobine Biehl, Diplomingenieurin und Projektleiterin "Hochwasserschutz" beim städtischen Amt für Straßenwesen, zählt die Schwächen auf: "Verrostete, nur schwer bedienbare Schieber, zu kleine See- und Grundablässe, stark erosionsgefährdete Hochwasser-Entlastungsanlage und starke Durchwurzelung des Damms. Außerdem befinden sich sämtliche Schachtbauwerke in einem maroden Zustand." Angesichts dieser Mängel und der latenten Gefahr, dass der Damm schlagartig versagen kann, entschieden sich die Fachleute 2002, den Köpferstausee abzulassen, um den Druck auf den Damm zu nehmen. Rund 10 000 Kubikmeter Wasser flossen über Tage ruhig in den Köpferbach. Das Erstaunliche für Jakobine Biehl war damals: "Wir fanden fast keinen Müll." Auf dem schlammig-morastigen Grund siedelten sich anschließend jede Menge Gräser und Sträucher an und deckten die einstige Seefläche zu. Im Rahmen der angelaufenen Sanierungsarbeiten werden auf dem Damm die Bäume mit Wurzelballen entfernt, die Dammkrone wird wieder um 80 Zentimeter auf 8,40 Meter aufgeschüttet und verbreitert, es wird eine zehn Meter breite "Überflutungsstrecke" gebaut, alle Abflüsse und Schieber werden erneuert und der Köpferbach wird mit einer Art Fischrampe offen durch den Damm geführt. Hinsichtlich der umstrittenen Ausgleichsmaßnahmen wurde ein Kompromiss zwischen Stadt und Naturschutzbeauftragtem gefunden. Im Frühjahr 2005 wird der See im Köpfertal langsam wieder angestaut, indem etwa ein Drittel des Köpferbach-Wassers eingeleitet wird. Aber auch nach der Sanierung wird der etwa zwei Meter tiefe Köpferstausee nicht zum Badesee. Die Gründe nennt Jakobine Biehl: "Wegen der Gewässergüte und der Lage in einem Naturschutzgebiet." Auch ohne Badestrand am Köpferstausee fällt bereits sechs Monate vor Abschluss der Arbeiten ihr Fazit positiv aus: "Der Hochwasserschutz und die Natur sind die Gewinner."

(aus der Heilbronner Stimme 18.09.2004)


Unfug: Unkrautrutsche führt bis zum Bach 

Nachbarschaftstag Schozach-Zaber-Lein im alten Rathaus Flein: Gewässerunterhaltung in geschützten Gebieten. 17 Kommunen von Brackenheim bis Heilbronn, von Abstatt bis Oberstenfeld gehören zur Nachbarschaft Schozach-Zaber-Lein. Beim Fortbildungstag für Bauhofleiter und -mitarbeiter steht die "Gewässerunterhaltung in geschützten Gebieten" in Flein im Mittelpunkt. Sie sehen auf Fotos abenteuerliche Konstruktionen wie eine Unkraut-Rutsche, die direkt ans Ufer mündet, Misthaufen an Gewässern oder illegale Müllablagerungen mit Bauschutt. Sie erblicken aber auch geschützte Tiere und Pflanzen wie den Juchtenkäfer, der am Leinbach in Frankenbach lebt, oder die kleine Flussmuschel, die sich in einem Leingartener Bach angesiedelt hat. Jakobine Biehl vom Tiefbauamt der Stadt Heilbronn leitet den Nachbarschaftstag. Sie klärt über die Verordnungen auf, welche die Gewässerunterhaltung einschränken: Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Naturdenkmale, Biotope oder Natura-2000-Gebiete. Ständig würden die Karten aktualisiert. So dürften die so genannten 24a-Biotope wie Sümpfe, naturnahe Uferbereiche oder Röhrichte nicht zerstört oder beschädigt werden. "Sie dürfen nicht einfach den Schilf abschneiden." Immer wieder fordert sie die Bauhofleute auf, die in der Gewässerunterhaltung aktiv sind: " Sichern Sie sich ab." Sie sollten Schutzgebietskarten anfordern, mit Naturschutzbehörden zusammenarbeiten. Problemlos ließen sich Ziele des Naturschutzes in die Gewässerpflege integrieren. Aber: "Der Hochwasserschutz hat Vorrang", folgt Biehls Einschränkung. Sehr anschaulich informiert Harald Scheid vom Wirtschaftskontrolldienst der Heilbronner Polizei über Wasserrecht, Umweltdelikte oder Gefahrenabwehr. Gewässerverunreinigungen seien keine Kavaliersdelikte, sondern Straftaten. Er zeigt Fotos von verendeten Fischen im tiefbraunen See, weil tonnenweise Pferdemist abgelagert wurde. Mit Bauschutt, Fliesen oder Steinen wurden angeblich "Uferbereiche befestigt" - dabei wollten die Leute nur Deponiegebühren sparen. Bei der Exkursion ins Heilbronner Naturschutzgebiet Köpfertal sehen die Bauhofleute, wie sich der Köpferbach eigendynamisch, naturnah und ökologisch ohne Verbauten entwickelt hat. Seit 18 Monaten läuft das Planfeststellungsverfahren beim trocken gelegten Köpferstausee, da der Damm nicht mehr standsicher ist. "Die Gehölze müssen auf dem Damm weg", so Jakobine Biehl. Die notwendige Sanierung des Damms und des Auslass-Bauwerks im Naturschutzgebiet sei jedoch sehr schwierig. Dabei sollte doch der Hochwasserschutz im Vordergrund stehen.

(aus der Heilbronner Stimme 03.12.2003)


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