Fischereiverein Heilbronn e.V.

gegründet 1887

A n g e l n  -  E n t s p a n n e n  -  H e g e n  -  S c h ü t z e n  -  P f l e g e n

Zähe Fremdlinge im Schlamm
von Heike Sonnberger

Gewässerbiologe Hartmut Vobis nimmt Proben von Steinen, die ein Kran des Messschiffs der Flusssohle des Neckars bei Obrigheim entnommen hat. Foto: Marijan Murat

Umwelt - In einer Plastikwanne auf dem Heck der MS Max Honsell zappeln Höckerkrebse und ein Egel im Schlamm zwischen nassen Muscheln, Kieseln, Stöckchen und Blättern. Biologe Hartmut Vobis beugt sich über den Inhalt der Wanne, den er gerade mit einem Netz vom Grund des Neckars gefischt hat. „Diese Tiere würden Sie in einem Schwarzwälder Bergbach nicht finden“, sagt Vobis, der für die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz, schon seit 30 Jahren die Wasserqualität in den Flüssen Baden-Württembergs überwacht.

Messschiff Diesmal ist er auf dem Messschiff Max Honsell unterwegs, um am Kohlekraftwerk Heilbronn die Temperatur des Neckars zu messen. „Einem Fließgewässer darf man höchstens 28 Grad zumuten, sonst gerät die Ökologie in Stress“, sagt Vobis. An keinem anderen Fluss stünden so viele Kraftwerke wie am Neckar und im Sommer gebe es deswegen Probleme mit dem biologischen Gleichgewicht.
Im Auftrag des Betreibers EnBW wollen Vobis und sein Team deshalb ein Überwachungskonzept entwickeln: Mit Kieseln gefüllte Metallkäfige - der Biologe mit den Lachfalten um die Augen nennt sie liebevoll „Lebenskistchen“ - sollen an drei verschiedenen Stellen in der Nähe des Kraftwerks in den Fluss gehängt werden. Aus der Anzahl und Art der dort angesiedelten Lebewesen können die Forscher dann auf die Wasserqualität schließen.
„Für die Kraftwerksbetreiber geht es ums Image“, sagt Vobis. Medienberichte über ein Fischsterben wolle man möglichst vermeiden. Für Vobis geht es um mehr: „Seit den Siebzigern wurde die Ökologie mühselig und mit Subventionen in Milliardenhöhe wiederhergestellt. Es wäre ein Jammer, wenn der Erfolg durch die Wärmeeinleitung zunichte gemacht würde.“
Ursprünglich ist an der Tierwelt im Neckar bei Heilbronn aber kaum noch etwas. Die zahlreichen Staustufen haben den Fluss im Lauf der Jahre in viele große Teiche verwandelt. Vor den Staumauern sammelt sich sauerstoffarmer Schlamm auf dem Grund, in dem die wenigsten Organismen überleben können. „Nach einem Hochwasser sehen die Büsche am Ufer aus wie Weihnachtsbäume - so viel Müll hängt darin“, sagt Kapitän Karlheinz Sommer. Der Fluss steckt in einem Korsett aus Beton.
Durchsetzt haben sich in dieser Welt längst ein paar zähe Fremdlinge: Der Flusskrebs zum Beispiel kam vor einem halben Jahrhundert im Ballastwasser großer Schiffe in den Neckar. „Er schleppte die Krebspest ein, die den heimischen Edelkrebs fast ausrottete“, erzählt Vobis und setzt das graue Tier behutsam unter sein Schiffsmikroskop. Dreikantmuschel, Höckerkrebs, Körbchenmuschel - mehr als 90 Prozent der Tiere im Neckar sind Einwanderer mit ähnlichen Geschichten.
Doch der 63-jährige Experte hält nichts von Schwarzmalerei: Wenigstens seien die Betonstufen am Ufer nicht mehr glitschig mit Blaualgen besetzt wie noch vor 30 Jahren. Und wenn er heute mit einem speziellen Bagger Steine vom Grund heraufholt, stinken die wenigstens nicht mehr zum Himmel. Vobis will vermitteln, statt anzuklagen: „Man muss mit den Leuten reden, sonst fliegt man aus der Diskussion raus.“
500 Kilometer Flusslauf von Rhein und Neckar fährt die Max Honsell seit 1979 regelmäßig ab. Von Heilbronn nach Karlsruhe würde sie rund vier Tage brauchen, wenn der Kapitän keine Überstunden macht - so viele Schleusen und Staumauern liegen auf dem Weg. Hartmut Vobis wird nur noch bis 2008 regelmäßig mitfahren, denn dann geht er in Pension. Doch die Flüsse werden ihn nicht loslassen: „Ich muss auf jeder Brücke eine Weile stehen bleiben und ins Wasser hinunterschauen“, sagt er.

(aus der Heilbronner Stimme 22.08.2007)


Liebesbeziehung zur Lebensader Neckar
von Michael Nachreiner

Zwei Wehre (rechter oberer Bildrand) bezeugen noch Anfang der 30er Jahre, wie die Heilbronner den Neckar für sich nutzbar machten. Foto: Archiv

Heilbronn - „Ich muss mit meinem Enkel wiederkommen. Das ist auch etwas für ihn“, sagt Fritz Natter. Wie viele andere der rund 25 Teilnehmer fand der Heilbronner die Führung durch die Ausstellung „Heilbronner Einblicke 2007 - Der Neckar vor dem Kanalbau“ im Stadtarchiv interessant. Teilweise wurden sogar Kindheitserinnerungen geweckt: Als Werner Föll vom Stadtarchiv von den Überschwemmungsauswirkungen berichtete, musste ihm Irmgard Döttling beipflichten. Noch bevor der Kanal durchgebrochen wurde, lebte die Heilbronnerin in Böckingen. Wenn der Fluss über die Ufer trat, war die einzige Verbindung zu Fuß zwischen dem Heilbronner Stadtteil und der Innenstadt die Eisenbahnbrücke.

Begonnen hat die Liebesbeziehung zwischen der Stadt Heilbronn und dem Neckar, der nicht nur für wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt hat, sondern auch den Heilbronnern eine große Portion Lebensqualität gibt, im Jahr 1333. Damals hatte Kaiser Ludwig der Bayer den Stadtbürgern erlaubt, den „Neckar zu wenden und zu kehren“. Durch Wehre wurde er fortan an die Stadtmauer herangeführt.
Über die Gründe, warum die Heilbronner seit mehreren Jahren mit dem Deutschen Orden über Verlauf und Nutzung des Flusses im Streit lagen, kann heute nur spekuliert werden. Föll: „Die Stadt war mit Mauern befestigt. Vielleicht wollte man das Wasser des Flusses für den Wassergraben nutzen.“ Doch auch andere Faktoren hätten eine Rolle gespielt: Fischfang, Mühlen und der Umschlag von Waren, die mit Schiffen nur bis Heilbronn gebracht werden konnten.
Bis ins 20. Jahrhundert hinein mussten Waren, die für die Obere-Neckar-Region bestimmt waren, in Heilbronn umgeladen werden. Der vollständige Ausbau der Strecke von Heilbronn nach Stuttgart erfolgte erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Dies brachte der Käthchenstadt frühzeitig einen wirtschaftlichen Aufschwung - der Fluss wurde zur Lebensader.
Allerdings war die Schifffahrt auf dem Neckar ein gefährliches Geschäft. Bis zum Bau der Staustufen galt der Fluss als der wildeste deutsche Fluss. Der heutige Kanal überwindet eine Gefällstrecke von rund 160 Höhenmetern. Außerdem wechselte die Wassertiefe, war aber höchstens 50 bis 60 Zentimeter tief. Im Winter hatten die Schiffer mit Eis zu kämpfen.
Die Arbeit als Schiffer war ebenfalls sehr anstrengend. Erst 1877 erhielten die Reeder eine Konzession für Kettenschlepper. Diese Schiffe zogen sich selbst mit Hilfe einer durch das Flussbett verlaufenden Kette und Dampfantrieb. Bis dahin war auf dem Neckar wegen der geringen Wassertiefe mit wenigen Ausnahmen von Raddampfern nur Treidelschifffahrt möglich. Dabei wurden die Lastkähne zunächst von Menschenhand, danach von Pferden gezogen. Erst 1921 begann die Kanalisierung des Neckars von Mannheim flussaufwärts. Durch die Vertiefung des Flussbettes konnten dann auch auf dem Neckar die Dampfschiffe verkehren.
Platz für Verbesserungen bei der Führung gibt es dennoch. „Es wäre sinnvoller gewesen, den Vortrag vor den Führungen durch die Schleusen Heilbronn und Horkheim abzuhalten“, sagt Michael Bendeich. Der Stettener nimmt seit 2001 an allen Veranstaltungen der Heilbronner Einblicke teil, um sein Gesamtbild über die Stadt Heilbronn zu vervollständigen.
Eine Führung durch das Stadtarchiv zum Thema „Früher Neckar“ ist am morgigen Mittwoch, 17 Uhr. Auskunft beim Stadtarchiv Heilbronn, Telefon 07131/56-2806.

(aus der Heilbronner Stimme 14.08.2007)


Von alten Autoreifen bis zu gefüllten Ölkanistern
Von Rudolf Landauer

Trotz Hochwassers und nasskalten Wetters waren Umweltschützer am Samstag unterwegs, um das Neckarufer von Unrat zu befreien.(Foto: Rudolf Landauer)

Rund 130 Helfer machten trotz widrigen Wetters und leichten Hochwassers bei der Neckaruferreinigung mit

Neckartal - Was achtlos an Unrat in der Landschaft weggeworfen wird, lässt engagierte Mitbürger oft nur den Kopf schütteln. So mancher mag da auch die Faust in der Hosentasche geballt haben. Angler, Bootsfahrer und Feuerwehrleute fürchten kein Wetter, sie sind auch die durchziehende Kaltfront mit Regen gewöhnt, die am Samstag das Unterland überquerte. 130 Freiwillige beteiligten sich wieder an der von der Fischhegegemeinschaft Mittlerer Neckar initiierten Neckaruferreinigung.
Alte Autoreifen Von Heilbronn Neckar abwärts bis Haßmersheim sammelten sie auf beiden Seiten des Flusses auf, was dort nicht hingehört. Drei Container mit Müll waren am Samstagmittag gefüllt. Reifen von Autos und Lkw, eine Herdplatte, eine Menge Leuchtstoffröhren, Plastik- und Glasflaschen, Styropor, und Kunststoffsäcke bildeten hauptsächlich das Fundgut.
An der Umweltaktion beteiligten sich der Fischereiverein Heilbronn, der Fischerei- und Sportanglerverein Neckarsulm und Umgebung, der Angelsportverein „Anglerfreunde“ Bad Rappenau-Heinsheim, der Sportanglerverein Gundelsheim, der Angelsportverein Bad Friedrichshall Kochendorf, der Fischereiverein Wimpina Bad Wimpfen und der ASV Haßmersheim.
Markungsputzeten In Offenau machten Angler und Mitglieder des Motorbootclubs Mittlerer Neckar gemeinsame Sache. Parallel zu der Neckar-Aktion fanden in einigen Orten wie etwa in Offenau und Bad Wimpfen in gleicher Absicht Markungsputzeten der Einwohner statt. Das lässt den Gedanken aufkommen, ob man nicht künftig einen kreisweiten Aktionstag im Frühjahr durchführt, an dem sich jeder beteiligen kann. Der Bad Friedrichshaller Gewässerwart der Hegegemeinschaft, Hans Frank, findet die Idee jedenfalls gut.
Im Landschaftsschutzgebiet bei den Gundelsheim-Böttinger Seen kam Frank just dazu, als Jugendliche der Gundelsheimer Jugendfeuerwehr ein mit fünf Liter Motorenöl gefüllten Behälter bargen. Auch er war entsetzt über derartigen Umweltfrevel mitten in einer intakten Umwelt. Der Gundelsheimer Feuerwehrnachwuchs beteiligte sich an der Aufräumaktion am Neckar. Feuerwehrmann Tobias Gärtner schüttelte den Kopf: „Wehe, wenn der Kanister ausläuft. Diese Menge reicht aus, um einen größeren Gewässerabschnitt zu verunreinigen.“
Widrige Witterung Hans Frank zeigte sich zufrieden mit der gesamten Aktion und hatte viel Lob für die Beteiligten übrig: „Viele sind trotz widriger Witterung gekommen und haben toll geholfen, die Umwelt wieder in einen würdigen Zustand zu versetzen“, so der Gewässerwart, dem die Aktion ein persönliches Anliegen ist. Frank war am Ende auch sehr froh darüber, dass alles gut verlief und es zu keinen Unfällen kam. Immerhin führte der Neckar ein wenig Hochwasser.

(aus der Heilbronner Stimme 05.03.2007)


Aufgeheizter Fluss drosselt GKN-Betrieb
von Joachim Kinzinger

Wenn die Wassertemperatur im Neckar am Pegel Lauffen 28 Grad Celsius überschreitet, dürfen die beiden Kernkraftwerke in Neckarwestheim nicht mehr mit voller Kraft gefahren werden. (Foto: Archiv/Dittmar Dirks)

Bei der Hitze steigen auch die Flusstemperaturen. 26 Grad Celsius beträgt derzeit die Wassertemperatur am Neckarpegel in Lauffen. Bei 28 Grad müsste die EnBW die Leistungen der Kernkraftwerke in Neckarwestheim drosseln. Der Konzern hat jedoch eine Sondergenehmigung beantragt.

„Kritische Marken rücken in einzelnen Flussabschnitten des Landes in Sichtweite“, sagt Baden-Württembergs CDU-Umweltministerin Tanja Gönner. Mit steigenden Temperaturen drohe das ökologische Gleichgewicht in Gewässern zu kippen. Bei über 28 Grad in Neckar und Rhein seien die Energieversorger gezwungen, die Leistung der Anlagen zurückzufahren, um die Kühlwasser-Entnahme zu verringern.
An der Neckar-Mess-Station Lauffen sind bereits 26 Grad erreicht. Für Mitte nächster Woche erwartet das Umweltministerium, dass der kritische Wert von 28 Grad überschritten wird, da für die kommenden Tage weiterhin hohe Lufttemperaturen und keine Niederschläge vorausgesagt sind.
„Alle unsere Kraftwerke laufen planmäßig“, erklärt EnBW-Pressesprecher Ulrich Schröder auf Nachfrage der Heilbronner Stimme - die beiden Reaktoren in Neckarwestheim und Philippsburg I. Der zweite Block in Philippsburg sei in Revision. Für Schröder ist die derzeitige Lage noch nicht mit dem Jahr 2003 vergleichbar. Damals musste der GKN-Betreiber „kleinere Leistungseinschränkungen“ wegen des zu aufgeheizten Neckars verkraften. Der Energiekonzern hat jedoch für beide GKN-Blöcke eine Sondergenehmigung beantragt, um trotz anhaltender Hitze weiter am Netz zu bleiben. Ein Sprecher des Umweltministeriums bestätigte den Eingang: „Wir werden in den nächsten Tagen darüber entscheiden.“
Bei langer Trockenheit rückt auch der zweite Pegel in Lauffen in den Mittelpunkt: Gestern betrug der Abfluss noch 35 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Die Menge wird wohl weiter langsam fallen. Den Niedrigwasserfall bei einem Wert von 25 sieht das Land in der kommenden Woche allerdings noch nicht erreicht.
1989 mussten die beiden Atommeiler in Neckarwestheim an 22 Tagen ihre Leistung drosseln, 1991 waren es gar 47 Tage, weil der Warnwert um über 48 Stunden unterschritten wurde. Damit will das Umweltministerium bei Niedrigwasser den Neckar vor weiteren Verdunstungsverlusten schützen.
Die GKN-Betreiber ließen daher vor Jahren für fünf Millionen Euro das Stauvolumen in der Ehmetsklinge in Zaberfeld von 190 00 auf 590 000 Kubikmeter erweitern, um den Stausee im Notfall bei Trockenzeiten anzapfen zu können: maximal 335 000 Kubikmeter Wasser. Aber erst im Zeitraum vom 15. August bis 31. Dezember. Das reicht aus, um die Blöcke sieben bis acht Tage lang mit Voll-Last fahren zu dürfen. Im September 2003 forderte GKN erstmals Wasser aus dem Stausee an, das über die Zaber in den Neckar floss.
Im Hitzesommer 2003 hatte das Land für den besonders gefährdeten Neckar ein fünfstufiges Sauerstoff-Reglement entwickelt. Sobald der Sauerstoffgehalt unter vier Mikrogramm pro Liter Wasser sinkt, wird an Schleusen, Wehren und an Kraftwerken Luft in den Fluss eingesprudelt. Damit werde ein größeres Sterben der Fische im Gewässer abgewendet, erklärt Umweltministerin Tanja Gönner.

(aus der Heilbronner Stimme 21.07.2006)


Den Neckar ins Bewusstsein bringen
von Bärbel Kistner

 

Bis zum Landschaftspark Neckar ist es noch ein weiter Weg. Aber es gibt bereits Bausteine: Radwege, Kanutourismus, renaturierte Altarme, Fischtreppen. Damit aus der Vision eines Tages Wirklichkeit wird, müssen die Initiativen vernetzt werden.

Anstöße dazu soll der dritte Neckarkongress der baden-württembergischen Umweltakademie geben, der gestern in Heilbronn tagte. „Der Neckar läuft noch oft an den Köpfen der Menschen vorbei, außer es ist Hochwasser“, sagte Fritz-Gerhard Link von der Umweltakademie. Er hofft auf den Multiplikatoreneffekt der Tagung, zu der rund 130 Bürgermeister, Kreis- und Gemeinderäte, Regionalplaner, Naturschutz-, Tourismus- und Wirtschaftsvertreter gekommen waren.
Die Pläne aus den Schubladen holen, die Kommunikation zwischen den Neckar-Anrainern verbessern und zwischen den verschiedenen Interessenslagen vermitteln, auch dazu soll der von Stadt- und Landkreis Heilbronn und vom Regionalverband Heilbronn-Franken unterstützte Kongress beitragen.
Der Heilbronner Baubürgermeister Ulrich Frey präsentierte unter dem Motto „Insel im Fluss“ die Chancen, die die Heilbronner Bundesgartenschau 2019 für die Entwicklung des Neckarparks bietet. Grünflachenamtsleiter Hans-Peter Barz zeigte am Beispiel des Altneckars bei Klingenberg, dass eine Ausgleichsmaßnahme wie dort für die Stadtbahn ein Baustein für den Neckarlandschaftspark sein kann. Die Renaturierung des Gewässers lässt die Natur mit Amphibien, Eisvögeln und Libellen erleben und ermöglicht es, den Neckar dort für Erholung und Freizeit nutzen.
Doch es ging nicht nur um Tourismus und Naherholung, auch die Verkehrsfunktion des Neckars und die Bedeutung als Siedlungs- und Lebensraum sind wichtig. Die Schifffahrt drängt auf einen Ausbau der Schleusen, die bei einer Länge von 110 Metern für 95 Prozent der Rheinschiffe zu kurz sind. „Das derzeitige System ist ein technisches Denkmal“, sagte Regionalverbandsdirektor Dr. Ekkehard Hein. „Wenn sich am Neckar nichts tut, dann findet in zehn Jahren kein Güterverkehr mehr statt“, erläuterte Gerd-Jürgen Britsch, Geschäftsführer der Reederei Schwaben. Die Binnenschifffahrt sei jedoch der umweltfreundlichste und kostengünstigste Verkehrsträger.
Interessenskonflikte mit Ökologie und Umsetzung der Europäischen Wasserschutzrichtlinie sind vorhanden. Dennoch können nach Ansicht von Dr. Michael Schramm vom Fischereiverband beim Schleusenbau gleichzeitig auch Fischumgehungsgewässer entstehen.

(aus der Heilbronner Stimme 06.04.2006)


Patient Neckar muss belüftet werden
Von Carsten Friese und Rudolf Landauer

Ein Fluss wird "beatmet". Das mittlere Wehr der Gundelsheimer Schleuse ist abgesenkt und zwingt den Neckar über die Schwelle. Dadurch wird Wasser verwirbelt und Sauerstoff eingetragen. (Foto: Rudolf Landauer)

Neckaralarm: Weil die Sauerstoffwerte im Fluss unter einen kritischen Wert gesunken sind, hat das Landes-Umweltministerium Belüftungshilfe in Gang gesetzt. Am Neckar bei Gundelsheim hat beispielsweise ein abgesenkter Wehrüberlauf mehr Sauerstoff ins Wasser gebracht und ein mögliches Fischsterben verhindert.

Bisher sind nach Angaben des Landes-Umweltministeriums keine Fische verendet. Doch wenn der Sauerstoffgehalt unter die kritische Schwelle von vier Milligramm pro Liter absinkt, sind nicht nur Forellen stark gefährdet. Seit dem Hitze-Rekordsommer 2003 hat das Land mit den Betreibern von Wasserkraftwerken und Wehranlagen ein Reglement vereinbart. Mit Turbinen- und Stauwehrhilfe wird im Alarmfall für mehr Sauerstoffeintrag ins Neckarwasser gesorgt. "Wir haben die Leistungen unserer Turbine heruntergefahren und das mittlere Wehr der Schleuse abgesenkt", berichtet der Gundelsheimer Kraftwerksmeister Dieter Seemann. Da die beiden anderen Wehre nicht mehr überströmt werden, zwingt das mittlere Wehr den Neckar über seine Schwelle. Dabei kommt es zu einer starken Verwirbelung, Sauerstoff wird zugeführt. Im Unterwasser ist dieser Effekt sichtbar. Die Verwirbelungszone reicht bis weit hinter Schloss Horneck. Am Sauerstoffabfall wird deutlich, dass der Neckar dringend Hilfe benötigte. Am Donnerstag lag der Wert um 13 Uhr bei dramatischen 2,6 Milligramm pro Liter. Um Mitternacht waren es immer noch zu geringe 3,9 Milligramm. Am Freitag stieg der Wert um die Mittagszeit dann auf 5,0 Milligramm an. Hintergrund des Sauerstoffabfalls ist zum einen die Hitze der vergangenen Tage. Je wärmer das Wasser ist, desto weniger Sauerstoff kann gelöst werden. Dazu kommen die zum Teil sintflutartigen Regenfälle. Organische Stoffe, beispielsweise beim Überlauf aus Klär- und Kanalsystemen oder abgeschwemmte Bodenpartikel, kommen ins Wasser. Bei ihrem Abbau durch Mikroorganismen wird Sauerstoff verbraucht. In Hessigheim hat die Belüftung von Donnerstag bis Freitagmorgen bereits klare Erfolge gebracht; in Gundelsheim lag der Wert dagegen auch am Freitagmorgen noch unter der kritischen Marke. Starkregen in der Nacht auf Freitag bei Gundelsheim macht Umweltministeriumssprecher Rainer Gessler für die Unterschiede mit verantwortlich. "Wir gehen davon aus, dass die Werte am Samstag wieder okay sind." Im Hitzesommer 2003 war die kritische Sauerstoffmarke im Neckar gleich fünf Mal unterschritten worden. Ein dramatisches Aalsterben gab es in der Jagst. Von toten Fischen im Neckar kann der Vorsitzende des Fischereivereins Heilbronn-Sontheim, Gerd Bauer, derzeit nicht berichten. "Wir haben bisher nichts bemerkt." Die Belüftungsaktion des Landes begrüßt er. Über 40 Fischarten tummeln sich mittlerweile wieder im großen Fluss, darunter Barben, Hechte und Zander. Ein Fischsterben, sagt Bauer, "wäre eine Katastrophe".

(aus der Heilbronner Stimme 02.07.2005)


Immer mehr Bewohner im Neckar
Von Katja Feiler

Ein mannsgroßer Wels, tausende Körbchenmuscheln, Höckerkrebse: Der Neckar rund um Heilbronn lebt. Mehr Arten denn je tummeln sich im Wasser.
So gut wie tot war der Fluss in den 70er Jahren. Der Mensch hatte es auch in der Region fast geschafft, fast alle Fisch - und Tierarten im Neckar auszurotten. Vor kurzem dagegen zieht ein Angler einen mannsgroßen Wels aus dem Altneckararm in Heilbronn. Die Lebewesen sind wieder da. Das heißt: Die Wasserqualität des Neckar ist wieder gut, so der Gewässerbiologe Hartmut Vobis von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg in Karlsruhe. Mehrmals im Jahr kreuzt deren Untersuchungsschiff auch rund um Heilbronn und nimmt Wasserproben. Was dabei den Experten in die Fänge kommt, freut den Biologen. Die Körbchenmuschel zum Beispiel. Ein Neuling im Neckar. Erst die Schifffahrt hat ihn vom kaspischen Meer mitgebracht. Im Ballastwasser der Schiffe oder den Filtern sitzen sie und werden irgendwo abgelassen. Fühlen sie sich wohl, vermehren sie sich. Ein Einwanderer ist auch der Höckerkrebs: "Der scheint unsere heimischen Bachflohkrebse zu verdrängen. Deren Überlebensstrategien sind besser", prognostiziert der Experte Hartmut Vobis. Wo Egelarten auftauchen ist das Wasser dreckig, wo Insektenlarven überleben, ist das ein Zeichen für die gute Qualität des Wassers. Oberhalb der Kochermündung gibt der Fachmann dem Neckar die Note 2 bis 3, unterhalb ist's eine 2. Schlammröhren- und Vielborstenwurm, Schneckenarten, Schlickkrebs, Steinfliegenlarven bewohnen als Folge den Fluss. Auch unter den Fischen nimmt die Artenvielfalt stetig zu. Dass der 1,80 Meter lange Wels an einem Haken im Altneckararm hing, verwundert Rainald Hoffmann, Fischereireferent beim Regierungspräsidium Stuttgart, nicht. Und Neckarkenner sprechen sogar von einem viel größeren Exemplar, das weiter im Neckar seine Runden dreht. Ab und an komme der Raubfisch an die Oberfläche und - schwupps - sei eine Ente weg. "Das kann schon sein, Welse werden groß und sind nicht zimperlich." Seit den 80er Jahren beobachtet Hoffmann, wie sich Welse im Neckar immer heimischer fühlen. Sie waren fast verschwunden. Über 40 Fischarten bevölkern inzwischen den Neckar. "Das ist eine Zahl wie vor etwa 200 Jahren." Nur: Manche Arten fehlen, andere sind dazugekommen. Die vielen Staustufen verhindern heute den Nachwuchs von Langdistanzfischen, die vom Meer in den Rhein und dann in den Neckar schwommen. Auch der Maifisch hat es schwer. Er will zum Laichen neckaraufwärts. Das geht nicht mehr. Nasenfische, Brassen und Barben: Alle fühlen sich heute vor allem in den Altarmen bei Horkheim und Neckarsulm wohl, hat Rainald Hoffmann festgestellt. Und wer was am Haken hängen hat, kann das unbesorgt auf den Teller bringen: "Die Grenzwerte der Schadstoffbelastung der Fische werden inzwischen nie mehr überschritten."

(aus der Heilbronner Stimme 05.08.2004)


Funde vom Mostfass bis zum Teppich
Von Rudolf Landauer

Ein überraschender Schneefall in der Nacht und am Samstagmorgen setzte den rund 70 Helfern zu, die sich beim Tag des Neckars an der Reinigungsaktion der Uferbereiche zwischen Heilbronn und Haßmersheim beteiligten.
Lampen und Kabel schmissen Umweltverschmutzer bei Offenau ins Wasser. Gewässerwart Hans Frank fischte sie aus dem Fluß.

Trotz der teilweise gefährlichen Arbeit an rutschigen Uferböschungen trugen Angler und Motorbootfahrer rund 30 Kubikmeter Müll zusammen. Die Menge von 30 Kubikmetern wäre sicher noch durch zahlreiche Kleinfunde erhöht worden. Diese verbargen sich aber am Samstag unter der geschlossenen Schneedecke. So blieben wohl etliche Flachmänner und Wegwerffeuerzeuge unentdeckt. Die Aktion wird alljährlich von der im Jahre 1979 ins Leben gerufenen Fischhegegemeinschaft Mittlerer Neckar organisiert. Insgesamt haben sich die Sportangler- und Fischervereine aus Heilbronn, Neckarsulm, Heinsheim; Kochendorf, Wimpfen, Gundelsheim und Haßmersheim in der Gemeinschaft zusammengefunden. Ihr Vorsitzender ist der Obersulmer Hermann Kurz. Am Samstag war er mit dem Gewässerwart für diesen Neckarabschnitt, dem Bad Friedrichshaller Hans Frank, unterwegs, um die Aktion zu leiten. Hermann Kurz: "Neben der Ausübung der Fischwaid, -hege, -pflege und der Förderung und Hebung der Fischerei, hat sich unsere Gemeinschaft auch die Überwachung und Reinhaltung der Gewässer im Rahmen des Umwelt- und Naturschutzes in die Vereinsstatuten geschrieben." Auch heuer beteiligten sich etliche Mitglieder des Motorbootclubs Offenau an der Aktion. Erst jüngst ist der Club mit der siebten Flagge Blaue Europa dekoriert worden, als Belohnung für besonders umweltfreundliches Verhalten. Hans Frank erspähte schon kurz nach Beginn der Aktion etwas Weißes. Kurzerhand zog er zwei lange Gegenstände an Land. Es waren zwei achtlos weggeworfene Leuchtstoffröhrenlampen mitsamt Kabel. Weil die Uferböschungen sehr glatt waren, sicherte der Vorsitzende des Offenauer Motorbootclubs den jungen Maximilian, damit der nicht ins kalte Wasser plumpste, als er Plastikteile auflesen wollte. Maximilian half bereits zum dritten Mal beim Tag des Neckars mit und findet die Aktion wichtig und richtig. Die Teilnahme kurzfristig abgesagt hatte die Jugendfeuerwehr aus Gundelsheim. Die Verantwortlichen handelten sicherheitsbewusst, weil sie eine Gefährdung der rund 20 Jugendlichen durch glatte und manchmal steile Ufer ausschließen wollten. Autobatterien, ein Mostfass, einen Wohnzimmerteppich, ein Pkw-Getriebe, Teile eines Motorrades, ein Fahrrad und ein Einkaufswagen waren unter den 30 Kubikmetern Müll. Trotz der Wetterbedingungen war die Aktion erfolgreich. Der Neckar ist wieder ein Stück sauberer. Lampen und Kabel schmissen Umweltverschmutzer bei Offenau ins Wasser. Gewässerwart Hans Frank fischte sie aus dem Fluß.

(aus der Heilbronner Stimme 09.03.2004)


Blick auf Turbinen inklusive

Sommerführung des Stadtarchivs in den Heilbronner Zeag-Wasserkraftwerken. Wasserkraftnutzung - am Neckar in Heilbronn gibt's das schon seit Jahrhunderten, exakt seit 1333, als die Stadt das Recht erhielt, den Lauf des Flusses zu ändern - Mühlräder eingeschlossen. Die sind zwar inzwischen längst verschwunden, die Kraft des Flusses wird aber heute noch genutzt: im Wasserkraftwerk an der Knorr-Arena. Für stadt- und industriegeschichtlich Interessierte bot sich am Freitag eine der seltenen Gelegenheiten, in das Innere des Gebäudes zu gelangen. Im Rahmen der Sommerführung des Stadtarchivs hatte die Zeag die Türen geöffnet. Bereits ausgebucht ist der zweite Termin am Dienstag. Wie funktioniert das nun mit der Wasserkraft? Das erläuterte Albrecht Krämer, Marketingleiter der Zeag: Im Prinzip braucht es nur ein Wehr, das einen Höhenunterschied verursacht, einen Kanal, der das Wasser auf die Turbinen leitet, und einen Rechen, damit Äste und Unrat nicht die Anlage verstopfen. So funktionierte schon das erste Wasserkraftwerk der Region in Lauffen, und so lief auch die erste Anlage in Heilbronn. Jenes Kraftwerk, Baujahr 1921, steht heute noch, ist aber längst abgeschaltet. "Es war für 300 Kilowatt Leistung ausgelegt", erläuterte Krämer. Zum Vergleich: Das nebenan stehende neue Kraftwerk ist für 1500 Kilowatt gebaut. Seit 1956 ist dieses alte Kraftwerk nicht mehr in Betrieb. Daher durften die Teilnehmer auch einmal auf den Grund des Neckars steigen und sich im nassen, düsteren Kanal die Turbinenschaufeln ansehen. "Hier war noch vieles Handarbeit", sagte Krämer. "Unsere neue Anlage läuft dagegen vollautomatisch." Dort gibt es wiederum zwei Turbinenkomplexe, einen Rechensäuberer (Krämer: "300 Tonnen Müll holen wir im Jahr raus") und sogar eine Fischtreppe. Nur die Stromausbeute ist momentan gering - der Zeiger stand während der Besichtigung gerade mal auf 370 Kilowatt. Eine Turbine wird ohnehin gerade überholt, die andere bringt derzeit weniger Leistung, weil durch die anhaltende Trockenheit weniger Wasser den Neckar hinabfließt - 13 statt normalerweise 65 Kubikmeter pro Sekunde am Kraftwerk. Ans Abschalten denkt die Zeag jedoch noch lange nicht, im Gegenteil: "Mit Wasserkraftwerken lässt sich sehr günstig Strom erzeugen", sagte Krämer. "Wir sind heute froh, dass wir die Anlage damals gebaut haben."

(aus der Heilbronner Stimme 11.08.2003)


Entschlossen für eine saubere Umwelt am Fluss
Von Rudolf Landauer

Die Säuberungsaktion zum Tag des Neckars deckte am Samstag erneut auf, wie unverfroren manche Zeitgenossen mit ihrer Umwelt umgehen. Trotz geordneter Müllabfuhren im Stadt- und Landkreis entledigen sich nicht wenige Mitmenschen ihres Unrates auf die für sie offenbar bequemste Weise: sie schmeißen ihn einfach aus dem Auto. Das haben am Samstag über 200 freiwillige Helfer beim Tag des Neckars fast auf Schritt und Tritt erlebt. Extreme Formen nimmt da der Abschnitt entlang der Bundesstrasse 27 zwischen Gundelsheim und Offenau an. Dort beginnt unmittelbar hinter der Leitplanke eine Böschung, die steil zum Neckar hinunter abfällt. Hunderte Flachmänner, in denen einst hochprozentige Alkoholika waren, fliegen dort aus den Autos die Böschung herunter. Die Haltebuchten werden ebenfalls als Müllabladeplatz missbraucht, stellte der langjährige Gewässerwart in der Hegegemeinschaft und Mitglied im Neckarsulmer Fischerei- und Sportangelverein, der Offenauer Anton Ikker fest. "Das ist unglaublich, was die Menschen so alles während der Fahrt auf diesem kurzen Straßenstück aus dem Auto werfen ", so Ikker. Der Neckarsulmer Verein nahm sich den Abschnitt Offenau - Gundelsheim vor. Die in der Fischhegegemeinschaft mittlerer Neckar organisierten Fischereivereine führen seit etwa 20 Jahren den Tag des Neckars durch, auch um ihre Solidarität mit dem Fluss und dem Lebensraum Neckar zu bekunden. Für den Gewässerwart des 1887 gegründeten Heilbronner Fischereivereins, Marco Sander, ist der Neckar nicht nur eine Wasserstraße, auf der Schiffe fahren. Für den Diplombiologen ist er ein faszinierender Lebensraum, den es zu schützen gilt. Sein Verein war am Samstag in Heilbronn mit 60 Helfern im Einsatz. Sogar weggeworfene Computermonitore fischten sie aus dem Gebüsch am Neckar. Der Kochendorfer Fischereiverein reinigte mit etlichen Helfern den Abschnitt oberhalb und unterhalb der Schleuse. Auch hier kam eine Menge Müll zusammen. Fünf Autoreifen und Plastikfolien waren es hauptsächlich im Abschnitt von der Wimpfener Brücke bis zur Natorampe Offenau. Diesen Abschnitt nahm sich der Motorbootclub Mittlerer Neckar Offenau vor. Auch die Bootfahrer bekundeten somit ihre Solidarität zum Heimatgewässer. Auf der gegenüberliegenden Uferseite späten die Angler des Wimpfener Vereins Wimpina und des Heinsheimer Fischervereins nach Flaschen und Unrat aus. Auch in Gundelsheim war eine schlagkräftige Truppe im Einsatz. Der Sportangelverein war gemeinsam mit der Jugendfeuerwehr und den Feuerwehren Gundelsheim und Böttingen im Einsatz. Der Böttinger Abteilungskommandant Werner Horwedel: "Für uns stand schon vor Jahren fest, dass wir beim Tag des Neckars mitmachen, das ist eine gute Sache". Der Feuerwehrnachwuchs sammelte engagiert und fleißig ein, was meist erwachsene Menschen weg geworfen hatten. Auch Fischer des badischen Nachbarn Haßmersheim schlossen sich der Aktion an, die von Hermann Kurz von der Hegegemeinschaft geleitet wurde.

(aus der Heilbronner Stimme 03.03.2003)


Drei Tonnen Müll am Neckarufer gesammelt
Von Claudia Husch

53 fleißige Helfer des Heilbronner Fischereivereins haben am Samstag die Ufer des Neckars gereinigt. Genauer gesagt, die Strecke zwischen dem Inselhotel in Heilbronn und der Autobahnbrücke in Neckarsulm. Von 7 Uhr morgens bis weit in den Nachmittag hinein, sind die Fischer unterwegs, um sich nach den Hinterlassenschaften von Spaziergängern, Ausflüglern und sonstigen Mitgliedern der Wegwerfgesellschaft zu bücken. Der Jugendwart des Fischereivereins Heilbronn, Werner Anderson, hat allen Grund zu klagen: "Natürlich lässt nicht jeder, der die Neckarwiesen und Uferwege als Naherholungsgebiet nutzt, seinen Dreck liegen. Um auf drei Tonnen Müll zu kommen, bedarf es aber schon vieler verantwortungsloser Leute." Die Aktion ist gut geplant: Je zwei Helfer untersuchen einen bestimmten Flussabschnitt und packen den Müll in große Tüten, die später mit Kleinlastern zu den Containern gebracht werden. Stolz und etwas ärgerlich sind die Fischer, wenn sie sagen: "Das müssen wir alles privat organisieren. Uns unterstützt keiner. Vom BUND müssen wir uns zwar immer sagen lassen, was für große Tierquäler wir sind, aber auf Hilfe bei der Neckarputzete warten wir schon lange von den Umweltschützern." Es ist kalt und die Fischer wirken grimmig in ihren festen Stiefeln, Arbeitshosen und wetterfesten Jacken. "Später im Jahr können wir's halt nicht machen", erklärt Werner Anderson, "sonst stören wir die Vögel beim Brüten." Ihre Ausbeute an Abfall lässt tief blicken: Dosen, Dosen, Dosen und Autoteile, vor allem Reifen, Stoßstangen oder alte Batterien. "Bis vor ein paar Jahren haben wir halbe Wohn- und Schlafzimmereinrichtungen gefunden, richtig großes Zeug hat inzwischen etwas nachgelassen, Kühlschränke und Gartenmöbel sind jedoch keine Seltenheit", berichtet der Jugendwart. Froh ist er darüber, dass der Verein aktiven Nachwuchs hat, der sich auch mal die Hände schmutzig macht und mithilft. Regelrechte Abenteuerlust spielt mit, wenn man die jungen Vereinsmitglieder bei der Arbeit beobachtet. Die Funde wecken auch mal Heiterkeit oder lösen ein Raunen unter den Kleinen aus: Wer hat wohl sein Shirt oder den Schuh vergessen. Traurig ist die Aussicht dagegen unter den Brücken, hier liegen Fixerbesteck, Medikamentenpackungen und viele Flaschen." Das hat immer mehr zugenommen", so der zweite Jugendwart Werner Mack bedauernd. Unterstützung von den "freien" Anglern, das sind die , die keinem Verein angehören, erhoffen sie sich nicht mehr. "Wir suchen schon Kontakt, aber die legen keinen Wert auf Zusammenarbeit", sagen die Helfer übereinstimmend, "an anderen Flussabschnitten ist es ähnlich". Der Tag des Neckars ist zwar keine Aktion, die von einzelnen Fischereivereinen ausgeht, wird aber fast nur von deren Mitgliedern durchgeführt. Die Pflege der Ufer ist Aufgabe der "Hegegemeinschaft Neckar", einem Verband aller Angler und Fischer, die den Neckar zu ihren Gewässern zählen und denen der Zustand des Flusses am Herzen liegt. Der Abschnitt zwischen Heilbronn und Neckarsulm fällt in die Hege 6, ein riesiges Gebiet, das sich von Kirchheim bis Gundelsheim erstreckt.

(aus der Heilbronner Stimme 04.03.2002)


OB zeigt sich "putz munter"
Von Kilian Krauth

Nico Weinmann hat am Neckarufer einen halben Atomic-Ski gefunden. Ob er zumindest fürs Wasserskilaufen taugt, hat der Freie Wähler nicht ausprobiert. Einen "Molotow-Cocktail" wähnte Stadtrat Ewald Lutz in der "mysteriösen Flasche mit Flatterband". Weniger Dramatisches vermutete OB-Referentin Monika Bonnet hinter dem vergammelten Glas: "Das war wohl eine Flaschenpost." Die Botschaft, die das Behältnis geborgen haben könnte, ist längst den Bach, respektive den Neckar runtergegangen. Ganz im Gegenteil zur Botschaft des Oberbürgermeisters. Gemäß einem Versprechen aus alten Wahlkampftagen hatte Helmut Himmelsbach vergangene Woche zur zweiten Aktion "Heilbronn putz-munter" aufgerufen - und am Samstag mit einem Dutzend Helfer am alten Neckarufer selbst mit angepackt. In die belebte Innenstadt wollte er aber lieber nicht abbiegen. Nicht etwa weil sich der OB womöglich hämische Bemerkungen wie "Kehren Sie eigentlich auch mit eisernen Besen?" hätte anhören müssen. Nein, der Abstecher in den Einkaufsrummel wäre dem bürgernahen Stadtchef dann doch "zu populistisch" gewesen. Gleichzeitig scharte in den Stadtteilen Böckingen und Sontheim der restliche Teil der Verwaltungsspitze - Baubürgermeister Ulrich Frey, Ordnungsbürgermeister Arthur Kübler und Finanzchefin Margret Mergen - Sammeltrupps um sich. Insgesamt 50 freiwillige Saubermänner und Sauberfrauen aus Gemeinderat und Stadtverwaltung wollten "putz munter" mit gutem Beispiel voran gehen. Alle sprachen von einem Erfolg. 65 Institutionen nahmen an der achttägigen Aktion teil, darunter 28 Vereine, 20 Schulen, 16 Kindergärten und eine private Initiative. Im vergangenen Jahr waren es noch 53 Gruppen. Und unter der Rosenbergbrücke beteiligten sich sogar einige Obdachlose augenzwinkernd am Sammeln leerer Getränkedosen. Die Botschaft, die hinter dem kollektiven Großreinemachen steckt? " Als Bürger sollte man nicht meinen, dass mit den Steuern alles erledigt wäre, sondern auch selbst Mitverantwortung tragen", gab ein mit grünen Gummistiefeln, Jeans, Rollkragenpulli und Allwetterjacke bekleidetes Stadtoberhaupt am Rande der Putzaktion zu verstehen. Dass jeder etwas für das Gemeinwohl tun könne, liege bei der Müll- und Umweltproblematik "praktisch auf der Hand". Himmelsbach: " Was ist schon dabei, wenn ich mich mal bücke?" Wer einen Vormittag lang Dosen, Verpackungen und anderen Unrat aufsammelt, "denkt auch anders, über die, die das beruflich machen ". Keinen Hehl machte der Schreibtischmensch am Ende aus seinem "kleinen Muskelkater zwischen Daumen und Zeigefinger". Info: Die Stadt hat ein Bürgertelefon (564040) installiert, über das man auf Müll-Missstände hinweisen kann. 2001 gingen dort 500 Hinweise ein, 2000 waren es doppelt so viele. Für Betriebsamtsleiter Dieter Klenk ist dies ein Indiz dafür, dass Heilbronn immer sauberer wird.

(aus der Heilbronner Stimme 25.03.2002)


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