Fischereiverein Heilbronn e.V.

gegründet 1887

A n g e l n  -  E n t s p a n n e n  -  H e g e n  -  S c h ü t z e n  -  P f l e g e n

Uferpflanze wächst Fischern über den Kopf
Von Manfred Dod

Ein Paradies für Bienen, aber eine Gefahr für die Flussflora: Springkraut. Die Pflanze ist inzwischen übermannshoch gewachsen. (Foto: Manfred Dod)

Neudenau - Sie ist mittlerweile auch an hiesigen Bächen, Flüssen und Feuchtwiesen vorzufinden. Die Pflanze hat, hervorgerufen durch leuchtend rote von Bienen umschwärmte Blüten, ein attraktiv-schmuckes Aussehen. Springkraut, so lautet die Bezeichnung eines aus fernen Gefilden stammenden Gewächses, das jetzt zur Gefahr für die bestehende Flora an heimischen Gewässern zu werden droht. Der Grund: Es nimmt in unseren Breitengraden rasant überhand.

Vermehrung Durch die starke Vermehrung ist das so genannte drüsige Springkraut bei den zuständigen Behörden und Institutionen als Problempflanze bekannt. Diplombiologe Berthold Kappus, Siglingen: „Das Überhandnehmen von Springkraut hat zur Folge, dass einheimische Uferpflanzen entlang der Jagst verdrängt werden.
Hinzu kommt, dass nach Absterben der Stängel zur Herbstzeit offene Stellen ohne lebendes Wurzelwerk entstehen, die von Erosion gefährdet sind.“ Konkret: Bei Hochwasser drohen Erdmassen von den Fluten mitgerissen zu werden. „Handgreiflich“ im wahrsten Sinne werden schon seit ein paar Jahren die Fischereivereine, denen die langstieligen Pflanzen vielfach über die Köpfe wachsen. Während der etwa dreimonatigen Blütezeit starteten die Mitglieder des Fischereivereins Siglingen in ihrer Fischwasserzone Aktionen, bei denen, wie jüngst wieder der Fall, „mit der Hand am Arm“ über 1400 Stängel samt den Wurzeln ausgerissen wurden, so Vorsitzender Mario Englert. Damit konnte noch rechtzeitig vor der Bildung der drei bis fünf Millimeter langen Fruchtkapsel verhindert werden, dass der Samen austritt. Nur eine leichte Berührung genügt, dass sich die reife Kapsel öffnet und dem Samen im Umkreis bis zu sieben Metern freien Lauf gibt. Aus diesem Grunde ist Springkraut auch unter der scherzhaften Bezeichnung „Rühr-mich-nicht-an“ bekannt.
Auf Anfrage bei der Pressestelle des Landratsamtes, ob Springkraut besonderen Entnahmevorschriften unterliege, konnte dies nicht definitiv bejaht werden. Man formulierte es deshalb vorsichtig: „Seitens der Behörde sieht man es nicht ungern, wenn die Fischereivereine auf diese Weise der starken Vermehrung entgegenwirken.“ Rolf Grimm, Sprecher der Fisch-Hegegemeinschaft Jagst, sagt: „Wir unterstützen die eingeleiteten Bemühungen der zuständigen Stellen und entfernen jährlich auf der 80 Kilometer langen Flussstrecke von Westernhausen bis zur Einmündung in den Neckar rund 20 000 Springkraut-Pflanzen.“

(aus der Heilbronner Stimme 20.07.2007)


Klassenzimmer an den Kocher verlegt
Von Rudolf Landauer

Das Klassenzimmer an den Kocher verlegte die dritte Grundschulklasse Kochendorf. Hans Frank (rechts) vermittelte Fachwissen. (Foto: Rudolf Landauer)

Bad Friedrichshall - In so manchem Kochendorfer Haushalt fehlten gestern in der Küche das Salatsieb und der Aquarienkäscher. Der Grund: Die Klasse 3b der Kochendorfer Grundschule verlegte das Klassenzimmer an und sogar in den Kocher. Die Drittklässler erlebten dabei einen Bio-Unterricht der besonderen Art.

Der Kochendorfer Hans Frank ist Gewässerwart der Hegegemeinschaft Kocher und im Angelsportverein Kochendorf. Als Gewässerwart hat sich der Petrijünger aus Passion umfangreiche Kenntnisse zu dem Lebensraum angeeignet. Sein Wissen gibt er gerne an Kinder weiter. Diese waren gestern nicht nur aufmerksame Zuhörer, sondern richtig begeistert. Ausgestattet mit Netzen, Lupen, Pinzetten, Gummistiefeln und Rucksäcken wanderte die Klasse mit ihrer Lehrerin Evelin Heimberger hinunter zum Wehr, wo Hans und Marianne Frank sie erwarteten.
Monika Kohler begleitete die Gruppe und sagte. „Das ist für mich selbstverständlich, denn diese Unterrichte sind ausgesprochen wichtig“. Das sieht auch Klassenlehrerin Evelin Heimberger so. Sie hatte die Kinder im Unterricht auf den Besuch am Kocher vorbereitet und dabei festgestellt, dass Kinder ausgesprochen interessiert auf die Themen reagieren und immer neugieriger werden.
Recht hat sie. Denn wenn es heißt, die Kinder würden sich von der Natur immer weiter entfernen, dann sind es wohl oft die Erwachsenen, die diesen Trend beeinflussen, weil zu wenig mit den Kindern in Sachen Natur unternommen wird.
Da wollen Hans und Marianne Frank dagegen halten. Das ist ihnen am Mittwoch bestens gelungen. Direkt am Kocherufer hatten sie Tische und Bänke aufgestellt, daneben Tafeln mit vielen abgebildeten Tieren des Flusses. „Die meisten leben hier im Kocher“, rief ihnen Hans Frank zu. Wer kennt die Länge und den Höhenunterschied des Kochers? „Des haben wir so nicht gehabt“, bemerkte eine Schülerin. Die 182 Kilometer Länge und 356 Meter Höhendifferenz die Frank nennt, lässt sie staunen.
Doch dann wurde es spannend: Es ging jetzt an und dann sogar in den Kocher. Die Küchensiebe kamen zum Einsatz. „Wir wollen jetzt behutsam mit Netzen versuchen, Kleinlebewesen zu fangen und sie nachher anhand der Tafeln bestimmen, wie sie heißen.“ Mit und ohne Gummistiefel ging es auf die Pirsch. Mertcan Gümüs hatte rasch einen winzigen Krebs in Mamas Sieb und war stolz darauf. Media Yatci brachte das kleine Teesieb von daheim mit und fing ebenfalls ein Tierchen. „O, mein kleines Tierchen ist in den Kocher zurückgesprungen, das macht nichts“, lachte die Kleine. Falko Eurich fand hinter einem Flussstein eine große Muschel, die er zum Bestimmungsort brachte. Egel, Bachfloh- und Kamberkrebse sowie Köcherfliegenlarven sahen unter der Lupe riesengroß aus.

(aus der Heilbronner Stimme 14.06.2007)


Bootsfahrten und Kormorane bereiten Fischern Sorgen
Von Manfred Dod

Die Jagst bei Möckmühl. Fischer setzen sich für Fauna und Flora ein. (Foto: Dod)

MöCKMüHL - Die Besichtigung der „mustergültigen Fischaufstiegshilfe“ Raue Rampe machte den Auftakt zur Hauptversammlung der Fischerei-Hegegemeinschaft Jagst (FHGJ) im Züchterheim Ruchsen. Die Fischtreppe mit Biotop hinter dem Stauwehr des Kraftwerks bestand nach Meinung der Experten so wie die Anlagen in Neudenau und Züttlingen die Bewährungsprobe glänzend. Damit seien die Bedingungen zugunsten der Ökologie in und an öffentlichen Gewässern einen deutlichen Schritt nach vorne gebracht.

Neben den Fischtreppen und Biotopen hätten sich auch die so genannten Flechtbuhnen als Ruhezonen der Kaltblütler bewährt, zog Vorsitzender Rolf Grimm Bilanz. Auf dem 60 Kilometer langen Abschnitt von Dörzbach bis Bad Friedrichshall sind zwölf Fischereivereine plus vier Privatbewirtschafter im ständigen Einsatz, um die Jagst zu hegen und zu pflegen.
Die Anlagen tragen dazu bei, die Fischbestände zu erhalten. Grimm empfahl den Gewässerwarten, die eingeschlagenen Wege im Sinne der Bestandsentwicklung und -erhaltung durch regelmäßiges Probefischen dokumentarisch festzuhalten. Beantragt seien Zuschüsse des Regierungspräsidiums. Ferner wurde angeregt, bei Schulungen mit den Kollegen am Kocher kooperative Kontakte aufzunehmen, um Erfahrungen auszutauschen. Probleme bereitet den Fischern der Kormoran. Ein Vorschlag, den Fische fressenden Wasservögeln beizukommen: Die Gewässerwarte der Vereine sollen regelmäßige Kormoranzählungen vornehmen. Darin sehen die besorgten Fischer eine grundsätzliche Möglichkeit, in festgelegten Abständen aussagefähige Erhebungen der zuständigen Dienststelle des Landratsamtes vorzulegen.
Fischer Frank Matschke aus Möckmühl prangerte ein weiteres „heißes Eisen“ an, nämlich die Bootsfahrten, die in den Sommermonaten akut werden. Er sieht in ihnen eine die Flüsse „aushöhlende Unsitte“. Fehlverhalten wie störender Lärm auf der Jagst hat der Petrijünger in Videoaufnahmen festgehalten. Bislang gebe es keine gesetzliche Regelung. Lediglich in den Schonzeiten an öffentlichen Gewässern und bei extrem niedrigen Pegelständen könnten Bootsfahrten amtlich untersagt werden. md

Wer sich über die Aktivitäten der Fischerei-Hegegemeinschaft Jagst informieren möchte, wird auf der von Tobias Konrad konzipierten Homepage fündig. Infos über die Strukturen und Aktivitäten der Fischerei-Hegegemeinschaft Jagst gibt es unter www.fhgj.de.

(aus der Heilbronner Stimme 16.04.2007)


Jagst ist keine Mülldeponie
Von Rainer Köller

Frank Matschke fand, wie viele seiner Fischerkameraden, einen Reifen am Ufer der Jagst. (Foto: Agentur Kochertal)

Fischer reparieren, wo andere Zeitgenossen versagen
Nicht nur der Bau von Aufstiegshilfen ist das erklärte Ziel der Hegegemeinschaft Jagst. Vorsitzender Rolf Grimm betont, dass die Jagst auch sauber sein soll und die Fischer allerhand dafür taten und noch tun werden. Die Hegegemeinschaft schloss sich mit den Vereinen kurz und so wird an zwei Wochenenden der „Tag der Jagst“ veranstaltet, an dem es um die Sauberkeit entlang der beidseitigen Ufer geht.


Die Vereine von Möckmühl und Ruchsen begannen jetzt mit der Aktion. 26 Erwachsene und Jugendliche gingen bei Möckmühl die Jagst entlang. Gerhard Metzger stellte anschließend fest: „Manchmal wie eine Bergziege.“ Walter Vogel stellte fest, dass immer weniger Plastiksäcke angeschwemmt werden, seit die Landwirte direkt am Lagerhaus laden. Insgesamt fanden die fleißigen Hände trotzdem mehrere Pkw-Anhänger voll Müll.
Ärgerlich, so Walter Vogel, sei die Feststellung, dass entlang des Jagsttalradweges ungeheuer viele Flaschen lagen. Da die Flaschen nicht verrotten, sind sie laut Rolf Grimm genauso eine Belastung für die Natur wie die ganzen Müllsäcke, die einige Zeitgenosssen in die Natur stellen, um so ihren Hausmüll los zu bekommen.
Ein Erlebnis der besonderen Art hatten die Möckmühler Fischer aber auch. Sie fanden drei Nutria-Bauten. Der Pflanzenfresser, der größer als eine Wasserratte ist, kommt bei uns normalerweise nicht vor, erklärte Andreas Kraft. Die Tiere stammen aus Südamerika, fliehen aber in Deutschland manchmal aus Pelzfarmen oder laufen einem privaten Halter davon.
Überall Wodkaflaschen Im Gewässerbereich der Ruchsener Fischer wurde der meiste Müll auf einer Seite des Badeplatzes am Wehr bei Ruchsen gefunden. Entlang des Jagsttalradweges bot sich laut Eberhard Thierl das gleiche Bild wie woanders: „Überall Wodkaflaschen ohne Ende.“ Viel Arbeit machte es, die nahezu verstopfte Fischaufstiegshilfe „Rauhe Rampe“ vom hängen gebliebenen Reisig zu befreien. Thierl meinte, er gehe davon aus, dass die Angler bei Niedrigwasser die Jagst noch einmal begehen müssen, da sicherlich noch viele Autoreifen und anderes an tieferen Stellen der Ufer liegen.
In diesem Jahr fanden die 29 Angler rund um den Vorsitzenden Thomas Schulz im Möckmühler Teilort neben einem kompletten Campingzelt auch einen Klappstuhl und ein großes Sofa. Der Anhänger eines Traktors fühlte sich rasch mit allerhand Müll. In der nächsten Woche sind dann die Mannschaften der Anglervereine Hohenlohe, Jagsthausen, Widdern, Siglingen, Neudenau, Herbolzheim und Neckarsulm unterwegs. Insgesamt, so schätzt Rolf Grimm, werden zwischen 150 und 200 Angler helfen. Und dabei sind die Helfer gar nicht alle Angler. So wie der fast 80 Jahre alte Karl Habfast, der einfach der Umwelt zuliebe mitgekommen war. Mit von der Partie sind auch die Städte und Gemeinden, die bei der Entsorgung der vielen Kubikmeter Müll helfen.

(aus der Heilbronner Stimme 28.02.2007)


Angler tragen wertvolle Laichfische ums Wehr herum
Von Rainer Köller

Die Angler fingen die Fische und trugen sie ums Wehr. (Foto: Agentur Kochertal)

Bad Friedrichshall - Schon seit langem kämpfen die Fischer des ASV Bad Friedrichshall und die Hegegemeinschaft Kocher für die ökologische Durchgängigkeit des Kochers. Trotz der Schwierigkeiten bei der Finanzierung, die das Projekt immer wieder auf den Planungszetteln der Politik nach hinten rutschen lassen, stecken die Angler nicht die Hände in die Hosentaschen, sondern packen zu.
Fischer fordern: Der Kocher muss für die Fische durchgängig zu passieren sein

Wenn es im Januar oder etwas später Richtung Laichzeit geht, wimmelt es vor dem Wehr des Kocherkraftwerkes bei Bad Friedrichshall-Kochendorf von Fischen. Dieses Wehr ist gleich das erste nach der Einmündung in den Neckar und für die Fische völlig unpassierbar. Wilfried Hirschläger, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Kocher, erklärt: „Fast alle Kocherfische haben den natürlichen Trieb, zum Laichen flussaufwärts zu schwimmen.“
Deshalb hat ASV-Gewässerwart Hans Frank knapp 30 seiner fleißigen Vereinsmitglieder um sich geschart und mit Hilfe der Hegegemeinschaft zum wiederholten Mal eine große Aktion für die Fische gestartet. Rund 700 Kilogramm Fische, das sind über 1000 Tiere, haben die Angler in sechs harten Arbeitsstunden mit Netzen abgefischt, in Behältern um das Hindernis herum getragen und oberhalb davon wieder in den Kocher eingesetzt.
Gefangen wurden hauptsächlich Laichrotaugen, Döbel, Barsche, Hechte, Karpfen, Welse und erfreulicherweise, so Wilfried Hirschläger, viele Nasen. Deren Bestand sei im Kocher eigentlich rückläufig. Der Hegegemeinschaftsvorsitzende zog am Ende Bilanz: „Dem Engagement der Fischer ist es zu verdanken, dass diese große Anzahl an wertvollen Laichfischen doch noch ihre Laichgründe erreichen und sich vermehren.“
Gewässerbiologe Marco Sander lobt Aktionen wie diese auch, nennt sie aber „einen Tropfen auf den heißen Stein“. Der Kocher müsse insgesamt durchgängig gemacht werden. Er weist darauf hin, dass fast alle heimischen Fischarten aufgrund massiver Eingriffe in das Ökosystem Wasser inzwischen auf der „Roten Liste“ stehen.
Auch Wilfried Hirschläger fordert die Durchgängigkeit nicht nur am „Schlüsselwehr“ bei Kochendorf, sondern am gesamten Flusslauf. Insbesondere in Oedheim und bei Forchtenberg seien Maßnahmen dringend notwendig.

(aus der Heilbronner Stimme 17.01.2007)


Fisch des Jahres ist im Kocher daheim
Von Rainer Köller

So bunt schimmert der Fisch des Jahres, die Schleie. Die Karpfenart liebt Gewässer ohne starke Strömung und mit dichtem Pflanzenbewuchs. (Foto: Agentur Kochertal)

Zwischen Gochsen und Kochersteinsfeld fühlt sich die Schleie besonders wohl

Am neu gestalteten alten Kocher zwischen den Hardthausener Ortsteilen Gochsen und Kochersteinsfeld ist in den vergangenen Jahren ein Paradies für den Fisch des Jahres 2007, die Schleie, entstanden. Ihr Überleben, da ist sich der Untereisesheimer Gewässerbiologe Marco Sander sicher, hat sie insbesondere dem Fleiß und den Besatzmaßnahmen der Angler zu verdanken. Doch das ist Sander nicht genug.
Marco Sander und der Vorsitzende der Hegegemeinschaft Kocher, Wilfried Hirschläger, werden nicht müde, nicht nur die ökologische Durchgängigkeit des Kochers zu fordern, sondern auch die Schaffung neuer Auebiotope. Außerdem sei die Uferausweitung ein wichtiges Projekt und der Rückbau von hartem Uferverbau wo immer dies machbar sei.
Zugute kommen sollen solche Maßnahmen Tieren wie der Schleie. Diese habe, so Diplom-Biologe Sander, ihre eigenen Ansprüche an die Lebensräume. Der Fisch des Jahres 2007 ist eine Stillwasserart, das heißt, er braucht Auebiotope ohne die übliche Strömungsstärke des Kochers.
Dies findet die Schleie inzwischen an dem herrlichen Biotop, das vom eigentlichen Kocher durch eine für Wasser und Fische durchlässige Steinmauer abgetrennt ist.
Auf der vorhandenen Insel brüten inzwischen nicht nur ein ansässig gewordenes Schwanenpaar, sondern auch viele andere gefiederten Naturburschen, wenn das Frühjahr zurückkommt.
Die Schleie wurde in Deutschland und Österreich zum Fisch des Jahres gewählt. Die beiden Bundesverbände wollen damit einen wichtigen und schönen Fisch der Öffentlichkeit vorstellen und gleichzeitig die Menschen für das Biotop Wasser sensibilisieren. Der Fisch des Jahres ist verbreitet im größten Teil Europas mit Ausnahme von Griechenland, Schottland und Nordskandinavien.
Der typische Lebensraum der Schleie ist überall, nicht nur am Kocher und an der Jagst, durch den Eingriff des Menschen gefährdet und fast überall müssen die Angler durch Besatzungsmaßnahmen das Aussterben verhindern.
Als Grundfisch bezeichnen die Fachleute die Schleie, die langsam fließende Gewässer mit dichten Pflanzenbeständen und schlammigem Untergrund liebt. Tagsüber hält sich der Fisch, der bis zu 30 Zentimeter lang und bis zu 300 Gramm schwer werden kann, am Grund zwischen den Pflanzen auf und wird erst in der Dämmerung aktiv. Vor dem Laichen von Mai bis Juli schließen sich die Schleien, die zur Familie der Karpfen gehören, zu Schwärmen zusammen und suchen Uferbereiche auf, wo jedes Weibchen mehrere 100 000 Eier legen kann. Wilfried Hirschläger ist sicher: „Bei uns am Kocherbiotop bei Hardthausen kann das die Schleie wieder tun“. Die Zusammenarbeit mit der Hegegemeinschaft Jagst sollen sich diese Bestrebungen intensivieren und mehr Laichräume schaffen.

(aus der Heilbronner Stimme 16.01.2007)


Für Schutz der Lebewesen im und am Wasser 
Von Oliver Färber

Es war ein großes Fest. „125 Jahre wird unser Verein nicht mehr“, meinte der ehemalige Vorsitzende des Hohenloher Fischereivereins Künzelsau, Kurt Metzger, ganz richtig. Und die Angler wussten zu feiern.
Wie sollt’s anders sein - das wichtigste für die Angler sind die Fische. Und mit denen ging der Festabend gleich los. Allerdings auf dem Teller. Ein wahres Festessen wurde in der Stadthalle aufgetischt.
Nachdem Gäste wie Mitglieder gestärkt waren, ging Kurt Metzger, der durch den Abend führte, auf die Vereinschronik ein. „Es gibt leider nur wenige Originalaufzeichnungen von der Gründung bis 1945“, erklärte er. Gefunden wurde allerdings eine Liste der Gründungsmitglieder.
Gotthard Wirth, Leiter des Dezernats für Umwelt und Ordnung am Landratsamt, zitierte aus einem Angelfachbuch von 1872. Danach hielten die Deutschen damals vom Angeln recht wenig. „Jetzt erfreut es sich aber steigender Beliebtheit“, stellte er fest. Dabei spiele heute der Umweltschutz und die Erhaltung des biologischen Gleichgewichts eine große Rolle.
Als Vertreter der Bürgermeister im Gebiet des Fischereivereins sprach Künzelsaus Bürgermeister Volker Lenz. Auch er hatte in historischen Berichten gekramt. „Schon im 16. Jahrhundert gibt es in Unterlagen der Stadt Berichte über Erlöse aus der Fischerei“, so das Stadtoberhaupt. Heute diene Fisch als gesunde Ernährungsquelle. Erstaunt war Lenz gewesen, als er erfuhr, wie viele Mitglieder der Verein habe.
Auch Wolfgang Sitter als Vertreter des Verbandes für Fischerei und Gewässerschutz gratulierte den Hohenlohern. „Solch ein Jubiläum ist ganz selten“, meinte er. Für den Vereinsvorsitzenden Jürgen Schierle hatte er eine Tafel des Verbandes und eine Urkunde der deutschen Sportfischer dabei.
Dass sich die Vereine näher gekommen seien, erklärte Günther Strobel vom Hohenloher Fischereiverein Öhringen. „Die Chemie stimmt“, sagte er. Strecken würden gemeinsam gepflegt. „Heute geht es um den Schutz der Lebewesen in und am Wasser“, erklärte Rolf Grimm von der Fischhegegemeinschaft Kocher und Jagst. Er bezeichnete die Angler als die „Wächter der Gewässer“. Mit einem Gastgeschenk überraschte Dieter Reil vom Angelsportverein Bodenwöhr die Hohenloher.
Tosenden Applaus erhielt der Ernsbacher Chor Pichorbello für seinen Auftritt. Und die Lachmuskeln strapazierte ein Zauberer. Getanzt wurde mit der Gruppe MV Beats bis in den Morgen.

 (aus der Heilbronner Stimme 03.04.2006)


Flechtbuhne ist Rastplatz für wandernde Fische
Von Manfred Dod

Wenn es um die Fische geht, sind Fischer hart im Nehmen. Bei eisigen Temperaturen steigen sie in die Jagst, um Rast- und Laichplätze einzurichten. (Foto: Manfred Dod)

Unter winterlichen Bedingungen wurde jetzt in der Frühe im Bereich des Fußgängerstegs beim Kraftwerk Duttenberg an der Jagst mit der Bau einer Flechtbuhne begonnen. Die Hegegemeinschaft Jagst startet damit ein Pilotprojekt.

Einige unentwegt motivierte Fischer waren dem Aufruf der Hegegemeinschaft Jagst unter der Leitung von Rolf Grimm aus Möckmühl Züttlingen gefolgt und fanden sich an der vorgesehenen Stelle, etwa einen Kilometer vor der Einmündung in den Neckar, ein. Die Arbeiten der in überlangen Gummistiefeln steckenden, gut aufgelegten Petrijünger begann damit, die rund 1,50 Meter langen Rundhölzer in das Flussbett der dort etwa einen halben Meter tiefen Jagst einzurammen.
Beim Anblick der im kalten Wasser stehenden Fischer stellte sich sogar bei manch einem der Beobachtern Zähneklappern ein. Mit Hilfe eines Metalleisens wurden von den zähen Fischern Löcher im kiesigen Untergrund vorgebohrt. Die quer zur Strömung im Abstand von etwa 50 Zentimetern angeordneten Pfosten ragen rund 20 Zentimeter aus dem Wasser und wurden abschließend mit Weidenreisig umwickelt.
Die auf diese Weise entstandenen Buhnenfelder dienen den Fischen auf ihren anstrengenden Wanderungen fortan als Rastplätze. Ferner bieten sich dort den Kaltblütlern die Möglichkeit, Laichplätze einzurichten. Mit Argusaugen beobachten in nächster Zeit die Fischer, die sich erneut für die Erhaltung der Artenvielfalt im und am Wasser verdient gemacht haben, das weitere Geschehen, um gegebenenfalls mit dem Bau von weiteren Anlagen am Flusslauf fortzufahren.
Um die geplanten Uferreinigungen unter dem Motto „Tag der Jagst“ durchführen zu können, stehen die Fischer ab sofort „Gewehr bei Fuß“ und warten, bis der Winter endgültig seinen weißen Mantel ablegen wird.

(aus der Heilbronner Stimme 09.03.2006)


Tag der Jagst, damit die Fische eine sichere Kinderstube bekommen
Von Manfred Dod

Siglingen befindet sich in der Mitte der 60 Kilometer langen Flussstrecke, die jetzt gereinigt wird. (Foto: Manfred Dod)

Nach dem teils hohen Wasserstand im Winterhalbjahr gibt es jetzt an den Gewässern der Region die alljährlichen Uferreinigungen. Auch in Neudenau engagieren sich hier die Fischer, um die Artenvielfalt im und am Wasser zu erhalten.

Heuer hat sich der ideenreiche und engagierte Petrijünger Rolf Grimm aus Züttlingen etwas Besonderes einfallen lassen: Als Initiator und Sprecher der in der Fisch-Hegegemeinschaft Jagst zusammengeschlossenen Mitgliedsvereine und Privatbewirtschafter, trifft er gegenwärtig die Vorbereitungen zu einer flächendeckenden Aktion unter dem Motto „Tag der Jagst“.
Dazu wird in den nächsten zwei Wochen mit Schwerpunkt am Samstag, 4. März, mit vereinten Kräften das gesamte 60 Kilometer lange Jagstgebiet von Schöntal-Westernhausen bis in den Mündungsbereich des Neckars bei Bad Friedrichshall unter die Lupe genommen und vom Unrat wie Reifen, Plastikmüll und dergleichen befreit. An dem Einsatz beteiligen sich Helfer aus den elf der Fisch-Hegegemeinschaft angehörenden Vereinen. Die an der Strecke liegenden Gemeinden unterstützen dies, indem sie entsprechende Container aufstellen, die den Müll aufnehmen, bevor er ordnungsgemäß entsorgt werden kann.
Das vom Diplom-Biologen Dr. Berthold Kappus aus Neudenau-Siglingen sachverständig mitgestaltete Gemeinden stellen Container entlang der Strecke auf Vorhaben wird in seinem zeitlichen in Westernhausen beginnenden Ablauf in den jeweiligen Mitteilungsblättern der Stadtverwaltungen bekannt gegeben.
Vorgesehen ist als Höhepunkt des Projekttages der Bau einer so genannten Flechtbuhne, die als Pilotprojekt in Abstimmung mit Peter Roth, zuständiger Flussmeister vom Landesbetrieb Gewässer des Regierungspräsidiums Stuttgart, ihren Standort im Bereich der Jagst bei Bad Friedrichshall-Duttenberg bekommen soll. Flechtbuhnen dienen im ökologischen Sinne für die Einstände der Fische mit deren Kinderstuben.
Zum Bau werden Holzpfähle in einer flachen nicht mehr als 50 Zentimeter tiefen, am Ufer begradigten Flusszone quer zur Fließrichtung eingerammt und mit Weidengehölz geflochten. In den Buhnenfeldern, die auch zum Uferschutz beitragen, wird für den Fischbestand und dessen Laichmöglichkeiten ein zusätzlicher vielfältiger Lebensraum geboten, der sich langfristig durch Kiesablagerung mehr und mehr stabilisiert.
Die Entwicklung der Pilotmaßnahme, so Dr. Berthold Kappus, wird in den Sommermonaten die Situation ständig beobachtet, um gegebenenfalls weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Fischlebensräume sowie der gesamten Gewässerökologie an der Jagst einzuleiten.

(aus der Heilbronner Stimme 28.02.2006)


Umweltgedanke prägte Verein von Anfang an
Von Daniela Stolla

Sie lieben das Angeln und kümmern sich um die Umwelt rund um den Fisch. Seit 125 Jahren sind die Hohenloher Fischer im Verein organisiert. Am Samstag, 1. April, feiert der Hohenloher Fischereiverein Künzelsau sein Jubiläum.
Am 27. März 1881 trafen sich Fischerfreunde in Künzelsau zur „Constituierung eines Vereins für die Hebung der Fischzucht im Kocher“. Damit schlug die Geburtsstunde des Hohenloher Fischervereins, damals noch unter dem Namen Fischzuchtverein Künzelsau. Sofort traten 27 Mitglieder ein. Stetig wuchsen die Mitgliederzahlen, bis der Zweite Weltkrieg kam.
Der ging auch an den Hohenloher Fischern nicht spurlos vorüber und die Verhältnisse des Vereins mussten neu geregelt werden. Es galt, eine neue Mitgliederliste aufzustellen, denn innerhalb der Fischerschaft fand eine wahre Entnazifizierung statt. So erging eine Anordnung, dass Fischer, die Mitglied der NSDAP waren, weder Fischwasser pachten durften, noch Fischerei ausüben. Das galt auch für Mitglieder des Fischereivereins aus Hohenlohe. 1947 wurde dann aus dem Fischzuchtverein der Kreisfischereiverein Künzelsau. Der Verein zählte damals 58 Mitglieder. Heute hat der Verein 346 Mitglieder, dazu kommt eine Jugendgruppe mit rund 50 Kindern und Jugendlichen. Die Mitglieder kommen aus dem gesamten Altkreis Künzelsau, inklusive Forchtenberg. An Kocher und Jagst hat der Fischereiverein Fischgründe im Eigentum oder gepachtet. Anfang März hat Kurt Metzger nach 18 Jahren die Vorstandschaft an Jürgen Schierle übergeben, der den Verein in sein Jubiläum führt. Längst geht es beim Fischereiverein um weit mehr als das Hobby Angeln. „Wir haben viele Verbesserungen im Naturschutz erreicht“, erklärt Jürgen Schierle.
So schreibt sich der Verein die Umgehungsrinnen für Fische auf die Fahnen. Eine Einrichtung, damit die Fische um die Wehre herumschwimmen können. Viele Biotope haben die Naturfreunde angelegt. Außerdem treffen sich die Vereinsmitglieder in jedem Frühjahr zu Putzaktionen an den Ufern an Kocher und Jagst.
Auch kümmern sich die Fischer nicht nur darum, die Fische aus Kocher und Jagst zu fischen, sondern sie auch dort einzubringen. Laichplätze werden angelegt, Fische eingebracht und immer wieder haben die Fischer ein Auge auf die Vermehrung.
Einer der Höhepunkte ist seit zehn Jahren das Fischerfest an Christi Himmelfahrt auf dem Forchtenberger Wasen. Hier lädt der Fischereinverein zum gemütlichen Beisammensein, und natürlich darf der Fisch auf der Speisekarte nicht fehlen.

 (aus der Heilbronner Stimme 09.03.2006)


Die Jagst ist um 20 000 Nasen reicher
Von Manfred Dod

Fischer sind nicht nur zum Angeln da. Die Petri-Jünger erfüllen mehr und mehr wichtige ökologische Aufgaben. Wie bereits im Vorjahr, setzten sie jetzt erneut auf einer 60 Kilometer langen Gewässerstrecke der Jagst zwischen Bad Friedrichshall und Schöntal-Westernhausen insgesamt 20 000 Jungfische ein. 
Mit Hilfe eines Spezialbehälters wurden die vier bis fünf Zentimeter langen Nasen an zwölf Plätzen in die Jagst entlassen. Wichtig war dabei: Die Wassertemperatur im Tank musste der der Jagst angeglichen werden. Im Einsatz waren der Tübinger Fischwirtschaftsmeister Gerhard Weihmann und der Initiator der Hegegemeinschaft Jagst, Rolf Grimm aus Züttlingen. Er steht insgesamt elf Mitgliedsvereinen plus Privatbewirtschaftern vor. Die Experten wurden von den jeweiligen Vertretern der Fischereivereine vor Ort erwartet und bei der Arbeit unterstützt. Die Aktion, die zu bestimmten Stellen des Flusses wie Brücken, Stauwehren und Mühlen führte, begann in Bad Friedrichshall. Die weiteren stromaufwärts liegenden Orte waren Heuchlingen, Herbolzheim, Neudenau, Siglingen, Züttlingen, Möckmühl, Widdern, Jagsthausen, Berlichingen, Schöntal sowie ein Biotop in Bieringen. Alle Hände voll zu tun hatten die Fischer Gerhard Weihmann und Rolf Grimm, als sie die Jungfische in die Jagst einsetzten. Die Kosten für die im Rahmen des Artenschutzes vom Regierungspräsidium unterstützte Maßnahme belaufen sich auf insgesamt 6000 Euro. Die Fischgattung Nase gilt als besonders gefährdet. Bereits im März dieses Jahres wurden die Muttertiere in Duttenberg aus der Jagst entnommen und zur Befruchtung mit nachfolgender Aufzucht abgeholt. Die Nasen werden bis zu 50 Zentimeter lang und gehören zu den Schwarmfischen, die sich im Fließwasser aufhalten. Ihre Nahrung besteht zum größten Teil aus Algen und den im Wasser vorkommenden Kleinlebewesen. Je nach Wassertemperatur ist die Laichzeit zwischen den Monaten März bis April zu beobachten. Im Frühjahr ziehen in der Jagst regelmäßig ganze Schulen auf Wanderschaft. Sie alle ziehen zu ihren Laichplätzen. Die Nase braucht seichte Gewässerabschnitte und saubere Kiesbänke zum Ablaichen. Die Gefährdung des Bestandes einzugrenzen, ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Hegegemeinschaft , betonte Rolf Grimm, der seinen Job mit großem Engagement ausübt.

 (aus der Heilbronner Stimme 22.11.2005)


Der dickste Brocken war ein 1,30-Meter-Wels
Von Rainer Köller 

Knifflige Probleme und grandiose Erlebnisse waren eine Mischung, die kürzlich den Puls der Gochsener Fischer bei der Fischbergung höher schlagen ließ. Welse, Karpfen, Muscheln und andere Arten sicherten die Fischer und bereiteten so den Kocherkanal für die Sanierung vor. Petrijünger von Künzelsau bis Kochendorf und aus Heilbronn waren im Einsatz.
Eine fünfstellige Zahl an Fischen von einem Zentimeter Größe bis hin zu zwei 1,30 Meter langen Welsen mit einem Gewicht von über 20 
Kilogramm retteten die Kochertalfischer zusammen mit mehreren Wasserbiologen. Der Kocherkanal vom Gochsener Wehr bis zum Kraftwerk muss dringend saniert werden. Eigentlich war geplant, einfach den vorgesehenen Schieber in die Schienen einzulegen, und schon hätte es mit der Rettung der Fische losgehen können. Dass der Sockel am Schieber wegbrechen würde, konnte niemand ahnen , stöhnte Wilfried Hirschläger, Vorsitzender des Gochsener Fischereivereins.
Die Angler, die mit den Betreibern des Kraftwerkes, der Familie Endreß, die Aufgabe zusammen lösen wollten, mussten ihre eigentliche Arbeit erst einmal vertagen. Als dann Tage später weiter flussaufwärts ein Damm aufgeschüttet wurde, kam nur noch wenig Wasser, und der Kanal war begehbar. Allerdings nicht überall. Beim Einsteigen in den Morast wurde deutlich, warum eine Sanierung dringend notwendig ist. Der Schlick war stellenweise so tief, dass die Angler zum Teil stecken blieben und nur mit Hilfe von Freunden befreit werden konnten.
Über 5000 Flussmuscheln retteten die Fischer aus den 300 Metern Flusslauf und setzten sie im Kocher wieder ein. Die Fische wurden zum Teil per Elektrobefischung und dann mit großen Keschern aus den Restfluten geholt.
Die größten waren die Welse. Doch auch die Karpfen erwiesen sich als Schwergewichte. Einer erreichte sogar über zehn Kilogramm. Kapitale Aale wiesen bis zu 80 Zentimeter auf. Anette Dollmann registrierte die Arten, die gerettet wurden. Erfreulich war, so die Fischerin, dass sehr viele Barben im Laichalter registriert wurden. Schließlich ist die Barbe der Leitfisch des Kochers.
Wilfried Hirschläger zog nach einer anstrengenden Woche Bilanz: Das Ergebnis der Aktion lässt auf einen gut strukturierten, artenreichen Fischbestand im Kocher schließen. Auch Arten, die auf der Roten Liste stehen, wie der Gründling und der Schneider, scheinen wieder kräftig zu laichen, stellten die Fischer und Biologe Berthold Kappus fest. Nebenbei fanden die Fischer Toiletten, Fahrräder, Grabsteine und mehr.

 (aus der Heilbronner Stimme 26.08.2005)


Die Hegegemeinschaft Kocher bestätigt behutsamen Eingriff
red

Die Auflagen für das Umgehungsgerinne des Wasserkraftwerks machen den Kocher durchgängiger für Wanderfischarten. Der Landesnaturschutzverband hat bei einem Termin in Hardthausen die Funktion der neuen Fischaufstiegshilfe in Gochsen nachgewiesen. Die Hegegemeinschaft Kocher bestätigt den behutsamen Eingriff. Die seither eingebauten "Kammer-Fischtreppen" als Aufstiegshilfen für umherziehende Fische an Wehren haben sich als nur begrenzt wirksam erwiesen. Zu schnell setzen sie sich mit Totholz und Schlamm zu. Der neue Fischpass am Gochsener Kocherwehr räumt auch schlechteren Schwimmern "Aufstiegschancen" ein. Der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) ist als anerkannter Dachverband ein Zusammenschluss von Vereinen und Organisationen. Bereits im Jahr 2000 hatte sich das Kraftwerk der Gebrüder Endreß OHG in Gochsen mit dem Gedanken getragen, durch eine Sohlvertiefung des Kochers, die Erhöhung der Leistung der Wasserkraftanlage zu bewirken. Der LNV hatte im Februar 2002 in einer Stellungnahme zu der geplanten Kochervertiefung der Planung unter gewissen Auflagen zugestimmt. Eine der wesentlichen Anregungen in diesem Zusammenhang war die Herstellung der Durchgängigkeit der Wehranlage für Wanderfischarten. Über die Hegegemeinschaft Kocher, einem Zusammenschluss der Fischereiberechtigten an diesem Fluss, erfuhr der LNV vom erfolgreichen Einrichten einer "Rauen Rampe", so die Bezeichnung für ein Umgehungsgerinne des Kocherwehrs, das durch eine Vielzahl eingebauter Störsteine zusätzlich noch für einen hohen Sauerstoffeintrag sorgt. "Die an den Böschungen des Fischaufstiegs eingesäte Wintergerste bewirkt eine schnelle Begrünung und damit erste sichernde Durchwurzelung der ungeschützten Flächen", erläutert Diplombiologe Marco Sander, stellvertretender Vorsitzender der Hegegemeinschaft. "Aufgestiegene Barben, Nasen, Döbel und Lauben konnten wir bereits bei Kontrollbefischungen am oberen Gerinneeinlauf feststellen", sagt der Chef der Hegegemeinschaft Wilfried Hirschläger. "Die raue Rampe wurde schon drei Tage nach ihrer Flutung von den Wanderfischen angenommen." Kraftwerksbetreiber Endreß strebt mit der noch nicht ganz abgeschlossenen Baumaßnahme eine Kapazitätserhöhung von 25 Prozent an. "Durch die bauliche Gestaltung des Wehrauslasses ist ein Mindestdurchsatz für den Fischpass sichergestellt. Ein Trockenfallen dieser Anlage ist nicht möglich." Für den Einbau dieser Aufstiegshilfe wächst ihm ein Bonus von zwei Cent je Kilowatt eingespeister Energie zu.

 (aus der Heilbronner Stimme 02.08.2005)


Wehre machen den Fischen das Leben schwer
von Rudolf Landauer

Gewässerwart Hans Frank (links) zeigt Friedlinde Gurr-Hirsch und Dr. Bernhard Lasotta Fischarten des Kochers, die wegen Kunsteinbauten am Aufstieg gehindert sind. (Foto: Rudolf Landauer)

Weil der Mensch die Wasserkraft von Kocher und Jagst nutzt, bilden Wehre und Bauwerke nicht selten unüberwindbare Hindernisse für Fische. Politiker, Biologen und Wasserkraftnutzer diskutierten das Problem bei einer Tagung in Bad Friedrichshall Kochendorf.

Wehre für Mühlen und Kraftwerke erschweren den Fischen den gewohnten Aufstieg zu ihren Laichplätzen. Oft verhindern sie ihn gar. Die Fischer kennen die Situation und streben Verbesserungen an. Vor zwei Jahren gründeten sie daher die Hegegemeinschaft Kocher, die eine Gewässerstrecke von rund 60 Kilometern betreut. Ihr Vorsitzender Wilfried Hirschläger aus Hardthausen machte deutlich, dass man nicht auf Konfrontation mit den Wasserkraftnutzern gehen wolle, sondern gemeinsam mit ihnen nach Lösungsmöglichkeiten suchen möchte. "Wir zählen dabei auch auf die Mithilfe der Politik und der Energiewirtschaft", meinte Hirschläger. Auch Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, der Wimpfener Landtagsabgeordnete Dr. Bernhard Lasotta, Dr. Rainald Hoffmann und Anke Albrecht vom Stuttgarter Regierungspräsidium sowie Wolfgang Triebelt, Vorstand der Neckar AG und die Bürgermeister Peter Dolderer, Ulrich Ruoff und Harry Brunnet waren gekommen. Friedlinde Gurr-Hirsch und Bernhard Lasotta lobten die Veranstalter für ihre sachliche Aufbereitung des sensiblen Themas und verstanden die Tagung auch als Informationsgewinnung: "Die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit an baden-württembergischen Flüssen ist ein bedeutendes Gewässerschutzziel der Landespolitik", formulierte die Staatsekretärin. Auch Wasserkraftnutzer Manfred Jesser aus Hardthausen brachte einen Vorschlag mit. Er will seine bestehende Gewässerumleitung still legen und eine Turbine direkt in das Wehr einbauen. Dadurch entfalle ein Hindernis für die Fische. Der Untereisesheimer Diplom-Biologe Marco Sander, stellte die Situation vor: "Etwa alle 3,5 Kilometer gibt es ein Wehr im Kocher, an dem die Laichwanderung der Fische jäh gestoppt wird. Fatal sei, dass dies gleich bei der Mündung in den Neckar der Fall ist. Durch Lockströmungen werden nach Ausleitungsstrecken Fischschwärme in die falsche Richtung gelenkt und befinden sich dann jäh vor Turbinen wieder, so Marco Sander. Bei der Turbine der Kochendorfer Mühle gelang es den Fischern vor den Augen der Teilnehmer, in einem Netz etwa 30 Fische zu fangen - die meisten in laichbereitem Zustand. Einen Wunschzettel gaben die Fischer den Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung und Nutzern mit und formulierten darin die aus ihrer Sicht erforderlichen Maßnahmen. Zu denen zählen Fischer und Biologen etwa funktionierende Fischtreppen.

 (aus der Heilbronner Stimme 15.03.2005)


Gurr-Hirsch setzt sich für Fische ein
von lsw

Mit Hilfe von Fischtreppen sollen Fische in den Flüssen und Bächen zu ihren Laichplätzen finden, wenn Wehre und Wasserkraftwerke den Weg versperren. Beim Informationstag "Ökologische Durchgängigkeit des Fließgewässers Kocher" der Hegegemeinschaft Kocher in Bad Friedrichshall sagte die Staatssekretärin im Ministerium für den Ländlichen Raum, Friedlinde Gurr-Hirsch, am Samstag, das Land wolle Flüsse und Bäche in Baden-Württemberg für Fische durchgängig machen. Nachdem die Probleme der Wassergüte in den meisten Gewässern Baden-Württembergs überwunden seien, müsse nun dafür gesorgt werden, dass die Fische fluss- auf- und flussabwärts wandern können, um ihre Laichplätze zu erreichen, sagte Gurr-Hirsch. Die Hegegemeinschaft Kocher setzt sich dafür ein, dass solche Anlagen am Kocher gebaut werden, um einen artenreichen, gesunden Fischbestand anzusiedeln.

 (aus der Heilbronner Stimme 14.03.2005)


Stichlinge fühlen sich in der Jagst wohl
Von Franz Andritsch

Elf Fischereivereine an der unteren Jagst haben sich zu einer Hege- und Pflegegemeinschaft zusammengetan und betreuen 60 Kilometer des Flusses von Westernhausen bis zur Mündung in den Neckar. Am vergangenen Sonntag informierten sie am Widderner Sportplatz über einheimische Fischarten und deren Lebensraum, die Jagst.

Fischer können nicht nur fischen - sie setzen auch bedrohte Fischarten ein, wie die Nase, die ganzjährig gar nicht befischt werden darf. Das "erklärte Ziel", so der Sprecher der Hegegemeinschaft, Rolf Grimm, sei die Überwachung und Verbesserung der Gewässerstruktur und damit auch eine Verbesserung des Lebensraumes für Fische. So werden statt der versteinten Uferböschungen Buchten angelegt, in die sich die Fische bei Hochwasser zurückziehen können. In Widdern plant der Fischereiverein um Karl-Heinz Walch ein solches Aue-Biotop (wir berichteten). Es werden Kiesbänke geschaffen, auf denen die Fische ablaichen können und es werden an Wehren so genannte "raue Rampen" gebaut, wie in Möckmühl-Ruchsen, über die Jungfische flussauf und ab wandern können.
Das sind nur einige der Aufgaben der Vereinsfischer, um die heimischen Fischarten zu schützen. Einige dieser, teils gefährdeten, Fischarten, haben Vereinsmitglieder mit Keschern aus der nahen Jagst geholt. In Aquarienbecken tummeln sich Barben, Schneider, Koppen, Nasen und auch das Rotauge, das früher in der Gegend als der ,Brotfisch" galt. Dazwischen finden sich Elritzen und Stichlinge, die eigentlich kleinere Bäche, wie die Kessach, bewohnen, von dort eingeschwemmt wurden und sich auch in der großen Jagst offensichtlich wohl fühlen.
Die Artenvielfalt ist für Karl-Heinz Walch, Schriftführer der Gemeinschaft, ein Zeichen, dass der Fluss gesund ist und seinen Wasserbewohnern eine optimale Lebensgrundlage bietet. Der Gewässerwart Andreas Kraft erklärt, dass zwei mal jährlich chemische Wasseranalysen durchgeführt werden, um den aktuellen Zustand des Gewässers wiederzugeben.
Mit biologische Analysen lassen sich hingegen langfristige Auswirkungen von Gewässerverschmutzung belegen: An der Anzahl und Artenvielfalt von wirbellosen Kleinlebewesen, die die Nahrungsgrundlage der Fische bilden, erkennt der Fachmann die Wassergüte. Die Jagst hat auf der fünfstufigen Skala die Güteklasse "zwei", was "mäßig belastet" bedeutet.
Auch der Pflanzenbewuchs lässt Schlüsse zu, wie lebensspendend ein Gewässer ist. Die Hegegemeinschaft hatte bei den Sportanlagen nicht nur Aquarienbecken mit Flussbewohnern besetzt; sie hatte auch Schautafeln aufgestellt und informative Schriften und Broschüren ausgelegt.
Und unermüdlich beantworteten die Fischer Fragen, um den Radlern des vorbeiführenden Kocher-Jagst-Radwanderwegs und interessierten Bewohnern der umliegenden Gemeinden den Lebensraum Jagst näher zu bringen.

(aus der Heilbronner Stimme 27.07.2005)


41000 Fische aus dem Wasser geholt
von Rainer Köller

Die Elektro-Befischung von Boot aus ist die einfachste Art für die
Fischer. Die Fische werden untersucht und vermessen, dann geht
es wieder ins Wasser.

Gerade einmal eineinhalb Jahre alt ist die Hegegemeinschaft Kocher und schon liegt ein umfangreiches, interessantes Werk bereit, das durchaus seinesgleichen sucht.
Die Fischer entlang des Kochers hatten sich zur Aufgabe gemacht, zu untersuchen, auszuwerten und zu verbessern: Denn viel kann an so wertvollen und komplizierten Naturwerk wie einem Fluss durch Unachtsamkeit und Gleichgültigkeit zerstört werden. "Der Fluss ist überall ein gutes Fischwasser. Er war früher im oberen Lauf sehr reich an Forellen, besonders die oberen 15 Kilometer. Dies hat jetzt aufgehört, seitdem Papierfabriken Chlorwasser, Eisenwerke Schwefelsäure, Färbereien und Gerbereien andere giftige Stoffe in den Fluss ableiten." Diese Zeilen stammen von dem Fischereibiologen Max von Borne und wurden 1881 verfasst. Über einhundert Jahre lang brauchte der Mensch, bis er es schaffte, ein Einsehen mit der Natur zu haben - in diesem Fall mit dem Kocher. Inzwischen gibt es wieder Flusskrebse, Muscheln und andere Indikatoren im Flussbett, die darauf hinweisen, dass der Nebenfluss des Neckars lebt. Wolfgang Sitter, der Bereichsleiter Unterland/Hohenlohe des Verbandes für Fischerei und Gewässerschutz in Baden Württemberg e.V. stellte die Idee einer Hegegemeinschaft entlang des Kochers vor und führte dann, nachdem er nahezu alle Beteiligten vom Nutzen einer solchen überzeugt hatte, die formelle Gründung im August 2003 durch. Vorsitzende wurden der Kochersteinsfelder Wilfried Hirschläger und der Diplom-Biologe Marco Sander aus Untereisesheim. Durchsucht wurden im vergangenen Jahr der Allgemeinzustand des Wassers und der Ufer, die chemischen Parameter, die Durchgängigkeit und der Fischbestand. Foto: Agentur Kochertal Die Elektro-Befischung von Boot aus ist die einfachste Art für die Fischer. Die Fischer werden untersucht und vermessen, dann geht es wieder ins Wasser. Obwohl die Durchgängigkeit ein Punkt ist, der den Fachleuten Kopfzerbrechen bereitet, war das Ergebnis der Elektrobefischungen (siehe Info-Kasten) sehr erfreulich. Wilfried Hirschläger erklärt: "Auf einer Strecke von über 15 Kilometern wurde beprobt." Diese Untersuchungen erfolgten vom Boot aus oder watend im seichten Gewässer. Gefischt wurde mit einem Gleichstromgenerator. Über 41000 Fische wurden mit den E-Befischungen kurze Zeit aus dem Wasser geholt und begutachtet. Die Spitzenreiter waren die Rotaugen und der Gründling mit jeweils knapp 9000 und der Döbel mit fast 8000 Exemplaren. Am unteren Ende der Tabelle fanden sich der Zander, der Rapfen, der Kaulbarsch, der Karpfen und die Bachforelle. Nur 15 Forellen gerieten in die Hände der Fischer. Insgesamt wurden 28 Fischarten gesichtet. Von vier anderen, der Zährte, der Quappe, dem Strömer und dem Moderlieschen weiß man, dass sie in geringer Zahl existieren. Was freute Wilfried Hirschläger besonders? "Wir fanden auch Fische wie die Kappe oder den Schneider, die auf der Roten Liste stehen." Info: rmationen über die Hegegemeinschaft gibt es unter www.hege-kocher.de. Eine große Info-Veranstaltung über die Durchgängigkeit des Kochers, zu der schon Landtagsabgeordnete ihr Kommen zugesagt haben, findet am 12. März, ab 10 Uhr, am Kocherkanal beim Bad Friedrichshaller Züchterheim statt.

 (aus der Heilbronner Stimme 21.02.2005)


Viele Wehre im Kocher hindern die Fische
von Rainer Köller

Zurück auf viele Aktivitäten und nach vorne auf große Pläne können die Vereine der "Fischerei-Hegegemeinschaft Kocher" schauen. Der Zusammenschluss der Fischer von der Kochermündung bis Künzelsau soll bald Früchte tragen.
Die beiden Vorsitzenden der seit 2003 bestehenden Hegegemeinschaft haben in einem umfangreichen Bericht einen Rückblick auf das Jahr 2004 vorgelegt. Wilfried Hirschläger und Marco Sander erläuterten, dass insbesondere auf die Schulung der Gewässerwarte viel Wert gelegt wurde. Bei diesen Schulungen für die neun Fischereivereine, die am Kocher nicht nur die Angel ins Wasser halten, sondern sich intensiv um die Hege und Pflege kümmern, ging es um biologische Gewässeruntersuchungen, chemische Gewässeranalysen, Netzbefischungen zur Bestandserhebung und anderes mehr. Als Ziele der Hegegemeinschaft hebt Wilfried Hirschläger das "Streben nach Ganzheitlichkeit der Hege und der Bewirtschaftung am gesamten Kocher" hervor. Kurz ausgedrückt, so der Hardthausener: Die Ressourcen sollen zusammengefasst werden. Eine dringliche Aufgabe der Gemeinschaft, so Hirschläger, ist die Durchgängigkeit der Gewässer. Vertreter der Langzeit-Distanz-Wanderfische, wie zum Beispiel der Lachs oder der Maifisch, sind im Kocher gänzlich ausgestorben, weil es für ihre Wanderungen vom Meer bis in den oberen Teil des Kochers die Durchgängigkeit fehlt. Allein im Kocherabschnitt zwischen Bad Friedrichshall und Morsbach liegen 17 Wehre, das heißt, im Durchschnitt alle 3,5 Kilometer eines. Davon sind lediglich sieben für Fische passierbar. Die Hegegemeinschaft fordert, dies zu ändern. Doch es gab auch Erfreuliches im vergangenen Jahr. Bei Elektrobefischungen konnten Gewässerbiologen immerhin 28 Fischarten nachweisen. Das Vorkommen von weiteren vier Arten ist bekannt.

 (aus der Heilbronner Stimme 18.01.2005)


Artenschutz mit 20 000 jungen Nasen
von Rainer Köller

Foto: Rainer Köller Nur vier bis
fünf Zentimeter groß sind diese Nasen

20 000 Nasen haben die Fischer der Hegegemeinschaft Jagst in "ihren" Fluss eingesetzt. 8000 Euro haben die elf Mitgliedsvereine und Privatbewirtschafter investiert, um die Bestände der bedrohten Fische, die geschützt sind und nicht geangelt werden dürfen, wieder aufzupäppeln.
Rolf Grimm, Sprecher der Fischerei-Hegegemeinschaft, die Vereine aus dem Hohenlohischen bis zur Jagstmündung zusammenfasst, erläutert die Einsetzung der Nasen: "Artenschutz wird von uns Fischern konsequent umgesetzt." Die Maßnahme der Fischer sei ein erfreulicher Beitrag zur Erhaltung einer heimischen Fischart, der das Aussterben droht und in der Roten-Arten-Liste als stark dezimiert geführt wird.
Warum genau die Fische, die bis zu 50 Zentimeter groß werden, in der Jagst kaum noch anzutreffen sind, weiß niemand so genau. Die Fachleute gehen von einer Vielzahl von negativen Einflüssen aus, die die neue Zeit mit sich gebracht hat.
Die Nasen heißen so, weil sie mit der Nase ihre Nahrung, Algen und Kleingetier, von den Steinen abreiben, erklärt der Widderner Angler Detlef Helbrich. Früher gab es sie zu Tausenden in der Jagst, sie waren der "Brotfisch" der Berufsfischer, die es damals noch gab. Wegen ihrer vielen Gräten wurden sie allerdings nicht von jedem gegessen, sondern als Hühnerfutter und sogar als Dünger verwendet. Im Frühjahr und Sommer konnten in der klaren Jagst ganze "Schulen" dieser Schwarmfische bei ihren Wanderungen zu den Laichplätzen und Futterplätzen beobachtet werden.
Erstmalig, so Rolf Grimm, gelang es im März diesen Jahres, Muttertiere aus dem Fluss zu fangen. Sie wurden wie ein Lachs abgestreift. Die Eier wurden befruchtet und bei einem Züchter aufgezogen. Nun wurden die vier bis fünf Zentimeter großen Winzlinge zwischen Bieringen und der Mündung in den Neckar von den Vereinen eingesetzt. Das Regierungspräsidium unterstützt diesen Artenschutz der Fischer.
Ganz vorsichtig gingen die Fischer zu Werke. In Widdern waren neben Detlef Helbrich auch Hans-Günter Schwarz und von den Jugendfischern Johann Müller dabei. Die Angler legten den Bottich mit den Fischlein auf die Jagst und ließen gerade so viel Wasser hineinfließen, bis die Tiere selbst gegen die Strömung hinausschwammen. "Wenn das Wasser im Gefäß um einige Grad wärmer ist als das Jagstwasser, und man leert die Fische einfach in den Fluss, sterben die meisten", erklärt Helbrich.
Für Rolf Grimm ist mit dem Einsetzen die Arbeit aber noch nicht beendet. Die Nase braucht zum Laichen seichte, saubere Kiesbänke. "Die vorhandenen Kiesbänke zu erhalten und neue zu schaffen, wird in Zukunft eine der wichtigsten Aufgaben von uns Fischern sein", verkündet der Züttlinger im Namen der vielen anderen Angler.

 (aus der Heilbronner Stimme 03.11.2004)


Ganz schön viel Leben im toten Arm des Kochers
Von Susanne Hämmerle

Umweltakademie, Landratsamt und Volkshochschule demonstrieren der Öffentlichkeit den Sinn eines künstlich angelegten Kocheraltarmes: In dem Gewässer tummeln sich viele Fische. (Foto: Susanne Hämmerle)
 

Karpfen, Schleien, Rotfedern oder auch einen Krebs konnten die Besucher der Exkursion der Umweltakademie Hohenlohe am toten Kocherarm bei Weißbach sehen und sogar in die Hand nehmen.

1998 war der tote Arm bei Weißbach vom Fischereiverein Lauffen in Zusammenarbeit mit der Gewässerdirektion Neckar Bereich Künzelsau und Geldern des Regierungspräsidiums Stuttgart angelegt worden. "In der Aktion der Umweltakademie, einer Kooperation zwischen Landratsamt und Volkshochschule, soll der Öffentlichkeit der Nutzen solcher Maßnahmen verdeutlicht werden", sagte Rolf Jungmann, Naturschutzbeauftragter des Hohenlohekreises. Die Umweltschützer wollten jedoch auch selbst herausfinden, welche Fischarten sich in dem ruhigen Gewässer neben dem Radweg angesiedelt hatten. Rund 30 Besucher hatten sich den Biologen angeschlossen. "Iih, der ist ja ganz glitschig" - "Der dicke Fisch hat gar keine Zähne" - "Der da drüben glänzt aber schön golden" - solche und ähnliche Ausrufe waren von den zwölf Kindern zu hören, die sich aufgeregt um die im Schatten aufgestellten Glaswannen scharten. Schnell entfernten sie die Jungfische aus einem Becken, als Wilfried Hirschleger mit einem Hecht kam. "Der frisst die Kleinen sonst alle auf", warnte der siebenjährige Roman. "Fünf Döbel, fünf Zentimeter und eine Babyschleie, gerade mal zwei Zentimeter", rief Bertold Kappus, der zusammen mit Marco Sander bis zu den Oberschenkeln im aufgewühlten Wasser des toten Armes stand. Sander führte einen Kescher, der an einem Generator am Ufer angeschlossen war. Mit 300 Volt betäubte der Gewässerbiologe die Fische im Umkreis von rund drei Metern und sammelte sie ein. Kappus nahm seinem Kollegen den Fang ab. Ein Vertreter jeder Fischart landete in den Becken am Ufer. Die erwachsenen Teilnehmer beobachteten die Elektrofischer interessiert vom Ufer aus. Bertold Kappus erläuterte sowohl den Fang als auch die Bodenbeschaffenheit des Gewässers und den Pflanzenbewuchs. Zum Schluss scharten sich alle um die Becken, wo die Biologen ihren Fang auswerteten. "Wir haben rund 50 Prozent des Bestandes erfasst", schätzte Bertold Kappus. Die dominierende Fischart sei der Karpfen. Er zeigte ein großes Exemplar. "Dies ist ein Spiegelkarpfen, eine Zuchtform, die hier wohl ausgesetzt wurde", erklärte der Fachmann. Sander verdeutlichte die Geschlechtsmerkmale der Schleien anhand eines rund 30 Zentimeter langen Exemplars. Er erläuterte den Zuschauern auch den Unterschied zwischen Giebel und Karausche. "Nur an der Farbe des Bauchfells seien sie zu unterscheiden", betonte er. Die Kinder freuten sich, als sie die zappelnden Tiere wieder ins Gewässer einsetzen durften.

(aus der Heilbronner Stimme 22.09.2004)


Strom für über 1000 Haushalte
Von Regina Koppenhöfer

Rund ums Schwerpunktthema Wasser drehte sich der Tag des offenen Denkmals. Und so hatte auch das Wasserkraftwerk bei Ohrnberg seine Pforten geöffnet. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit und warfen einen Blick hinter die Kulissen der über 80 Jahre alten Energiemaschine. Im Wasserkraftwerk bei Ohrnberg herrschte am Sonntagnachmittag munteres Treiben. Nicht die Turbinen und Generatoren des 1923 in Betrieb genommenen Wasserkraftwerks sorgten für Bewegung - der Kocher führt derzeit zu wenig Wasser und deshalb sind die Maschinen abgeschalten -, sondern zahlreiche Besucher erfüllten das Denkmal geschützte Industriegebäude mit Leben. Kraftwerksschlosser Ralf Keck ist neben acht weiteren Wasserkraftwerken auch für den Betrieb und die Wartung des Ohrnberger Wasserkraftwerks zuständig. Mit ihm streiften die Besucher am Sonntag durch die Maschinenhalle und das Schaltanlagengebäude, bestaunten auch die über 80 Jahre alte Technik. 1921 hatte man mit dem Bau des Kraftwerks, das heute der EnBW gehört, begonnen. Damals wurde auch der Stollen durch den Bergrücken zwischen Sindringen und Ohrnberg getrieben. Er verbindet heute noch den kleinen Stausee mit dem Wasserkraftwerk. Nicht nur über Bau- und Technikgeschichte informierte Keck, auch Zahlen zur Stromproduktion hatte er parat. In einem normalen Jahr, so der Kraftwerksschlosser, erzeuge man im Ohrnberger Wasserkraftwerk immerhin den Jahresstrombedarf von 1000 bis 1200 Haushalten. Beim Gang mit Ralf Keck durch den Industriebau wurde jedoch nicht nur Bewunderung für das alte Wasserkraftwerk deutlich. Einige der Besucher nutzten die Gelegenheit und äußerten ihren Unmut über den teils schlechten Zustand des Baudenkmals im Kochertal: Denkmalschutz allein genügte ihnen nicht. Stimmen wurden laut, man müsse ein solches Kleinod erhalten und dazu müsse eben auch investiert werden. Viele Besucher zeigten aber auch ihre Begeisterung über die seit 1923 arbeitende Technik. So etwa das Ehepaar Gabriele und Karl-Heinz Fossa aus Bad Friedrichshall. Schon viele Male seien sie am Wasserkraftwerk vorbeigefahren. Nun freuten sie sich, mehr über die Bau- und Technikgeschichte zu erfahren. Ähnlich erging es auch Gerhard Bock aus Heilbronn. Der pensionierte Gewerbelehrer erzählte sichtlich fasziniert: "Ich bin an Elektrotechnik und an allen alten Maschinen interessiert." Deshalb schätze er auch den Tag des offenen Denkmals und nutze ihn regelmäßig.

(aus der Heilbronner Stimme 14.09.2004)


Tausende Fische wurden in die Irre geführt
Von Manfred Dod

Fische unternehmen zur Aufrechterhaltung ihrer biologischen Funktionen teilweise lange Wanderungen. So auch, und das schon seit ewigen Zeiten, an den heimischen Flüssen wie Kocher und Jagst. Allerdings stellen sich den Tieren hier manche Hindernisse in den Weg. -  Die zuständigen Behörden, Vereine und Hegegemeinschaften sind um das Wohl und den Fortbestand der Wasserlebewesen bemüht. In der Oberamtsbeschreibung Neckarsulm von 1881 wurde festgehalten, dass vor über 100 Jahren sogar heringsartige Maifische von der Nordsee kommend in großer Zahl im Kochendorfer Wehr vorgefunden wurden. Sie ragten aufgrund des Massenvorkommens dicht gedrängt mit dem Rücken aus dem Wasser und konnten mit bloßen Händen gefasst werden. Die Wehre der Kraftwerke sind demzufolge für die Fische eine zumeist unüberwindbare Barriere auf ihren Wanderungen. Um dieser Situation entgegenzuwirken, wurden in den letzten Jahren so genannte Fischaufstiegsmöglichkeiten, die auch unter der Bezeichnung Fischtreppen bekannt sind, gebaut. Diese Einrichtungen, von denen es verschiedene Konstruktionsvarianten gibt, sind gegenwärtig nur in den wenigsten Fällen in ausreichendem, beziehungsweise funktionsfähigem Maße vorhanden. Anlässlich einer Netzbefischung zum Jahresbeginn im Kocherkanal von Bad Friedrichshall stellten die Biologen Berthold Kappus, Siglingen, und Marco Sander, Untereisesheim, in Zusammenarbeit mit Vertretern des örtlichen Fischereivereins sowie des Gewässerschutzes fest, dass sich seit Weihnachten Tausende von Fischen im Unterwasser des Kraftwerkes aufhalten. Vorwiegend handelt es sich hierbei um Weißfischarten, wie Rotaugen, Nasen, Gründlinge, Lauben und Döbel. Durch das Fehlen einer Fischtreppe am Krafthaus und am Wehr ist die Wanderung und damit der lebensnotwendige genetische Austausch gestoppt. Zahlreiche Tiere sind in die Falle geraten und wurden durch die stärkere Strömung des Kanals fehlgeleitet. Der große aus dem Neckar kommende Fischschwarm kann die Lebensräume des gesamten Kocherlaufes nicht erreichen. Die von den Experten als äußerst dramatisch eingeschätzte Situation am Kocherwehr ist vergleichbar mit weiteren Wehranlagen des Flusses, vor allem aber auch mit denen an der Jagst. Die neuerdings gegründeten Fischerei-Hegegemeinschaften an Kocher und Jagst, denen Wilfried Hirschläger, Hardthausen, und Rolf Grimm, Züttlingen, vorstehen, haben sich der Problematik angenommen und sehen akuten Handlungsbedarf. Für einen rund 60 Kilometer langen Streckenabschnitt entlang der Jagst existiert ein Plan, der an jedem der Kraftwerke die entsprechende Maßnahme vorsieht.

(aus der Heilbronner Stimme 22.01.2004)


Wehre stoppen Fisch-Wanderung
 Von Manfred Dod

Die Wehre der Kraftwerke, im Bild die Anlage in Siglingen, sind Barrieren für die Fische auf ihren biologisch wichtigen Wanderungen.

Fische unternehmen zur Aufrechterhaltung ihrer biologischen Funktionen teilweise lange Wanderungen. So auch schon seit ewigen Zeiten an den heimischen Flüssen Kocher und Jagst. Die zuständigen Behörden, Vereine und Hegegemeinschaften sind um das Wohl und den Fortbestand der Wasserlebewesen bemüht
. In der Oberamtsbeschreibung Neckarsulm von 1881 wurde festgehalten, dass vor über 100 Jahren sogar heringsartige Maifische von der Nordsee kommend in großer Zahl im Kochendorfer Wehr vorgefunden wurden. Sie ragten aufgrund des Massenvorkommens dicht gedrängt mit dem Rücken aus dem Wasser und konnten mit bloßen Händen gefasst werden. Die Wehre der Kraftwerke sind demzufolge für die Fische eine zumeist unüberwindbare Barriere auf ihren Reisen. Um dieser Situation entgegenzuwirken, wurden in den vergangenen Jahren so genannte Fischaufstiegsmöglichkeiten, die auch unter der Bezeichnung Fischtreppen bekannt sind, gebaut. Aber nur wenige dieser zum Teil unterschiedlich gebauten Einrichtungen funktionieren gegenwärtig auch. Anlässlich einer Netzbefischung zum Jahresbeginn im Kocherkanal von Bad Friedrichshall stellten die Biologen Berthold Kappus, Siglingen, und Marco Sander, Untereisesheim, in Zusammenarbeit mit Vertretern des örtlichen Fischereivereins sowie des Gewässerschutzes fest, dass sich seit Weihnachten Tausende von Fischen im Unterwasser des Kraftwerkes aufhalten. Vorwiegend handelt es sich um Weißfischarten, wie Rotaugen, Nasen, Gründlinge, Lauben und Döbel. Weil am Krafthaus und am Wehr eine Fischtreppe fehlt, ist die Wanderung und damit der lebensnotwendige genetische Austausch gestoppt. Zahlreiche Tiere sind in die Falle geraten und wurden durch die stärkere Strömung des Kanals fehlgeleitet. Der große aus dem Neckar kommende Fischschwarm kann die Lebensräume des gesamten Kocherlaufes nicht erreichen. Die von den Experten als äußerst dramatisch eingeschätzte Situation am Kocherwehr ist vergleichbar mit weiteren Wehranlagen des Flusses, vor allem aber auch mit denen an der Jagst. Die neu gegründeten Fischerei-Hegegemeinschaften an Kocher und Jagst, denen Wilfried Hirschläger, Hardthausen, und Rolf Grimm, Züttlingen, vorstehen, sehen akuten Handlungsbedarf. Sie arbeiten derzeit an einem Plan, der für einen rund 60 Kilometer langen Streckenabschnitt entlang der Jagst Maßnahmen an jedem der Kraftwerke vorsieht.

(aus der Heilbronner Stimme 21.01.2004 )


Neuer Verein bündelt Ziele und Aktivitäten

In der Seehütte des Heilbronner Fischereivereins an der Seeanlage in Stein am Kocher wurde jetzt eine grundlegende Weichenstellung vollzogen: die Gründung einer Hegegemeinschaft für alle fischereilichen Aktivitäten entlang des Kochers - und zwar von der Quelle bis zur Mündung. Dem Aufruf des Leiters für den Bereich Unterland/Hohenlohe im Verband für Fischerei und Gewässerschutz Baden-Württemberg, Wolfgang Sitter, waren 19 Verantwortliche aus acht Fischereivereinen gefolgt. Ziel des angestrebten Bündnisses ist es, die fischereiliche Bewirtschaftung des Kochers durch abgestimmte Besatzmaßnahmen ohne die störenden Eigentumsgrenzen zu optimieren und durch das Hinwirken auf eine bessere Durchgängigkeit des Kochers für Wanderfischarten Sorge zu tragen. "Mit dem Beschluss einer künftigen Zusammenarbeit fängt die eigentliche Arbeit erst an", so Wolfgang Sitter. In einer Bestandsaufnahme sind zunächst die vorhandenen Fischarten, sowie Gewässer und Uferstrukturen zu kartieren, damit erkennbar wird, welche Arten wo unterstützt werden müssen. Der Lebensraum Kocher ist gekennzeichnet durch die im Jahresverlauf stark schwankenden Wasserstände mit einem hohen Arteninventar und damit als Biotop sehr sensibel. Daher machte der Fischereisachverständige vom Regierungspräsidium Stuttgart, Hubert Wnuck, deutlich: "Wir begrüßen diese Initiative der Vereine und des Landesfischereiverbandes. Die Bildung eines eigenen Fischereibezirks für den Kocher ist genau die richtige ökologische Zielrichtung, er muss jedoch allen Fischereiberechtigten am Kocher offenstehen." Zum Ersten Vorsitzenden wählten die Anwesenden den 41-jährigen Willfried Hirschläger aus Kochersteinsfeld. Zu seinem Stellvertreter berief die Gründungsgemeinschaft einstimmig Marco Sander vom Fischereiverein Heilbronn. Der Diplombiologe ist 29 Jahre alt und wohnt in Untereisesheim. Als wissenschaftlichen Betreuer der jungen Hegegemeinschaft konnte der Fischereiexperte Hubert Wnuck aus Sindelfingen gewonnen werden. (red)

Homepage: http://www.hege-kocher.de

(aus der Heilbronner Stimme 23.09.2003)


Der Fischbestand schrumpft zusehends
Von Rainer Köller

Nicht gerade "Fünf vor Zwölf" steht es mit dem Fischbestand in der Jagst, aber die Fischer schlagen trotzdem Alarm. Immer weniger Fische gibt es in der Jagst, stellten die Mitglieder des Fischereivereins Neckarsulm, denen das Fischgewässer von Möckmühl an abwärts gehört, bei der letzten Gewässeruntersuchung fest.
Rolf Grimm und seine Mannschaft vom Fischereiverein machen sich Sorgen. Nicht wegen der biologischen Gewässeruntersuchung. Die letzte wurde zu Beginn der trockenen Periode durchgeführt. Die Gewässerwarte Ralf Wacker, Volker Gözinger und Roland Schädel stellten eine Wassergüte von 1,7 fest. Volker Gözinger erklärt, im Vergleich zu der chemischen Untersuchung sei die biologische ungleich aussagekräftiger.
Wenn bei der chemischen Untersuchung eben gerade Mal etwas vorbei fließe, gebe es ein schlechtes Ergebnis. Im Bio-Bereich lasse ein solch gutes Ergebnis wie an der Jagst darauf schließen, dass hier in den vergangenen zwei bis drei Jahren kein Gift floss. Alle Ergebnisse des Tages werden dokumentiert. In diesem Jahr kommt hinzu, dass zu wenig Wasser in der Jagst fließt und wegen der Hitze inzwischen auch zu wenig Sauerstoff im Wasser ist. Gut lässt sich die von den Sportfischern eingerichtete Insel unterhalb des Züttlinger Wehrs an. Dort wächst inzwischen Schilf und bietet den Wassertieren Unterschlupf. Da wegen des herrschenden Niedrigwassers nichts mehr über das Wehr fließt, bleibt abzuwarten, ob die Schilfinseln überleben.
Immer öfter bilden sich in den Sommermonaten, insbesondere auch in diesem Jahr, Algen unterhalb der Wehre. Das passiert insbesondere dann, wenn kein Wasser mehr über das Wehr fließt, sondern nur noch im Kanal zum Kraftwerk, so wie in diesem Sommer. Mit Keschern und Reusen gingen die Fischer bei Züttlingen auf die Suche nach kleinen Fischen. Sie fanden Koppen und Schmerlen. Insbesondere die Koppen, erklärt Rolf Grimm, seien "ein Indikator für sauberes Wasser ". Doch die Angler fanden viel zu wenige von den kleinen Fischen, die als Nahrung für die großen wichtig sind. Wie bei allen Laichfischen, meinte Grimm etwas resigniert, gehe auch bei diesen der Bestand immer mehr zurück. Der erfahrene Fischer schätzt, dass inzwischen nur noch 30 Prozent des Bestandes von 1995 in der Jagst schwimmt und hat Angst, dass nach diesem Sommer der Bestand noch mehr schrumpft.
Die Gründe? Die Qualität des Wasser kann es nicht sein. Rolf Grimm schimpft insbesondere über die immer größer werdende Zahl der Kormorane. Der Verein wartet nun ab, was sich bei den anderen Jagstfischern ergibt. Denn alle in der "Fischerei-Hegegemeinschaft Jagst" zusammenarbeitenden Vereine machen diese Untersuchungen. Dann wird beraten, was getan werden kann und welche Ursachen der Bestandsschwund sonst noch hat.

(aus der Heilbronner Stimme 29.08.2003)


Kneifende Krebse beim Aktionstag

Viele Besucher bei "Tausend Quellen - ein Fluss" - In luftig frischer Umgebung war an diesem Hitzetag für Kinder und Erwachsene zwischen Sindringen und Ohrnberg viel geboten. Die Fischerei-Spezialisten Kurt Metzger und Uwe Kautzmann kescherten für Interessierte im Nu ein Schau-Aquarium voll mit allem was kriecht und schwimmt im Kocher. Selbst erstaunlich viele Kamberkrebse, die sich für die Ruhestörung mit kräftigem Kneifen revanchierten, waren dabei. Ernst Nagel, Hochwasserschutz-Spezialist im Gewässerdirektions-Bereich Künzelsau, erläuterte unterdessen die Funktion der "Rauen Rampe " am Wehr. Die wildbachartigen Wassertreppen ermöglichen den Fischen, flussaufwärts besser voran zu kommen. Zurzeit, erläuterte der Gewässerfachmann, hat der Kocher mit gut zwei Kubikmetern Durchfluss pro Sekunde gerade noch genug Wasser. Sollte der Pegel aber weiter sinken, müsse jegliche Wasserentnahme aus dem Fluss untersagt werden. Bei einem ausgewachsenen Hochwasser transportiere der Kocher etwa 500 Kubikmeter pro Sekunde, gab Nagel einen Vergleich. Ein herausragendes Beispiel für natürlichen Ausgleich präsentierte Peter Laier an einem Biotop am Kocher-Altarm. Auch Edmund Strommer, der Leiter des Bereichs Künzelsau der Gewässerdirektion Neckar, freute sich über die dort anzutreffende Artenvielfalt. Isabelle und Christoph Kretschmar waren mit ihren Eltern eigens aus Untersteinbach gekommen, um sich das anzuschauen. "Huch isch der Kocher klein", staunt Steppke Christoph über das Niedrigwasser. Die Wasserknappheit machte auch Rüdiger Arns zu schaffen. Im Wasserkraftwerk Ohrnberg konnte er nur eine der beiden 640 Kilowatt starken Turbinen zu Demonstrationszwecken laufen lassen. Gerade mal ein Kubikmeter pro Sekunde plätscherte aus dem Kanaltunnel. "Des isch nix", schüttelte Arns den Kopf. Bei normalem Wasserstand donnern 15 Kubikmeter Wasser pro Sekunde auf die Laufräder. Im Ohrnberger Wasserkraftwerk veranschaulichte eine informative Ausstellung Energiegewinnung, Energieverbrauch und Energietechnik in der Region. Rüdiger Arns und sein Kollege Peter Bernhard ergänzten dies lebendig mit vielen Details. Die beiden warten derzeit sieben Kraftwerke. Für Ingenieur Johannes Zaum war der Besuch im Kraftwerk eine gute Gelegenheit, erlerntes Fachwissen mit anschaulicher Praxis zu ergänzen.

(aus der Heilbronner Stimme 22.07.2003 )


Pegel bereitet zunehmend Sorgen
Von Manfred Dod

Gewässerwarte und Funktionäre der Fischerei-Hegegemeinschaft Jagst trafen sich in Neudenau zu ihrer ersten Schulung zur Untersuchung der Gewässerstrukturen, dem Feststellen der eigenständigen Vermehrung und den Möglichkeiten zur Erhaltung der Fischbestände.

Die Ergebnisse tendieren, bedingt durch die derzeit niedrigen Pegelstände, zwischen Zufriedenheit und Sorgen. Als sich zur Vorbesprechung die Teilnehmer bei der Schneidmühle um den Sprecher Rolf Grimm, Züttlingen, versammelten, zog, als ungeladener Gast, ein Kormoran über die Häupter der Petrijünger hinweg flussaufwärts. Der fischfressende, pelikanartige Raubvogel, der, gleichwie der Fischreiher, in den letzten Jahren vermehrt an der Jagst aufkam, stellt mit einer der Gefahrenpunkte für den Fischbestand dar.

Das momentane Hauptproblem liegt allerdings an dem durch die Trockenheit dieses Sommers hervorgerufenen abgesunkenen Wasserspiegel. Zur biologischen Untersuchung und Feststellung der Gewässerstrukturen unter der Anleitung des Biologen Dr. Berthold Kappus, Siglingen, wurden in Neudenau drei Einsatzteams gebildet. Unter die Lupe genommen wurden insbesondere die Bereiche an der Fischwassergrenze nahe Siglingen, dem Abschnitt unterhalb der Schneidmühle sowie unterhalb der Jagstbrücke Neudenau. Bewaffnet mit Keschern in verschiedenen Größen, Beobachtungswannen und Eimern, stieg man, mit hohen Gummistiefeln und wasserdichter Hose, in die Jagst. In Augenschein genommen wurde schwerpunktmäßig der Jungfischbestand. Ferner wurden auch die Gewässerstruktur sowie die Fauna inspiziert. An Ort und Stelle sind die wichtigsten Daten in Aufschrieben festgehalten worden. Die Untersuchungsberichte aus den genannten Gebieten wurden anschließend von den Gruppenleitern an der Fischerhütte des Neudenauer Fischereivereines vorgetragen und diskutiert. Als problematisch stellten die sachkundigen Fischer fest, dass infolge des derzeitigen Wassermangels viele Jungfische tot aufgefunden wurden. Zur Zeit beherbergt die Jagst in den Flachwasserzonen insgesamt 14 Fischarten. Das sind in der Hauptsache Döbel, Nase, Schneider, Schmerle, Koppe und Rotaugen, die aus der diesjährigen Vermehrung stammen. Das artenreiche Vorkommen wurde als erfreulich bewertet. Die Untersuchungsergebnisse werden noch eingehend analysiert und dokumentiert. Erst wenn die Fakten sorgsam geprüft und " wasserdicht " seien, könnten die weiteren Schritte zur Abwendung der Problematik eingeleitet werden. In der Zwischenzeit sollten nach Meinung des Neudenauer Fischereivereins-Vorsitzenden Karl Nebenführ, wiederholt Stichproben durchgeführt werden. Bewährt hat sich bisher die gemeinsamen Zielsetzungen innerhalb der Hegegemeinschaft Jagst, in der sich auf der 60 Kilometer langen Flussstrecke von Schöntal bis in den Mündungsbereich Neckar, insgesamt elf Fischereivereine und drei Privatbewirtschafter zusammengefunden haben. Dabei wird eine in 2002 begonnene Kartierung der Jagst ständig den neuesten Erkenntnissen angepasst und fortgeschrieben. Lebhafte, fachlich fundierte Gespräche wurden im kleinen Domizil der Neudenauer Fischer beim Sportgelände nach einem erkenntnisreichen Arbeitseinsatz bei Imbiss und Getränk geführt.

(aus der Heilbronner Stimme 18.07.2003)


Positive Gewässerschau an der Jagst

Hegegemeinschaft Jagst zieht mit Gewässerdirektion Neckar an einem Strang - Frühjahrsputz beendet Der Eindruck über den Naturzustand der Jagst auf der Grundlage von zehn Anlaufpunkten war nach Einschätzung der Sachverständigen insgesamt sehr positiv. Startpunkt der nach einem Zeitplan abgehaltenen Stippvisite im Schnellverfahren war beim Kraftwerk Duttenberg. Von dort ging es flussaufwärts mit Stop an der Kläranlage Herbolzheim. Die weiteren Stationen waren die Schneidmühle Neudenau, die Brücke in Siglingen, das Wehr mit der Fischtreppe in Züttlingen, der Pegelbereich Möckmühl, die Brücke Ruchsen, die Ortsgrenze Widdern sowie die Brücken in Jagsthausen und Bieringen. An den genannten Haltepunkten kam es zu fundierten und lebhaften Gesprächen zwischen den Vertretern der Gewässerdirektion Carsten Scholz und Peter Roth und den Mitgliedern der jeweiligen Fischereivereine. Letztere hatten Gelegenheit, ihre Anregungen vorzutragen und darzulegen, wo der Schuh drückt. Beim Abschlussgespräch in Schöntal wurden detaillierte Ergebnisse ausgewertet und diskutiert. Sowohl positive als auch negative Angelegenheiten hinsichtlich Gewässer-Reinhaltung, Uferbewuchs, Fischbestände mit deren Lebensbedingungen und Laichplätzen, wurden erörtert. Nach Mitteilung von Ernst Nagel der Gewässerdirektion Künzelsau wurden in letzter Zeit im Bereich Schöntal insgesamt 15 Biotope errichtet. Die Fischerei-Hegegemeinschaft Jagst wurde vor einem Jahr gegründet, um die anstehenden Aufgaben rund um die Pflege des Fischbestandes gemeinsam in den Griff zu bekommen. Insgesamt sind elf Vereine auf Initiative von Rolf Grimm, Möckmühl-Züttlingen, zusammengeschlossen. Beteiligt sind im Einzelnen die Hegegemeinschaft Neckar (Bereich 8), der Fischerei- und Sportanglerverein Neckarsulm, der Angelsportverein Möckmühl, der Württembergische Anglerverein Stuttgart, der Hohenloher Fischereiverein Künzelsau sowie die Fischereivereine des Stadtgebietes Neudenau, Ruchsen, Widdern und Jagsthausen. Eine umfassende Hegekonzeption wurde dazu erstellt vom Biologen Dr. Berthold Kappus, Neudenau-Siglingen, der maßgeblich an der Projektgruppe Hohenlohe der Universität Hohenheim zur ökologischen Untersuchung des Jagstgebiets mitwirkte und seine Erfahrungen einbringen konnte.

(aus der Heilbronner Stimme 10.04.2003 )


Stippvisite durch naturbelassene, heile Täler

Expertenrunde nimmt Jagstzuflüsse Sülzbach, Kreßbach und Schefflenz unter die Lupe - Wasser hat unbedenkliche Güteklasse zwei - Zum Treffpunkt auf dem Parkplatz bei der Sporthalle Siglingen trafen zuständige Vertreter der Gewässerdirektion Neckar, des Landratsamtes, des Landwirtschaftsamtes, des Naturschutzbundes, des Wirtschaftskontrolldienstes, der Hegegemeinschaft der örtlichen Fischereivereine und der Jägerschaft ein. Die 20 Personen zählende Delegation begutachtete zunächst den Rückhaltedamm im Sülztal, der im Zusammenhang mit den Hochwasserschutzmaßnahmen eingehend geprüft werden soll. Stets dicht am Bach entlang ging es bei angeregten Diskussionen weiter durch das stille Tal, das durch die Verbindungsstraße von Reichertshausen zum Abschnitt Neudenau-Billigheim in die untere und obere Sülz getrennt wird. Die gesamte Strecke bis zum Einzugsbereich bei Bittelbronn besteht aus einem rund vier Kilometer langen Landschaftsschutzgebiet. Die Experten hoben allgemein den Zustand des Sülzbaches vor allen Dingen wegen der hervorragenden Wasserqualität hervorgehoben. Die wenigen auffallenden negativen Punkte sind laut Waldemar Kalyciok von der Gewässerdirektion Neckar Bereich Besigheim ein nicht genehmigter Fischteich sowie ein bis ans Ufer reichendes Ackerfeld. Die vielen geländebedingten Verdohlungen bilden für die Fische nachteilige Barrieren und sollten möglichst kurz gehalten werden. Diese Ansicht vertrat Harald Scheid vom WKD Heilbronn. Im Mittelteil des idyllischen Tales fiel eine Stelle mit grünen Algen auf, die auf Nitrate aus Düngemitteln zurückzuführen seien. Die Sülz habe jedoch genügend Selbstreinigungskraft, um sich zu regenerieren. Pauschal zielten die Eindrücke mit Blick auf "Natur pur" zum Guten hin ab. Anschließend wurde der rund fünf Kilometer lange Bachlauf Kreßbach, der beim Fichtenhof entspringt und in Herbolzheim in die Jagst mündet, unter die Lupe genommen. Durch das landwirtschaftlich geprägte von Feldern umgebene Hochtal fließt das Gewässer, als Folge der Flurbereinigung, ziemlich gradlinig dahin. Es wies keine Beanstandungen auf. Eine Wunschvorstellung wäre eine Uferbepflanzung mit Bäumen und Sträuchern. Die Gewässerbegehung fand ihre Fortsetzung entlang der Fischwasserzone im fünf Kilometer langen Unterlauf der Schefflenz bis zur Mündung in die Jagst bei Untergriesheim. In einer Zusammenfassung beurteile Frank Hütter vom Umweltschutzamt des Landratsamtes Heilbronn den Zustand aller drei Gewässer insgesamt als optimal. Die Wasserqualität wurde so die der Jagst in die unbedenkliche Güteklasse zwei eingeordnet.

(aus der Heilbronner Stimme 27.03.2003 )


Die Jünger Petris als Hüter der Jagst

Neudenauer Fischereivereine sind in Sachen Umwelt Beispiel gebend: Ökologisches Paket aufgetischt - Mit Argusaugen achten die Jünger Petris, außer dem jährlichen Einsetzen von etlichen Zentnern der verschiedensten Fischarten, insbesondere auch auf Reinhaltung des Gewässers und der Ufer im Sinne der Umweltbestimmungen. Im Frühjahr reinigen sie kontinuierlich die Ufer. Die Angel wird dann, wie jetzt am Wochenende, mit dem Müllsack getauscht. Dr. Berthold Kappus, Siglingen, bezeichnete diesbezüglich die Leistungen der Fischereivereine Neudenau, Herbolzheim und Siglingen, die innerhalb einer Hegegemeinschaft vollbracht werden, als mustergültig. Der von der IHK Region Heilbronn-Franken als Sachverständiger für Gewässerökologie bestellte Diplombiologe schnürte die ehrenamtlichen Aufgaben der Fischereivereine in ein Fünf-Punkte-Paket, das folgenden Inhalt hat: Uferreinigung mit Absammeln und Entsorgen von Müll, Plastik, Flaschen, Reifen und dergleichen, an der gesamten Uferstrecke, im Frühjahr vor der Brutzeit der Vögel. Regelmäßige Säuberung der vom Hochwasser verfüllten Fischtreppe am Stauwehr in Siglingen. Anpflanzen von gelben Teichrose. Die Schwimmblattpflanze kam früher an der Jagst häufig vor. In ihr fanden die Fische gute Laichbedingungen. Seit rund 15 Jahren sind die Bestände stark rückläufig. Bei der Anpflanzung werden die vorkultivierten Wurzelstöcke in Gitterboxen eingebracht und am Gewässergrund fixiert. Einsetzen von seltenen und gefährdeten Fischen im Sülzbach bei Siglingen. Die Kleinfische von fünf bis zehn Zentimetern Länge stammen aus dem Neckar und dienen dem Aufbau eines sich selbstständig vermehrenden Bestands im Jagstzufluss. Springkrautbekämpfung. Jedes Jahr zur Blütezeit werden die fremdländischen Pflanzen des wildwachsenden, so genannten " Impatiens grandiflora", vollständig gerodet. Die Maßnahme dient der Durchlichtung der Ufer für die heimische Flora und Fauna. Reiche Ausbeute an dem von Hochwassern angeschwemmten Unrat sammelten am Wochenende die Mitglieder der Fischereivereine Siglingen und Herbolzheim ein. Die äußeren Bedingungen waren hinsichtlich Witterung und Pegelstand der Jagst ideal. Dem Aufruf von Hans Wadasch waren die in Gummistiefel gekleideten Mitglieder mit allerlei Geräten und Werkzeugen gefolgt. Ortsvorsteher Kurt Herbold gab spezielle Anweisungen zum Einsatz in Einzelgruppen. Zur gleichen Zeit war die Aktion in Herbolzheim unter der Leitung von Eugen Deckert im Gange. Mit 35 Helfern plus zehn Jugendlichen kam auf der fünf Kilometer langen Strecke so viel Unrat zusammen - darunter zwölf Autoreifen - dass er einen Traktoranhänger füllte. Gleich zweimal im Jahr wird die Aktion "saubere Jagst" von den Neudenauern, angeführt von Karl Nebenführ, gestartet. Sie waren bereits in der Vorwoche im Bereich ihrer Fischwasserzone im Einsatz. Vor der Entsorgung landet der Müll auf dem städtischen Bauhof.

(aus der Heilbronner Stimme 04.03.2003 )


Bestand an Fischen nimmt stetig ab

Volkszählung im Wasser: Fischhegegemeinschaft hat die Jagst untersucht - Kormoran wird zur Gefahr - Elf Fischereivereine und drei Privatbewirtschafter haben sich zur FHG zusammengeschlossen und im Sommer den Flussverlauf zwischen Schöntal-Westernhausen und Neckarsulm genau untersucht. Überall wurden Wassertiefen und Gewässerbeschaffenheit vermessen, der Fischbestand geschätzt. Fast 1600 Arbeitsstunden haben die Vereine ehrenamtlich investiert. Grimm: "So genau wurde in Baden-Württemberg noch kein Fluss unter die Lupe genommen." Erstes Ergebnis: Mit 27 Spezies ist der Fischbestand noch immer artenreich, aber rückläufig. Die Nase, zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts noch der häufigste Fisch, ist nur noch einer von vielen. Mit 42 Prozent ist jetzt der Schneider die dominierende Art, obwohl er bundesweit als stark gefährdet gilt. "Karpfen, Aale, Schleien und Regenbogenforellen sind dagegen nur noch durch regelmäßigen Besatz zu halten", sagt Diplombiologe Berthold Kappus. Dafür gibt es einige Neuzugänge: Giebel, Sonnenbarsch und Zander, die eigentlich standortfremd sind. Und vom Wels wurden bei der Zählung im Sommer bereits Jungtiere entdeckt. Nun bedroht der Raubfisch einheimische Arten. Auch ein anderer Neuling bereitet der FHG Kopfzerbrechen. Der Kormoran, ein kräftiger, schwarzer Vogel von knapp 90 Zentimetern Länge, wird seit 1996 immer häufiger an der Jagst gesichtet. Aus Holland oder Skandinavien fallen die Zugvögel im Winter ein. "Mit Heißhunger ", sagt Grimm. 150 Kilo Fisch benötigt ein Kormoran pro Jahr, doch weil die Vögel oft in größeren Trupps jagen, fallen ihnen weit mehr Tiere zum Opfer. "Die greifen alles an, was schwimmt." Der Fischbestand in der Jagst hat sich in den vergangenen sieben Jahren mehr als halbiert, eine Erholung ist nicht in Sicht. "Uns fehlen besonders die Laichfische." Dafür sind auch Bausünden der 60er und 70er Jahre verantwortlich. Der Flussverlauf wurde begradigt, fast überall Wehre errichtet. 34 sind es insgesamt. "Nur zwei davon sind für Fische passierbar", sagt Kappus, "die anderen bilden zumindest teilweise Wanderbarrieren. " Die Uferböschungen sind mit Steinen gefüllt. "Weil das schöner aussieht." Den Fischen geht dadurch aber ihre Kinderstube verloren. "Wir hatten früher viele Auenstrukturen mit hoher Wertigkeit. Die fehlen mittlerweile fast vollständig." Wo einst flache, auslaufende Ufer waren, sind die Böschungen heute fast vier Meter hoch. Zum Beispiel in Züttlingen. Bei Möckmühl war die Jagst früher fünf Meter tief, jetzt ist es im Sommer oft nicht mal mehr ein halber Meter. "Zwischen Berlichingen und Westernhausen", sagt Kurt Metzger vom Hohenloher Fischereiverein, "ist eine ehemalige Tiefwasserstrecke immer mehr verlandet." Der Grundwasserspiegel ist in den zurückliegenden Jahrzehnten um anderthalb Meter gesunken. Der Fluss fließt schneller, die Zahl der Wasserpflanzen sinkt stetig. Und wieder verlieren die Laichfische wertvolle Rückzugsbereiche.

(aus der Heilbronner Stimme 19.12.2002 )


Fischereirechte gehen an Hegegemeinschaft

Neudenauer schätzen die verantwortungsvollen Fischer - Bürgermeister Manfred Hebeiß brachte es auf den Punkt: "Wir sind froh und glücklich darüber, dass wir in der Stadt eine derart gut funktionierende Hegegemeinschaft haben, die seit vielen Jahren die Ausübung der Fischereirechte verantwortungsbewusst und mit hohem Einsatz für die Umwelt und der Natur ausübt." Dieser Meinung schlossen sich die Mitglieder des Gemeinderats an und vergaben die Fischereirechte an die Antragsteller. Die Hegegemeinschaft muss dafür eine jährliche Pacht von 1550 Euro an die Stadtkasse bezahlen. Sie bekommt aber dafür als Gegenleistung 40 Hektar Fischereigewässer, die wohl zu den schönsten Fluss- und Landschaftsteilen im Landkreis zu zählen sind. Von oberhalb Siglingen bis zur Mündung der Schefflenz in die Jagst vor Untergriesheim und ein Abschnitt der Schefflenz gehören zum Verpachtungsgebiet. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat die Anzahl der auszugebenden Fischkarten auf 200 begrenzt, welche den angestrebten fünf Karten pro Hektar entsprechen. Die drei in der Hegegemeinschaft zusammengeschlossenen Fischereivereine Siglingen, Neudenau und Herbolzheim, teilen sich diese Gewässer intern auf.

(aus der Heilbronner Stimme 31.10.2002 )


Petrijünger wollen ihre Arbeit und Interessen besser koordinieren

Grundsteinlegung für die Einrichtung einer "Hegegemeinschaft Kocher" - Sondierungsgespräche der Fischereiberechtigten auf der Seeanlage in Stein - Naturnahen Zustand anstreben - Einer konspirativen Veranstaltung gleich sah man neulich Einzelpersonen und verschiedene Grüppchen bei einbrechender Dunkelheit dem Fischerheim auf der Seeanlage in Stein zustreben. Bereichsleiter Wolfgang Sitter vom Verband für Fischerei und Gewässerschutz in Baden-Württemberg hatte die Vorstände der am Kocher fischereiberechtigten Vereine zu einer Beratung zusammengerufen. Thema des Abends war die Einrichtung eines Zusammenschlusses möglichst aller Kocherangler. Die fischereiliche Bewirtschaftung der Fließgewässer ist heute mehr denn je vielen Problemen ausgesetzt, denen der einzelne Verein meist chancenlos gegenübersteht. "Wichtiger als jede Besatzmaßnahme ist die Verbesserung der Lebensvoraussetzungen für unsere heimischen Fischarten", so Sitter. Doch nicht nur eine Rückführung der Flusssohle und der Uferstrukturen in einen naturnahen, für Wanderfischarten durchgängigen Zustand ist das Gebot der Stunde, schwer zu schaffen macht den Fischern auch die sich durch starke Zuwächse auszeichnenden Fressfeinde wie Wels und Kormoran. Guter Rat (von Biologen) ist hier oft nicht billig. Nur eine große Gemeinschaft mit gleichen Aufgabenstellungen kann mit gezieltem Einsatz der Wissenschaftler und fachlichem Erfahrungsaustausch untereinander Probleme wirkungsvoller ausräumen. "Wer soll denn diese zusätzlichen Koordinationsaufgaben noch übernehmen. Wir haben kaum noch Zeit, unsere vereinsinternen Aktivitäten erfolgreich zu bewältigen" , gab Manfred Dörfler zu bedenken. Er ist Gewässerwart des Fischereivereins Lauffen für eine Kocherstrecke in Weissach verantwortlich. Auch Gastgeber Klaus Lohmann, Vorsitzender des Fischereivereins Heilbronn, hält die Einrichtung eines losen Zusammenschlusses zur Bündelung der fischereilichen Kräfte für die Aufarbeitung gemeinsamer Schwierigkeiten vor allem bei der Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen nach Schadstoffeinleitungen und der Planung von Aufstiegshilfen für Fische für sinnvoll, will jedoch noch intern mit seinem Gremium beraten. Kurt Metzger, Vorsitzender des Hohenloher Fischereivereins Künzelsau hat aus Erfahrungen mit der bereits installierten "Hegegemeinschaft Jagst" die Mitarbeit seines Vereins spontan zugesagt. (red)

(aus der Heilbronner Stimme 19.07.2002 )


Schutz für 30 heimische Fischarten

Zehn Vereine und zwei private Bewirtschafter gründeten die Fischerei-Hegegemeinschaft Jagst - Rolf Grimm und Rudolf Oribold, die Sprecher der " Fischerei-Hegegemeinschaft Jagst" betonten, dass mit dem Zusammenschluss offiziell vollzogen wurde, was seit Jahren bereits in lockerem Stil und loser Verbindung praktiziert wurde. Ausgangspunkt der Zusammenarbeit waren die zahlreichen, bislang immer noch ungelösten Probleme, die in den letzten Jahren auf die Fischerei zukamen. Das neue Führungsduo führte hier insbesondere den Fischrückgang und das vermehrte Auftreten des Kormoran an. Unter Mitwirkung des Bad Friedrichshaller Rechtsanwaltes Thomas Leist wurde nach langer Vorbereitung und umfangreichen, sachlichen Diskussionen eine Satzung ausgearbeitet und beschlossen. Alle Vereinsvorstände und die Privatleute sind in dem gebildeten Ausschuss vertreten, aus dessen Mitte Rolf Grimm vom Fischereiverein Neckarsulm und Rudolf Oribold vom ASV Möckmühl als Sprecher gewählt wurden. Karl-Heinz Walch vom FV Widdern wurde Schriftführer, an ihre Seite bekamen die Fischer eine anerkannte Persönlichkeit gestellt. Der Gewässerbiologe Dr. Berthold Kappus wurde zur fachlichen Unterstützung der Hegegemeinschaft zum Sachverständigen benannt. Mit ihrem Zusammenschluss, der allerdings die Eigenständigkeit der Vereine nicht beeinträchtigen soll, haben sich alle fischereilichen Bewirtschafter von Schöntal im Hohenlohekreis bis an die Jagstmündung bei Bad Friedrichshall darauf geeinigt, Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung des Fischbestandes in ihren Gewässerabschnitten zu planen, zu koordinieren und gemeinsam umzusetzen. Insbesondere sollen die heimischen Fischarten, laut Berthold Kappus sind es 30 an der Zahl, gehegt und gepflegt werden. Zur Hege und Pflege gehört natürlich auch der gesamte 55 Kilometer lange Flusslauf mit rund 110 Hektar Wasserfläche. Es ist vorgesehen, im Laufe des Jahres einen Hegeplan zu erstellen, der von der Fischereibehörde im Regierungspräsidium unterstützt wird. Dieser Hegeplan soll im Laufe der Erarbeitung mit den Trägern öffentlicher Belange abgestimmt werden. Arbeitsschwerpunkte sind im laufenden Jahr die Erfassung der Fischarten in ausgewählten Abschnitten, die Analyse der Fänge und Besätze sowie die Situation der Laichgründe, die Renaturierung der Gewässer, die Verbesserung der Durchgängigkeit, also die Durchwanderbarkeit der Querbauwerke, sowie die gemeinsame Ausbildung der Gewässerwarte. Oberstes Ziel, da sind sich trotz des Ärgers mit dem Kormoran alle einig, ist der Schutz und die Pflege der Natur im und am Wasser, das Karl-Heinz Walch "unser höchstes Gut" nennt.

(aus der Heilbronner Stimme 06.04.2002 )


Die Jagende ist längst gezähmt
Von Berthold Kappus und Helmut Schwab

Die Jagende - so ist das keltische Wort "Jages" wohl am besten zu übersetzen. Es unterstreicht die einstige Bedeutung der Jagst für die örtliche Bevölkerung. Alljährliche Hochwasser mit reisenden Fluten waren Kennzeichen des ursprünglichen Flusses, der vor vielen Millionen Jahren noch - zusammen mit dem Kocher _ zur Donau hin floss. Doch diese Zeiten sind lange vorüber und unzählige Aufstauungen - meist zur Energiegewinnung - haben die Jagende längst gebändigt. Im Mittel- und Unterlauf der Jagst haben Kartierungen der Stau auf halber Länge Projektgruppe Kulturlandschaft Hohenlohe ergeben, dass auf 115 Flusskilometer insgesamt 34 Querbauwerke vorkommen. Durchschnittlich befindet sich also alle 3,3 Kilometer ein Aufstau. Zumeist wird heute Wasserkraft betrieben. Nimmt man an, dass ein Wehrbauwerk eine mittleren Fallhöhe von 1,5 Meter hat und dass es den Fluss auf rund 1,6 Kilometer Länge einstaut, so beträgt der Rückstau die von den gesamten Anlagen an der Jagst ausgehen rund 60 Kilometern. Es verbleiben damit insgesamt nur noch die Hälfte der frei fließenden Strecken. Die Folgen dieser Aufstauung sind fatal: Im Oberwasser der Stauanlagen ist der Gewässergrund aufgrund der verringerten und gleichmäßigen Fließgeschwindigkeit schlammig oder auch sandig. Dies hat ganz andere Lebensbedingungen zur Folge und die typischen Fließwasserorganismen wie Fische und Wirbellose finden hier keine geeigneten Lebensbedingungen mehr. Stillwasserarten und Arten, die sehr unterschiedliche Faktoren aushalten können, bestimmen die Lebensgemeinschaften. Hochwasser waren und sind heute noch ein wichtiges Thema. Die Fluten der "Jagenden" zu bändigen wurde bereits in den 50-er Jahren versucht: mit dem Bau zahlreicher Rückhaltebecken im Dauerstau. Die Erfolge waren bescheiden, wie die jüngsten Jahrhundert-Ereignisse 1993 und 1993 eindrucksvoll zeigten. Mit der Zurückhaltung des Wassers bleibt aber auch die Dynamik von Ufer und Sohle des Flusses auf der Strecke. Die Abflussspitzen kommen und gehen schneller. Zeiten mit sehr geringen Abflüssen mehren sich. Die Ursachen sind hierfür sehr Wasserhaushalt verändert verschieden. Sie sind unter anderem neben den Dauerstaubecken auch in der Dränierung der Landschaft zu sehen. Der Landschaftswasserhaushalt ist verändert. Im Rahmen eines Beispielsprojekts am Erlenbach werden seitens der Projektgruppe Kulturlandschaft Hohenlohe, in Zusammenarbeit mit der Wasserwirtschaft und lokalen Akteuren, die gleichberechtigten Ziele des Hochwasserschutzes und der naturnahen Gewässerentwicklung verfolgt und konkrete Handlungsempfehlungen gegeben. Der Forschungsverbund leistet, so die Aussagen der örtlichen Bürgermeister und Fachbehörden, hierbei wertvolle Arbeit, was vor allem die Berücksichtigung der Anliegen der lokalen Akteure betrifft. Exkursion am Erlenbach in Bieringen _ hier sollen Hochwasserschutz und naturnahe Gewässerentwicklung an der Jagst miteinander in Einklang gebracht werden.

(aus der Heilbronner Stimme 14.08.2001)


Eine tierische Vielfalt herrscht an der Jagst
Von Berthold Kappus

Der Reichtum und die Fülle an Arten sind nicht nur im tropischen Urwald hoch. Auch im Jagsttal finden sich unzählige Arten von Pflanzen und Tieren. Zu Wasser wie zu Land sind zahlreiche Biotope entstanden, als Folge der jahrhundertelangen kulturellen Aktivitäten des Menschen. Diese beherbergen spezielle, an die Nutzung angepasste Organismen. Die Vielfalt des Jagsttales spiegelt sich nicht in den ausgeräumten Hochflächen wider, sondern eher in den Tallagen, vor allem jedoch in den Steilflächen. Diese Muschelkalkhänge sind auf ihrer Südseite sonnenbegünstigt. Deshalb konnten sich dort sehr artenreiche Tiergemeinschaften an den Übergängen von Äckern, versaumten Wiesen und angrenzenden Gebüschen oder Niederwald etablieren. Verschieden bewirtschaftete Flurstücke führen auch immer zu einer Änderung der Vegetation, so dass sich ein Mosaik aus genutzten Fluren sowie sich selbst überlassenen Partien entwickelte. Einige sind dem sogenannten "Prozessschutz" überlassen, das heißt, sie unterliegen keiner Pflege oder Nutzung. Diejenigen Standorte, die an Nährstoffen ausgemagert sind, beherbergen eine Vielzahl an gefährdeten Tagfaltern, Widderchen, Heuschrecken oder auch Vögel, so zum Beispiel im Rötelbachtal bei Mulfingen oder in anderen Seitentälern der Jagst. Vielerorts sind im Übergangsstadium von Grünland zu Hecken und Wald dornige Büsche ausgebildet, die Schmetterlinge wie den seltenen Schlehenzipfelfalter, beherbergen. Aber auch im feuchten oder nassen Bereich des Jagsttales ist die Vielfalt über die Region Hohenlohe hinaus gar auf Landes- und Bundesebene bemerkenswert. Die Vielfalt an seltenen Wasserinsekten wie Käfern, Libellen, Eintagsfliegen oder Fische (wie der "Schneider"), um nur einige zu nennen, sind aus Sicht des Arten- und Biotopschutzes unbedingt erhaltens- und schützenswert. Die Flusslibellen der Jagst zum Beispiel, bestehen aus teilweise sehr großen Populationen von Prachtlibellen oder Keiljungfern, die ihresgleichen suchen. Da sich viele Tierarten durch die Nutzung der Landschaft im Laufe der Zeit etabliert haben, gilt es, die Artenvielfalt durch entsprechende Nutzungskonzepte zu erhalten und weiter zu entwickeln. Die Projektgruppe Kulturlandschaft Hohenlohe verfolgt dieses Ziel unter anderem im Rötelbachtal wo, zusammen mit Landwirten und Amts- und Kommunalvertretern, Varianten der künftigen Landnutzung im Rahmen einer Szenariostudie erarbeitet werden. Weitere Schwerpunkte liegen in der naturnahen Entwicklung der Gewässer zur Verbesserung der Biotopvielfalt. Eine bemerkenswerte Vielfalt findet man entlang der Jagst und ihrer Seitentäler in Hohenlohe. Zum Beispiel auch den "Schneider". (Foto: privat)

(aus der Heilbronner Stimme 7.08.2001)


Fische brauchen ihre Ruhezonen und Rampen

Als mögliche Ursachen für die Veränderung des Tierbestands in der Jagst gelten Wehre, Bootsverkehr, Phosphate oder Kormorane - Die noch laufende Untersuchung des Verbands macht die vielen Wehre in der Jagst für die Veränderung des Fischbestands verantwortlich (siehe nebenstehenden Kasten). Ob das der Hauptgrund ist? Die Meinungen gehen auseinander. Der Vorsitzende des Fischereivereins Dörzbach glaubt eher an ein Zusammenwirken verschiedener Ursachen. " Die Wehre gab es vor 20 Jahren auch schon", gibt Markus Rettich zu Bedenken. "Vielleicht waren sie früher durchlässiger." Ein weiterer möglicher Grund: Zwischen Dörzbach und Klepsau sei der Wasserspiegel durch die Uferbegradigung viel niedriger geworden. Fest steht für den Fischer, dass die Vielfalt rapide abgenommen hat. Vor zehn Jahren habe es noch viel mehr Barben und Nasen gegeben. "Die findet man heute kaum mehr." Dafür sehe man viele Raubfische und den Kormoran: "Die räumen auf." Eine Rolle könnte auch der starke Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft spielen, spekuliert Rettich. Er will sich nicht festlegen: "Ich bin kein Wissenschaftler. Aber sicher ist, dass es nicht an der Wasserqualität liegt. Die ist einwandfrei." Ähnlicher Meinung ist der Vorsitzende des Künzelsauer Fischereivereins: "Wir können die Gründe nicht eindeutig ausmachen", sagt Kurt Metzger. Eine weitere mögliche Ursache sei der Bootsverkehr. Der Vorsitzende des Fischereivereins Mulfingen hat die gleichen Beobachtungen an der Jagst gemacht: "Die Vielfalt ist zwar noch vorhanden, aber insgesamt hat der Bestand abgenommen." Martin Beck sieht im Kormoran ebenfalls einen großen Feind der Artenvielfalt: "Der Kormoranbestand müßte besser reguliert werden. " Der Fischer plädiert außerdem für den verstärkten Einbau von Ruhezonen und Fischpässen. "Interessant wäre der Versuch, den Lachs in der Jagst wieder anzusiedeln." Das Problem ist nicht neu. Kurt Metzger, kann etliche Maßnahmen aufzählen, die schon vor längerer Zeit in die Tat umgesetzt wurden - und Erfolge zeigen: das Anlegen von Biotopen, der Bau von Fischtreppen, Umgehungsrinnen und so genannten rauen Rampen, wodurch die Tiere Querverbauungen passieren können. "Es tut sich ständig was, und es gibt viele Möglichkeiten der Renaturierung", meint der Vorsitzende optimistisch. "Das erfordert Geduld und ist einfach auch eine Kostenfrage." Ernst Nagel von der Gewässerdirektion Neckar, Bereich Künzelsau, die für die Planung der Maßnahmen zuständig ist, bestätigt: "Im vergangenen Jahrzehnt wurde viel für die ökologische Aufwertung der Jagst getan. " Eine konkrete Maßnahme steht dieses oder spätestens nächstes Jahr noch an: Oberhalb von Ebersbach soll am linken Jagstufer ein kleines Biotop angelegt werden. Die Bestandsaufnahme der Wehre am Kocher hat der Landesverband noch nicht vollständig vorliegen. Kurt Metzger schätzt die Situation aber viel kritischer ein als an der Jagst. "Der Kocher ist so stark kanalisiert, dass fast keine Möglichkeiten der Renaturierung bleiben. "

(aus der Heilbronner Stimme 28.05.2001)


Laichplätze nur schwer erreichbar

Studie auf Messe vorgestellt - Fische kommen in Baden-Württemberg immer schlechter zu ihren Laichplätzen in den Oberläufen der Gewässer. Allein in der etwa 190 Kilometer langen Jagst gibt es einer neuen Studie zufolge im Schnitt alle drei Kilometer ein Hindernis. Darauf wies der Präsident des Verbands für Fischerei und Gewässerschutz Baden-Württemberg (VFG), Karl Göbel, auf der Anglermesse in Stuttgart hin. Die langsamere Fließgeschwindigkeit wegen der Wehre, Schwellen oder Rampen hat nach den Worten des VFG-Geschäftsführers Michael Schramm mehrere negative Folgen: Der Gewässergrund verschlamme, Kieslaichplätze gingen verloren, die Flüsse erwärmten sich und verlören Sauerstoff, und es gebe kaum noch Unterstände für die Fische. Der Weg in Richtung Meer wird den Fischen zudem durch zahlreiche Wasserkraftanlagen erschwert. Die Verluste auf Grund der Turbinen betragen nach Angaben des Verbandes je nach Fischart zwischen 17 und teilweise sogar 35 Prozent. Verbandspräsident Göbel zeigte sich besorgt über die zahlreichen neu entstehenden Kleinkraftwerke: "Die Fischerei kann sich daher nicht ganz aus der Energiepolitik heraushalten", forderte er deshalb. (lsw)

(aus der Heilbronner Stimme 09.04.2001)


Jagst-Fischer fürchten um ihre Rechte

Interessanter Vortrag auf der Vorständetagung des Verbandes für Fischerei und Gewässerschutz - Ihre zentrale Frage heißt: Was bedeutet die Ausweisung eines Natura-2000-Gebietes für die Fischerei an der Jagst? Auf der Vorständetagung des Verbandes für Fischerei und Gewässerschutz wurde diesbezüglich eine Standortbestimmung vorgenommen. Dr. Jürgen Marx von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (LFU) berichtete als Referent über das europäische Naturschutzprogramm. Große Betriebsamkeit herrsche zur Zeit bei den Naturschutzbehörden Deutschlands, sagte er. Dort gilt es nach mehrjähriger Terminüberschreitung Gebiete der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien (FFH) an die EU zu melden. Der Bundesrepublik Deutschland drohen Versäumnisstrafen bis zu 1,5 Millionen Mark pro Tag seit Abgabetermin. Die Bezirksstellen für Naturschutz und Landschaftspflege haben nach fieberhafter Arbeit ihre Vorschläge für die Festlegung der FFH-Gebiete getroffen. Es sind dies in erster Linie um einen gewissen Bereich erweiterte Naturschutzgebiete und Flusstäler. Das Jagsttal wird mit Sicherheit als Gebiet mit höchster Priorität in dieser Vorschlagsliste eingeordnet werden. Die Kabinettsvorlage war für Januar 2000 vorgesehen, damit das Ministerium Ländlicher Raum die Entscheidung mit den Kreisen und Gemeinden erörtern kann. Nach Mitteilung des Ministeriums soll die Fischerei künftig in solchen Gebieten weiter betrieben werden, wo die Erhaltungsziele des Natura-2000-Gebietes nicht beeinträchtigt werden. Genau hier gilt es jedoch aus Sicht der Jagst-Fischer aufzumerken. Fischereiverbandspräsident Karl Göbel sprach sich entschieden gegen zukünftige lokale Novellierungen im Zusammenhang mit FFH-Neuausweisungen aus, die eine landwirtschaftliche Nutzung, Jagd und Fischerei verbieten und dadurch Menschen von der nachhaltigen Nutzung der Natur abschneiden. Für die Renaturierung der Fließgewässer erwartet sich der Fischereiverband eine Argumentationshilfe von den FFH-Richtlinien.

(aus der Heilbronner Stimme 21.02.2000)


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