Fischereiverein Heilbronn e.V.

gegründet 1887

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Eine halbe Stunde mit 2,10-Meter-Wels gekämpft
Von Bettina Henke

Siegfried Butzengeiger präsentiert stolz seinen Fang. (Foto: privat)

Nach 35 Jahren ist Siegfried Butzengeiger wahrlich ein erfahrener Fischer. So schnell beeindruckt den Jugendwart des Hohenloher Fischereivereins Öhringen nichts. Doch sichtlich stolz berichtet er jetzt über seinen jüngsten, großen Fang, den er selbst als „Fang meines Lebens“ einstuft: einen 2,10 Meter langen und 99 Pfund schweren Wels, auch Waller genannt.

Seit zehn Jahren zieht es Butzengeiger an die Wörnitz bei Oettingen zum Angeln. Der bayrische Fluss ist für seine Wallerbestände bekannt. Vor drei Jahren schon holte der Öhringer dort einen 1,87 Meter und 74 Pfund schweren Wels heraus.
Ausgerüstet mit einer 350 Meter langen „Big-Fish“-Rute, die eine Tragkraft von 37,5 Kilo hat, versuchte er auch diesmal wieder sein Anglerglück. Als Köder hatte er ein 20 Zentimeter großes Rotauge angebracht. Mit dabei war sein Freund Martin Urbanik. Und tatsächlich: An diesem Tag hatten sie einen mächtigen Fisch an der Angel. Eine halbe Stunde kämpfte Butzengeiger, tatkräftig unterstützt von Urbanik, mit dem Tier. 100 bis 150 Meter riss der Fisch von der Rolle, bis sie ihn abbremsen konnten. „Man muss ihn müde machen“, beschreibt Butzengeiger den Kampf. Hin und zurück ging es, bis der ermattete Waller an die Oberfläche kam und sich, so Butzengeiger, „wie ein Krokodil auf den Rücken drehte“. Er traute seinen Augen kaum, als er seinen Fang endlich am Ufer hatte. Auf 30 Jahre schätzt er das Alter des von ihm gefangenen Raubfischs, der sich nicht nur von Fischen ernährt, sondern hin und wieder auch mal eine Ente verzehrt.
Dieser Waller allerdings wurde jetzt selbst verspeist. Auf der Speisekarte eine Öhringer Gastwirtschaft wurde er als Spezialität angeboten.

(aus der Heilbronner Stimme 02.09.2006)


Der Kampf mit dem Riesenfisch dauerte eineinhalb Stunden
Von Rudolf Landauer

Fast können die Bad Rappenauer Patrik Szimayer (rechts) und Kevin Feyrer den 2,02 Meter langen Wels nicht tragen. Samstagnacht ging er den beiden Freunden oberhalb der Schleuse Gundelsheim an den Haken. (Foto: Landauer)

Es ist kein Rekordfang, aber trotzdem ein Prachtexemplar. Einen enorm großen Wels hat der 20-jährige Bad Rappenauer Patrik Szimayer im Neckar bei Heinsheim gefangen: Zwei Meter und zwei Zentimeter misst der rund 50 Kilo schwere Riesenfisch.

Am Samstag hatte sich Patrik Szimayer mit einem Freund, dem 19-jährigen Kevin Freyer, auf die Angelpirsch begeben nach einem ganz besonderen Wels, in Fachkreisen auch Waller genannt. Im Oberwasser der Schleuse Gundelsheim hatte Patrik nämlich Tage zuvor einen enorm großen Wels gesehen und gleich gewusst: „Den bekomme ich noch.“
Am Samstag bestückten sie also gegen 20 Uhr eine Spezialangel, eine so genannte Waller Kalle, mit einem toten Rotauge und bezogen Stellung am Neckar. Dann geschah erst mal gar nichts. Geduldig harrten die beiden aus, warteten auf die Dämmerung.
Dann, als es endlich dunkel war, tauchte der Schwimmer plötzlich unter Wasser. Patrik erinnert sich: „Das war ein heftiger Biss, das bemerkte ich sofort.“ Es folgte ein Kampf von eineinhalb Stunden. So lange brauchten die beiden jungen Angler, um den Wels zu landen. Immer wieder zogen sie ihn in Ufernähe und mussten ihn wieder etwas ziehen lassen.
Die Spezialrute hielt die enormen Belastungen jedoch aus, und gegen 23 Uhr war der Waller so müde, dass ihn die beiden an Land ziehen konnten. Noch mitten in der Nacht trommelte Patrik seine Eltern Susanne und Siegfried aus dem Bett. „Der Patrik war total aufgeregt und überglücklich über seinen Fang. Davon hat er schon lange geträumt“, berichtet die Mutter. Daheim im Garten legten die Angler ihren Fang auf den Rasen und ließen ihn von Nachbarn und Freunden bewundern.
Vor etwa 25 Jahren sind Welse im Neckar ausgesetzt worden, und seither haben sie sich stark ausgebreitet. Umstritten ist allerdings in Fachkreisen, ob der Wels wirklich so gefräßig ist, dass er etwa den Fischbestand im Neckar gefährden könnte. Weil er nur kleinere und schwächere Fische und wirbellose Tiere erbeutet, schreiben ihm manche Angler eher die Aufgabe der Gesundheitspolizei im Gewässer zu.
Patrik Szimayer sieht das ähnlich: „Weil seine Verdauung relativ langsam verläuft und der Fisch mehr als zwei Tage benötigt, um seine Beute zu verdauen, kann er gar nicht so räuberisch sein.“
Dem Heinsheimer Fischer Rolf Glöckler, Mitglied der Hegegemeinschaft Neckar, ist nicht bekannt, dass in diesem Abschnitt jemals ein so großer Wels mit über zwei Meter gefangen wurde. Obwohl es sich um ein so mächtiges Tier handelt, bricht der Wels keinen Rekord. Im Oktober vergangenen Jahres wurde ein 2,30 Meter langes Exemplar aus dem Jägersee bei Eppingen gezogen - wenn auch nicht geangelt: Der Eppinger Wels wurde erlegt, nachdem der See abgelassen wurde.
Vor kurzem hat ein Fischer aus Heilbronn einen jungen Riesenhaiwels aus dem Neckar gezogen. Diese Gattung ist eigentlich in warmen Tropenflüssen zuhause und wurde vermutlich hier von einem Aquariumsbesitzer ausgesetzt. Die Art wird bis zu drei Meter groß und gilt als außerordentlich gefräßig.

(aus der Heilbronner Stimme 30.08.2006)


Riesenhaiwels bereitet Fischern Sorgen 
Von Helmut Buchholz 

Jürgen Seybold nennt ihn einen Killer. Der Fischer und Fischhändler hat einen jungen Riesenhaiwels aus dem Neckar gezogen, den vermutlich Hobbytierhalter im Fluss ausgesetzt haben. Der Raubfisch stellt für die neue Artenvielfalt im Neckar eine ernste Bedrohung dar.
„Ich habe gedacht, mich trifft der Schlag“, erinnert sich Jürgen Seybold an seinen „Sensationsfang“. Doch Stolz kam bei dem Fischer kaum auf. Eher Angst. Denn das junge Tier wird ausgewachsen bis zu drei Meter lang und 300 Kilogramm schwer. „Es frisst alles in seiner Umgebung auf.“ Das wäre ein herber Schlag für die neue Artenvielfalt im Neckar. Denn nachdem der Fluss in den 70ern als tot galt, haben sich inzwischen wieder zahlreiche Fischarten angesiedelt. Ein ausgewachsener Riesenhaiwels „ist für die Fauna im Neckar eine Katastrophe“. Seybold hofft nun, dass sein Zufallstreffer ein einzelnes Exemplar war. Dass ihm der Raubfisch überhaupt ins Netz ging, sei pures Glück. „Das ist wie ein Sechser im Lotto.“Wie der Riesenhaiwels in den Neckar kam, ist unklar. Seine Heimat sind eigentlich die warmen Flussunterläufe in den Tropen Südostasiens, zum Beispiel im Mekong in Thailand. Die auch „Thaiwels“ genannte Art wird jedoch hier im Aquaristik-Handel angeboten - ausschließlich als Jungfisch. Für die meisten Aquarien wird das Tier relativ schnell zu groß. Aus falsch verstandener Tierliebe setzen ihre Halter die Fische dann einfach im Neckar aus, berichtet Bertold Kappus von der Flussgebietsbehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe.Wie viele von den Riesenhaiwelsen noch im Neckar schwimmen, lässt sich nicht sagen, erklärt Wolfgang Sitter. Der Bereichsvorsitzende des Verbandes für Fischerei und Gewässerschutz aus Lauffen hofft, dass sich die Art nicht im Neckar vermehrt. Die hohen Wassertemperaturen im Neckar sind aber ganz nach dem Geschmack der Exoten. Bislang zogen die Fischer auch schon Piranhas, Riesensalmler oder ostafrikanische Buntbarsche aus dem Fluss. Allesamt ausgesetzte Aquariumtiere. Die Fischereifachleute fordern die Zoofachhändler deshalb auf, ihre Kunden darauf aufmerksam zu machen, wie groß die ausgewachsenen Fische werden können, die sie verkaufen.
Der wieder erstarkte Fischbestand im Neckar ist aber noch von anderer Seite bedroht: Laut Fischhändler Jürgen Seybold gibt es generell eine Überpopulation von Welsen im Fluss. Diese Tiere haben einen großen Hunger. Sorgen bereiten den Fischern auch die Kormorane. 900 Vögel haben sie zwischen Gundelsheim und Pleidelsheim am Gewässer gezählt. Jürgen Seybold: „Jeder Vogel isst ein Kilo Fisch pro Tag.“ Naturschützer bezweifeln aber diese Zahl. „900 Vögel? Da übertreiben die Fischer aber gewaltig“, sagt Gottfried May-Stürmer, Geschäftsführer beim Bund für Umwelt- und Naturschutz in der Region.

(aus der Heilbronner Stimme 23.08.2006)


Wieder viele Arten und zu viele Welse im Neckar 
Von Helmut Buchholz 

Des Hobbyanglers Freud ist des Fischervereins Leid: Es gibt zu viele Welse im Neckar. Der Hunger des Raubfischs dezimiert den Fischbestand. Naturschützer machen dafür die Fischer selbst verantwortlich. Die Behörden attestieren dem Fluss unterdessen wieder beste Wasserqualität. 
Es war ein harter Kampf - Mann gegen Raubfisch. Alexander Reile hatte den Wels drei Tage nacheinander am Haken. Jedes Mal riss die Leine. Am vierten Tag, nach einem zwei Stunden währenden Duell, holte der 41-Jährige das gut zwei Meter lange und über 60 Kilogramm schwere Tier aus dem Heilbronner Neckar - genau vor dem Strand des Freiluftlokals Hip Island.
Gerd Bauer überrascht der Fang keineswegs. „Zwei-Meter-Waller sind keine Seltenheit bei uns im Neckar“, sagt der Vorsitzende des Fischerei-Vereins Heilbronn-Sontheim 1893. Genau darin liegt das Problem. „Die Waller vermehren sich extrem und fressen andere Fische weg.“ Beispielsweise Kleinkarpfen seien dadurch seltener geworden. Durch den Hunger der Welse fehlen nun Fische mittlerer Größe. Das Regierungspräsidium hat sogar das Nachtfischverbot aufgehoben, um „gezielt den Wels zu befischen“, ergänzt Vereinskollege Klaus Lohmann, Vorsitzender des Fischereivereins Heilbronn.
Wie groß der Nahrungsbedarf des größten deutschen Raubfischs im Neckar tatsächlich ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. „Die Fischbestände sind durch den Waller nicht gefährdet“, sagt Michael Heil, Vorsitzender des dritten Heilbronner Fischereivereins Heilbronn-Böckingen. Eine größere Gefahr gehe von Hobbyanglern „mit Migrationshintergrund aus“, für die der Neckar „eine Fischtheke ist. Die kennen kein Maß.“
Wolfgang Sitter hält die Wels-Debatte für Anglerlatein. Tatsache sei, sagt der Lauffener Bereichsvorsitzende der Fischereivereine, es gebe eine Waller-Übermenge. „Die ist aber nicht für andere Fischarten gefährlich.“ Tatsache sei aber auch, dass die Kormorane eine viel größere Bedrohung darstellen.
Umweltschützer Wolfgang Hellwig wirft den Fischern vor, „die Angelegenheit unter der Decke halten zu wollen“. Weil sie selbst dafür verantwortlich sind? Der stellvertretende Vorsitzende des Heilbronner Naturschutzbundes will die Vereine nicht beim Namen nennen und tut es dann doch: Der Wels sei kein typischer Neckarfisch. „Irgendwann haben ihn die Fischer im Fluss ausgesetzt.“ Gerd Bauer vom Fischerei-Verein Sontheim gibt das sogar zu. Das sei aber zu einer Zeit geschehen, als der Neckar immer artenärmer wurde. „Es gibt tolle Geschichten darüber, wie der Wels in den Neckar kam“, erklärt Klaus Lohmann vom Fischerei-Verein Heilbronn, der einräumt: „Das Problem ist auch hausgemacht.“ Es ist reizvoll für Angler, „die Großen zu fangen“.
Die Landesanstalt für Umweltschutz in Karlsruhe schlägt sich auf keine Seite. „Die Anzahl der Kormorane liegt genauso im Dunkeln wie die der Welse“, sagt Gewässerbiologe Hartmut Vobis. Klar sei nur: „Die Wasserqualität des Flusses wird immer besser und seine Artenvielfalt nimmt seit Jahrzehnten zu.“ Die Schadstoffkonzentrationen wurden erheblich reduziert.
Das Wasser hat zwar immer noch keine Trinkqualität, „aber dafür Güteklasse zwei“, berichtet Hubert Wnuck von der Fischereibehörde am Regierungspräsidium Stuttgart. In den 70er Jahren war der Fluss Klasse fünf. Durch die vielen Staustufen habe sich der Neckar „in eine Art Kette von stehenden Seen verwandelt“. Dadurch hätten sich neue Fischarten angesiedelt, strömungsliebende Arten wanderten ab. Wnuck: „Früher kam der Lachs bis zum Heilbronner Wehr.“ Diese Zeiten sind vorbei. Heute gibt es vor allem Karpfen, Schleie, Hecht, Zander - und eben Wels. Fazit: Der Neckar ist wieder ein reich gedeckter Tisch „für Angler und Fische“.

(aus der Heilbronner Stimme 27.05.2006)


Hatz im Jägersee: Riesenwels gefischt
Von Alexander Hettich

Jahrzehntelang ist er dem Tod immer wieder von der Schippe gesprungen. Bei seinem letzten Kampf war er ohne Chance. Am Samstag baumelte der Riesenwels aus dem Eppinger Jägersee am Haken der Angler, die ihm das Wasser abgegraben hatten. 2,30 Meter lang - ein Rekordexemplar.
"Ein anglerisches Ruhmesblatt war das nicht", gesteht Werner Grebhardt und macht ein aufrichtig zerknirschtes Gesicht: "Mir hat er richtig Leid getan." Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) Jägersee und seine Vereinskollegen haben ihren kapitalen Fang nicht mit Rute und Köder zur Strecke gebracht. Sie ließen ihn auf Grund laufen. Am Samstag wurde der Jägersee zwischen Eppingen und Kleingartach trocken gelegt.
Das Gewässer im Naherholungsgebiet ist verschlammt, der Damm brüchig. Sanierung tut Not. Was sich nach dem Abpumpen im seichten Wasser tummelte, hat Grebhardt "nicht wirklich überrascht". Denn seit Jahren macht der Mythos vom Jägersee die Runde, immer wieder versicherten Fischer und Spaziergänger, sie hätten ein riesenhaftes Getier im trüben Wasser erspäht. Schon zuvor waren Wetten abgeschlossen worden. Ist der größte Wels 2,10 Meter oder gar 2,20 Meter? Das graue Ungetüm, das mit 17 Artgenossen den Jägern ins Messer schwamm, übertraf die kühnsten Erwartungen dann noch um zehn Zentimeter. Er wurde mit einem Schlag auf den mächtigen Kopf betäubt, mit einem Stich ins Herz getötet und dann von vier Mann per Enterhaken mühsam an Land geschleift. Fast 53 Kilogramm bringt der gestrandete Mythos auf die Waage. "Hätte ihn jemand mit der Angel gefischt", weiß Grebhardt, "es wäre ein deutscher Rekord gewesen." Urian wird ein Wels genannt, der es auf ein stattliches Alter bringt. Das Eppinger Exemplar hatte knapp 25 Jahre auf dem Buckel. Dass sich ein solcher Methusalem in einem recht kleinen Binnengewässer heimisch fühlt, ist ungewöhnlich. Er wurde aber auch von den Anglern bei Laune gehalten, die regelmäßig Karpfen, Schleien oder Forellen aussetzten. Ein Festmahl für den Raubfisch. Der Appetit der Wels-Sippe war groß: "Es fehlen ganze Karpfenjahrgänge", bilanziert der IG-Vorsitzende. Der Urian entging seinen Häschern immer wieder. Narben am Maul zeigen, dass er mehr als einmal am Haken hing und sich losriss.

Ausgesetzt hatten ihn die Angelfreunde selbst. Anfang der 80er-Jahre, so vermutet Grebhardt, warfen einige von ihnen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zehn Exemplare ins Wasser. "Sie wollten das Angeln interessanter machen." Dass der Fisch sie bei der Hatz im Jägersee jahrzehntelang nass machen würde, hätten sich die Petrijünger wohl nicht träumen lassen. Obwohl echte Sportsfreunde über die Umstände des Fangs nicht glücklich sind, wird der Kopf des Welswunders nun präpariert und landet als Trophäe im Vereinsheim. Der Fischkörper ist bereits in küchenfertige Portionen zerkleinert und aufgeteilt. Das Fleisch gilt als Delikatesse.
Der Urian ist tot. Ob damit die Geschichte der Welse im Jägersee zu Ende ist, bleibt aber fragwürdig. Bei der Fangaktion säumten Schaulustige das Ufer. Darunter viele Kinder, die sich Babywelse fürs heimische Aquarium angelten. "Wenn die Fische zu groß werden", schätzt Grebhardt, "werden bestimmt wieder welche im Jägersee ausgesetzt."

(aus der Heilbronner Stimme 26.10.2005)


Riesenwels im Lennacher See
Von Karin Freudenberger

Was für das schottische Loch Ness Nessi bedeutet, das könnte für den Lennacher See ein großer Wels werden, den der Fischereiverein Lennach-Buchhorn im Rückhaltebecken gefangen hat. Es gibt aber auch Unterschiede. Denn das 1,92 Meter lange Monstrum war höchst lebendig.
Vermutet hatten die Männer schon länger, dass in dem 1980 angelegten Hochwasserrückhaltebecken ein größerer Raubfisch sein Unwesen treibt. Schließlich zappelten fast keine kleineren Fische mehr an den Angelruten, und auch die Enten waren verschwunden. Deshalb rechneten die Verantwortlichen mit einem großen Wels, als sie beschlossen, den Teich abzulassen, um die Schlammschichten zu entfernen.
Als das Schleppnetz zum Abfischen eingebracht werden sollte, entwischte ein riesengroßer Wels mit einem fulminanten Schnalzer den Petrijüngern. Erst beim dritten Mal überlisteten sie den Fisch. Mit 1,92 Meter Länge und über 50 Kilo Gewicht zeigte das Monstrum Nessi-artige Züge und musste von zwei Leuten weggezogen werden. Wie ein Lauffeuer sprach sich der Fund herum und lockte viele Schaulustige an den kleinen See.
"Er hat sich gewehrt und unsere Leute fast umgeschmissen", schildert Klaus Rüdel den Kampf mit dem Fisch. Als lachender Sieger darf sich Jürgen Megerle vom Gellmersbacher Kelterstüble fühlen. Er bringt die genießbaren Teile auf seine Speisekarte.

(aus der Heilbronner Stimme 22.09.2005)


Riesenfisch am Haken
Von Thomas Dorn

"Der Bursche muss uralt sein, bestimmt 15 bis 20 Jahre", schätzt Hamdi Saricaoglu. Stolze 1,85 Meter lang und 48 Kilogramm schwer war der Wels, den der Hobbyangler bei Lauffen aus dem alten Neckar gezogen hat.
Hamdi Saricaoglu hat schon oft am Kiesplatz, nahe der Zabermündung, geangelt. Immer mal wieder haben Karpfen, Zander, Hechte angebissen. Doch der Fisch, den er an diesem Nachmittag am Haken hat, ist ein anderes Kaliber, das merkt der 25-jährige Konstruktionsmechaniker schnell. Gut 20 Minuten dauert der Kampf mit dem Tier. Der kräftige Wels versucht noch, sich um die Schnur zu wickeln, um sie irgendwie zum Reißen zu bringen. Letztlich muss er sich geschlagen geben. Doch auch der Angler ist erschöpft.
Für den Türken war es der zweitgrößte Fang seines Lebens. Schon vor zwei Jahren zog er einen Wels aus einem See bei Kempten, der brachte es sogar auf 2,08 Meter. In Lauffen allerdings hatte Saricaoglu zuletzt wenig Angelglück. "Geduld zahlt sich halt doch aus", meint seine Freundin Jasmin Ismail.
Nachdem er im Kirchheimer Angellädle gewogen und vermessen war, hat Hamdi Saricaoglu den Fisch zerlegt und das Fleisch an Freunde verschenkt. Ob es schmeckt, muss sich zeigen. "Genießen kann man den nicht", glaubt Jasmin Ismail. "Besser schmecken Welse, wenn sie nur bis zu einem Meter groß sind."

(aus der Heilbronner Stimme 16.06.2005)


Die Angelrute an den Baum gebunden
Von Rudolf Landauer

Der Sonnenaufgang ist traumhaft, den Rentner Erwin Biermann am Neckar direkt neben der Eisenbahnbrücke in Jagstfeld erlebt. Das Gras ist noch taunass, als er seine Angelrute auspackt und bedächtig vorbereitet. Langsam gleitet das Motorschiff Viking durch die spiegelglatte Wasseroberfläche des Neckars an ihm vorbei. Erwin Biermann genießt den frühen Morgen sichtlich. "Viele Menschen verschlafen diese schönste Tageszeit", sinniert er.Der 78 Jahre alte Erwin Biermann ist seit 1946 Mitglied im Angelsportverein Kochendorf. Heute geht er auf den Raubfisch Wels, der den Anglern am Fluss zunehmend Sorge bereitet. An der Einmündung des Kochendorfer Kanals in den Neckar hatte der versierte Untergriesheimer Angler schon Glück. Hier fing er nämlich einen Rekordwels mit einer Länge von 1,47 Meter und einem Gewicht von 43 Kilogramm. "Ich habe den Fisch nicht alleine landen können. Der hat sich einfach auf den Boden des Neckars gelegt", schilderte Biermann den Hergang.Der verdutzte Angler hat seine Angelrute kurzerhand an einen Baum gebunden und von einem Nachbarhaus aus seinen Freund Eberhard Maurer aus Kochendorf angerufen. Mit vereinten Kräften gelang es dann, den Riesenwels oder Waller, wie man am Neckar den Fisch auch nennt, an Land zu bekommen.Eigentlich ist der Wels ein nachtaktiver Fisch. Biermann fing den Riesenfisch aber nachmittags. Der Gewässerwart der Hegegemeinschaft Mittlerer Neckar, der Bad Friedrichshaller Hans Frank, führt das auf die enorme Gefräßigkeit des Fisches zurück und sieht darin auch das Problem.Frank führt nämlich Statistik. Und die sagt aus, dass mit zunehmender Fangquote des Welses ein deutlicher Rückgang bei anderen Fischarten festzustellen ist. So fingen die Angler der Hegegemeinschaft im Jahr 1980 noch 2000 Aale und nur einen Waller. 1990 waren es vier Waller, 433 Schleien und 1850 Aale. Doch dann kam der Einbruch bis 2003. Im vergangenen Jahr wurden in dem 20 Kilometer langen Neckarabschnitt 569 Waller gefangen, aber nur noch 28 Schleien und 700 Aale.Gewässerwart Hans Frank: "Diese Zahlen belegen den direkten Zusammenhang zwischen der Zunahmen und Abnahme von Fischarten durch ein ungleiches Beute- und Raubfischverhältnis."Seit 1980 hat die Hegegemeinschaft für 230 000 Euro Fischbesätze vorgenommen, um im Neckar einen artenreichen Fischbestand zu gewährleisten. Jetzt müssen die Angler zusehen, wie ihnen der Waller die Artenvielfalt dezimiert. Mit zunehmender Größe besteht seine Hauptnahrung aus Karpfen, Zandern, Schleien, Rotaugen, Barschen, Aalen und Wasservögeln.Mit seinen beiden Barteln ist der Wels gut gerüstet, um am Grund des Gewässers in der Dunkelheit nach Nahrung zu suchen. Sein Leben lang wächst der Wels während andere Fische - etwa Karpfen oder Hechte - ab einem gewissen Alter an Größe und Gewicht verlieren. Welse können 30 Jahre alt werden - für einen Fisch ein stattliches Alter.

(aus der Heilbronner Stimme 03.06.2004)


Am Kocher kämpfen die Fischer gegen die Welsplage
Von Petra Halamoda

Wie der Wels in den Kocher gelangt ist, das wissen die Fischereiexperten auch nicht genau. Jedenfalls vermehrt sich der Vielfresser im Gegensatz zu den heimischen Artgenossen prächtig und dezimiert deren Bestand. Mit der Aufhebung der Schonzeiten versuchen die Angler, der Welsplage Herr zu werden. Winzige Augen und lange Bartfäden, mit denen er die Druckwellen nahender Fische spürt, die schuppenlose Haut von Schleim bedeckt: Das ist der Wels. Sagen und Mythen ranken sich um das Urtier, das als Jäger in Ufernähe auch Ratten, Frösche, Enten oder junge Schwäne auf dem Speiseplan hat. Mit einer Länge von bis zu drei Metern und 250 Kilogramm ist er der größte Süßwasserfisch in Europa. Natürliche Feinde hat er auch im Kocher nicht. Bernhard Greis vom Heilbronner Fischereiverein kann den geheimnisvollen Ruf des Riesenfisches nachvollziehen: "Wenn der das Maul aufsperrt, passt ein Kopf hinein - Ich möchte ihm nicht nachts begegnen." Für Kinder ist der Wels jedoch ungefährlich. Will der Angler einem solchen Kaliber Herr werden, bedarf es einer speziellen Ausrüstung. Diplombiologe Marco Sander benötigt Material "wie beim Hochseefischen", wenn er auf Welsjagd geht. Zehn Mal so viel Tauwürmer wie sonst, die Rute so dick wie ein Spazierstock, eine geflochtene Schnur, ähnlich einem Drahtseil beim Bergsteigen, extrem stabile Rollen und eine fingerdicke Achse in der Spule. " Schließlich muss das Gerät die Wahnsinnsbelastung aushalten." Auch der Angler braucht Standfestigkeit: "Meist ziehen wir zu zweit los. Einer allein landet schnell im Kocher, wenn der Wels mit seiner Kraft am Haken zappelt." Normalerweise fühlt sich der auch "Waller" genannte Fisch in warmen Seen und langsam fließenden Flüssen zu Hause. Der Kocher ist eigentlich recht flach für den großen Gesellen. "Möglicherweise ist er bei einem Hochwasser aus den Aufzuchtbecken am Oberlauf des Kochers bei Aalen 'reingekommen", erklärt Bernhard Greis. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass überforderte Aquarianer Exemplare ausgesetzt haben. Weil das Tier mit dem ausgeprägten Revierverhalten überhand nimmt, muss es nach Willen des Regierungspräsidiums Stuttgart inzwischen ganzjährig befischt werden. Selbst zur Laichzeit gibt es keine Schonung. Wer einen Wels fängt, darf ihm auch nicht wieder die Freiheit schenken, sondern muss ihn entnehmen. Jetzt bemüht sich der Fischereiverein um eine Ausnahmegenehmigung, um den Wels gezielt zu bejagen. "Es würde schon helfen, eine Nacht im Sommer Welse angeln zu dürfen", so Sander. Der Fischfang ist nämlich nur eine Stunde vor Sonnenaufgang bis eine Stunde nach Sonnenuntergang erlaubt - Glück für den nachtaktiven Raubfisch. Neun Welse wurden 2002 gefangen. Außerdem überlegt der Verein, in diesem Jahr im Kocher eine Flügelreuse aufzustellen, eine spezielle Falle. Mit einer Welsplage ganz anderer Art hatte der Fischereiverein vor einigen Jahren zu kämpfen. Damals hatten die Angler gerade das Wasser aus dem See ihrer Anlage in Kochersteinsfeld gelassen und ihn wieder frisch befüllt. Kurz darauf entdeckten sie Fische mit Stachel auf dem Rücken. Der Katzenwels, in den USA als "catfish" auf jeder Speisekarte der Südstaaten vertreten, räuberte sich durch das Gewässer. " Den hatte uns jemand geschenkt", sagt Greis ironisch. An den Verwandten des hiesigen Welses trauten sich wegen des Stachels auch nicht die Hechte heran. Also musste der 1,6 Hektar große See erneut abgelassen und alle Fische von Hand sortiert werden, um die Katzenwelse herauszufiltern. "Das war eine Heidenarbeit", erinnert sich Berhard Greis mit Schaudern.

(aus der Heilbronner Stimme Juni 2003)


Die fressen den Anglern alles weg
Von Daniela Stolla

Lange hat Willi Klenk mit den über 30 Kilo schweren Gegner gekämpft, dann hatte er das Monstrum aus dem Kocher endlich im Käscher. 1,50 Meter groß war der Raubfisch. Viel größer als das Enkelchen, das sich beim Anblick des Riesenfisches erstmal hinter Mamas Rockzipfel versteckt. Zudem braucht es die starken Arme von Nachbar Walter Feucht, um den Wels der Presse zu präsentieren.Erst kurz davor hatten junge Fischer in Forchtenberg einen ebenso großen Fisch an Land gezogen. "Die Fressen uns noch den Kocher leer", meint Walter Feucht. Dabei haben die Welse im Kocher eigentlich gar nichts zu suchen. "Der gehört nicht in unsere Gewässer ", weiß Kurt Metzger vom Fischereiverein in Künzelsau. Und da er nicht hergehört, hat er auch keine natürlichen Feinde und vermehrt sich fröhlich vor sich hin. Deshalb müssen die Welse raus aus dem Kocher. "Jeder Wels muss entnommen und getötet werden", sagt Kurt Metzger. Welse können immerhin bis zu drei Meter groß werden. Dagegen sind die gefangenen Fische im Kocher noch klein. Natürlich brauchen so große Lebewesen viel zu fressen. Vor allem Aale und Schleien stehen auf dem Speiseplan - und die gehören nun auch mal auf den Speiseplan der Zweibeiner. Auch vor kleinen Entchen macht der Wels nicht halt. Schließlich reagiert der Raubfisch auf den Geschmack von warmen Blut und dann hält ihn nichts mehr. Fast schon wie ein Haifisch. Allerdings müssen sich die Menschen, die sich im Kocher ein kühle Erfrischung gönnen, keine Sorgen machen. "Der geht nicht auf Menschen los" , garantiert Kurz Metzger. Mit seinen kleinen Zähnen könnte der Allesfresser auch gar nicht viel ausrichten. Tagsüber suhlt er sich lieber am Boden des Flusses. Deshalb erwischen die Angler ihn vor allem an den Stauwehren im unteren Tal.Und jeder gefangene Wels ist ein guter Wels - vor allem die Großen. "Die richten schon ganz schön viel Schaden an", weiß Kurt Metzger. Doch warum sind die Welse überhaupt im Kocher? Gerade die, die sie jetzt jagen, tragen daran auch Verantwortung: "Viele Fischereivereine haben dem Druck ihrer Angler nachgegeben", weiß Kurt Metzger und die Welse ausgesetzt. Denn an sich ist der Fisch sehr beliebt. Nicht nur wegen seiner Größe: "Er schmeckt sehr gut", sagt Kurt Metzger. An einigen Stauseen in Europa gibt es geradezu einen richtigen Wels-Tourismus. Nichtdestotrotz angeln die Hohenloher Angler weiter gegen die großen Welse an, und Kurt Metzger sagt: "Wir haben ihnen den Kampf angesagt."

(aus der Heilbronner Stimme 27.06.2003)


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