Fischereiverein Heilbronn e.V.

gegründet 1887

A n g e l n  -  E n t s p a n n e n  -  H e g e n  -  S c h ü t z e n  -  P f l e g e n

Eislaufen auf dem Anna-See
red

Die knackige Kälte hat den Sankt-Anna-See in Beilstein-Gagernberg mit einer Eisschicht überzogen - sehr zur Freude der Schlittschuhfans, die dieser Tage auf dem kleinen Gewässer bei strahlendem Sonnenschein ihre Runden drehen. Verboten ist das übrigens nicht - und angesichts einer Wassertiefe von 30 bis 40 Zentimetern auch nicht so gefährlich. Norbert Raatz von der Umweltbehörde im Landratsamt Heilbronn weist jedoch darauf hin, dass das Vergnügen Fischen schaden könnte. Der Hintergrund: Fische halten jetzt Winterruhe. Ihr Organismus köchelt deshalb auf Sparflamme. Durch die Schlittschuhlauf-Belastung gestört, kurbeln die Tiere ihre Körperfunktionen an. Die Folge: Sauerstoffmangel und eventuell Tod durch Ersticken. (jaz/Foto: Werner Kuhnle)

(aus der Heilbronner Stimme 25.01.2006)


Patient Neckar muss belüftet werden
Von Carsten Friese und Rudolf Landauer

Weil die Sauerstoffwerte im Fluss unter einen kritischen Wert gesunken sind, hat das Landes-Umweltministerium Belüftungshilfe in Gang gesetzt. Am Neckar bei Gundelsheim hat beispielsweise ein abgesenkter Wehrüberlauf mehr Sauerstoff ins Wasser gebracht und ein mögliches Fischsterben verhindert.
Bisher sind nach Angaben des Landes-Umweltministeriums keine Fische verendet. Doch wenn der Sauerstoffgehalt unter die kritische Schwelle von vier Milligramm pro Liter absinkt, sind nicht nur Forellen stark gefährdet. Seit dem Hitze-Rekordsommer 2003 hat das Land mit den Betreibern von Wasserkraftwerken und Wehranlagen ein Reglement vereinbart. Mit Turbinen- und Stauwehrhilfe wird im Alarmfall für mehr Sauerstoffeintrag ins Neckarwasser gesorgt.
"Wir haben die Leistungen unserer Turbine heruntergefahren und das mittlere Wehr der Schleuse abgesenkt", berichtet der Gundelsheimer Kraftwerksmeister Dieter Seemann. Da die beiden anderen Wehre nicht mehr überströmt werden, zwingt das mittlere Wehr den Neckar über seine Schwelle. Dabei kommt es zu einer starken Verwirbelung, Sauerstoff wird zugeführt.
Im Unterwasser ist dieser Effekt sichtbar. Die Verwirbelungszone reicht bis weit hinter Schloss Horneck. Am Sauerstoffabfall wird deutlich, dass der Neckar dringend Hilfe benötigte. Am Donnerstag lag der Wert um 13 Uhr bei dramatischen 2,6 Milligramm pro Liter. Um Mitternacht waren es immer noch zu geringe 3,9 Milligramm. Am Freitag stieg der Wert um die Mittagszeit dann auf 5,0 Milligramm an.
Hintergrund des Sauerstoffabfalls ist zum einen die Hitze der vergangenen Tage. Je wärmer das Wasser ist, desto weniger Sauerstoff kann gelöst werden. Dazu kommen die zum Teil sintflutartigen Regenfälle. Organische Stoffe, beispielsweise beim Überlauf aus Klär- und Kanalsystemen oder abgeschwemmte Bodenpartikel, kommen ins Wasser. Bei ihrem Abbau durch Mikroorganismen wird Sauerstoff verbraucht.
In Hessigheim hat die Belüftung von Donnerstag bis Freitagmorgen bereits klare Erfolge gebracht; in Gundelsheim lag der Wert dagegen auch am Freitagmorgen noch unter der kritischen Marke. Starkregen in der Nacht auf Freitag bei Gundelsheim macht Umweltministeriumssprecher Rainer Gessler für die Unterschiede mit verantwortlich. "Wir gehen davon aus, dass die Werte am Samstag wieder okay sind."
Im Hitzesommer 2003 war die kritische Sauerstoffmarke im Neckar gleich fünf Mal unterschritten worden. Ein dramatisches Aalsterben gab es in der Jagst. Von toten Fischen im Neckar kann der Vorsitzende des Fischereivereins Heilbronn-Sontheim, Gerd Bauer, derzeit nicht berichten. "Wir haben bisher nichts bemerkt." Die Belüftungsaktion des Landes begrüßt er. Über 40 Fischarten tummeln sich mittlerweile wieder im großen Fluss, darunter Barben, Hechte und Zander. Ein Fischsterben, sagt Bauer, "wäre eine Katastrophe".

(aus der Heilbronner Stimme 02.07.2005)


Manchen Bächen droht das Wasser knapp zu werden
Von Reto Bosch

Auch die Niederschläge im Mai haben die Probleme nicht weggespült: Weil es im Winter und Frühjahr zu wenig geregnet hat, konnten sich die Grundwasserstände im Unterland nicht vom sehr trockenen Sommer 2003 erholen. Viele Quellen sprudeln schwächer, es drohen niedrige Wasserstände in Flüssen und Bächen.
Regen macht sich rar im Land. Das galt für den heißen und extrem trockenen Sommer 2003. Aber auch im Winter und Frühjahr ist Niederschlag zu einem kostbaren Gut geworden. Im November fielen an der Mess-Station Heilbronn-Böckingen nur zwei Drittel des langjährigen Mittels. Im Dezember war es sogar nur die Hälfte. Noch drastischer sieht das Ergebnis im April aus. Laut Carsten Scholz, Leiter der Gewässerdirektion Neckar in Besigheim, gingen die Niederschläge in der Region um etwa 75 Prozent zurück. Das hat Folgen für das Grundwasser. Der Pegel in Neckarwestheim ist über den Sommer stark gefallen. Das ist nicht ungewöhnlich. Aber: Von diesem Tief hat sich der Wasserstand über den Winter kaum erholt. Ein Blick zurück auf die vergangenen 25 Jahre zeigt, dass nur Ende der 90er Jahre der Grundwasserspiegel ähnlich verhalten gestiegen ist. Scholz macht klar, dass starke Niederschläge ab April/Mai dem Pegel nur begrenzt nach oben verhelfen. Nur in der vegetationsarmen Zeit wird Grundwasser in nennenswertem Umfang gebildet. Später nehmen die Pflanzen das kostbare Nass auf. Auch der starke Januar-Regen sorgte nicht für stark kletternde Grundwasserspiegel: Weil die Niederschläge gar zu heftig niederprasselten, floss ein Großteil des Wassers schnell ab. Welche Konsequenzen ziehen niedrige Grundwasserstände nach sich? Zum einen könnte es im Sommer passieren, dass so manche Pumpe in den Gärten leer läuft. Pflanzen, die in trockenen Zeiten mit langen Wurzeln aus der Tiefe trinken, bliebe dieser Ausweg versperrt. Droht ein Mangel an Trinkwasser? Der Geschäftsführer der Nordostwasserversorgung (NOW), Ernst Rommel, verneint. Die NOW beliefert viele Kommunen im Westen und Nord-Osten des Landkreises. Der Bodensee sei als Wassereservoir nahezu unerschöpflich. Auch die Landeswasserversorgung werde mit der Zulieferung keine Probleme bekommen. Trotzdem: "Wir werden die Entwicklung genau im Auge behalten und die Bevölkerung frühzeitig zur Sparsamkeit aufrufen." Negativ könnten sich die niedrigen Grundwasserpegel indes auf Bäche, Seen und Flüsse auswirken. Nach Angaben von Carsten Scholz sprudelten die Quellen - wegen großer Grundwasservorräte - im vergangenen Jahr kräftig und versorgten die Bäche trotz Dürre mit Wasser. Nun sind die Vorräte aber erschöpft. Folge eines erneut trockenen Sommers: Niedrige Stände von Bächen und Flüssen. Die Wasserqualität würde sinken, im Extremfall wären Fischsterben möglich. Panikmache sei aber nicht angebracht, meint Scholz. "Ich kann nur nicht sagen, wo die Reise hingeht." Dem schließt sich auch Joachim Rukwied, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, an. "Die Situation ist angespannt." Zumal es aufgrund des trockenen Sommers 2003 ein Defizit im Unterboden gebe. Vor allem im Leintal, bei Lauffen und im Kraichgau seien die Mai-Niederschläge zu dürftig ausgefallen. "Regen ist dringend notwendig."

(aus der Heilbronner Stimme 26.05.2004)


Flüsse haben sich vom heißen Sommer noch nicht erholt
Von Klaus Thomas Heck

Aalsterben, ausgetrocknete Flussbetten, mehr Welse. Der Rekordsommer hat in den Unterländer Flüssen Spuren hinterlassen. An der Jagst gilt seit September eine Pegellösung: Wird ein bestimmter Wasserstand unterschritten, tritt automatisch ein Kanuverbot in Kraft. Weil die Niederschläge weiter zu gering sind, ist auch aktuell Paddeln verboten.
Um vergleichbare Niedrigwasser zu finden, muss Carsten Scholz von der Wasserdirektion Neckar lange zurück blicken. "Nur 1976 und 1991 waren ähnlich dramatisch." An Kocher und Jagst sind viele alte Flussbetten hinter den Stauwehren, so genannte Altwasser, trocken gefallen. In kümmerlichen Tümpeln verenden die zurück gebliebenen Fische qualvoll. Der Rückweg in die Hauptarme bleibt ihnen verwehrt. " 60 bis 80 Prozent unserer Aale sind gestorben", schätzt Rolf Grimm, Vorsitzender der Fischhegegemeinschaft Jagst. Das Massensterben der Aale begann Mitte Juli. Zum Beispiel an der BAG Getreidemühle Heuchlingen zwischen Untergriesheim und Duttenberg. Zwei, drei tote Tiere entdeckten die BAG-Mitarbeiter täglich im Wasser. Von August bis September waren es dann zehn Kadaver pro Tag, die vor der Staustufe trieben. " Rotseuche" diagnostizierten die Experten vom Chemischen Veterinäruntersuchungsamt in Stuttgart. Die Aale starben an Darmparasiten. Dabei ist die Rotseuche eigentlich permanent vorhanden. Doch 2003 waren die sonst resistenten Fische zu sehr geschwächt. Die Trockenheit hatte der Population zugesetzt. Durch den niedrigen Wasserstand heizte sich der Fluss stärker auf als üblich, der Sauerstoffgehalt im Wasser sank. Folge: Die Aale fraßen weniger und wurden anfälliger für den bakteriellen Befall.
Die verbleibenden Tiere versammelten sich überall dort, wo noch Sauerstoff ist. Hinter der " Fischtreppe" an der Staustufe zum Beispiel, wo das Wasser herab fällt und sich zumindest teilweise mit dem Sauerstoff der Umgebung vermischt. Doch Mitte August fiel selbst die Fischtreppe teilweise trocken - für viele Aale ein Todesurteil. Nur kleinere Exemplare konnten sich unter Steine oder Baumwurzeln retten. Am Kocher registrierte Wilfried Hirschschläger vom Fischereiverein Gochsen im August "Temperaturen im Grenzbereich". 26 Grad im Oberflächenwasser, selbst in drei Metern Tiefe waren es noch 22 Grad - fünf mehr als in gewöhnlichen Sommern. Wärme liebende Arten wie Karpfen, Schleien oder Welse laichten früher ab, die Brut fand ausreichend Nahrung. Im Falle des Welses fällt Hirschschlägers Freude allerdings gering aus: Der Raubfisch zählt zu den eingewanderten Arten und bedroht nun einheimische Fische als Nahrungskonkurrent. Im August untersagte das Heilbronner Landratsamt die üblichen Wasserentnahmen örtlicher Landwirte und Kommunen aus dem Kocher. Wer Äcker oder Sportplätze bewässern wollte, brauchte eine Genehmigung. Bei Stein unterschritt der Kocher-Pegel die kritische Marke von 69 Zentimetern gleich für mehrere Wochen. "Das hatten wir in den vergangenen Jahren noch nie", sagt Umweltdezernent Wolfgang Schilling. Auch an der Jagst wurde das Landratsamt aktiv. Mitte August verbot es per Notverordnung den Kanubetrieb. Weil die Boote bei Niedrigwasser über den Untergrund schleifen, gefährden sie dort Fische und Kleinlebewesen. Anfang September wurde die Notverordnung durch die Pegellösung ersetzt. Unterschreitet die Jagst nun eine bestimmte Marke - beispielsweise 100 Zentimeter Wasserstand bei Untergriesheim -, tritt das Kanuverbot automatisch wieder in Kraft. Dies ist zurzeit erneut der Fall.

(aus der Heilbronner Stimme 09.11.2003)


An Flüssen und Bächen wird es immer kritischer

Wenn es nicht bald regnet, muss das Landratsamt Heilbronn einschreiten und die Entnahme von Wasser aus Bächen und Flüssen verbieten. Die anhaltend trockene Witterung lässt die Pegel der Bäche und Flüsse im Landkreis Heilbronn dramatisch fallen. Deshalb weist das Umweltamt in der Kreisbehörde vorsorglich darauf hin, dass bald Konsequenzen aus dem Jahrhundertsommer gezogen werden müssen: Werden die kritischen Marken unterschritten, dann wird die Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern verboten. Derzeit ist nach Informationen von Umweltdezernent Wolfgang Schilling in 160 Fällen das Entnehmen von Wasser aus Bächen und Flüssen erlaubt - beispielsweise für Wengerter in Lauffen oder Beregnungsgemeinschaften von Landwirten, die Gemüse anbauen. Diese Erlaubnis ist gekoppelt an einen so genannten Schwellenwert: Wird dieser unterschritten, wird vorübergehend die Erlaubnis ausgesetzt. An Schozach und Seckach war in der letzten Woche die Situation schon so kritisch, dass das Landratsamt den Kreisbauernverband und das Landwirtschaftsamt schon alarmierte und die Bauern vorwarnte. Am Kocher spitzt sich die Situation nun zu. "Wir werden Härtefälle berücksichtigen", verspricht Schilling. Nicht jede Wasserentnahme sei gleich zu behandeln. Gemüseanbauer, die beispielsweise kurz vor der Ernte stünden, könnten eine Ausnahmegenehmigung erhalten. Eine Sportplatzberegnung müsste anders beurteilt werden. (iba) Info Über Wasserstände und Entnahmeregelungen informiert das Umweltschutzamt über 07131/994-308.

(aus der Heilbronner Stimme 05.08.2003)


Fische schnappen in den Flüssen nach Luft
Von Petra Halamoda

Der Kocher führt in Gochsen rund ein Viertel soviel Wasser wie sonst üblich Anfang August, die Fische leiden bei 27 Grad Celsius über dem Grund. "Die Lage ist kritisch wie nie", sagt Wilfried Hirschläger, Vorstand des Gochsener Fischereivereins, besorgt. Noch gibt es zwar kein sichtbares Fischsterben. Wo sonst die Gewässerwarte den Fluss in Augenschein nehmen, schreitet der Chef in der Notsituation jeden Tag das Gebiet persönlich ab. Immer in der bangen Erwartung, Kadaver im Nass treiben zu sehen. Langsam erstickte Tiere haben aber keine mit Sauerstoff gefüllte Schwimmblase und sinken auf den Grund ab, wären also möglicherweise gar nicht zu erkennen. "Da, der Döbel schnappt auch schon nach Luft", sagt Hirschläger und zeigt aufs Wasser. "Das sieht man sonst nie hier. Das ist ein letztes Hilfezeichen." Und dabei ist es schon 11.30 Uhr vormittags. Die kritischste Zeit zum Überleben ist für die Flussbewohner der frühe Morgen um 4 oder 5 Uhr. Hirschläger watet ins gerade oberschenkeltiefe Wasser und greift mit beiden Armen in die grüne Algensuppe, die den Fluss bedeckt. Die Wasserpflanzen sind einer der Gründe, dass den Fischen die Luft ausgeht. Tagsüber produzieren die Algen unter Lichteinstrahlung in der Photosynthese Sauerstoff. Doch nachts "atmen" sie und entziehen dem Wasser wieder selbigen. Am frühen Morgen ist der Fluss deshalb besonders sauerstoffarm. Flache Gebiete an Ausleitungen von Elektrizitätswerken dienen oft als "Kinderstube" für die Brut. Auch hier vermehren sich die Algen unaufhaltsam und gefährden den Nachwuchs von Bitterling, Rotauge, Karpfen oder Schleie. Den Fischen droht jedoch nicht nur der Erstickungstod. Durch den Sauerstoffmangel lässt ihr Appetit stark nach, was sie für Krankheiten anfällig macht. Auf die Idee zu fischen kommt am Kocher wohl sowieso keiner mehr. "Die Fische fressen kaum und beißen deshalb auch nicht an", so Hirschschläger. An der Jagst machen Rolf Grimm von der dortigen Hegegemeinschaft besonders die Freizeit-Kanuten Sorgen. "Der Wasserstand ist so niedrig wie nie in den vergangenen Jahrzehnten", sagt der Experte. Wenn die Paddler ihre Boote übers Kies ziehen, geraten die Flusstiere zusätzlich in Stress. "Ich versteh' nicht, dass es in unserem Abschnitt von Schöntal flussabwärts keine Pegelregelung gibt", sagt Grimm. So schwierig die Lage an den Flüssen ist, an den von den Fischereivereinen betreuten Seen haben die Angler die Lage im Griff. Der Wald am Lampoldshausener See beschattet das Wasser, so dass es sich nicht so stark aufheizt. Der Fischereiverein Heilbronn hat an der Seenanlage in Kochertürn eine Wasserumwälzanlage in Betrieb, die für ausreichend Sauerstoff sorgt. Im Fluss hingegen gibt es kaum Möglichkeiten, den Tieren zu helfen.

(aus der Heilbronner Stimme 08.08.2003)


Sinkende Wasserführung und steigende Temperaturen machen unseren Flüssen zu schaffen
Karlsruhe, den 08.08.2003

Wegen der lang anhaltenden Trockenperiode führen derzeit die Flüsse in Baden-Württemberg nur etwa die Hälfte der sonst üblichen Wassermenge. Für einige Flüsse z.B. die Dreisam wird die niedrigste Wasserführung, die je Ende Juli gemessen wurde, unterschritten. Auch die Wassertemperaturen sind in den letzten Tagen kontinuierlich gestiegen. „Die Lage ist angespannt, aber noch nicht dramatisch“ so Margareta Barth, die Präsidentin der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg. Entscheidend ist die Entwicklung in den nächsten Wochen. Die niedrigsten Wasserstände, die je gemessen wurden, sind noch nirgends aufgetreten, da die Flüsse normalerweise erst im Herbst am wenigsten Wasser führen. Sollte die Trockenheit bei diesen hohen Temperaturen anhalten, könnten die Wassertemperaturen in den nächsten Wochen Rekordniveau erreichen. Für den Herbst wäre dann mit extrem niedriger Wasserführung zu rechnen. Dank der zu Jahresbeginn gut gefüllten Grundwasserspeicher liegen die Grundwasserstände derzeit noch im mittleren Bereich. Für die Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg sind derzeit keine größeren Probleme zu erwarten.
In Baden-Württemberg fiel in den letzten Monaten nur etwa halb so viel Regen wie im langjährigen Mittel. Bei den außergewöhnlich hohen Lufttemperaturen verdunstete zusätzlich viel Wasser. So wurden in Freiburg bis Ende Juli bereits 31 heiße Tage über 30 C° gezählt. Im langjährigen Mittel sind es nur 5 bis 6 Tage.
Diese Wettersituation führt dazu, dass auch in Baden-Württemberg die Wasserführung in den Gewässern stark zurückgegangen ist. In Trockenperioden werden die Flüsse und Bäche hauptsächlich aus dem Grundwasser gespeist. Bis zum Februar 2003 waren die Grundwasserstände in weiten Teilen Baden-Württembergs überdurchschnittlich hoch. Dadurch konnten im Frühjahr in den Oberflächengewässern die geringen Niederschläge und die Verdunstungsverluste ausgeglichen werden. Erst seit Mitte Juni geht die Tendenz in den Flüssen und Seen in Richtung Niedrigwasser. Die Grundwasserstände sind seit Februar zwar auch zurückgegangen, liegen aber langfristig gesehen noch im mittleren Bereich. Daher sind auch für die Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg derzeit keine größeren Probleme zu erwarten. Es kann jedoch zu lokalen Problemen kommen, falls einzelne Wasserversorgungen auf Quellen mit kleinem Einzugsgebiet angewiesen sind.
Bei den Fließgewässern ist die durchschnittliche Wasserführung seit Mitte Juni für die Jahreszeit zu gering. Im vergangenen Monat lagen die Werte zwischen 20% und 70% der langjährigen Julimittelwerte. In Teilen des Schwarzwaldes, der Schwäbischen Alb und der Ostalb waren die Wasser-stände besonders niedrig. Die niedrigsten Werte, die normalerweise im Herbst eines jeden Jahres auftreten, wurden jedoch noch nicht erreicht.
Auswirkung auf den Gütezustand: Die gegenwärtige Hitzeperiode wirkt sich auch auf den biologischen Gütezustand der Fließgewässer aus, auch wenn die für die Gewässergüte kritischen Pegelstände an vielen Gewässern noch nicht erreicht sind. Besonders auffällig bei Niedrigwasser ist die starke Veralgung oder Verkrautung der Gewässer. Stark betroffen ist zur Zeit beispielsweise der Oberlauf der Donau und viele kleinere Seen und Weiher in Ober-schwaben.
Frühere Untersuchungen bei extremen Niedrigwasser und auch die jetzigen Messungen und Beobachtungen zeigen, dass die Auswirkungen meist doch nicht so schlimm sind wie man annehmen könnte. Einerseits sind die Lebensgemeinschaften im Wasser von Natur aus an solche Verhältnisse angepasst und andererseits gelangen durch den konsequenten Ausbau der Abwasserreinigung bei Kommunen und Industrie in den letzten Jahrzehnten weniger Schadstoffe in die Gewässer. Kritische Schadstoffkonzentrationen werden auch bei einem starken Rückgang der Wasserführung selten erreicht.
Am ehesten gefährdet sind die Bereiche um die Abwassereinleitungen insbesondere wenn die Kläranlage nicht richtig funktioniert. Als Folge können Fischsterben auftreten, wie sie in der Fehla und in der Donau oberhalb von Tuttlingen Anfang Juli beobachtet wurden.
Niedrigwasser in der warmen Jahreszeit führt in den sehr langsam fließenden und gestauten Gewässerabschnitten zu einer mitunter drastischen Verschlechterung der Sauerstoffverhältnisse. Im schiffbaren Bereich des Neckars können daher trotz der weitgehenden Sanierung der Abwassereinleitungen Sauerstoffwerte auftreten, die für die Fische kritisch sind. Auf der einen Seite löst sich mit zunehmender Temperatur immer weniger Sauerstoff im Wasser, auf der anderen Seite produzie-ren die meist massenhaft auftretenden Algen bei Sonneneinstrahlung Sauerstoff und erhöhen dadurch wieder den Sauerstoffgehalt.
Kritisch wird es bei einer Wetterverschlechterung, insbesondere bei starkem Regen, denn dann produzieren die Algen keinen Sauerstoff mehr, sie sterben ab und werden unter Sauerstoffverbrauch von Bakterien zersetzt. Diese Situation ist am Neckar auf den Strecken unterhalb Stuttgart bis zur Enzmündung sowie zwischen Neckarzim-mern und Heidelberg seit Anfang Juni mehrfach aufgetreten. Der Sauerstoffgehalt musste zeitweise durch Belüftungsmaßnahmen erhöht werden, um ein Absinken auf fischkritische Werte zu vermeiden.
Kritisch sind zudem die ökologischen Verhältnisse in Ausleitungsstrecken und einzelne Flussstrecken, die vielerorts bereits jetzt vollständig trocken fallen. Erfahrungsgemäß ist jedoch dadurch kein langfristiger Schaden zu erwarten, da meist innerhalb eines halben Jahres eine Wiederbesiedelung aus den Nachbargewässern erfolgt.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LfU: Tel. 0721/983-1300, -1301, -1474 oder -1501.

(http://www.lfu.baden-wuerttemberg.de/lfu/pressemitteilungen/public/2003_016.html)


Nicht jeder darf Bäche anzapfen

Landratsamt und Gewässerdirektion - Die anhaltende Trockenheit hat dazu geführt, dass die Wasserführung der Flüsse und Bäche im Hohenlohekreis stark zurückgegangen ist. Sollten Niederschläge auch weiterhin ausbleiben, sind erhebliche Schäden an der Gewässerökologie bis hin zu Fischsterben zu befürchten. Die Situation wird dadurch verschärft, dass neben genehmigten Wasserentnahmen immer mehr Landwirte, Gartenbaubetriebe und Privatleute Wasser aus den Gewässern entnehmen. Wasserentnahmen sind im Zuge des sogenannten Gemeingebrauchs nur dann genehmigungsfrei zulässig, wenn lediglich eine geringe Menge Wasser mit Handschöpfgeräten entnommen wird. Lediglich Landwirte und Gartenbaubetriebe dürfen auch Pumpen benutzen. Falls sich die Situation weiter verschlechtert, ist mit einem grundsätzlichen Verbot von Wasserentnahmen aus öffentlichen Gewässern zu rechnen. Nähere Infos bei der Gewässerdirektion Neckar, Bereich Künzelsau, 07940 / 91330, und beim Landratsamt Hohenlohekreis, 07940 / 18 254. (red)

(aus der Heilbronner Stimme 28.06.2003)


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