Fischereiverein Heilbronn e.V.

gegründet 1887

A n g e l n  -  E n t s p a n n e n  -  H e g e n  -  S c h ü t z e n  -  P f l e g e n

Ein Drittel aller Süßwasserfische ist vom Aussterben bedroht
(Von dpa)

Für den Aal setzen sich die EU-Minister ein (Foto: dpa)

Mehr als ein Drittel der Süßwasserfische in Europa ist nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN vom Aussterben bedroht. Zwölf Arten seien bereits verschwunden, berichtete die IUCN, die am Donnerstag im Schweizer Gland das Handbuch der Europäischen Süßwasserfische vorstellte. Fische seien stärker gefährdet als Vögel oder Säugetiere. "Angesichts von 200 Fischarten in Europa mit einem hohen Aussterberisiko müssen wir jetzt handeln, um eine Tragödie zu vermeiden", sagte IUCN-Sprecher William Darwall.

Rettet die Aale
Zu den bedrohten Fischen zählen unter anderem der Europäische Aal und der Ammersee-Kilch. Insgesamt hat die IUCN 522 europäische Süßwasserfischarten registriert. Hinzu kommen 24 Meeresfische, die auch in Flüsse schwimmen. "Viele dieser Arten drohen auszusterben, ohne dass es - abgesehen von wenigen Spezialisten - jemand mitbekommt", beklagt Darwall die Situation. Um den Aal zu retten, haben sich die Fischereiminister der Europäischen Union im Juni auf einen Aktionsplan geeinigt.

Flüsse trocknen vielerorts aus
Ein Grund für das Artensterben sei, dass die Menschen, besonders in den Mittelmeerländern, den Flüssen zu viel Wasser entnehmen. Im Sommer trocknen dadurch Wasserläufe vielerorts aus, der Klimawandel verschärft die Situation noch. Wehre und Wasserkraftwerke gefährden dem IUCN zufolge vor allem wandernde Fischarten.

Besonders schlimme Situation in Osteuropa
Hinzu kämen Überfischung und das Eindringen von Fische aus anderen Regionen, die Krankheitserreger einschleusen. Besonders schlecht gehe es Arten im osteuropäischen Teil der Donau, in der Wolga und im Ural, ferner auf dem Balkan und in Südwestspanien.

Problem: Immer mehr Industrie
Die größte Gefährdung der Fische sei im vergangenen Jahrhundert von der wachsenden Bevölkerung in Europa ausgegangen: Die Zahl der Menschen auf dem Kontinent hat sich verdoppelt, Landwirtschaft und Industrie sind stark gewachsen. Dem UN-Umweltprogramm UNEP zufolge sind fast 60 Prozent der europäischen Feuchtgebiete zerstört.

(aus der Heilbronner Stimme 02.11.2007)


Intakte Lebensräume, gesundes Trinkwasser
Von Herbert Kaletta

Die Schozach, in diesem Flussabschnitt noch in einem natürlichen Bett und deshalb auch ökologisch von hoher Qualität.
(Foto: Dittmar Dirks)

REGION HEILBRONN - Europäische Wasserrahmenrichtlinie. Der Begriff ist sperrig, was dahintersteckt aber wichtig. Das Ziel heißt: Intakte Lebensräume an Flüssen, Bächen und Seen. Und gesundes Trinkwasser. Bis 2015 soll das in der Europäischen Union erreicht sein.

Eine Bestandsaufnahme wurde schon gemacht, die Gewässer werden an Messpunkten beobachtet. Welche Fische und wie viele gibt es? Wie sieht es mit den Kleinlebewesen und den Pflanzen im Wasser aus? Welche chemischen Belastungen hat ein Fluss oder ein Bach?
Beteiligung Ein wichtiger Schritt ist die Beteiligung der Öffentlichkeit. Damit will man weitere, gute Vorschläge und Anregungen gewinnen. Im Bereich des Regierungspräsidiums Stuttgart gab es dazu sechs Veranstaltungen. Zur letzten kamen jetzt 110 Menschen ins Heilbronner Landratsamt - Landwirte, Vertreter von Städten und Gemeinden und von Naturschutzverbänden. Sie machten Vorschläge zum „Teilbearbeitungsgebiet 46“. Das betrifft den Neckar und sein Einzugsgebiet von Walheim bis Bad Friedrichshall (ohne Kocher und Jagst). Neben dem Neckar selbst sind das die Sulm, die Zaber, die Schozach und der Leinbach und wiederum deren Bachzuläufe. sofern sie mehr als zehn Quadratkilometer Einzugsgebiet haben.
„Gemessen an der Gebietsgröße ist das die beste Beteiligung“, freute sich Klaus Hofmann, Referatsleiter für Gewässer und Boden im Regierungspräsidium (RP) Stuttgart. Ohnehin ist er mit der gesamten Beteiligung sehr zufrieden: „Es hat sich gezeigt: Das Thema ist im Bewusstsein der Gesellschaft angekommen.“
Vor allem zu den Oberflächengewässern kamen viele Vorschläge. „Ich bin total überrascht, von der Flut der Anträge“, erklärte Werner Zacharides, zuständiger Mann für das Thema im Heilbronner Landratsamt. 120 waren es. Die müssen nun konkretisiert, geprüft und in das Maßnahmenkonzept eingearbeitet werden.
Die meisten Anregungen kamen von Naturschutzverbänden, aber auch die Hegegemeinschaften der Anglervereine hatten 36 Vorschläge. Deren Interesse ist es, den Fischen bessere Lebensbedingungen zu schaffen. Zum Beispiel mit naturnahem Rückbau der Flüsse und Bäche und durch Beseitigung von unüberwindlichen Hindernissen, wie sie Wehre ohne Fischtreppe darstellen.
Diese Strukturmängel der Bäche und Flüsse, die zu ökologischen Defiziten führen, gelten in Baden-Würtemberg auch als größte Schwachstelle. An rund 20 Prozent der Gewässer mangelt es, weiß Klaus Hofmann. Die chemische Qualität macht hingegen kaum Probleme. Der Ausbau von Kläranlagen über Jahrzehnte durch die Kommunen, aber auch durch die Industrie haben dafür gesorgt, dass die Wassergüte „bis auf wenige Ausnahmen“ gut sei, erklärt Hofmann.

Grundwasser Beim Grundwasser sieht er „Stabilisierung auf hohem Niveau“. Hier gilt die Landwirtschaft als großer Einflussfaktor. Zum Grundwasser gab es weniger Vorschläge. Man geht davon aus, dass die an Ausgleichszahlungen gekoppelten Vorschriften ihre Wirkung tun. Auch neue Erkenntnisse der Bewirtschaftung tragen ihren Teil bei. So wurde die Düngung reduziert, weil gezielter gedüngt wird. In den Weinbergen wurde sie so in den letzten Jahren halbiert. Bis ein Schadstoff aber in das Grundwasser sickert, kann es je nach Boden bis zu 20 und mehr Jahre dauern. Die Wirkung von Maßnahmen stellt sich deshalb oft erst stark verzögert ein

(aus der Heilbronner Stimme 28.03.2007)


Fisch des Jahres ist im Kocher daheim
Von Rainer Köller

Zwischen Gochsen und Kochersteinsfeld fühlt sich die Schleie besonders wohl
Am neu gestalteten alten Kocher zwischen den Hardthausener Ortsteilen Gochsen und Kochersteinsfeld ist in den vergangenen Jahren ein Paradies für den Fisch des Jahres 2007, die Schleie, entstanden. Ihr Überleben, da ist sich der Untereisesheimer Gewässerbiologe Marco Sander sicher, hat sie insbesondere dem Fleiß und den Besatzmaßnahmen der Angler zu verdanken. Doch das ist Sander nicht genug.
Marco Sander und der Vorsitzende der Hegegemeinschaft Kocher, Wilfried Hirschläger, werden nicht müde, nicht nur die ökologische Durchgängigkeit des Kochers zu fordern, sondern auch die Schaffung neuer Auebiotope. Außerdem sei die Uferausweitung ein wichtiges Projekt und der Rückbau von hartem Uferverbau wo immer dies machbar sei.
Zugute kommen sollen solche Maßnahmen Tieren wie der Schleie. Diese habe, so Diplom-Biologe Sander, ihre eigenen Ansprüche an die Lebensräume. Der Fisch des Jahres 2007 ist eine Stillwasserart, das heißt, er braucht Auebiotope ohne die übliche Strömungsstärke des Kochers.
Dies findet die Schleie inzwischen an dem herrlichen Biotop, das vom eigentlichen Kocher durch eine für Wasser und Fische durchlässige Steinmauer abgetrennt ist.
Auf der vorhandenen Insel brüten inzwischen nicht nur ein ansässig gewordenes Schwanenpaar, sondern auch viele andere gefiederten Naturburschen, wenn das Frühjahr zurückkommt.
Die Schleie wurde in Deutschland und Österreich zum Fisch des Jahres gewählt. Die beiden Bundesverbände wollen damit einen wichtigen und schönen Fisch der Öffentlichkeit vorstellen und gleichzeitig die Menschen für das Biotop Wasser sensibilisieren. Der Fisch des Jahres ist verbreitet im größten Teil Europas mit Ausnahme von Griechenland, Schottland und Nordskandinavien.
Der typische Lebensraum der Schleie ist überall, nicht nur am Kocher und an der Jagst, durch den Eingriff des Menschen gefährdet und fast überall müssen die Angler durch Besatzungsmaßnahmen das Aussterben verhindern.
Als Grundfisch bezeichnen die Fachleute die Schleie, die langsam fließende Gewässer mit dichten Pflanzenbeständen und schlammigem Untergrund liebt. Tagsüber hält sich der Fisch, der bis zu 30 Zentimeter lang und bis zu 300 Gramm schwer werden kann, am Grund zwischen den Pflanzen auf und wird erst in der Dämmerung aktiv. Vor dem Laichen von Mai bis Juli schließen sich die Schleien, die zur Familie der Karpfen gehören, zu Schwärmen zusammen und suchen Uferbereiche auf, wo jedes Weibchen mehrere 100 000 Eier legen kann. Wilfried Hirschläger ist sicher: „Bei uns am Kocherbiotop bei Hardthausen kann das die Schleie wieder tun“. Die Zusammenarbeit mit der Hegegemeinschaft Jagst sollen sich diese Bestrebungen intensivieren und mehr Laichräume schaffen.

(aus der Heilbronner Stimme 12.01.2007)


2,5 Tonnen Fische aus dem See gefischt
Von Stefanie Pfäffle

Das Rückhaltebecken Michelbachsee wurde für Revisionsarbeiten abgelassen. Schwupps, und der Fisch ist wieder rausgehüpft. Da heißt es für den Fischer, schnell mit dem Käscher nachsetzen, beherzt mit den steif gefrorenen Händen in das eiskalte, schlammige Wasser des Zaberfelder Michelbachsees greifen. Endlich zappelt der glitschige Wels im Netz. Ab geht’s damit in die mit Wasser gefüllten Bottiche, die am Uferrand stehen. „Wir werden so zwischen 1500 und 2000 Kilogramm rausholen“, schätzt Dieter Brodbek, Vorstand des Fischereivereins Zaberfeld. Kein normaler Angelausflug also für die Fischfreunde, sondern harte Arbeit. Der Grund: Der Michelbachsee wurde am Samstag für Revisionsarbeiten abgelassen. Alle neun bis zehn Jahre müssen Schieberschacht, Dammbauwerk und Stahlwasserbau des künstlichen Sees überprüft werden. Das letzte Mal 1996. Clemens Borowski, Betriebsbeauftragter Wasserraum Zaber im Landratsamt Heilbronn, schätzt, dass der Beton der Sanierung bedarf. „Da das bei den baugleichen Seen Ehmetsklinge und Katzenbachsee ähnlich war, dürfte es nun hier soweit sein.“ Genaueres wird man erst in zwei bis drei Wochen wissen, denn erst nach 14 Tagen kann eine Begehung mit einem Ingenieur stattfinden. „Wir richten uns aber darauf ein, dass die Arbeiten ein Jahr dauern, der Michelbachsee also 2007 kein Wasser führen wird“, fügt Zaberfelds Bürgermeister Thilo Michler an.
Seit 14 Tagen wurde das Wasser aus dem Naturschutzgebiet über die Zaber abgelassen. Das muss langsam angegangen werden, um kein Hochwasser zu verursachen. „Normalerweise liegt der Wasserstand der Zaber bei 34 Zentimetern, jetzt sind wir schon bei 74 Zentimetern und ab einem Meter greift der Hochwasserschutz.“ Der sei übrigens weiter gewährleistet, betont Borowski. „Falls heftiger Regen kommt, wird der See eben wieder zugemacht - auch wenn er uns wieder voll läuft.“ Kein Problem, die Fische sind ja draußen.
Dafür sorgten die Fischer. Kurz nach der Schleuse hatten sie eine etwa 15 Meter lange Abfangvorrichtung in die Zaber gestellt und warteten, warm eingepackt, mit Anglerhosen und Käschern auf die Wasserbewohner, die ihnen entgegengespült wurden. Viele Mitglieder des 170 Mann starken Vereins waren schon weit vor der Morgendämmerung im Einsatz. Später kamen einige Schaulustige, die wissen wollten, was sich in dem 130 000 Kubikmeter-Gewässer so tummelt.
Hechte, Aale, Zander, Karpfen, riesige Welse und sogar drei Schildkröten wurden aus dem Wasser gezogen und schön in verschiedene Behälter auf Schlepperanhängern sortiert. Anschließend wurden sie in ihre neue Heimat, die Ehmetsklinge, den Katzenbachsee oder den Mutterbach gefahren. „Halbtote Fische und die Ungewollten werden später von Mitarbeitern der Wilhelma als Futtertiere abgeholt“, erzählt Brodbek. Von insgesamt 2,5 Tonnen waren das zum Schluss 500 Kilogramm.
Beim letzten Schub muss es schnell gehen. Zu viel Schlamm kommt mit dem Wasser. Wenn das in die Kiemen gelangt, sterben die Fische. Ein Exemplar nach dem anderen wird in Windeseile aus dem Trüben gefischt und für die Statistik gezählt. Vor allem einige kleinere Fische haben es nicht geschafft und schwimmen bäuchlings an der Wasseroberfläche. Einige zwängen sich aber auch durch die Netzmaschen hindurch und schwimmen die Zaber hinab in den Neckar.

(aus der Heilbronner Stimme 13.11.2006)


Den Neckar ins Bewusstsein bringen
Von Bärbel Kistner

Bis zum Landschaftspark Neckar ist es noch ein weiter Weg. Aber es gibt bereits Bausteine: Radwege, Kanutourismus, renaturierte Altarme, Fischtreppen. Damit aus der Vision eines Tages Wirklichkeit wird, müssen die Initiativen vernetzt werden.
Anstöße dazu soll der dritte Neckarkongress der baden-württembergischen Umweltakademie geben, der gestern in Heilbronn tagte. „Der Neckar läuft noch oft an den Köpfen der Menschen vorbei, außer es ist Hochwasser“, sagte Fritz-Gerhard Link von der Umweltakademie. Er hofft auf den Multiplikatoreneffekt der Tagung, zu der rund 130 Bürgermeister, Kreis- und Gemeinderäte, Regionalplaner, Naturschutz-, Tourismus- und Wirtschaftsvertreter gekommen waren.
Die Pläne aus den Schubladen holen, die Kommunikation zwischen den Neckar-Anrainern verbessern und zwischen den verschiedenen Interessenslagen vermitteln, auch dazu soll der von Stadt- und Landkreis Heilbronn und vom Regionalverband Heilbronn-Franken unterstützte Kongress beitragen.
Der Heilbronner Baubürgermeister Ulrich Frey präsentierte unter dem Motto „Insel im Fluss“ die Chancen, die die Heilbronner Bundesgartenschau 2019 für die Entwicklung des Neckarparks bietet. Grünflachenamtsleiter Hans-Peter Barz zeigte am Beispiel des Altneckars bei Klingenberg, dass eine Ausgleichsmaßnahme wie dort für die Stadtbahn ein Baustein für den Neckarlandschaftspark sein kann. Die Renaturierung des Gewässers lässt die Natur mit Amphibien, Eisvögeln und Libellen erleben und ermöglicht es, den Neckar dort für Erholung und Freizeit nutzen.
Doch es ging nicht nur um Tourismus und Naherholung, auch die Verkehrsfunktion des Neckars und die Bedeutung als Siedlungs- und Lebensraum sind wichtig. Die Schifffahrt drängt auf einen Ausbau der Schleusen, die bei einer Länge von 110 Metern für 95 Prozent der Rheinschiffe zu kurz sind. „Das derzeitige System ist ein technisches Denkmal“, sagte Regionalverbandsdirektor Dr. Ekkehard Hein. „Wenn sich am Neckar nichts tut, dann findet in zehn Jahren kein Güterverkehr mehr statt“, erläuterte Gerd-Jürgen Britsch, Geschäftsführer der Reederei Schwaben. Die Binnenschifffahrt sei jedoch der umweltfreundlichste und kostengünstigste Verkehrsträger.
Interessenskonflikte mit Ökologie und Umsetzung der Europäischen Wasserschutzrichtlinie sind vorhanden. Dennoch können nach Ansicht von Dr. Michael Schramm vom Fischereiverband beim Schleusenbau gleichzeitig auch Fischumgehungsgewässer entstehen.

(aus der Heilbronner Stimme 06.04.2006)


Riesen-Aquarium vor der Harmonie
red

Fische bestaunen direkt vor der Heilbronner Harmonie, das ist möglich bis Donnerstag, 6. April. Das nach Angaben des baden-württembergischen Fischereiverbandes größte mobile Aquarium ist seit gestern dort aufgebaut. Das Schaubecken lässt Betrachter eine Vielzahl heimischer Fischarten beobachten und kennen lernen.
Der Anlass für die Fische-Schau ist der Neckarkongress der Akademie für Natur- und Umweltschutz, der am Mittwoch in der Harmonie tagt. Die Akademie unterstützt das Großaquarium ebenso wie die Heilbronner Versorgungs GmbH, Stadt- und Landkreis Heilbronn und der Regionalverband. (kis)

(aus der Heilbronner Stimme 04.04.2006)


Der Edelkrebs kommt nach Hause
red

Nach einem Krebskataster des Landesfischereiverbandes bevölkert der Steinkrebs erstmals seit einem halben Jahrhundert wieder heimische Gewässer in der Region. Der Grund: Sauberes Wasser.
Mit dem Aussetzen amerikanischer Arten in deutsche Fließgewässer wurde die Krebspest eingeschleppt. Einheimische Krustentiere konnten nur noch in den Quellbereichen einiger Bäche überleben. Der Bereich Unterland / Hohenlohe des Verbandes für Fischerei und Gewässerschutz Baden-Württemberg hat in diesem Monat ein Projekt zur Erfassung und Dokumentation heimischer Krebsarten auf den Weg gebracht. Notwendig wurde dieses Konzept aufgrund ausländischer Exemplare, die inzwischen den Neckar, die Kocher und teilweise auch schon die Brettach besiedelt haben.
Bei Probenentnahmen am Ortsdurchlauf in Cleversulzbach sowie am Oberlauf der Sulzbach fand Bereichsleiter Wolfgang Sitter Köcherfliegenlarven, Unmengen an Bachflohkrebsen, Libellenlarven und Eintagsfliegenlarven. "Von der Artenvielfalt der Nährtiere her ein sehr sauberes Gewässer, schätzt der Fischereiexperte die Wasserqualität des Baches ein. Jedoch fehlte von Krebsen und Kleinfischen bis dato noch jede Spur. Erst als die Aktion bereits erfolglos abgebrochen werden sollte, berichtete ein hinzugekommener Diplombiologe, dass er unweit der Untersuchungsstelle, etwa 30 Meter weiter oben, mit seiner Jugendgruppe Steinkrebse festgestellt hatte.
Somit verlief die Untersuchung doch noch positiv, da die Gewässerexperten schützenswerte Restbestände des kleineren Steinkrebses im Quellbereich des Sulzbaches fanden. Dennoch gibt es zwischen dem Cleversulzbacher Bestand und der Krebspopulation in der Brettach eine lange krebsfreie Strecke. Es gelte nun zu prüfen, ob und welche Maßnahmen zum Erhalt des Lebensumfeldes für diese Tiere einzuleiten sind.

(aus der Heilbronner Stimme 21.07.2005)


Immer mehr Bewohner im Neckar
Von Katja Feiler

Ein mannsgroßer Wels, tausende Körbchenmuscheln, Höckerkrebse: Der Neckar rund um Heilbronn lebt. Mehr Arten denn je tummeln sich im Wasser.
So gut wie tot war der Fluss in den 70er Jahren. Der Mensch hatte es auch in der Region fast geschafft, fast alle Fisch - und Tierarten im Neckar auszurotten. Vor kurzem dagegen zieht ein Angler einen mannsgroßen Wels aus dem Altneckararm in Heilbronn. Die Lebewesen sind wieder da.
Das heißt: Die Wasserqualität des Neckar ist wieder gut, so der Gewässerbiologe Hartmut Vobis von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg in Karlsruhe. Mehrmals im Jahr kreuzt deren Untersuchungsschiff auch rund um Heilbronn und nimmt Wasserproben. Was dabei den Experten in die Fänge kommt, freut den Biologen.
Die Körbchenmuschel zum Beispiel. Ein Neuling im Neckar. Erst die Schifffahrt hat ihn vom kaspischen Meer mitgebracht. Im Ballastwasser der Schiffe oder den Filtern sitzen sie und werden irgendwo abgelassen. Fühlen sie sich wohl, vermehren sie sich. Ein Einwanderer ist auch der Höckerkrebs: "Der scheint unsere heimischen Bachflohkrebse zu verdrängen. Deren Überlebensstrategien sind besser", prognostiziert der Experte Hartmut Vobis.
Wo Egelarten auftauchen ist das Wasser dreckig, wo Insektenlarven überleben, ist das ein Zeichen für die gute Qualität des Wassers. Oberhalb der Kochermündung gibt der Fachmann dem Neckar die Note 2 bis 3, unterhalb ist's eine 2. Schlammröhren- und Vielborstenwurm, Schneckenarten, Schlickkrebs, Steinfliegenlarven bewohnen als Folge den Fluss.
Auch unter den Fischen nimmt die Artenvielfalt stetig zu. Dass der 1,80 Meter lange Wels an einem Haken im Altneckararm hing, verwundert Rainald Hoffmann, Fischereireferent beim Regierungspräsidium Stuttgart, nicht. Und Neckarkenner sprechen sogar von einem viel größeren Exemplar, das weiter im Neckar seine Runden dreht. Ab und an komme der Raubfisch an die Oberfläche und - schwupps - sei eine Ente weg. "Das kann schon sein, Welse werden groß und sind nicht zimperlich."
Seit den 80er Jahren beobachtet Hoffmann, wie sich Welse im Neckar immer heimischer fühlen. Sie waren fast verschwunden. Über 40 Fischarten bevölkern inzwischen den Neckar. "Das ist eine Zahl wie vor etwa 200 Jahren." Nur: Manche Arten fehlen, andere sind dazugekommen.
Die vielen Staustufen verhindern heute den Nachwuchs von Langdistanzfischen, die vom Meer in den Rhein und dann in den Neckar schwommen. Auch der Maifisch hat es schwer. Er will zum Laichen neckaraufwärts. Das geht nicht mehr. Nasenfische, Brassen und Barben: Alle fühlen sich heute vor allem in den Altarmen bei Horkheim und Neckarsulm wohl, hat Rainald Hoffmann festgestellt. Und wer was am Haken hängen hat, kann das unbesorgt auf den Teller bringen: "Die Grenzwerte der Schadstoffbelastung der Fische werden inzwischen nie mehr überschritten."

(aus der Heilbronner Stimme 05.08.2004)


Projekt in Cleebronn soll Forellen retten
Von Friedrich Schlaghoff

Die abgelaufene bau- und wasserrechtliche Genehmigung einer Fischzuchtanlage in Cleebronn hat in der Führungsetage des Verbands für Fischerei und Gewässerschutz Baden-Württemberg die Idee reifen lassen, hier durch Aktivitäten der Mitgliedsvereine die Bachforellensituation in der Zaber nachhaltig zu unterstützen.
Die Bachforelle wurde vom Verband Deutscher Sportfischer zum Fisch des Jahres 2005 gewählt. Die Fischzuchtanlage in Cleebronn "ist das ideale Gewässer, um Bachforellen zu strecken", so die feste Überzeugung von Bezirksleiter Wolfgang Sitter. In dem Becken, das mit dem Wasser aus dem Oberlauf des Ruitbachs gespeist wird, seien alle Voraussetzungen erfüllt, um die junge Fischbrut bis zu einer Größe von zwölf Zentimeter heranwachsen zu lassen, um sie dann den ungleich härteren Lebensbedingungen der Zaber auszusetzen. Bachforellen zählen zu den bedrohten Tierarten und kommen in klaren, kalten, sauerstoffreichen Fließgewässern vor, aber auch in Seen bis zu einer Seehöhe von rund 1500 Metern vor, wenn sie einen Zufluss mit Laichmöglichkeiten besitzen. Die Bachforelle sucht zur Laichzeit (Spätherbst und Winter) kleinere und kleinste Nebenbäche auf. Aus begradigten Bächen verschwindet sie schnell. Auch gegen Verschmutzungen ist der Fisch empfindlich. Nur sehr selten taucht er auch in großen Flüssen auf. "Das Bächle sieht gut aus", so die Feststellung des Fischereibiologen Dr. Berthold Kappus, "Bachflohkrebse jede Menge!" Damit spricht er nicht nur die Hauptnahrung der Bachforelle an, sondern stellt der Wasserqualität des Cleebronner Ruitbachs gleichzeitig ein gutes Zeugnis aus. Bestärkt durch die günstigen Rahmenbedingungen für ihr Projekt beginnen die Experten bereits laut zu überlegen: "Wir werden laichfähige Fische im Oberlauf der Zaber fangen müssen, um die genetischen Voraussetzungen der hiesigen Fische nicht zu verändern", ist die Forderung Sitters. "Aber gesunde Brütlinge aus diesem Laich kann uns nur eine professionelle Fischzucht zusichern", so Kappus. Augenscheinliche Einbußen an der Wasserqualität des Ruitbachs scheinen sich am Ortsausgang Cleebronns zu ergeben. Fadenalgen und Wasserasseln signalisieren hier starke Belastung, so dass eine Bachausleitung für die Anlage nordöstlich Cleebronns nicht in Frage kommt. Die vorhandene Wasserschüttung aus dem Hang würde sich nach Aussage der Fachleute nur für die Zucht gefährdeter Kleinfischarten wie etwa Schneider und Elritze eignen.

(aus der Heilbronner Stimme 26.01.2005)


Fische kreuzen gegen den Strom wie Segler gegen den Wind

Washington (dpa) - Fische kreuzen in turbulentem Wasser stromaufwärts wie Segelboote - und sparen damit jede Menge Kraft. Sie nutzen als Antriebshilfe und «Motor» dabei geschickt die Strudel, die durch Hindernisse im Wasser entstehen, berichten US-Biologen in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins «Science» (Bd. 302, S. 1566). James Liao und Kollegen von der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) bauten in einem Tank eine Unterwasserlandschaft nach und untersuchten das Schwimmverhalten der Tiere, denen sie Elektroden an den Flossen anbrachten. Das Ergebnis: Die Fische ließen sich im Zickzack von Strudel zu Strudel praktisch voranschieben. Bei dieser Art der Fortbewegung brauchten sie den Elektrodenaufzeichnungen zufolge - trotz des chaotisch bewegten Wassers - nur relativ geringe Muskelkraft. Die Studien könnten bei der Entwicklung effektiverer Fischtreppen oder auch neuartiger Unterwasserfahrzeuge helfen, hoffen die Forscher.

(aus der Heilbronner Stimme 28.11.2003)


Fischer stecken in der modrigen Schlammbrühe
Von Rolf Muth

So herb hat sich Bernhard Schillhabel seinen Einsatz wohl nicht ausgemalt. Das Wasser trieft ihm aus den Hemdsärmeln, der Dreck spritzt in Augen und Ohren. Der Heizungsbauer schlottert. Das Abfischen am Katzenbach-Stausee, der jetzt inspiziert werden soll, ist eine anstrengende Arbeit für die Zaberfelder Fischer.

Stockfinster ist's noch an diesem Einheitstag, als Ralph Wunderlich das Kommando gibt, den Schieber weiter nach oben zu ziehen. 50 seiner 100 Aktiven hat der Chef des Fischereivereins Zaberfeld im Einsatz. Sechs stehen auf einer selbst gezimmerten Rampe mitten im Wasser und lauern mit Käschern auf Hecht, Zander, Karpfen oder Aal. Das Schwallwasser schießt heran, reißt unzählige Fische mit. Gewässerwart Markus Hiebinger ist gereizt. "Aus dem Weg, aus dem Weg!", schubst er alles zur Seite, was ihm in die Quere kommt. Die zappelnden Fische müssen schnell wieder in die bereit stehenden Wasserbottiche. Dort wird sortiert, gereinigt und auf andere 1000-Liter-Wannen verteilt. Wunderlich: " Wir setzen sie wie die Süßwassermuscheln in der Ehmetsklinge und am Michelbachsee aus." Im Rhythmus von neun Jahren muss der Stausee abgelassen werden. 159 000 Kubikmeter Wasser fließen seit zehn Tagen aus dem fast neun Meter tiefen See ab. An diesem Morgen um sieben Uhr sind nur noch 3000 Kubikmeter vorhanden. Eine Stunde später liegt die 4,5 Hektar große, 1975 angelegte Seefläche "trocken". In den nächsten Wochen werden der Damm, das Einlaufbauwerk und der Schieber von verschiedenen Ingeneurbüros genau unter die Lupe genommen. "Der Hochwasserschutz ist weiterhin gewährleistet", sagt Clemens Borowski, Betriebsbeauftragter im Heilbronner Landratsamt mit Blick auf die Kommunen unterhalb des Sees bis nach Lauffen.
Im Sommer herrscht hier Hochbetrieb. Bis zu 3000 Badegäste tummeln sich auf dem Seegelände, wie Bürgermeister Thilo Michler erklärt. Der Zaberfelder Verwaltungschef ist beeindruckt, wie koordiniert die Aktion der Fischer abläuft. Diese sind jetzt im Dauerstress. "Du Sau!" , brüllt Bernhard Schillhabel, der bis zum Bauchnabel im Wasser steht: Durch einen kräftigen Flossenschlag hat ihn ein 1,20 Meter langer Wels mit dunkler, modrig riechender Schlammbrühe eingedeckt. "Der stinkt heute Abend wie die Pest." Hermann Götz grinst. Seine wahre Freude hat auch Heiko Giebler. Der 15-Jährige ist einer der 25 Vereinsjugendlichen und erlebt so ein Abfischen zum ersten Mal. Die ganze Nacht war er auf den Beinen. Jetzt staunt er über einen sechs Kilos schweren, einen Meter langen Graskarpfen, den Wolfgang Palesch an Land zieht - eines der unzähligen Prachtexemplare. Vier Tonnen sollen's am Ende insgesamt gewesen sein.
Umsonst gewartet hat auch Ronald van de Kammen von der Tierhilfe aus Forst nicht. Ihm geht eine Rotwangenschildkröte ins Netz. Das in Florida beheimatete Tier wurde hier einfach ausgesetzt. Ein Vorgang , der leider immer häufiger vorkommt, aber auch mit hohen Bußgeldern geahndet wird.

(aus der Heilbronner Stimme 04.10.2003)


Wehr soll ökologisch sinnvoll umgebaut werden
Von Friedrich Schlaghoff

Umweltverträgliche Stromerzeugung aus der Wasserkraft der Zaber? Die Verantwortlichen der Naturata Spielberger AG in Brackenheim, Betreiber der Burgermühle, haben nach zweieinhalb Jahren die Initiative neu belebt.

Bereits im März 2001 hatten sich die Experten der Gewässerdirektion Besigheim, des Landratsamts Heilbronn und des Verbandes für Fischerei und Gewässerschutz Baden-Württemberg Gedanken gemacht, wie man am Brackenheimer Zaberwehr eine ökologisch sinnvolle Energiegewinnung realisieren könnte, bei gleichzeitiger Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Wehranlagen für Fische und aquatische Kleinlebewesen. "Allein schon hinsichtlich unserer Betriebsphilosophie haben wir ein vitales Interesse an einer intakten Umwelt", so Jürgen Sauer von der Geschäftsleitung der Burgermühle. "Und selbst wenn eine Energieerzeugung an der Zaber wirtschaftlich nicht vertretbar sein sollte, werden wir uns notwendigen baulichen Maßnahmen am Wehr nicht entgegen stellen."
Die Mühlenbetreiber beabsichtigen, das Bollwerk gegen das Wanderverhalten der Fische dahingehend umzubauen, dass bei abgesenkter Stauhöhe und entsprechender Aufstiegsmöglichkeit für die Zaberlebewesen ein Wasserrad mit Generator installiert werden kann. Dabei soll die Turbine im vorhandenen Krafthaus aufgegeben und der Wasserkanal zugeschüttet werden. Diplom-Biologe Dr. Berthold Kappus sieht Probleme, den unteren Abschnitt der Ausleitungsstrecke zuzuschütten: "Der Unterkanal stellt ein Biotop nach Paragraph 24a des baden-württembergischen Naturschutzgesetzes dar. Ich gehe davon aus, dass wir hier auch nach dem Schließen des Oberkanals mindestens 50 Liter Zaberwasser pro Sekunde durchleiten müssen, um seinen Bestand zu erhalten." Dem Leiter des Bereichs Unterland-Hohenlohe im Verband für Fischerei und Gewässerschutz, Wolfgang Sitter aus Lauffen, ist die ökologische Ausrichtung der Zaber ein persönliches Anliegen: "Auch unser Verbandsverein, der Fischereiverein Zabergäu-Brackenheim, hat bisher starkes Interesse an der Realisierung dieses Projekts gezeigt." Nach einem Vorstandswechsel müsse sich der Verein zwar erst neu positionieren, Sitter ist sich jedoch "sicher, dass wir bei dieser ehrgeizigen Naturschutzmaßnahme auf die Mitarbeit aller Brackenheimer Fischer zählen können". Alle Gesprächsteilnehmer waren sich darüber einig, dass es nur eine schonende Veränderung des Wasserstandes im Oberlauf der Zaber geben darf. Bei einem totalen Rückbau des Wehrs wären Schäden im gewässerbegleitenden Gehölzstreifen, der Fauna und der Feuchtwiese auf Botenheimer Gemarkung infolge des sinkenden Grundwasserspiegels nicht auszuschließen. Daher kann der Einbau einer Aufstiegshilfe für die Zaberbewohner nur in Form einer so genannten "rauen Rampe", einer Steinschüttung am Wehrüberlauf, die Passierbarkeit dieses Flussabschnitts wieder herstellen. Als nächster Schritt soll nun eine "Machbarkeitsstudie Wasserkraftanlage Burgermühle" eingeleitet werden.

(aus der Heilbronner Stimme 29.08.2003)


Positive Gewässerschau an der Jagst
Von Manfred Dod

Nachdem die örtlichen Fischereivereine ihren Frühjahrsputz an den Uferregionen der Jagst dieser Tage beendet hatten, kam es jetzt zu einer Gewässerschau. Auf dem rund 60 Kilometer langen Unterlauf zwischen Duttenberg und Bieringen war die Hegegemeinschaft Jagst mit der Gewässerdirektion Neckar, Bereich Besigheim, unterwegs. Der Eindruck über den Naturzustand der Jagst auf der Grundlage von zehn Anlaufpunkten war nach Einschätzung der Sachverständigen insgesamt sehr positiv. Startpunkt der nach einem Zeitplan abgehaltenen Stippvisite im Schnellverfahren war beim Kraftwerk Duttenberg. Von dort ging es flussaufwärts mit Stop an der Kläranlage Herbolzheim. Die weiteren Stationen waren die Schneidmühle Neudenau, die Brücke in Siglingen, das Wehr mit der Fischtreppe in Züttlingen, der Pegelbereich Möckmühl, die Brücke Ruchsen, die Ortsgrenze Widdern sowie die Brücken in Jagsthausen und Bieringen. An den genannten Haltepunkten kam es zu fundierten und lebhaften Gesprächen zwischen den Vertretern der Gewässerdirektion Carsten Scholz und Peter Roth und den Mitgliedern der jeweiligen Fischereivereine. Letztere hatten Gelegenheit, ihre Anregungen vorzutragen und darzulegen, wo der Schuh drückt. Beim Abschlussgespräch in Schöntal wurden detaillierte Ergebnisse ausgewertet und diskutiert. Sowohl positive als auch negative Angelegenheiten hinsichtlich Gewässer-Reinhaltung, Uferbewuchs, Fischbestände mit deren Lebensbedingungen und Laichplätzen, wurden erörtert. Nach Mitteilung von Ernst Nagel der Gewässerdirektion Künzelsau wurden in letzter Zeit im Bereich Schöntal insgesamt 15 Biotope errichtet. Die Fischerei-Hegegemeinschaft Jagst wurde vor einem Jahr gegründet, um die anstehenden Aufgaben rund um die Pflege des Fischbestandes gemeinsam in den Griff zu bekommen. Insgesamt sind elf Vereine auf Initiative von Rolf Grimm, Möckmühl-Züttlingen, zusammengeschlossen. Beteiligt sind im Einzelnen die Hegegemeinschaft Neckar (Bereich 8), der Fischerei- und Sportanglerverein Neckarsulm, der Angelsportverein Möckmühl, der Württembergische Anglerverein Stuttgart, der Hohenloher Fischereiverein Künzelsau sowie die Fischereivereine des Stadtgebietes Neudenau, Ruchsen, Widdern und Jagsthausen. Eine umfassende Hegekonzeption wurde dazu erstellt vom Biologen Dr. Berthold Kappus, Neudenau-Siglingen, der maßgeblich an der Projektgruppe Hohenlohe der Universität Hohenheim zur ökologischen Untersuchung des Jagstgebiets mitwirkte und seine Erfahrungen einbringen konnte.

(aus der Heilbronner Stimme 10.04.2003)


Traditionelles Karpfenessen verliert an Beliebtheit
Von Karin Ridegh-Hamburg, dpa

Pattensen (dpa) - Graublau bis grün wimmelt es in der Hälteranlage bei Pattensen im Landkreis Harburg. Unzählige Spiegelkarpfen suchen nach Nahrung im klaren Heidebachwasser der Aue, das durch die Anlage geleitet wird. Die eingehängten Netze sind voll. Dennoch: Die Zeit der traditionellen Karpfenessen mit Silberbesteck, Kerzenschein und gutem Wein ist offensichtlich vorbei. «Junge Hausfrauen wollen keinen Karpfen mehr auf den Tisch bringen. Karpfen blau ist für jüngere Leute langweilig und andere Rezepte haben sich noch nicht durchgesetzt», sagt Torsten Lübbers von einem der größten deutschen Importeure für lebende Fische, Möller Reichenbach. Außerdem gebe es weniger große Familien, die zu den Festtagen Karpfenessen zelebrierten. Ob Heiligabend, Silvester oder an anderen Wintertagen, hauptsächlich seien es die älteren Leute, die noch am traditionellen Karpfenessen festhalten, meint der 38-Jährige. Dabei liegt Karpfen als ökologisch produziertes und leicht bekömmliches Lebensmittel im Trend, meint Jens Schrader vom Interessenverband Lebendfischhandel. «Die Tiere wachsen natürlich in großen Teichen auf und ernähren sich nur vom Plankton. Der Fisch ist nicht halb so fett wie Rindfleisch. Auch sein Cholesteringehalt liegt weit unter dem von Schweine-, Rind- und Hühnerfleisch», sagt Schrader. Neue Abnehmer haben die Fischhändler in zugezogenen Osteuropäern gefunden. «In Russland, Polen und den baltischen Ländern gehört Karpfen einfach zum Weihnachtsfest», sagt Lübbers. Doch das gleiche den deutlichen Rückgang im Geschäft mit dem schnellwüchsigen Zuchtfisch längst nicht aus. «Neue Kunden haben wir inzwischen gewonnen, weil wir Karpfen auch filetiert anbieten. Damit berücksichtigt der Handel auch die zahlreichen Single-Haushalte.» Filets seien auch deshalb von Vorteil, weil die vielen kleinen Gräten des Schwanzteils mit einem Steaker zerhackt werden. Zudem eigneten sie sich auch für moderne Gerichte. Die rund 300 Tonnen Karpfen, die Lübbers in der Saison vom Buß- und Bettag bis Ostern an Restaurants, Lebensmittelketten und Einzelhandelsgeschäfte abgibt, bezieht er hauptsächlich aus Sachsen, ein kleiner Teil kommt aus Tschechien. Die Fische werden in belüfteten Wassertanks auf Lastwagen in den Norden transportiert und kommen dort bis zum Verkauf in die Hälterbecken. Das Geschäft ist hektisch und lässt keine Pause zu, denn 80 Prozent der Karpfen werden im Dezember verkauft. In diesem Jahr mit 7,50 Euro pro Kilo für etwa 15 Prozent mehr. Im Frühjahr hätten Besatzfische gefehlt und während des Hochwassers seien viele Karpfen einfach weggeschwommen, begründet Fischfachmann Jens Schrader den Preisanstieg.

(aus der Heilbronner Stimme 30.12.2002)


Plädoyer für totes Holz im Bach
Von Anja Kemmler

Nein, es ist keine Faulheit, wenn die Bauhofleute abgestorbenes Holz in Flüsschen und Bächen einfach liegen lassen. Sie tun damit der Natur was Gutes. Darauf wiesen Fachleute bei den Gewässernachbarschaftstagen " Schozach-Zaber-Lein" und "Kocher-Jagst-Sulm" hin.

30 Männer und ein paar Frauen - Bauhofmitarbeiter und Amtsleiter aus Kommunen, die an Schozach, Zaber und Lein und deren Nebengewässern liegen - gucken interessiert in den dahinplätschernden Obergruppenbach. Sie haben einen Morgen voller Theorie in Abstatt hinter sich. Da ist die Exkursion nach Untergruppenbach mit Bauhofmitarbeiter Timo Oechsle eine willkommene Abwechslung. Die Objekte der Begierde sind Äste und Zweige, die im Wasser liegen. "Wichtig ist, dass das Holz nicht abdriftet. Hier ist es sehr gut", lobt Jakobine Biehl. Die Ingenieurin vom Heilbronner Tiefbauamt ist ehrenamtliche Betreuerin bei der Fortbildungsgesellschaft des Wasserwirtschaftsverbandes Baden-Württemberg. Die Gesellschaft organisiert seit einigen Jahren so genannte Gewässernachbarschaftstage für "Gewässer zweiter Ordnung" - das sind kleinere Flüsse und Bäche. Vor einigen Tagen war der Bereich Kocher-Jagst-Sulm dran, nun das Gebiet Schozach-Zaber-Lein. "Ziel und Zweck ist es, Neuerungen im Wasserrecht bekannt zu machen", sagt Biehl. Außerdem gibt's immer ein Schwerpunktthema. Dieses Mal eben "Totholz in Fließgewässern".

"Außerhalb der Orte sollte man Äste, Zweige und Stämme im Wasser lassen", erklärt die Fachfrau. Groß sei der ökologische Nutzen: "Das Holz ist Lebensgrundlage für viele Tiere. Zum Beispiel Fliegen, Mücken und Biber." Auch verändere das tote Holz im Lauf die Dynamik des Gewässers - "es entsteht also ein natürlicher Verlauf". Und eben das sei mittlerweile gewünscht. "Klar gibt's noch vielerorts die Einstellung: Der Bach muss ausgeputzt und sauber sein. " Dieses Bewusstsein zu verändern, ist Ziel des Fachtages. " Weniger ist mehr" und "Lassen statt machen": Mit solchen Schlagworten appelliert Biehl an die Teilnehmer. Beim Abstatter Bauhofleiter Roland Walter ist die Botschaft längst angekommen. " Das Problem ist, das an die Bürger ranzubringen, vor allem an die älteren ", sagt Walter. "Die nennen das Verwahrlosung." Auch den großen Nachteil des Totholzes bringt Jakobine Biehl zur Sprache: "Es kann sich vor Brücken stauen." Besonders bei Hochwasser sei das gefährlich. Deshalb rät sie, das Holz nur abseits der Orte im Wasser zu lassen und so genannte "Totholzfänger", Rechen zum Beispiel, einzubauen. Wie ist's eigentlich um die Wasserqualität in den kleineren Flüsschen des Landkreises Heilbronn bestellt? "Mittlerweile recht gut." Vorbei die Zeiten, als Abwasser wesentlich unkontrollierter eingeleitet wurde. "Mittlerweile braucht man für jede Einleitung eine wasserrechtliche Genehmigung.

(aus der Heilbronner Stimme 07.12.2002)


Mehr Platz für die Fische
Von Heiko Fritze

Mit der Wasserqualität geht's wieder aufwärts, jetzt müssen noch Lebensräume für Fische geschaffen. Wie sich das in Einklang mit der Nutzung des Neckars als Bundeswasserstraße bringen lässt, darüber informierte der Arbeitskreis Umwelt der Lokalen Agenda 21.

Seit den 70er Jahren kommen sie wieder. Von 30 Fischarten, die im damals noch stark verschmutzten Neckar zu überleben versuchten, hat sich das Spektrum wieder auf an die 60 Arten erweitert. Mittlerweile ist selbst die Meeresforelle wieder auf dem Vormarsch flussaufwärts. "Sie wurde bereits in Hirschhorn festgestellt", berichtete Berthold Kappus von der Universität Hohenheim. Er war einer der Experten, die den mehr als 90 Zuhörern im vollbesetzten Zunftsaal im Haus des Handwerks die Situation des Flusses und mögliche Verbesserungsmaßnahmen vorstellten. Im Mittelpunkt stand natürlich die Region Heilbronn. Und hier vor allem der Altarm bei Horkheim. Seit dem Ausbau des Flusses zur Bundeswasserstraße fristet dieser Abschnitt ein Dasein zwischen Biotop und gefährdeter Fläche: Zwar kann das Wasser hier nach wie vor unreguliert fließen und Geröll transportieren - doch dazu muss erst einmal genug Wasser da sein. "Im Sommer fällt der obere Teil manchmal trocken, weil das Stauwerk alles umleitet in den Kanal, damit dort Schiffe fahren können", berichtete Anke Albrecht von der Gewässerdirektion Mittlerer Neckar in Besigheim,. Dort ist IKoNe angesiedelt, das "Integrierende Konzept Neckareinzugsgebiet". Im Rahmen dieses Projekts wurden 79 Vorhaben ausgewählt, um die Qualität des Neckars und der Nebenflüsse zu verbessern. Eines ist der Horkheimer Altarm. Nicht überall hat IKoNe freilich sofortigen Erfolg. Das Projekt "Zugwiesen" bei Ludwigsburg zum Beispiel muss erst einen Konflikt mit der Landwirtschaft lösen - die Öffnung eines trocken gefallenen Seitenarms würde vier Betriebe um ihre Existenz bringen, erläuterte Günter Schlecht vom Ludwigsburger Grünflächenamt. Solche Probleme drohen in Horkheim aber nicht, berichtete Schlechts Amtskollege Andreas Simon. "Auf der Horkheimer Insel sind 70 Prozent im städtischen Besitz, in der Neckaraue zwischen Klingenberg und Nordheim sogar 100 Prozent." Dort werden mittlerweile Ausgleichsmaßnahmen für städtische Bauprojekte vorgenommen - knapp vier der elf Hektar Neckaraue sind wieder renaturiert. Dennoch bleibt viel zu tun, waren sich die Referenten einig. Vor allem müsse ein Kompromiss gefunden werden, um wieder ausreichend Wasser durch den Altarm zu leiten. "Nur dann kriegen wir dort wieder die Fauna, die wir wollen", mahnte Landschaftsplaner Peter Geitz.

(aus der Heilbronner Stimme 28.10.2002)


Freie Bahn für Fische

Regierungspräsidium fördert Bau von Fischaufstiegen Andriof: Wichtige Maßnahme zur dauerhaften Erhaltung der Fischbestände Regierungspräsident Dr. Udo Andriof hat sich heute in Werbach im Main-Tauber-Kreis einen persönlichen Eindruck über die vielfältigen Anstrengungen zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit unserer Fließgewässer verschafft. Verkehrsinfarkt findet nicht nur auf den Straßen statt, sondern auch im Wasser enden viele lebens- und arterhaltende Wanderungen heute noch an Hindernissen. Derartige unüberwindliche Wanderhindernisse sind z. B. Wehre, Schwellen, Abstürze, Wasserkraftanlagen oder andere Querbauwerke im Gewässer. Die Einschränkungen ihrer Mobilität hat gravierende Konsequenzen für die Fische. So können sie ihre potentiellen Laichplätze nicht mehr erreichen, zahlreiche Nahrungsgründe, Winterlager und Seitengewässer bleiben ihnen verschlossen. "Wie bei den Straßen gilt es auch hier, die neuralgischen Punkte im Verkehrsfluss zu beseitigen - dies ist dringend notwendig, um die Arten- und die Individuenzahl bei den Fischbeständen zu sichern und dauerhaft zu erhalten," so Regierungspräsident Andriof. Das Regierungspräsidium Stuttgart setzt sich - gemeinsam mit anderen Landesbehörden - daher seit Jahren für die Wiederherstellung der Durchgängigkeit unserer Fließgewässer ein. Wo Wehre heute funktionslos geworden sind, werden diese Hindernisse beseitigt. Schwieriger aber gestaltet sich die Situation dort, wo nach wie vor Nutzungen, wie z. B. Schifffahrt oder Energieerzeugung, den Fortbestand der Wehre notwendig machen. Dann müssen andere Lösungen gefunden werden, die sowohl die Belange der Wassernutzer als auch die der Fische berücksichtigen. Die Errichtung einer neuen Anlage oder die Modernisierung einer bestehenden alten Anlage ist heute stets mit der Auflage verbunden, einen funktionsfähigen Fischaufstieg zu errichten. Diese gesetzliche Forderung wird vom Regierungspräsidium als zuständiger Fischereibehörde regelmäßig in das notwendige Wasserrechtsverfahren eingebracht. Außerdem geben die amtlichen Fischereibiologen Anregungen und Ratschläge für die konkrete und sinnvolle Gestaltung der Fischaufstiege. Dies reicht von der Planung bis hin zur Bauabnahme. Jährlich können so ca. 10 große Wanderhindernisse im Regierungsbezirk Stuttgart entschärft werden. Aber auch bei Wasserkraftanlagen mit Altrechten - bei denen die Betreiber nicht automatisch zum Bau eines Fischaufstiegs verpflichtet sind - konnten in den vergangenen Jahren an vielen Orten Fortschritte erreicht werden. Dies setzt jedoch voraus, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Eine wichtige Voraussetzung für den Bau eines Fischaufstiegs ist die Bereitschaft der Triebwerksbesitzer, eine ökologisch angemessene Mindestwassermenge zum Betreiben des Fischpasses zur Verfügung zu stellen. Hierzu gehört natürlich im Vorfeld auch einiges an Überzeugungsarbeit. Gelingt dies, können Fischwasserbesitzer oder auch Fischereivereine, die eine Gewässerstrecke bewirtschaften, bei der Fischereibehörde einen Zuschuss von 75 % der Baukosten für einen Fischaufstieg erhalten. Die verbleibenden 25 % müssen sie jedoch selbst aufbringen. Dies ist jedoch eine einmalige und sinnvolle Investition für die Fischer, da die natürliche Fortpflanzung der Fischbestände dauerhaft gestärkt wird. Außerdem können sie auf der anderen Seite dadurch regelmäßige Fischbesätze reduzieren. Landesweit haben bereits viele Vereine die Vorteile einer solchen Lösung erkannt und in der Zwischenzeit umgesetzt. Vor Ort wurden sie hierbei von der jeweiligen Gewässerdirektion und der Fischereibehörde unterstützt. Ein besonderes gutes Beispiel ist der Main-Tauber-Kreis. Mittlerweile konnte die Durchgängigkeit der Tauber an 7 Stellen wiederhergestellt werden. Zwei weitere Projekte finden noch im Jahr 2001 ihren Abschluss (an der Theilbacher Mühle und in Reicholzheim). Das Land Baden-Württemberg hat sich an diesen Maßnahmen mit Mitteln aus der Fischereiabgabe beteiligt. So konnte das Regierungspräsidium den Bau der Umgehungsbäche in Gamburg, Hochhausen, Wertheim, Edelfingen, Lauda-Königshofen und Impfingen mit insgesamt rd. 250.000 DM fördern. Die Kontrollen der fertig gestellten Umgehungsbäche zeigen deutlich, dass sie auch von den in der Tauber vorkommenden Fischarten angenommen werden. "Die bisherigen Erfolge machen Mut, diesen Weg fortzusetzen," lobt Regierungspräsident Andriof die Anstrengungen vor Ort. Die Bemühungen von Fischern, Fischereibehörde, Gewässerdirektion, Kraftwerksbesitzern, Gemeinden und Landratsamt hätten Vorbildcharakter. Das Ziel, die Tauber für Fische durchwanderbar zu gestalten, sei damit ein gutes Stück nähergerückt.

(12. Oktober 2001)


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